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Galerie: Erster Test Renault Laguna GT

Erster Test: Renault Laguna GT

Mitdenken beim Mitlenken

03.04.2008

Renault bringt kurz nach Markteinführung des Laguna das Topmodell raus: Den Laguna GT. Bei den Franzosen war erfreulicherweise nicht nur Motorleistung oberstes Entwicklungsziel. Der Laguna GT besitzt nun exklusiv die geniale Allradlenkung „active drive“. Wir fuhren den 178 PS starken GT-Diesel als Grandtour genannten Kombi.

Allradlenkung? Kommt einem irgendwie bekannt vor. Hatten nicht einmal die Japaner solch ein System? Richtiiiig. Honda bot 1987 als erster Großserienhersteller eine Allradlenkung im Coupé Prelude an. Mitsubishi hatte im Schwergewichtssportler 3000 GT ein solches System und sogar BMW bot es Mitte der Neunziger im 850 an. Aber auch in Limousinen wie dem Mazda 626 kam ein Allradlenksystem zum Einsatz.

Galerie: Erster Test Renault Laguna GTNun tritt Renault auf die Bühne und will dieses System dank Aktiveingriff revolutioniert haben, nachdem alle anderen Hersteller vom Zug abgesprungen sind. Eine vollmundige Ankündigung, die wir all zu gerne überprüfen wollen. Dazu lud Renault auf die wunderschöne Insel Korsika ein.

Technisch genial

Aber zuerst zur technischen Umsetzung. Vorne bleibt alles beim Alten. Wie jeder Laguna, federt und lenkt auch der GT mittels McPherson Vorderachse mit unteren Dreieckslenkern. Ein Querstabi verhindert bei flotter Kurvenfahrt allzu große Seitenneigung. Jedoch wuchsen die Scheiben der vorderen Faustsattelbremsen beim GT um 24 Millimeter und messen nun derer 320. Hinten entsprechen sie den Standardmodellen.

Galerie: Erster Test Renault Laguna GTDer eigentliche Clou des GT befindet sich aber an der Hinterachse. Hier hat die neue, aktive Allradlenkung ihren Platz. Das System besteht aus einem Aktuator, der vor dem rechten Hinterrad sitzt, einer Steuereinheit, die sich über der Hinterachse befindet und eben der lenkbaren Hinterachse selbst. Diese verursacht etwa 20 Kilogramm Mehrgewicht. Der maximale Lenkwinkel der hinteren Räder beträgt von links nach rechts sieben Grad. Hört sich nicht viel an? Ist es aber, später mehr dazu. Die Informationen über die Notwendigkeit des Lenkens erhält die Hinterachse vom ESP-Steuergerät und einem Lenkwinkelsensor. Über den CAN-Bus werden die Infos dann zum Aktuator geleitet. So viel zur Technik selbst.

Gleich rein ins GTümmel

Galerie: Erster Test Renault Laguna GTRenault bietet die Allradlenkung ab Mai 2008 in einem für die Allgemeinheit noch irgendwo erschwinglichen Preissegment an. 33.000 Euro werden für die teuerste GT-Version, den Grandtour (Kombi) mit Zweiliter-Dieselmotor und 178 anstatt der sonst üblichen 173 PS fällig. Die Ausstattung ist komplett. Wer möchte, kann sich noch ein Navi und ein Schiebedach gönnen. Alles andere ist drin. Natürlich hat Renault auch GT-Eigenheiten im Innenraum platziert.

Exzellente Sportsitze

Ganz oben zu nennen sind die weichen aber dennoch exzellenten Sportsitze. Sie klammern Fahrer und Beifahrer ein, ohne zu Drücken oder zu Pieksen und der rutschresistente Alcantara-Bezug hilft zusätzlich fürs Wohlgefühl. Auf Wunsch stemmt sich die manuelle Lordosenstütze den Lenden sanft entgegen. Die Sitzheizung beschert einem auch an kalten Tagen einen warmen Hintern. Die Sitzposition hinter dem vielfach verstellbaren, unten abgeflachten Lenkrad ist prima.

Galerie: Erster Test Renault Laguna GTUnd dennoch stören Großgewachsene zwei Kleinigkeiten: Erstens lässt sich die Schenkelauflage der Sportsitze nicht ausziehen, daher ist sie (für mich) zu kurz. Zweitens macht der Kopf hin und wieder unsanfte Bekanntschaft mit dem Dachholm und dem dort platzierten Brillenetui. Der Innenraum präsentiert sich qualitativ sehr hochwertig. Alles fasst sich handschmeichelnd sanft und angenehm an. Alles? Nicht ganz. Die silbern angemalte Kunststoffverkleidung um den aus Echt-Aluminium gefertigten Schalthebel herum ist eben nur „Plastik“. Sieht so aus und fühlt sich halt so an.

Ansonsten viel Platz

Galerie: Erster Test Renault Laguna GTAm Platzangebot gibt es dagegen nichts zu meckern. Vorne wie hinten stimmt’s einfach. Klar, 4,80 Meter Außenlänge und mehr als 1,80 Meter Breite schaffen Freiheit. In den Kombikofferraum passen daher auch stattliche 508 Liter. Wer umklappt, kann annähernd 1.600 Liter reinpacken. Das Umklappen der Rückbanklehne gelingt übrigens kinderleicht, denn sowohl vom Gepäckraum als auch vom Fond aus gibt es Hebel und Knöpfe, die bei Betätigung die Lehne sanft auf die Sitzfläche sinken lassen.

Losfahren

Aber genug der Theorie. Anschnallen, Startknopf drücken, elektronische Feststellbremse lösen (löst auch automatisch) und losfahren. Ruhig und vibrationsarm werkelt der um dezente fünf PS gepushte Selbstzünder vor sich hin. 178 Pferde reichen aus, um dem Laguna die Sporen zu geben. Oder anders, um ihn rein theoretisch auf 213 km/h zu beschleunigen und die Null-bis-100-Übung in flinken 8,7 Sekunden zu absolvieren. Damit ist der GT allerdings zwei km/h langsamer als ein 173-PS-Diesel. Wind- und Rollwiderstände haben mit den großen Rädern eben schwer zu kämpfen. Dieseluntypisch dreht der Common-Rail-dCi sogar bis annähernd 5.000 Touren frei hoch.

Galerie: Erster Test Renault Laguna GTDie ausgewählte Strecke über die kurvigen Sträßchen von Korsika kommen dCi-Motor und Sechsgang-Schaltgetriebe zugute. Der Schalthebel gleitet jedoch nicht so glatt durch die Gassen, wie man es sich wünschen würde. Ab 2.000 Umdrehungen stehen 400 Newtonmeter bereit und warten darauf, den Frontantrieb zu überfordern. Das klappt – zumindest auf trockener Straße – nicht ganz. Die 225er-Bridgestone Potenza RE050 kleben am Asphalt, wie die Bunnys an Hugh Heffners faltiger Wange. Die Mischung der 18-Zöller wurde laut Renault extra für den GT abgestimmt. Das mag man gerne glauben.

Sensationelle Straßenlage

Galerie: Erster Test Renault Laguna GTKaum zu glauben ist dagegen die Straßenlage des Allrad-Lenkers. Gut, dass selbst 18-Zoll-Alufelgen harmonisch über Unebenheiten gleiten, das schaffen auch andere Hersteller. Dass im Gegenzug aber die Dynamik solch ein Ausmaß erreicht, ist tief beeindruckend. Auf kleinen, geschwungenen Sträßchen kommt die neue Allradlenkung voll zum Tragen.

Galerie: Erster Test Renault Laguna GTUnter 60 km/h, lenken die Hinterräder entgegen der Lenkradbewegung. Ab 60 km/h stellen sie sich dann in Fahrtrichtung. Das bedeutet, dass bei niedrigen Geschwindigkeiten im Stadtverkehr der Wendekreis deutlich gesenkt wird – zehn Meter ist Kleinwagenniveau – und bei höheren Geschwindigkeiten die Fahrdynamik spürbar profitiert. Der Laguna GT zieht sich förmlich in Kurven hinein und giert im doppelten Sinne nach ihnen. Der Lenkradeinschlag ist – ähnlich einer Aktivlenkung – äußerst gering. Der GT findet tatsächlich eine hervorragende Balance zwischen Über- und Untersteuern, er bleibt extrem lange neutral. Die ESP-Regelschwelle (das ESP ist nicht deaktivierbar) verschiebt sich weiter nach oben, da die mitlenkenden Hinterräder erst später in Gleitreibung übergehen. Somit profitiert neben der Fahraktivität insbesondere die Fahrsicherheit deutlich von der Allradlenkung.

GT kommt im Joggo

Galerie: Erster Test Renault Laguna GTWer ein GT im Namen trägt, darf auch äußerlich Flagge zeigen. So ist der Laguna im Jogginganzug (Joggo) an folgenden Details zu erkennen: doppelflutige Abgasanlage, 18-Zoll-Felgen, schwarz lackierte Außenspiegel mit integrierten Blinkern (keine LED), neu gestalteter Frontschürze, schwarz eingefassten Bi-Xenonlampen mit Kurvenlichtfunktion und last but not least, dem GT-Schriftzug an der B-Säule.

Womit wir auch schon bei den Kosten des GT wären. Wie erwähnt werden für den komplett ausgestatteten Dieselkombi 33.000 Euro fällig. Den Einstieg in die Renault Laguna GT-Welt macht jedoch der 204 PS starke Turbobenziner mit Fließheck. Für 30.500 Euro ist dieser zu haben. Im Vergleich zu einem schwächeren Laguna Dynamique kostet der GT nicht einmal 3.000 Euro mehr. Hat dafür aber all die Besonderheiten und speziell eben die geniale Allradlenkung mit an Bord. Drei Jahre Garantie oder 150.000 Kilometer lang werden eventuelle Defekte von Renault kostenlos ersetzt. Ein weiterer Anreiz für den durchaus eleganten Franzosen.

Fazit

Galerie: Erster Test Renault Laguna GTEin gelungenes Paket, das Renault mit dem Laguna GT auf die Räder gestellt hat. Egal, ob als drehmomentstarker Diesel oder tubobefeuerter Vierzylinder-Benziner. Das Außen- und Innendesign ist gefällig, die verwendeten Materialien einwandfrei, die Sitze erstklassig und das Fahrwerk tatsächlich phänomenal. Die Allradlenkung erhält ein Revival. Laut Renault werden ab Herbst 2008 das Laguna Coupé und noch weitere Renault-Modelle mit der active-drive-Allradlenkung folgen. Die Preise sollen moderat bleiben – wir freuen uns drauf.

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