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Galerie: Erster Test Porsche Panamera

Erster Test: Porsche Panamera

Was bin ich

18.06.2009

Ein Sportwagen für vier Personen? Eine äußerst sportliche Reiselimousine? Der Porsche Panamera verbindet beide Welten und ist immer genau das, was sich sein Fahrer wünscht. Doch über allem schwebt die Frage: Ist der Panamera noch ein Porsche?

Schon einmal führte die Fachwelt die Diskussion über das Sein oder Nichtsein eines Porsche. Nämlich 2002, als die Zuffenhausener mit dem Cayenne neue Wege bestritten und ihr erstes praktisches Modell auf den Markt brachten. Den Misserfolg hat die Journaillie dem VW-Touareg-Bruder damals prophezeit und wurde prompt Lügen gestraft.

Denn die Reichen und Schönen der Welt rissen den Händlern den Cayenne wie warme Semmeln aus den Händen. Endlich ließen sich Familie, Hund und Porschefahren vereinbaren. Und mit einem ähnlichen Spagat soll nun auch der in Leipzig endmontierte Panamera jährlich bis zu 20.000 Käufer finden.

Porsche-DNA

Galerie: Erster Test Porsche PanameraDaran, dass die viertürige Limousine ein echter Porsche ist, lässt Designer Michael Mauer keinen Zweifel. Schließlich trage der Panamera die typische Porsche-DNA in sich, also etwa die Kotflügel, die höher sind als die Motorhaube. Oder den großen Lufteinlass statt eines Kühlergrills. Oder die ausgeprägte Schulter über den Hinterrädern. Oder die sich nach hinten verjüngende Fahrzeugkabine. Kurzum: Recht hat er! Schon auf den ersten Blick ist der Panamera als Porsche erkennbar.

Gleiches gilt auch im Interieur: Der Fahrer fühlt sich fast wie im 911er, und daran ist nicht zuletzt die tiefe Sitzposition schuld. Trotzdem lässt es sich kommod ein- und aussteigen - und das selbst im Fond. Die Ingenieure haben auf nicht ganz fünf Metern Länge und 1,93 Meter Breite bei nur gut 1,40 Meter Höhe ein üppiges Raumangebot hinbekommen, das selbst 1,90-Meter-Passagieren im Fond des reinen Viersitzers als ausreichend empfinden.

Wuchtige Mittelkonsole

Galerie: Erster Test Porsche PanameraAnders als die vom Elfer bekannten Rundinstrumente mit dem mittig platzierten, prominenten Drehzahlmesser ist die wuchtige Mittelkonsole, die vorne wie hinten die Fahrer- von der Beifahrerseite trennt, neu gestaltet. Als Vorbild diente der bis 2006 im homöopathischen Dosen gefertigte Super-Sportler Carrera GT, allerdings haben die Entwickler im Panamera mehr Wert auf schickes Design denn puristische Sportlichkeit gelegt.

So erinnern die neuen Tastenfelder links und rechts des Schalthebels eher an die Luxus-Telefone von Vertu, können aber leider mit deren Qualität nicht ganz mithalten. Der von Porsche verbaute Kunststoff entspricht nicht ganz einem Auto dieser Preisklasse. Ein Tadel, den sich die Zuffenhausener aber auch schon beim 911er gefallen lassen mussten.

Spieglein, Spieglein

Galerie: Erster Test Porsche PanameraEbenfalls kritikwürdig sind die starken Spiegelungen in der Windschutzscheibe, die vor allem bei heller Lederausstattung sichtbar werden. Doch ansonsten fällt es schwer, gravierende Mängel zu finden. Vielleicht noch die schlechte Sicht durch die flache Heckscheibe, aber dafür gibt es ja Parksensoren. Apropos Heck: In den 445 Liter großen  Kofferraum sollen vier Golfbags passen, und klappt man die beiden Rücksitze um, entsteht ein ebener Ladeboden auf dem bis zu 1.250 Liter Gepäck Platz finden.  

Mit zahlreichen Einstellmöglichkeiten für die beiden Einzelsitze im Fond versucht Porsche den Passagieren in der zweiten Reihe das Reisen so angenehm wie möglich zu gestalten. Lehnenneigung und Oberschenkelauflage können nach Belieben justiert werden, und Sitzheizung und -kühlung sorgen für das richtige Klima. Außerdem lässt sich der Beifahrersitz vom Fond aus verschieben, so dass sich der hinten Sitzende, ohne groß zu fragen, mehr Beinfreiheit verschaffen kann.  

Zum Selber-Fahren

Galerie: Erster Test Porsche PanameraDamit erfüllt der Panamera die Voraussetzungen für eine Chauffeurs-Limousine, doch ob Porsche-Fahrer freiwillig den Zündschlüssel aus der Hand geben? Zweifel sind erlaubt. Denn anders als der bauartbedingt etwas schwerfällige Cayenne ist der Panamera auch beim Fahren ein echter Porsche und macht genau so viel Spaß wie ein Elfer.

Quell der Freude ist ein potenter, 4,8 Liter großer Achtzylinder, der aus dem Cayenne stammt, für den Panamera aber umfangreich überarbeitet wurde - vor allem aus Platzgründen. Das ist übrigens der Grund, warum keine Boxer-Motoren zum Einsatz kommen: Sie passen nicht quer in den Panamera, und einen noch breiteren Wagen wollte man wohl niemandem zumuten.

Sauger und Turbo

Galerie: Erster Test Porsche PanameraAls Saugmotor im Panamera S kommt der V8 auf glatte 400 PS und ein Drehmoment von 500 Newtonmetern, das zwischen 3.500 und 5.000 Umdrehungen anliegt. In der heckgetriebenen Basisversion muss der Fahrer selber schalten oder das aufpreispflichtige Doppelkupplungsgetriebe PDK für 3.510 Euro ordern. Bei den Allradversionen 4S und Turbo übernimmt es standardmäßig die Kraftübertragung.

Letzterer kitzelt mit Hilfe seines Bi-Turboladers nochmal 100 PS mehr aus dem direkteinspritzenden Benziner und legt sich mit bis zu 700 Newtonmetern zwischen 2.250 und 4.500 Touren mächtig ins Zeug. Wer das Sport Chrono Paket ordert, kann per Overboost-Funktion kurzzeitig sogar 770 Newtonmeter abrufen und so die Standard-Sprintdauer mit der Rennstart-Hilfe Launch Control von 4,2 Sekunden auf exakt vier Sekunden drücken.

Zwei Autos

Galerie: Erster Test Porsche PanameraOb nun S oder Turbo - im Panamera stecken zwei Autos - ein Rennwagen und eine Reisekutsche. Wer will, kann mit der Limousine gemütlich durch die Landschaft gleiten und wird dabei nicht einmal vom Motorgeräusch abgelenkt. Denn das auf jeden Fall empfehlenswerte PDK schaltet im Komfortmodus frühzeitig hoch und ist teilweise in der Stadt schon im siebten Gang bei niedriger Drehzahl unterwegs.

Doch ein beherzter Tritt aufs Gaspedal reicht, und das Getriebe schaltet blitzschnell zurück. Der Motor röhrt vergnügt auf, und der Porsche prescht nach vorne, als gäbe es kein Morgen mehr. Über die Sport- beziehungsweise Sport-Plus-Taste lassen sich das luftgefederte Fahrwerk und die Lenkung in zwei Stufen straffen, und auch die Gasannahme wird deutlich bissiger. Mit gleicher Präzision wie im Elfer lässt sich der Panamera dann um die Kurven scheuchen, ohne dass das ESP eingreifen muss.

Kein Leichtgewicht

Galerie: Erster Test Porsche Panamera

Zwar ist das Gewicht von rund 1.800 Kilogramm (der Turbo wiegt fast zwei Tonnen) spürbar, doch aus der Spur bringt es den Porsche auch bei rasanten Richtungswechseln nicht. Vor allem die Allrad-Modelle scheinen förmlich auf dem Asphalt zu kleben und weichen keinen Millimeter von der Ideallinie ab. Nur die Verbrauchswerte differieren bei dieser Gangart deutlich von der Vorgabe.

Dank Start-Stopp-Automatik (Serie ab 4S) und anderen Optimierungen, zum Beispiel an der Betriebsstrategie und Aerodynamik (ab 90 km/h fährt ein Spoiler aus), begnügt sich der Panamera S im Verbrauchstest nach EU-Norm mit 10,8 Litern - als PDK-Version. Der Handschalter ist laut Hersteller nicht unter zwölfeinhalb Liter zu fahren. Der Allradantrieb im 4S schlägt dagegen nur mit einem Plus von 0,3 Litern zu Buche, und selbst der Turbo läuft mit 12,2 Litern nicht aus dem Ruder.

Machbar

Wer sich zügelt, nie die Sport-Taste drückt und das Gaspedal nur streichelt, hat tatsächlich Chancen, die veranschlagten Werte zu erreichen. Wer den Panamera aber wie einen Porsche bewegt, muss mit mindestens 15 Litern rechnen und unter Umständen noch einen weiteren, kräftigen Zuschlag in Kauf nehmen.

Galerie: Erster Test Porsche PanameraSparsamer wird erst der später folgende Sechszylinder-Motor sein, über dessen exakten Marktstart aber genauso wenig verraten wurde wie über den angekündigten Hybrid-Antrieb. Und auch wann der Diesel Einzug hält, steht noch in den Sternen. Dass er folgt, gilt aber als sicher, schließlich macht der Cayenne vor, dass auch die Kombination von Porsche und Diesel verkäuflich ist.

Bis der günstigere V6-Benziner nachrückt, startet der Panamera bei 94.500 Euro. Für den 4S mit Allrad und PDK veranschlagt Porsche 102.000 Euro, und für den Turbo müssen mindestens 135.000 Euro aufgebracht werden. Damit dürfte es aber bei den meisten Käufern nicht getan sein; allein für die nur beim Turbo serienmäßige Metalliclackierung werden 1.140 Euro fällig. Ganz zu schweigen von den 8.700 Euro teuren Keramik-Bremsen oder den beleuchteten Türeinstiegsblenden aus Karbon zu 1.670 Euro.

Fazit

Mit dem Panamera betritt Porsche wieder einmal neues Terrain: Eine viertürige Limousine hatten die Zuffenhausener noch nie im Programm. Doch schon mit ihrem Erstlingswerk legen sie die Messlatte hoch und dürften Mitbewerbern wie dem Maserati Quattroporte oder dem BMW M5 das Leben schwer machen. Kompromisslose Sportlichkeit vereinbart der Panamera wie kaum ein anderer mit höchsten Komfort. Und schließlich dürfte ihm schon ein einziges Faktum zum Vorteil gereichen: Er ist ein Porsche.

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