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Galerie: Erster Test Porsche Panamera Diesel

Erster Test: Porsche Panamera Diesel

Flink, sparsam und nötig

21.07.2011

Dass Porsche und Diesel in unterschiedlichen Welten zu Hause seien, hat seinerzeit wohl nur Ex-Vorstandschef Wendelin Wiedeking geglaubt. Jetzt  bringt die Zuffenhausener Sportwagenschmiede ihr zweites Fahrzeug mit Selbstzünder-Motor heraus. Der 1,9-Tonner hat mit diesem Triebwerk den geringsten Normverbrauch der ganzen Modellpalette.

Dass Porsche und Diesel in unterschiedlichen Welten zu Hause seien, hat seinerzeit wohl nur Ex-Vorstandschef Wendelin Wiedeking geglaubt. Jetzt  bringt die Zuffenhausener Sportwagenschmiede ihr zweites Fahrzeug mit Selbstzünder-Motor heraus. Der 1,9-Tonner hat mit diesem Triebwerk den geringsten Normverbrauch der ganzen Modellpalette.

Sparsam

Galerie: Erster Test Porsche Panamera DieselGanze 6,3 Liter Brennöl soll der Panamera Diesel je 100 Kilometer verheizen, weniger Treibstoff noch als die Version mit Hybrid-Motor. Gleichzeitig wirbt der Viertürer mit Sportwagen-ähnlichen Fahrleistungen, knapp unter 250 km/h ist Schluss. Aus Sicht des Baureihenleiters Dr. Michael Steiner ist das Auto „der Langstrecken-Sportler“ im Programm. Mit der Modellinnovation hat sich das Angebot an Luxus-Limousinen mit dem Porsche-Logo auf acht erhöht: Neben den Varianten mit Heck- und Allradantrieb von Panamera und Panamera S gehören noch ein Turbo, ein Turbo S und der Hybrid dazu.

Äußerlich tarnt sich der Newcomer nahezu perfekt. Lediglich der bescheiden kleine und geschwungene Schriftzug „diesel“ auf den vorderen Türen dient zur Unterscheidung. Kenner nehmen an der Front zusätzlich die größeren Kiemen wahr, die für die Beatmung der beiden Ladeluftkühler gebraucht werden. Eine Auswahl an verschiedenen Antriebskonzepten ist nicht vorhanden: Den 6-Zylinder-V-Selbstzünder, der auf eine Audi-Konstruktion zurück geht, gibt es nur mit Heckantrieb und der Achtgang-Tiptronic S.

Optimiertes Package

Als Grund nennt Michael Steiner im wesentlichen zwei Tatsachen: Da der Sechszylinder zugunsten einer optimierten Gewichtsverteilung so weit wie möglich in Richtung der Fahrgastzelle montiert wurde, wäre für eine zusätzliche Antriebswelle zur Vorderachse ein Durchtrieb durch den Motor zu konstruieren gewesen. Zu teuer. Der Verzicht auf eine Handschaltung, die es für das Benziner-Schwestermodell gibt, wird mit den zu erwartenden geringen Stückzahlen begründet. Da der Diesel weder in den USA noch in China verkauft wird, sind auskömmliche Bestellraten für ein manuelles Getriebe nicht zu erwarten.

Fahrerlebnis

Galerie: Erster Test Porsche Panamera DieselDie beim Fahren unmittelbar zu spürende Harmonie zwischen Diesel und der Wandler-Automatik lassen die Möglichkeit einer Handschaltung auch schnell vergessen. Zwar mit leichter Verzögerung, aber zügig setzt das Getriebe den Gasbefehl um. Schon ab 1.750 Umdrehungen kann sich der Fahrer auf 550 Newtonmeter Drehmoment verlassen, mehr hat nur der Panamera Turbo. Dem Diesel fehlt zwar dessen explosive Kraftentfaltung, dafür erleben die Insassen einen geschmeidigen Durchzug, der von einer volltönenden Schallentwicklung begleitet wird. Lediglich kurz vor dem Schaltpunkt, der bei mäßiger Beschleunigung zwischen 3200 und 3500 Umdrehungen liegt, büßt die Soundkulisse etwas von ihrem souveränen Klangbild ein. Die Anstrengung, die es kostet, eine 1,9-Tonnen-Fuhre auf Autobahntempo zu beschleunigen, wird für einen Moment spürbar.

Ganz anders verhält es sich, wenn das Fünfmeter-Schiff durch enge Kehren spurten oder für eilige Überholmanöver die Spur wechseln soll. Die Leichtigkeit und Spontaneität, mit der die offiziell auf 1880 Kilo ausgewogene Limousine auf Lenkbefehle reagiert, ist eigentlich eher von Produkten der Kompakt- und Mittelklasse bekannt. Der tempoabhängig übersetzte Einschlag ist im City-Bereich angenehm weich, verhärtet aber spürbar, wenn es auf die Reise geht. Und die kann lang werden. Laut Hersteller reichen die 80 Liter Diesel-Vorrat im Idealfall für mehr als 1200 Kilometer.

Erfolgsmodell für Porsche

Galerie: Erster Test Porsche Panamera DieselDer Panamera hat dem Unternehmen bisher nur Freude gemacht. Obwohl in einer denkbaren ungünstigen Zeit - auf der Höhe der Finanzkrise - gestartet, hat er das ursprünglich veranschlagte Jahresvolumen längst hinter sich gelassen. Bei der Premiere hatten die Zuffenhausener ihrer vierten Baureihe einen weltweiten Absatz von 20.000 Stück pro Jahr zugetraut. Dieses Jahr wird inoffiziell schon mit möglichen 30.000 kalkuliert.

Außer Nordamerika und China, wo etwa zwei Drittel der Fahrzeuge gekauft werden, bietet auch der deutsche Markt Anlass für zufriedene Gesichter. Obwohl bisher nur mit Ottomotor erhältlich, hat der Panamera im Luxussegment schon den VW Phaeton überflügelt. Obwohl der Oberklasse-Volkswagen schon viel Zeit hatte, um Kunden zu buhlen, konnte VW im ersten Halbjahr 2011 in Deutschland nur 1287 Neuzulassungen verzeichnen - davon 88 Prozent mit Dieselmotor. Selbst ohne Diesel im Angebot schaffte der Panamera bis Ende Juni mehr als 1.300 Neuzulassungen.

Nochmalige Absatzsteigerung

Sollten sich die Erwartungen der Porsche-Verantwortlichen erfüllen, werden in Deutschland künftig zwischen 40 und 50 Prozent der Panamera-Limousinen mit Dieselmotor ausgeliefert. Dass diese Menge die Absätze der Benziner-Varianten herunter zieht, ist nicht zu erwarten. An ihrem ersten Viertürer, dem SUV Cayenne, konnten die Sportwagenbauer studieren, wie es geht: Im Krisenjahr 2009 brachen die Verkäufe der Konkurrenz, namentlich bei der M-Klasse von Mercedes, dem X5 vom BMW und dem Audi Q7, teilweise um 50 Prozent ein. Der Cayenne konnte seine Stückzahlen mit geringen Einbußen halten, denn gerade rechtzeitig war die Dieselversion auf den Markt gekommen.

Optimierter Audi-Motor

Galerie: Erster Test Porsche Panamera DieselNun soll das Glühkerzen-Prinzip auch dem Panamera dauerhaftes Glück bescheren. Die Voraussetzungen sind gut, denn obwohl die Motor-Getriebe-Kombination weitgehend identisch mit der des Cayenne ist, hat sich unterm Blech einiges getan. Durch konsequentes Abspecken ist es gelungen, allein am Triebwerk 25 Kilogramm Gewicht zu sparen. Durch leichtere Legierungen und Werkstoffe wie Magnesium waren am Kurbelgehäuse dünnere Wandstärken möglich, statt vier Steuerketten braucht der überarbeitete Motor nur noch zwei. Kurbelwelle und Sauganlage wurden erleichtert, der Nockenwellendurchmesser reduziert. 193 Kilogramm bringt der Motor noch auf die Waage. Ihn auch zur Erfüllung der Euro-6-Norm zu befähigen, wird zurzeit bei Porsche nicht als vordringliche Aufgabe angesehen.

Kein V8-Diesel

Mit 250 PS dürfte der V6 noch nicht am Ende aller Möglichkeiten sein, doch an eine Übernahme des jüngst vorgestellten 313-PS-Feuerwerks, das der Audi A6 bekommt, ist nicht zu denken. Die Anordnung der beiden Turbolader und andere technische Abweichungen, so Michael Steiner, ließen eine einfache Adaption nicht zu. Ebenso wenig komme der V8-Diesel, den Audi als einziger Premium-Hersteller weiter pflegt, in Frage. Das deutlich schwerere Aggregat, die damit verbundene Achslastverteilung und der Heckantrieb seien, so Steiner, „kein harmonisches Gesamtkonzept“.

Gedankenspiele

Galerie: Erster Test Porsche Panamera DieselNach Worten des Baureihenchefs  ist mit dem Diesel der „Vollausbau der Panamera-Reihe abgeschlossen“, aber der Varianten-Reichtum wohl kaum. Schon jetzt ist absehbar, dass für die ebenso wohlsituierte wie anspruchsvolle Kundschaft in China eine Version mit verlängertem Radstand entwickelt wird. Die Rede ist von 120 bis 150 Millimeter zusätzlicher Distanz zwischen den Achsen, mit ihren Erscheinen darf ab 2013 gerechnet werden. Ob auch europäische Kunden in den Genuss eines  Lang-Panamera kommen, ist nicht entschieden. Vertriebsleiter Dr. Stefan Utsch kann sich aber auch hierzulande „vorstellen, dass es Kunden gibt, die so einen Wagen kaufen würden“.

Fazit

Wie von Porsche nicht anders zu erwarten, ist auch der Panamera Diesel ein typisch auf Porsche-Qualitäten adaptiertes stimmiges Gesamtpaket. Fahrverhalten und Motorcharakteristik erweitern diese Qualitäten in Richtung Reisepotential und für den Flottenverbrauch ist der Diesel eine schlichte Notwendigkeit.

Der Kaufpreis ist – auch das typisch Porsche – bis auf den letzten Euro genau berechnet: laut Liste werden exakt 80.183 Euro fällig. Wenn die Auslieferung im August beginnt, dürfte jedoch nur selten diese Summe unter dem Kaufvertrag stehen. Dank der gewinnoptimierten Aufpreispolitik des Hauses werden Summen im sechsstelligen Bereich eher die Regel sein.

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