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Galerie: Erster Test Renault Latitude

Erster Test: Renault Latitude

Nächster Versuch

16.11.2010

Renault kann es nicht lassen. Trotz schlechter Aussichten auf Erfolg starten die Franzosen ab dem Mitte Januar 2011 den nächsten Versuch, in der (Oberen) Mittelklasse Fuß zu fassen. Nach dem kläglichen Scheitern des durchaus die Autowelt bereichernden Vel Satis kommt nun der Latitude. Mit weniger Verve, weniger Extravaganz und weniger Chancen, wenigstens im Alter ein gesuchtes Sammlerobjekt zu werden.

Irgendwie komisch, dass manche Hersteller es nicht lassen können, sich in einer Klasse etablieren zu wollen, in der sie eigentlich nichts zu suchen haben. Bis auf die Staatsoberhäupter der jeweiligen Länder, wo der Hersteller herkommt, gibt es dann auch kaum Fans, die sich überreden lassen, einen Sonderling anstelle eines Mainstream-Fahrzeugs zu kaufen.

Der Sonderling

Der Latitude ist solch ein Sonderling, den Herr Skarkozy wohl demnächst hingestellt bekommt, um damit zu repräsentieren. Sonderbar ist er gleich auf zweierlei Hinsicht – der Renault, versteht sich. Er sieht zwar irgendwie schnittig aus, sein Design ist aber doch eher langweilig und austauschbar. Ein Weg, den Renault bei den aktuellen Modellen vermehrt einschlägt, denn die Ansage createur d’automobile klappte ja auch nicht, zu ausgefallen waren die Fahrzeuge noch vor Jahren.

Renault LatitudeIrgendwie ist den Nachbarn jetzt also endgültig der Mut abhanden gekommen, einen neuen Avantime, einen weiteren Bürzel-Mégane oder eben einen von vielen unterschätzten Vel Satis zu zeichnen. Dabei ist es ja vor allem bei den Fahrzeugen ab der Mittelklasse nicht einmal wichtig, ein omnikompatibel Design zu kreieren. Ein Verkaufsrenner werden diese Fahrzeuge eh nicht – nicht nur in Deutschland nicht.

Des Weiteren stempeln die Gene des Renault Latitude ihn zum Sonderling. Denn eigentlich ist er ein Koreaner. Bereits beim Koleos beschritt Renault diesen Weg und firmierte einfach einen Samsung als Renault um. Die Franzosen wollen in beiden Fällen vom Markenverbund aus Renault, Nissan und Samsung profitieren. In Korea läuft der Latitude nämlich auch als Samsung SM5 vom Band und wird so auf einigen asiatischen Märkten feilgeboten.

Auf die europäischen Bedürfnisse zugeschnitten

Sei’s drum, der Renault Latitude wurde für Europa an die hiesigen Bedürfnisse angepasst, im Design etwas geschärft und vor allem hinsichtlich Motoren, Fahrwerk und Verarbeitung optimiert. Trotz allem steckt laut Renault noch viel Samsung drunter, vielleicht wohlwissend, dass der Anspruch der Franzosen höher ist als das, was der Latitude halten kann. Zumal er das neue Topmodell der Marke ist.

Renault LatitudeDennoch empfängt einen bereits beim Einsteigen das gewohnt sachliche, übersichtliche und ansprechende Renault-Interieur. Die verwendeten Materialien und die Verarbeitung sind bestenfalls gut, kommen in Details aber nicht an das mittlerweile von Renault gewohnte heran. Der kleinere Laguna wirkt da, zumindest im Neuzustand, deutlich hochwertiger. Da hilft auch die aufgesetzte Naht auf dem Latitude-Armaturenbrett nur wenig. Echte Mankos sind beispielsweise die Lenkradverkleidung, die Passung der Ledersitze oder aber die Spaltmaße an der Außenhaut, die im 90er-Jahre-Look klaffen.

Die mächtigen Fauteuils sehen gemütlicher aus, als sie sind. Die Sitzfläche ist zu kurz, der Seitenhalt kaum vorhanden und die Sitzposition im Gesamten zu hoch. Sie sind im großen Renault übrigens stets mit Leder bezogen und mit einer Massageeinrichtung in der Fahrer-Lehne versehen, was in dieser Fahrzeugklasse noch etwas Besonderes ist.

Duftmarke setzen

Ebenso besonders ist der Duft versprühende Klimaapparat. Hier kann der Kunde aus sechs Düften wählen, die bei täglich einstündiger Nutzung rund einen Monat wohligen Geruch versprühen sollen. Uns erinnerte es mehr an ein zwielichtiges Etablissement.

Damit nicht viel Geruch von draußen ins Wageninnere kommt, ist der Latitude mit einer Dreizonen-Klimaautomatik mit automatischer Umluftregelung und Ionisierungseinrichtung ausgerüstet. Bei letzterem handelt es sich um ein System, das die Luft von Sporen, Bakterien und allergieauslösenden Stoffen reinigen soll – nette Idee.

Ebenso nett ist, dass der Latitude aufgrund seiner Abmessungen von 4,90 Meter Länge, 1,83 Meter Breite und vernünftiger Höhe gute Platzverhältnisse innen bietet. Lediglich Sitzriesen werden sich an der niedrigen Deckenhöhe stören. Immerhin: Das große Glas-Schiebedach wird es bei uns nicht geben, das nämlich schmälert den Kopfraum deutlich. Der Kofferraum bietet ohne Ausnutzung der Reserveradmulde bescheidene 477 Liter. Die Zuladung liegt mit mindestens 485 Kilogramm im Bereich des Üblichen.

Drei Motoren

Renault LatitudeDrei Motoren bieten die Franzosen für den Großen an. Der 140-PS-Otto wird dabei eine eher untergeordnete Rolle spielen, auch wenn bei ihm die Wahlmöglichkeit zwischen Benzin- und E85-Tanken lockt. Das Ethanol (E85) ist jedoch aus Umweltgesichtspunkten (Regenwaldrodung für neue Anbauflächen im Amazonasgebiet) nicht der Weisheit letzter Schluss, zudem gibt es nur spärlich gesäte E85-Zapfsäulen und der Spritverbrauch steigt von 7,9 Superbenzin auf 10,7 Liter Ethanol an, womit sich der Preisvorteil des günstigeren Ethanols praktisch in Luft auflöst, die CO2-Emissionen sinken um neun Gramm pro Kilometer.

Ausschließlich mit Diesel ist der kommende Bestseller im Programm zu befüllen. Der Zwei-Liter-dCi mit 173 PS produziert bereits ab 2.000 Touren 360 Newtonmeter Kraft, die ausschließlich über eine aufmerksame und komfortabel agierende Sechsstufen-Wandlerautomatik an die Vorderachse geleitet wird. So gewappnet läuft der sehr leise (aber lauter als im Laguna) und vibrationsarme Vier-Zylinder souverän vorwärts und soll sich mit 6,5 Liter Dieselsprit befriedigen. Seine Fahrleistungen liegen mit 9,9 Sekunden für den Spurt und einer Höchstgeschwindigkeit von 205 km/h unter dem Durchschnitt. Ein Skoda Superb schafft 220 km/h und ist 0,9 Sekunden früher auch Tempo 100.

Renault LatitudeDeutlich stärker ist der Drei-Liter-Diesel. Er stemmt zwar vergleichsweise bescheidene 450 Newtonmeter auf die Welle (eine Mercedes C-Klasse besitzt 90 Nm mehr), treibt den ebenfalls ausschließlich mit Automatik lieferbaren V6-Renault aber dennoch äußerst souverän und komfortabel an. Klar, den 3.0 dCi braucht’s nicht, aber standesgemäß ist er irgendwie schon.

Immerhin hält sich der Mehrverbrauch im Vergleich zum Vier-Zylinder in Grenzen. 0,7 Liter Aufschlag sind ein fairer Betrag für die Luxussteigerung. Als Besonderheit preisen die Franzosen die steuerkettengetriebenen Motoren an (bei manch Konkurrenten werden wartungsintensivere Zahnriemen verwendet) und die Möglichkeit, bei den Dieselmodellen den serienmäßigen Rußfilter unter allen Fahrbedingungen reinigen zu können, was ein Verstopfen des Partikelfängers verhindern soll.

Das Fahrwerk und die Lenkung bemühen sich übrigens wenig, einen nachhaltig positiven Eindruck bei Fahrer und Insassen zu hinterlassen. Die Lenkung agiert unpräzise und synthetisch, man könnte vielleicht auch komfortabel dazu sagen und das Fahrwerk ist holperig und mag keine Querfugen – nicht komfortabel. Sportlich ist es aber auch nicht, es versetzt schonmal bei Unebenheiten, die sich in Kurven befinden.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Renault Laitude dCi 175   Renault Laitude V6 dCi 240
         
Motor        
Hubraum (ccm) / Bauart   1.995 / R4   2.998
Leistung (kW / PS)   127 / 173   177 / 241
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   360 / 2.000   450 / 1.500
Antriebsart   Frontantrieb   Frontantrieb
Getriebeart   Sechsgang-Automatik   Sechsgang-Automatik
Abmessung und Gewicht        
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.897 / 1.832 / 1.483   4.897 / 1.832 / 1.483
Radstand (mm)   2.762   2.762
Wendekreis (m)   11,2   11,2
Leergewicht (kg)   ab 1.695   ab 1.730
Kofferraum (Liter)   477 mit Reserverad   477 mit Reserverad
Bereifung Testwagen   225/45 R18   235/45 R18
Verbrauch        
Krafstoffart   Diesel   Diesel
Kombiniert laut Werk (l/100km)   6,5   7,2
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   170 / Euro 5   188 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   k .A.   k. A.
Fahrleistungen        
Werksangabe 0-100km/h (s)   9,9   7,6
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k .A.   k .A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k .A.   k .A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   205   234
Preise        
ab (Euro)        
Empfohlene Extras        
 
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Eine ganz besondere Idee

Um den Latitude als etwas Besonderes positionieren zu können, gehen die Marketing-Strategen einen neuen Weg. Als Neuwagen wird der Latitude nämlich nie zu kaufen sein. Lediglich mieten kann man ihn. 399 Euro kostet der Benziner im Monat inklusive Inspektionen und vier Jahren mit 150.000 Kilometer Garantie. Keine Anzahlung, keine Endsumme. Dass der Mietpreis auf lediglich 40.000 Kilometer ausgelegt ist, sollte bedacht werden.

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Nach vier Jahren gibt man den Latitude an einen der etwa 50 Renault-Händler zurück, die den ihn verkaufen sollen. 50 von rund 1.200 deutschlandweit. Damit gibt es keine Rabattfeilscherei beim „Neukauf“ und für den Händler kein Stress bei der Rücknahme. Dann erst geht der Latitude in den freien Verkauf. Ein Preis für einen vier Jahre alten Wagen kann man heute noch nicht abschätzen. Eine vielleicht ganz pfiffige Idee. In Frankreich kostet ein 173-PS-Diesel in vergleichbarer Vollausstattung rund 42.000 Euro, was vor allem in Deutschland wohl kaum jemand zu zahlen bereit wäre.

Mit an Bord sind bei allen drei Motorisierungen immer ein und dieselbe Ausstattung. Nur bei der Farbe kann der Kunde wählen. Schwarz oder grau, zwei Lackierungen. Hier eine kleine Auswahl der Ausstattung: Sechs Airbags, Bose-Lautsprecher, elektrisch verstellbaren, massierenden Memory-Ledersitzen, DVD-Navi, Bi-Xenonlich und Einparkhilfe mit Rückfahrkamera – ein Rundumsorglos-Paket sozusagen

Fazit

Trotz der neuen Vermarktungsstrategie wird es die französische Großlimousine extrem schwierig haben, gegen die etablierte Konkurrenz, auch aus Frankreich (Renault Laguna, Citroën C5 / C6 und Peugeot 508), anzukommen. Denn der Renault Latitude kann nichts besser als andere und erregt zudem keinerlei Aufsehen. Er ist ein konturloses Gesicht in der Menge für Menschen, die gerne nichtauffallen möchten, aber dennoch ein bisschen Luxus suchen. Gibt es diese Spezies da draußen?

Renault Latitude

 
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