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Galerie: Erster Test Renault Grand Scénic

Erster Test: Renault Grand Scénic

Grand in Scénic gesetzt

22.04.2009

Die Stoßrichtung bei Renault ist klar vorgegeben: Qualität rauf! Mit dem aktuellen Mégane zeigen die Franzosen bereits, wie das aussieht und vor allem, wie es sich anfühlt. Nun kommt der Mégane-Van Namens Scénic auf den Markt – zuerst einmal als Grand-Version.

Denn wer sich für einen Kompakt-Van entscheidet, soll nach Meinung von Renault auch die Großraumvariante bekommen. Daher starten die Franzosen am 25. April 2009 erst einmal mit dem auf 4,56 Meter gewachsenen Grand Scénic (plus sieben Zentimeter im Vergleich zum Vorgänger). Zwei Monate später folgt die gut 20 Zentimeter kürzere Kompakt-Variante.

Rund 30 Prozent aller Mégane-Käufer (!) werden laut Hersteller den Grand Scénic wählen, der 1.100 Euro teurer ist als der kleinere Bruder. Die Käufer des Grand Scénic treffen eine gute Wahl. Denn bis auf das gewöhnungsbedürftige Heck ist das Design gelungen und sind die Proportionen stimmig.

Angeblich 2.200 Euro günstiger

Renault Grand Scénic2.200 Euro soll der neue Grand Scénic im Vergleich zum Vorgänger günstiger geworden sein – angeblich. Denn die vom Marketing hervorgehobene Preissenkung resultiert aus einer Preiserhöhung des alten Scénic kurz vor dem Modellwechsel. Nehmen wir dagegen den realistischeren Grundpreis vom Sommer 2008, reduziert sich der Preisvorteil auf etwa 600 Euro.

So beginnt die neue Preisliste für den Grand Scénic 1.6 16V Expression bei 20.200 Euro. Obwohl dort schon alles Notwenige drin ist, empfehlen wir die Ausstattung Dynamique. Der Mehrpreis zur Basis beträgt 1.100 Euro, das Ausstattungs-Plus umfasst den Heck-Parkpiepser, 17-Zoll-Alus, abgedunkelte hintere Scheiben, Tempomat, Lederlenkrad und beispielsweise den Licht- und Regensensor. Zudem gibt’s beim Kauf des Dynamique oder Luxe (Topversion) bis zum 15. Juli 2009 das Comfort-Paket (Klimaautomatik, Anklapp-Spiegel und schlüssellosen Zugangssystem) im Wert von 790 Euro kostenlos. Somit liegt der Mehrpreis zum Expression bei lächerlichen 300 Euro.

Billig is‘ nich‘

Renault Grand ScénicWirkliche Einsparmaßnahmen sind deswegen aber nicht zu finden. Lediglich Nörgler werden den Entfall der LED-Bremslichter bemängeln. Dafür gibt es jetzt den „niedlichen“ LED-Leuchtvorhang, der eine unverwechselbare Nachtgrafik zaubern soll. Innen merken hingegen alle, wie wohnlich, nobel und fein der Innenraum geworden ist. Die Armatureneinheit wirkt hochwertig, das Design schnörkellos, die Ablesbarkeit der Digitalinstrumente einwandfrei, wenngleich gewöhnungsbedürftig. So ein paar Eigenheiten dürfen bei französischen Automobilen einfach nicht fehlen.

Renault Grand ScénicSelbst in der Basisvariante (die wir aus beschriebenem Grund ja nicht empfehlen können) sitzen die Front-Passagiere auf gut ausgeformten, dem Körper schmeichelnden Sitzen. Für 100 Euro Aufpreis gibt es Ohrensessel-Kopfstützen – nett, aber nicht notwendig. Die Ergonomie ist einwandfrei, da sich Lenkrad und Sitze weiträumig verstellen lassen. Selbst wenn in der ersten Reihe Riesen am Werk sind, bleibt in der zweiten genug Platz für ebensolche Hünen, wenn nötig sogar drei von ihnen.

Kein echter 7-Sitzer

Dennoch ist der Grand Scénic kein wahrer 7-Sitzer. In der 700 Euro teuren dritten Sitzreihe können zwar Kinder vernünftig untergebracht werden. Erwachsenen fehlt es dagegen an Knieraum – selbst wenn die zweite Reihe bis zum Anschlag vorgeschoben wird. Die Kopffreiheit ist erstaunlicherweise bis in die dritte Reihe üppig, der Kofferraum dahinter mickrig.

Renault Grand ScénicOhne die optionalen zwei Sitze ist das Gepäckabteil tiefer und das Ladevolumen steigt auf 785 Liter bis unters Dach. Als Maximalwert mit ausgebauten Einzelsitzen der zweiten Reihe (was einfach aber nicht leicht gelingt – ein Außensitz wiegt rund 17 Kilogramm) passen gut 2.000 Liter rein. 40 Ablagen mit rechnerisch fast 100 Liter Volumen bereichern die Variabilität genauso wie der umklappbare Beifahrersitz. Gegenstände bis 2,50 Metern Länge schluckt der Grand Scénic problemlos. Passend dazu: Je nach Motorisierung können zwischen 520 und knapp 600 Kilogramm gebuckelt werden.

Perfekt wäre das Thema Passagier- und Gepäcktransport abgerundet, wenn sich die Heckklappe A weit genug aufschwingen würde und B das Klappenschloß nicht als Kopfnuss-Verteiler installiert wäre. Weiterer Kritikpunkt: Hinter den fetten A-Säulen verstecken sich spielend Lkw. Citroën löst das Problem beim Grand Picasso dank doppelter A-Säule eleganter.

Kein DI-Benziner

Renault Grand ScénicWenig Weitblick hat Renault bei den Otto-Motoren bewiesen. Direkteinspritzende Benziner sucht man nämlich vergebens. Der betagte 1.6 16V mit 110 PS markiert den Einstieg in die Benzin-Welt. Empfehlenswerter ist der 20 PS stärkere und von uns gefahrene 1.4 TCe. Dank Turboaufladung bringt er es auf knapp 200 Newtonmeter Drehmoment, die die rund 1,5 Tonnen gekonnt in Szene setzen. Mehr braucht es nicht, weniger muss es nicht unbedingt sein.

Renault gibt den Normverbrauch mit zaghaften 7,1 Litern an. Auf unserer rund 150 Kilometer langen Testrunde kamen wir trotz Tempobegrenzung (Schweiz und Frankreich) nicht unter neun Liter (laut Bordcomputer). Ein akzeptabler Wert, der mit Hilfe einer Benzin-Direkteinspritzung noch niedriger ausfallen dürfte. Laut Renault-Pressesprecher Thomas May-Englert stand dies wohl nicht im Lastenheft der Entwickler. Sei’s drum, der kleine Vierzylinder fasziniert auch so, da er extrem laufruhig agiert und selbst beim Ausdrehen sein zartes Stimmchen bewahrt. 140 km/h ist eine angenehme Reisegeschwindigkeit, Motor- und Windgeräusche sind fast nicht vorhanden.

Perfektes Fahrwerk

Renault Grand ScénicGlänzend ergänzt wird der TCe 130 von einem Erste-Sahne-Fahrwerk. Die straff abgestimmte McPherson-Vorderachse spricht dennoch geschmeidig an, die Querstabis sorgen für geringe Seitenneigung. Die Verbundlenker-Hinterachse folgt agil der Vorgabe und teilt selbst unbeladen keine Schläge aus.

Als sportliche Alternative bietet Renault mit dem 160-PS-Diesel den einzigen Euro-5-Kandidaten im Programm an. Er beschleunigt den Grand Scénic in 9,3 Sekunden auf Tempo 100. Damit sprintet er 1,4 Sekunden schneller als der um 30 PS schwächere Benziner. In der Endgeschwindigkeit trennen die beiden vernachlässigbare zehn km/h. Den Diesel-Verbrauch gibt Renault mit 6,6 Litern an. Eine Empfehlung ist der dCi 160 FAP  nicht. Der Motor läuft rau, die Kupplung spricht unschön an und zu allem Übel ist die Fahrwerksabstimmung unharmonisch. Zu staksig, zu ungehobelt lautet das erste Urteil des gefahrenen Vorserien-Fahrzeugs, das anstelle der in Deutschland erhältlichen 205er-Pneus auf für Frankreich üblichen 225ern rollte. Zudem drückt der schwere Motor auf die Vorderachse.

Renault Grand ScénicHart kalkuliert

Dabei ist der Mehrpreis zwischen TCe 130 und dCi 160 nicht so groß wie vielleicht vermutet. 22.400 Euro kostet der Benziner als Dynamique, 26.000 werden für den 160-PS-Diesel fällig, der zudem größere Bremsen (plus 20 mm) trägt. Dennoch rechnet sich der 160 dCi nur für Vielfahrer und eben Hartgesottene.

Für alle anderen Freunde des Sparens folgt Mitte 2009 eine E85-Ethanol-Version und Ende 2009 eine LPG-Flüssiggas-Variante. Beide basieren auf dem 110-PS-Benziner. Ebenfalls Ende 2009 soll es den Einstiegsdiesel (1.5 dCi, 106 PS) mit einem Doppelkupplungsgetriebe geben. Nach Renault-Prognosen wird der 130-PS-Diesel (dCi 130 FAP ab 24.500 Euro) der am häufigsten georderte Grand Scénic werden.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Renault Grand Scénic Tce 130   Renault Grand Scénic dCi 160
Ausstattungsvariante   Dynamique   Dynamique
Abmessung und Gewicht        
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.560 / 1.845 / 1.675   4.560 / 1.845 / 1.675
Radstand (mm)   2.770   2.770
Wendekreis (m)   11,3   11,3
Leergewicht (kg)   1.400   1.666
Kofferraum (Liter)   208 - 2.083   208 - 2.083
Bereifung Testwagen   205/55 R17 Conti Premium Contact   225/50 R17 Michelin Primacy HP
Motor        
Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart)   1.397 / 4, Reihe   1.995 / 4, Reihe
Leistung (PS)   130   160
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   190 bei 2.250   380 bei 1.750
Antriebsart   Frontantrieb   Frontantrieb
Getriebeart   Sechsgang manuell   Sechsgang manuell
Verbrauch        
Krafstoffart   Super   Diesel
Kombiniert laut Werk (l/100km)   7,1   6,6
CO2-Emissionen (g/km)   168 / Euro 4   173 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   k. A.   k. A.
Fahrleistungen        
Werksangabe 0-100km/h (s)   10,7   9,3
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k. A.   k. A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k. A.   k. A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   195   205
Preise        
ab (Euro)   22.400   26.000
Empfohlene Extras   Sicherheitstrennnetz (160 Euro), vollintegriertes Navigationssystem Carminat TomTom (490 Euro), beheizbare Vordersitze (250 Euro)   Sicherheitstrennnetz (160 Euro), vollintegriertes Navigationssystem Carminat TomTom (490 Euro), beheizbare Vordersitze (250 Euro)
 
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Fazit

Benziner hui, Diesel pfui? Nein, nicht wirklich. Aber: der TCe 130 ist wohl das ideale Triebwerk für den Grand Scénic. Er ist sehr laufruhig, hat akzeptable Trinksitten, ist ausreichend flott und die Fahrwerksabstimmung passt. Über die Variabilität und das Platzangebot des knapp 4,60 Meter Vans braucht man nicht zu diskutieren, sie ist prima. Diskussionsstoff bieten eher die nicht weit genug öffnende Heckklappe und das deplatzierte Heckklappenschloß. Aber es muss ja Raum für Verbesserungen geben.

Renault Grand Scénic

 
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