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Galerie: Erster Test Range Rover Evoque Cabrio

Erster Test: Range Rover Evoque Cabrio

Und es passt doch

27.06.2016

Dass Engländer für ungewöhnliche Kombinationen durchaus offen sind, ist bekannt. Man denke nur an Lammfleisch mit Pfefferminzsoße oder Gurkensandwiches zum Fünf-Uhr-Tee. Und jetzt werfen sich auch im Automobilbau zusammen, was eigentlich nicht zusammen passt: SUV und Cabrio. Anders als in der Küche, überzeugt das Resultat aber auf der ganzen Linie, wie unsere erste Ausfahrt mit dem neuen Range Rover Evoque Cabriolet zeigte.

Dass der offene Evoque ein Erfolg wird, darum macht man sich bei Land Rover keine Sorgen. Zum einen haben die Briten ohnehin derzeit Oberwasser und können eigentlich bauen, was sie wollen. Zum anderen zeichnete sich schon im Vorfeld für das ab sofort erhältliche Cabrio eine große Nachfrage ab. Verständlich, denn die Kombination ist so absurd wie genial: Es gibt ganz viele Fahrer, die lieber höher sitzen wollen und genauso viele, die gern den Wind in den Haaren spüren. Beides auf einmal war früher nur in recht speziellen Fahrzeugen wie der offenen G-Klasse oder dem Jeep Wrangler möglich – oder im Nissan Murano Cabrio, das aber so unansehnlich war, dass es hierzulande gar nicht angeboten und in Amerika schnell wieder eingestellt wurde.

Galerie: Erster Test Range Rover Evoque CabrioDiesen Vorwurf braucht sich der Evoque auf keinen Fall machen zu lassen. Der offene Bruder des als Drei- und Fünftürer erhältlichen SUVs macht mit seiner leicht ansteigenden Schulterlinie sowohl offen als auch geschlossen eine gute Figur und lässt an der außergewöhnlichen Kombination keine Zweifel aufkommen. Der Evoque tritt so selbstbewusst auf, als sei ein offenes SUV das Selbstverständlichste auf der Welt.   

Offenes Schwergewicht

Bis knapp Tempo 50 lässt sich das riesige Stoffdach, das die vier Plätze überspannt, per Tastendruck öffnen. Kurzweilige 18 Sekunden dauert es, bis die Mütze im Kofferraum verstaut ist, der dann mit 251 Litern aber nicht mehr viel Platz für Gepäck bietet. Hier sind wir auch schon beim einzigen Tadel, den sich der offene Evoque anhören muss: Praktisch – eigentlich eine der Grundtugenden eines SUVs – ist er nicht. Aber da der Landy vermutlich in der Regel ohnehin nur mit maximal zwei Personen besetzt ist, kann auch die sowieso nicht sonderlich bequeme Rückbank als Ablage genutzt werden.

Galerie: Erster Test Range Rover Evoque CabrioGegenüber dem geschlossenen Evoque kostet das mindestens 51.400 Euro teure Cabrio rund dreieinhalbtausend Euro mehr – und bringt satte 200 Kilogramm und damit fast zwei Tonnen auf die Waage. Das Extra-Gewicht bringen die zusätzlichen Versteifungen mit, die nötig waren, um den Land Rover so geländetauglich zu machen, wie ein Land Rover eben sein muss. Doch auch wenn man keine Ausflüge abseits des Asphalts plant, profitiert man von den Anstrengungen der Ingenieure. Egal wie schlecht der Asphalt oder wie holprig die Trambahn-Schienen auch sind, der stets allradgetriebene Evoque zittert nicht und gleitet elegant über alle Unebenheiten hinweg. Die direkte Lenkung sorgt zudem für viel Spaß in der Kurve, wenngleich der Landy sich in zu flott angegangenen Kehren etwas vom äußeren Rand angezogen fühlt; in Anbetracht des Gewichts sei ihm das aber verziehen.

Fast nur Diesel

Anders als bei den meisten Cabrios werden sich im Falle des Evoques die meisten Kunden wohl für einen Dieselmotor entscheiden; in Summe bis zu 95 Prozent, kalkuliert Land Rover. Zur Wahl hat die Masse dann einen Zweiliter-Selbstzünder in zwei Leistungsstufen: 150 PS und 180 PS. Und auch wenn der Kleinere sicher völlig ausreicht, gehen die Marketingstrategen davon aus, dass die Mehrheit sich für das stärkere, mindestens 54.300 Euro teure Triebwerk entscheidet.

Galerie: Erster Test Range Rover Evoque CabrioDas entlässt bei 1.750 Umdrehungen 420 Newtonmeter Drehmoment in die Freiheit, die das schwere SUV in 10,3 Sekunden auf Landstraßentempo schubsen. Maximal läuft der Landy 195 km/h. Das ist nicht sonderlich viel und hin und wieder raubt auch die serienmäßige Neungang-Automatik, wenn sie nicht gerade im Sportmodus operiert, dem Aggregat mit ihren einen Tick zu langen Denkpausen noch zusätzlich etwas Elan. Doch reicht die Kraft auf jeden Fall, um im Strom mitzuschwimmen und zum Offenfahren gleich zweimal. Belohnt wird man dafür mit einem niedrigen Normverbrauch von nur 5,7 Litern, der in der Praxis freilich nicht ganz so einfach zu erzielen ist.   

Wem der Verbrauch egal ist und wer mehr Leistung will, kann freilich auch zum einzigen angebotenen Benziner (ab 55.300 Euro) greifen, der mit 240 PS deutlich stärker ist als die Selbstzünder und den Standardsprint in 8,6 Sekunden abhandelt. Mit höchstens 206 km/h ist man damit aber nicht besonders viel schneller unterwegs. Der Tank wird dafür umso schneller leer: 8,6 Liter Verbrauch sagt der Hersteller, zehn oder mehr werden es in der Praxis aber schon sein.

Viel Ausstattung für viel Geld

Galerie: Erster Test Range Rover Evoque CabrioWer jetzt schon anfängt, das Geld zu zählen, der sei gewarnt: Auch bei Land Rover gibt es eine lange Liste an Sonderausstattungen mit großem Haben-Will-Faktor, die den Preis in die Höhe treiben. Von der Lenkradheizung über das Head-up-Display bis hin zu den Massagesitzen gibt es zahlreiche Wohlfühl-Extras und natürlich fehlen auch die gängigen Fahrerassistenzsysteme nicht im Angebot. Vorbildlich: Für das Infotainmentsystem mit dem mit 10,2 Zoll außerordentlich groß dimensionierten Touch-Screen muss man nicht gesondert zahlen, wohl aber für Zusatzfunktionen wie Navigation oder Online-Zugang.  

  • Technische Daten

Länge: 4,37 Meter, Breite: 1,98 Meter (Breite mit Außenspiegeln: 2.09 Meter), Höhe: 1,61 Meter, Radstand: 2,66 Meter, Kofferraumvolumen: 251 Liter

Antrieb:

TD4 150 PS 4WD, 110 kW/150 PS, maximales Drehmoment: 380 Nm bei 1.750 U/min, 0-100 km/h: 12,0 s, Vmax: 180 km/h, Durchschnittsverbrauch: 5,7 Liter, CO2-Ausstoß: 149 g/km, Abgasnorm: Euro 6

Preis: ab 51.400 Euro

TD4 180 PS 4WD, 132 kW/180 PS, maximales Drehmoment: 430 Nm bei 1.750 U/min, 0-100 km/h: 10,3 s, Vmax: 195 km/h, Durchschnittsverbrauch: 5,7 Liter, CO2-Ausstoß: 149 g/km, Abgasnorm: Euro 6

Preis: ab 54.300 Euro

Si4 240 PS 4WD, 177 kW/240 PS, maximales Drehmoment: 340 Nm bei 1.750 U/min, 0-100 km/h: 8,6 s, Vmax: 209 km/h, Durchschnittsverbrauch: 8,6 Liter, CO2-Ausstoß: 201 g/km, Abgasnorm: Euro 6

Preis: ab 55.300 Euro

 
Fazit

Jan Menno Schmidt

Nein, um Land Rover braucht man sich keine Sorgen machen. Die Verkaufszahlen der Briten steigen kontinuierlich und das neue Evoque Cabrio wird zusätzlich seinen Teil dazu beitragen. Die lange für unmöglich gehaltene Kombination aus SUV und Cabrio wirkt mit dem offenen Evoque plötzlich so selbstverständlich, dass es nur eine Frage der Zeit sein wird, bis andere Hersteller auf den Zug aufspringen. Einen ersten Ausblick auf ein mögliches Konkurrenzmodell hat VW ja schon auf der Genfer Messe mit der Studie T-Cross Breeze gegeben. Ein größeres Kompliment hätte sich Land Rover nicht wünschen können.
 
 

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