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Galerie: Erster Test Range Rover Evoque

Erster Test: Range Rover Evoque

Landei im Designer-Fummel

29.07.2011

An Traditionen halten Briten ja oft mit äußerster Verbissenheit fest. Wie auch der Offroad-Spezialist Land Rover, der seit über 60 Jahren ein Image als Hersteller beinharter und kauziger Autos für Abenteuerlustige pflegt. Doch zum Überleben reicht das nicht und muss sich Land Rover irgendwie neu erfinden. Erstes Kind dieser Zeitenwende ist der Evoque. Der auf Freelander-Technik basierende Neuling bricht klar mit der klassischen Marken-Mode und tritt sogar als effizienter Fronttriebler an. Und doch bleibt das Designer-SUV den Werten der Marke treu.

Vor allem ist der Evoque ein optisch eindrucksvolles Statement. Während bisherige Land-Rover-Modelle eher von einer monolithischen, Sachlichkeit geprägt waren, macht der Evoque auf dramatisch gespannt, muskulös, elegant und supermodern.

Besonders temporeich wirkt sein Blechkleid in der Coupé genannten Dreitürer-Version. Eine im Vergleich zum Fünftürer um drei Zentimeter flachere Karosserie, die extralangen Einstiegstüren und die sich zum Heck hin Schießscharten-artig verjüngenden Seitenfenster lassen den extrovertierten Briten bereits im Stand flott wirken. Zusammen mit Riesenrädern, schickem LED-Tagfahrlicht und grellem Außenlack hebt sich der Evoque von der Masse deutlich ab.

Allerdings bietet die um 1.000 Euro teurere Dreitürer-Version handfeste Nachteile: Der Einstieg in den Fond ist etwas beengt, sind hinten zudem nur zwei Sitzplätze geboten und ist die grundsätzlich nur mäßige Rundumsicht hier noch schlechter. Richtig kurios sieht es von außen aus, allein die Köpfe der eingemauerten Fond-Fahrgäste durch die schmalen Seitenfenster zu sehen.

Mehr Türen, mehr Platz

Galerie: Erster Test Range Rover EvoqueDer Fünftürer kommt zwar nicht ganz so schnittig daher, bietet für weniger Geld aber zwei Einstiegstüren und einen Sitzplatz mehr. Das Raumangebot ist ebenfalls besser und hinterlassen seine Proportionen keinen überzeichneten Eindruck, während beim Dreitürer die dynamische Akzentuierung ihre Wirkung nicht verfehlt, aber andererseits auch eine irgendwie gekünstelte Dramatik vermittelt.

Für den Innenraum heimst der kleine Range Rover zu Recht großes Lob einheimsen, findet sich hier vom eher grobschlächtigen Freelander-Flair nichts mehr wieder. Vielmehr herrscht gediegene Klarheit und sorgen schicke Materialien für nobles und modisches Premium-Ambiente, so wie es sich für einen kleinen Range Rover gehört. Und nach den bei Land Rover traditionellen Verarbeitungsschwächen wird selbst das kritischere Auge lange suchen und nur wenig finden. Zudem stellt die Bedienungslogik den Fahrer kaum vor Rätsel.

Alltagstauglich und mit viel optionalem Schnickschnack

Galerie: Erster Test Range Rover EvoqueTrotz der coupéartigen Außenhaut und dem großen Glaspanoramadach (650 Euro) sitzen durchschnittlich große Erwachsene im Fond mit noch ausreichender Kopf- und Kniefreiheit. Vorne kommen selbst große Gäste entspannt unter. Die optional elektrisch öffnende und schließende Heckklappe ermöglicht den Zugang zu einem immerhin 420 Liter großen Kofferraum, der beim Coupé auf 1.350 und beim Fünftürer auf 1.445 Liter anwachsen kann, wenn man die im Verhältnis 60 zu 40 geteilte Rückbank nach vorne klappt.

So weit, so normal. Der Evoque-Innenraum bietet aber noch einige besondere Höhepunkte: So gibt es den 8-Zoll-Touchscreen in einer Dual-View-Ausführung, die dem Fahrer die Navi-Infos anzeigt, während der Beifahrer zeitgleich einen DVD-Film sehen kann – beides auf dem gleichen Screen. Zudem kann das Display die Bilder von fünf Außenkameras darstellen (1.410 Euro), was bei kniffeligen Offroad-Manövern oder beim Einparken hilfreich sein kann. Apropos: Wer beim Längseinparken Probleme hat, kann sogar einen Einpark-Assistenten (690 Euro) ordern, der mit Hilfe von Ultraschallsensorik und Lenkeingriffen das Fahrzeug in Parklücken automatisch manövriert. Der Fahrer muss nur noch Gas geben und Bremsen.

Sogar als 2WD

Antriebsseitig bietet der Evoque eine für die Marke sensationell anmutende 2WD-Version in Kombination mit einem 150 PS starken Diesel. Dieser Fronttriebler markiert preislich den Einstieg, und dank der für diese Antriebsvariante serienmäßigen Start-Stopp-Automatik kann das Basismodell auch noch mit einem recht bescheidenen Verbrauchswert von fünf Litern glänzen. Doch bei Land Rover erwartet man für diese Sparversion einen eher geringen Verkaufsanteil und dürften die Evoque-Kunden vornehmlich Allrad-Versionen ordern. Diese gibt es optional auch für den 150-PS-Diesel und serienmäßig für den Diesel mit 190 PS sowie den 240 PS starken Turbobenziner Si4.

Galerie: Erster Test Range Rover EvoqueDie beiden letztgenannten Motorversion standen uns jeweils in Kombination mit der Sechs-Gang-Automatik von Aisin bei unseren ersten Testfahrten in der Region um Liverpool zur Verfügung. Und hier zeigte sich der mit gut 1,7 Tonnen vergleichsweise leichte Land Rover jeweils durchaus spritzig: Der Diesel schafft den 100-km/h-Sprint in 8,6, der Benziner in 7,5 Sekunden, während die jeweilige Top-Speed bei abgeregelten 195 beziehungsweise 217 km/h liegen soll. Verbrauchstechnisch bewegt sich der Evoque mit 6,5 beziehungsweise 8,7 Litern auf einem durchaus angemessenen Niveau.

Für sich gesehen klingen diese Werte gar nicht mal schlecht, doch ein ähnlich motorisierter Audi Q3 ist in allen Belangen dem Evoque überlegen: So sind beim Ingolstädter 211-PS-Benziner 6,9 Sekunden und 230 km/h bei nur 7,7 Liter Verbrauch angesagt. Schade eigentlich, dass für den Evoque die besser gespreizte und besser schaltende Acht-Gang-Automatik von ZF, die zum Beispiel im großen Range Rover zum Einsatz kommt, nicht zur Verfügung steht. Doch mit den quer eingebauten Motoren des kleinen Range lässt sich diese nicht kombinieren.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Range Rover Evoque   Range Rover Evoque
Version / Ausstattung   SD4 Diesel Automatik, Fünftürer   Si4 Benziner Automatik, Dreitürer
Motor        
Hubraum (ccm) / Bauart   2.179 / R4-Turbodiesel   1.999 / R4-Turbobenziner
Leistung (kW / PS)   140 / 190   177 / 240
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   420 / 1.750   340 / 1.750
Antriebsart   permanenter Allradantrieb   permanenter Allradantrieb
Getriebeart   Sechs-Gang-Automatik   Sechs-Gang-Automatik
Abmessung und Gewicht        
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.365 / 1.900 / 1.635   4.355 / 1.900 / 1.605
Radstand (mm)   2.660   2.660
Wendekreis (m)   11,3   11,3
Leergewicht (kg)   1.700   1.640
Kofferraum (Liter)   420 - 1.445   420 - 1.350
Bereifung Testwagen   235/55 R 19   235/55 R 19
Verbrauch        
Krafstoffart   Diesel   Bezin
Kombiniert laut Werk (l/100km)   6,5   8,7
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   174 / Euro 5   199 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   k.A.   k.A.
Fahrleistungen        
Werksangabe 0-100km/h (s)   8,5   7,6
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k.A.   k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k.A.   k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   195   217
Preise        
ab (Euro)   40.030,00   40.900,00
Empfohlene Extras   Dual-View-Bildschirm (800 Euro), den man allerdings nur in Verbindung mit dem 2.150 Euro teuren Navisystem bekommt.   Dual-View-Bildschirm (800 Euro), den man allerdings nur in Verbindung mit dem 2.150 Euro teuren Navisystem bekommt.
 
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Flottes Spaßgerät

Seine bisweilen sehr üppige Kraft bringt der Evoque dank Allradantrieb souverän auf die Straße, bietet das Fahrwerk für die ambitionierte Pistengaudi eine zudem recht knackige Auslegung. Der Unterbau ist straff, aber nur selten unkomfortabel, die Lenkung fühlt sich präzise an, die Wankneigungen in Kurven bleiben erfreulich gering. Wer also flott unterwegs sein will, kommt hier durchaus auf seine Kosten. Auch schnellere Autobahntouren lassen sich entspannt abspulen, bleiben zudem die Windgeräusche zumindest bis Tempo 130 angenehm niedrig.

Galerie: Erster Test Range Rover EvoqueObwohl das Fahrwerk ganz klar für den Onroad-Einsatz optimiert wurde, kann der Evoque auch noch ursprüngliches Land-Rover-Feeling vermitteln. Die Offroad-Hardware entspricht technisch dem üblichen SUV-Niveau und sind also keine gewagten Defender-Spirenzchen möglich. Doch der elektronisch geregelte Allradantrieb und die vom Freelander übernommene Regelelektronik mit den verschiedenen per Tastendruck aktivierbaren Fahrprogrammen des Terrain-Response-Systems lassen den Briten deutlich weiter kommen als dies mit einem normalen Pkw möglich wäre.

Allerdings hat uns der kleine Range auf den noch recht seichten Gelände-Passagen unserer Testroute ordentlich durchgeschüttelt, brachten 19-Zöller und kurze Federwege eine gewisse Härte ins Spiel. Der Wagen kann zwar mehr als man ihm optisch zutrauen möchte, doch so rundum pudelwohl fühlen sich auf steinigen und matschigen Natur-Spaziergängen die Gäste dann doch nicht.  

Land Rover? Range Rover? Ja, was denn nun?!
Seit über 30 Jahren hat sich der Name Land Rover als eigentlicher Markenname etabliert, während es sich bei dem 1970 eingeführten Range Rover seither um ein Modell dieser Marke handelte. Nunmehr versucht Land Rover den Namen Range Rover als eine Art Luxusmarke zu etablieren. Unter dieser Submarke werden die Modelle Range Rover ohne Namenszusatz sowie der Range Rover Sport und der Range Rover Evoque angeboten. Der Wandel vom Modell- zum Markennamen ist eine noch junge und durchaus Verwirrung stiftende Marketing-Strategie, denn offiziell zugelassen werden in Deutschland alle Fahrzeuge mit Range-Rover-Label weiterhin unter der Markennamen des Geländewagenherstellers Land Rover.

Gegner von X2 und Q4

Stellt sich noch die Frage, gegen wen der Evoque eigentlich antreten soll? Eine ganz eindeutige Antwort kann man hier nicht geben. Am ehesten kommen kompakte Premium-SUVs wie ein Audi Q3 oder BMW X1 in Frage. Doch liegt der Evoque preislich um einige tausend Euro über diesen beiden Bayern-SUVs, während er kostentechnisch und größenmäßig sich aber auch deutlich unterhalb von Q5 oder X3 bewegt. Insofern wären wohl X2 und Q4 die direkten Kontrahenten, die es allerdings nicht beziehungsweise noch nicht gibt.

Galerie: Erster Test Range Rover EvoqueWer in die erfrischend andere Evoque-Welt eintauchen will, sollte mindestens 33.000 Euro investieren, soviel kostet die 2WD-Basis. Der starke Diesel SD4 ist ab rund 38.000 Euro zu haben, der Benziner Si4 kostet 40.000 Euro. Dies gilt für die dann schon recht umfangreiche Basis-Ausstattung Pure, die neben einem vollständigen Sicherheitspaket noch Tempomat, 17-Zoll-Alus, Parkpiepser, Teilleder-Sitze, einen elektrisch verstellbaren Fahrersitz, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Aludekors und ein CD-Radio umfasst. Alternativ gibt es dann für 8.000 beziehungsweise 9.000 Euro Aufpreis noch die Ausstattungen Dynamic oder Prestige, die sich vor allem durch mehr Luxus und eine optische Aufwertung auszeichnen. Außerdem lassen sich verschiedene attraktive Ausstattungspakete ordern.

Fazit

Optisch macht der Range Rover Evoque richtig was her – sowohl innen als auch außen. Neben dem extrovertiert-dynamischen Nobel-Flair bietet der durchaus familientaugliche Baby-Range auf Wunsch auch noch gehobenen Luxus und reichlich Technik-Schmankerl.

Galerie: Erster Test Range Rover EvoqueMit seinen starken Motoren empfiehlt sich der Evoque vor allem als spritziges Auto für kurvige Landstraßen und als langstreckentauglicher Kilometerfresser für die Autobahn, doch lässt sich das kompakte SUV auch durch den Stadtverkehr behände manövrieren. Und schließlich hat ihm Land Rover noch ein gewisses Maß an Geländetauglichkeit mit auf den Weg gegeben. Angesichts dieser Vielseitigkeit ist der Briten-Beau fast schon eine eierlegende Wollmilchsau.

Wer sich allerdings für den Kauf eines Evoques entscheiden sollte, dem empfehlen wir den praktischeren und günstigeren Fünftürer, der optisch zwar nicht ganz so dynamisch aber irgendwie stimmiger daherkommt. Und am meisten Spaß macht er mit dem 240-PS-Benziner, der allerdings beim Spritkonsum nicht ganz sparsam sein dürfte. (mh)

 
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