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Galerie: Erster Test Porsche Macan

Erster Test: Porsche Macan

Macan fast alles mit ihm machen

13.02.2014

Porsche setzt seinen Höhenflug unvermindert fort, denn nach dem Absatzrekord von 2013 ist wohl für 2014 die nächste Bestmarke zu erwarten. Erheblichen Anteil daran wird der neue Macan haben, den Porsche-Chef Matthias Müller als „das richtige Auto, zur richtigen Zeit“ in seiner Begrüßungsrede zur offiziellen Presse-Fahrpräsentation in Leipzig lobte. Und wahrlich: Der Macan hat sowohl das Können als auch die Aura, alte Freunde der Marke zu begeistern und viele neue zu gewinnen. Ganz besonders übrigens Frauen, wie man bei Porsche zu glauben meint.

Allein optisch scheint der Siegeszug des Macan vorprogrammiert. Infiniti hat bereits vor Jahren in überzeugender Weise gezeigt, wie man das SUV-Thema mit Coupé-Elementen emotionalisieren kann. Doch der Macan gibt sich noch dramatischer, noch knackiger proportioniert und zudem sehr Porsche-esk. Mit dem Charme einer rustikalen Landpomeranze, den noch die erste Cayenne-Generation versprühte, hat das nichts mehr zu tun. Die nach hinten stark abfallende Dachlinie, die ausgeprägten Porsche-Schultern im Heck, die seitlich übergreifende Motorhaube sind sehr gelungene Feinheiten. Darüber hinaus vermittelt die stimmige Erscheinung optisch auch die vielen Seelen, die in ihm stecken, denn der Macan ist Komfortkombi, Geländegänger und Sportwagen in einem.

Brutale 400 PS

Galerie: Erster Test Porsche MacanVor allem mit letzterer Eigenschaft vermag der Macan Eindruck schinden. Längsdynamischer Höhepunkt ist der Turbo, die vorläufig stärkste von drei Motorisierungen: Aberwitzige 400 PS produziert der 3,6-Liter-V6-Biturbo und setzt damit ein sattes Ausrufezeichen. Der grundsätzlich nur mit dem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe PDK verfügbare Macan ist unter anderem mit einer Launch Control gesegnet (sofern man für knapp über 1.000 Euro das Sport Chrono Paket geordert hat), mit deren Hilfe man den Wagen im per Knopfdruck aktivierbaren Sport-Plus-Modus beim Sprint sozusagen vorspannen kann. Der Clou: Während der linke Fuß auf die Bremse tritt, gibt der rechte Vollgas. Das Auto steht still und die Drehzahlnadel pendelt um 5.000 Touren und kündet der sprotzelnde V6 von wildem Furor, der beim Lösen der Bremse einen ungewöhnlich harten Schlag ins Kreuz provoziert.

Stürmisch wie ein Taifun knallt der 1,9-Tonner aus dem Startblock, marschiert ohne ein Scharren oder Wimmern der Riesen-Räder mit atemberaubendem Vorwärtsdrang und mit unmerklich schnellen Schaltvorgängen auf die 100 km/h zu. Wer zunächst noch Zweifel an den irritierend kurzweiligen 4,6 Sekunden hegte, dem werden eben jene Zweifel mit brutaler Macht aus den Gehirnwindungen getrieben. Und es geht immer weiter. Mühelos lässt sich das wilde Tier weit jenseits der 200 km/h treiben. Verblüffende 266 km/h sind möglich, wenn auch nicht wirklich erstrebenswert. Denn jenseits der 200 km/h kommt etwas Unruhe in den Geradeauslauf, der Vorderwagen des Macan wird spürbar leichter und der Konzentrationsbedarf wächst. Reinrassige Sportwagen fahren sich entspannter auf dem Weg in Richtung Topspeed. Aber auch der Blick auf die Verbrauchsanzeige könnte Hochgeschwindigkeitsaspiranten stressen: Die angegebenen neun Liter Normverbrauch des Turbo lassen sich leichthin verdoppeln oder gar verdreifachen.

5,5 Liter Verbrauch

Galerie: Erster Test Porsche MacanSo kann man den Macan fahren, muss man aber nicht. Szenenwechsel: Wir begeben uns im Diesel auf eine Überlandtour rund um Leipzig. Und dieser Antrieb ist aus ganz anderem Holz geschnitzt, was schon zahlenmäßig deutlich wird: Der Dreiliter-V6 von Audi bescheidet sich mit 258 PS, bei allerdings stolzen 580 Newtonmeter Drehmoment. Im Vergleich zum Turbo fährt sich der Diesel entsprechend zahmer, was auch akustisch so rüber kommt, denn im Vergleich zum vielschichtigen Machosound des Turbos ist das irgendwie unkultivierte Dieselgeschrammel eine Enttäuschung. Langsam ist der Selbstzünder aber keineswegs: Mit 6,3 Sekunden beim Sprint und 230 km/h Höchstgeschwindigkeit kann man deutlich flotter unterwegs sein, als im Straßenverkehr eigentlich angebracht.

Wir versuchen es deshalb auf die geruhsame Art, bei dem der raue Lauf des Selbstzünders zwar etwas stört, akustisch aber nie zu aufdringlich wird. Immerhin bleibt das Ticken der zentral auf dem Armaturenbrett montierten Analoguhr im Stadtverkehr stets gut hörbar. Das Verblüffende beim entspannten Dahingleiten im spiegelglatten Leipziger Umland: Unser Verbrauch lag bei erstaunlichen 5,5 Litern und damit deutlich unterm Normverbrauch, der laut Porsche bei 6,1 bis 6,3 Litern liegen soll.

Ein feiner Sportwagen …

Ja, auch so kann man einen Macan fahren. Man kann ihn allerdings auch ganz anders einsetzen, nämlich auf der Rennstrecke - hart, materialmordend. Also erneuter Szenenwechsel. Diesmal sind wir auf dem werkseigenen Porsche-Motodrom, auf dem sich der Turbo in höchst eindrucksvoller Weise als echter Porsche geriert. Hohe Präzision, klare Rückmeldung, ein drehfreudiger und stets druckvoller Motor, ein superfeines Handling und eine geringe Wankneigung – für ein SUV sind das mehr als verblüffende Eigenschaften und der Macan darf für sich zweifelsohne beanspruchen, der sportlichste Vertreter seiner Gattung zu sein. Was Freunde der Porsche-Philosophie ganz besonders beeindrucken dürfte: Der Allradler Macan lässt sich ins Übersteuern bringen, denn im Sport-Plus-Modus ist das ESP ziemlich tolerant und sorgt das Hang-on-Allradsystem für eine zudem hecklastige Kraftverteilung. Da kann sogar ein bisschen Elfer-Feeling aufkommen.

… der auch als Geländewagen taugt …

Galerie: Erster Test Porsche MacanNochmals Szenenwechsel: Wir setzen uns wieder in den Macan Diesel und gehen diesmal auf Abenteuertour in den angrenzenden, ebenfalls zum Werksgelände gehörenden Offroad-Parcours. Mit Luftfahrwerk und All-Season-Reifen gerüstet, zeigt der Macan noch ein ganz anderes Talent, denn wohl kein anderer Sportwagen ist zugleich in der Lage, anspruchsvollere Touren durch kniehohe Pfützen oder über atemberaubend steile Hänge zu meistern. G-Klasse oder Discovery spielen in einer anderen Kraxel-Liga, wohl wahr. Doch 23 Zentimeter Bodenfreiheit und eine grobe Unebenheiten halbwegs tolerant verdauende Luftfederung sorgen im Zusammenspiel mit einer fein austarierten Regelelektronik für eine respektable Schlammloch-Egalisierungskompetenz. Geländefahrten im Macan? Kann man machen, muss man aber nicht.

… oder als Familienauto

Galerie: Erster Test Porsche MacanUnd wird man wohl auch nicht, denn trotz dieser Kompetenz werden die Macan-Besitzer ihr feines Schmuckstück wohl nur in Ausnahmefällen derartiger Unbill aussetzen. Als praktisches Familienauto für Leute, die etwas über den Dingen sein wollen, dürfte er vor allem begehrlich sein. Die gehobene Sitzposition, das gehobene Prestige, die gehobene Leistung – seine Insassen wollen sich vor allem damit schmücken. Wie man übrigens bei Porsche meint, in verstärkter Weise die Frauen, denn während der Porsche-Kauf bislang fast ausschließlich Männersache war, soll der Macan vergleichsweise viele Damen in seinen Bann ziehen können.

Praktisch genug ist der 4,70 Meter lange Allradler in jedem Fall. Vorne und hinten sitzt man komfortabel und kommen lediglich größer gewachsene Fondgäste dem Dachhimmel mit dem Haupte etwas nah. Der Kofferraum schluckt 500 Liter und lässt sich mit wenigen Handgriffen auf 1.500 Liter erweitern. Schade: Eine Fernentriegelung der Rückbanklehne ist nicht möglich und muss man zum Umlegen jeweils die direkt in die Lehne integrierten Hebel betätigen.

Ein echter Porsche zu echten Porsche-Preisen

Galerie: Erster Test Porsche MacanAnsonsten präsentiert sich der fein möblierte Innenraum wie ein echter Porsche mit einem entsprechend hohen Qualitätsniveau. Obwohl der Macan vom Audi Q5 abgeleitet wurde, finden sich hier keine vom Ingolstädter SUV her bekannten Gleichteile. Zumindest keine sichtbaren. Selbstverständlich haben Macan als auch Q5 zum Beispiel die gleichen Fensterhebermotoren, der Hebel zum Aktivieren selbiger ist im Macan allerdings ein Porsche-Original. Ansonsten kann man den Macan mit viel Technik-Firlefanz zu einer sehr luxuriösen Nobelhütte ausbauen. Wie es sich gehört, bietet die Ausstattungsliste einen gewaltigen Wust an Nettigkeiten. Verzichten muss man also nicht, höchstens auf anderes, denn der Macan könnte so manches Budget überstrapazieren.

Los geht es mit dem bereits gut bestückten Diesel für rund 58.000 Euro. Exakt den gleichen Preis verlangt Porsche für den Macan S, den ein 3,0-Liter-V6-Benziner mit 340 PS schon recht forsch vorantreiben kann. Richtig happig wird es allerdings beim Turbo, für den 80.000 Euro fällig werden, der aber neben seiner grandiosen Performance außerdem noch eine eindrucksvoll umfangreiche Serienausstattung bietet. Wer will, kann die 100.000-Euro-Marke zwar knacken, doch bekommt man schon für rund 90.000 Euro einen nahezu voll ausgestatteten, sehr sportlichen als auch luxuriösen Alleskönner, auf dem nicht nur Porsche steht, sondern der sich auch wie ein Porsche fährt. Und das war schon immer teurer als bei der Konkurrenz.

 
Fazit

Mario Hommen

Knallharter Sportwagen, rustikaler Geländegänger oder sparsames Familien- und Luxusgefährt– der Porsche Macan kann alles und er kann in allem überzeugen. Hut ab. Teuer und durstig kann er allerdings auch sein, doch das ist bei einem Porsche ja nicht anders zu erwarten. Immerhin gibt es den Macan auch als Diesel, mit einem nicht ganz so unverschämten Basispreis und einem moderaten Spritverbrauch, sofern es der Fahrer darauf anlegt. Der Macan bietet eigentlich für jeden etwas.

Insofern braucht man wohl wenig Zweifel daran haben, dass das SUV-Modell sich prächtig verkaufen wird. Mit seinen vielen Eigenschaften, der gelungenen Optik und dem hohen Prestige wird die nunmehr siebte Porsche-Baureihe den Wachstumskurs der Zuffenhausener auf neue Sphären treiben.
 
 

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