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Galerie: Erster Test Renault Mégane Facelift

Erster Test: Renault Mégane Facelift

Maßnahmen gegen den Spritpreiswahn

05.04.2012

Optisch war der Wechsel von der zweiten zur dritten Mégane-Generation radikal. Nach Meinung vieler war der Abschied vom schwer verdaulichen Heckbürzel der richtige Weg und kam die optisch gefälligere Neuauflage deutlich besser an. Wohl auch deshalb fällt die jetzt erfolgte Auffrischung des Kompakt-Renaults nach drei Jahren behutsam aus. Wesentlich wichtiger sind die Änderungen unter der Haube: Neue Sparmotoren erfreuen mit wenig Durst bei guten Fahrleistungen. Und der radikal sportliche R.S. begeistert mit einer kleinen Spaßspritze.

Renault selbst spricht von einem leichten Touch Modernität, den die Außenoptik der Kompaktbaureihe erhalten hat. Kleine Retuschen, Glanz-Schwarz-Lackierung und Chromeinsätze sorgen am Gesicht für eine dezent aufgewertete Optik. Am auffälligsten sind die in die Scheinwerfer-Einheiten integrierten LED-Tagfahrleuchten, die allerdings erst ab der höherwertigen Ausstattung Dynamique zur Serienausstattung gehören. In der Seitenansicht sorgen die in Wagenfarbe lackierten Kunststoffschutzleisten und acht neue Felgendesigns für Frische, während das gefällig rundliche Heck unangetastet blieb.

Die Maßnahmen betreffen übrigens alle drei geschlossenen Karosserievarianten, also den Fünftürer, den Kombi Grandtour und das dreitürige Coupé. Während es sich bei den ersten beiden Mégane-Versionen um zeitgemäße, schicke aber auch etwas austauschbare Erscheinungen handelt, sticht das Coupé mit seinem dramatisch muskulären Auftritt doch etwas deutlicher aus dem Einerlei heraus. Ganz besonders trifft das auf die Starkversion R.S. zu, für die Renault einige neue Individualisierungs-Maßnahmen bietet. Großartig wirkt der R.S. als schwarz lackierter Endzeit-Racer mit neuen roten Zierstreifen. Das optische Versprechen hält der Bolide übrigens auch fahrtechnisch ein, doch dazu später mehr.

Kombi mit Spardiesel

Galerie: Erster Test Renault Mégane FaceliftZunächst entern wir den Grandtour mit neuem Spardiesel dCi 130, dessen Innenraum nur marginal modifiziert und aufgewertet wurde. Weiterhin gefällt der Arbeitsplatz also mit modernem Schick, guter Funktionalität und vielen hochwertigen Materialien. Nicht jeder Schalter ist allerdings optimal positioniert und finden sich bei genauer Inspektion auch leichte Schwächen in der Verarbeitung. Klasse: Die Sitze der optionalen GT-Line-Ausstattung bieten eine herrlich angenehme Seitenführung. Ansonsten ist der Grandtour mit einem zwischen 524 und 1.596 Liter fassenden Gepäckabteil gesegnet, der dank umlegbarer Beifahrersitzlehne auch bis zu 2,55 Meter lange Gegenstände aufnehmen kann.

Bisher handelte es sich beim dCi 130 um einen angenehm kraftvollen und kultivierten 1,9-Liter-Vierzylinder, der durch einen neuen 1,6-Liter-Turbodiesel ersetzt wurde. Das bemerkenswerte ist der deutliche Minderverbrauch, denn statt bisher 5,1 sind es jetzt nur noch vier Liter Normverbrauch auf 100 Kilometer. Neben einem serienmäßigen Start-Stopp-System und der Hubraumverkleinerung sind eine Reihe weiterer Maßnahmen für diesen niedrigen Wert verantwortlich. So soll der Ansaugtrakt mit optimierter innerer Aerodynamik zusammen mit einer variablen Drallsteuerung für eine bessere Brennraumfüllung sorgen, während der gewichtsoptimierte Turbolader mit neu gestalteten Schaufeln schnellere Ansprechzeiten bei niedrigen Drehzahlen garantiert.

Und auch dank einer geringeren Verdichtung (15,4:1) soll der über neue 7-Loch-Injektoren und mit 1.600 bar eingespritzte Kraftstoff besser verwertet werden. Ebenfalls der Effizienz zuträglich sind noch eine spezielle Getriebeabstufung, die Rückgewinnung von Bremsenergie, eine Niederdruck-Abgasrückführung, eine variable Ölpumpe sowie eine variable Motorkühlung.

Etwas langsamer, aber deutlich sparsamer

Galerie: Erster Test Renault Mégane FaceliftWas bereits in der Theorie beeindrucken mag, macht in der Praxis richtig Laune: Trotz des Miniverbrauchs und des geringeren Hubraums fühlt sich der 1.6er-Diesel von Renault so gar nicht nach Verzichtserklärung an, bietet immerhin kräftige 320 Newtonmeter, also 20 mehr als beim Vorgänger. Der herrliche Drehmoment-Bumms entfaltet sich nach kleinem Turboloch bei 2.000 Touren.

Allerdings ermöglichte der bisherige 1.9er leicht bessere Fahrleistungen: Statt 9,8 braucht der 1,4 Tonnen wiegende Grandtour mit dem neuen dCi 130 exakt drei Zehntelsekunden mehr und endet der Vortrieb bereits bei 200 statt bisher 205 km/h. Ebenfalls aus Kundensicht etwas nachteilig ist der Preisanstieg um eine fast vierstellige Summe auf nunmehr 24.590 Euro in der übrigens dann schon recht umfangreichen Ausstattung Dynamique. Ebenfalls bedauerlich: Der Motor ist mit manuellem Sechs-Gang-Schaltung, nicht jedoch mit der komfortablen Doppelkupplungsgetriebe EDC kombinierbar. Dieses Getriebe gibt es weiterhin nur in Kombination mit dem dCi 110, der in seiner sparsamsten Variante übrigens nur 3,5 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen soll – eine Bestmarke im Segment.

Kleiner Sparbenziner

Galerie: Erster Test Renault Mégane FaceliftDie zweite wichtige Motorenneuheit ist der Energy TCe 115 Start & Stop, bei dem es sich um einen turbogeladenen Benziner mit nur 1,2 Liter Hubraum handelt. Auch dieser Motor verbindet einen schwungvollen Vortrieb mit einem vergleichsweise niedrigen Normverbrauch. Für die rund 1.280 Kilogramm leichte fünftürige Limousine reichen die 115 PS und 151 Newtonmeter für einen Sprint aus dem Stand auf 100 km/h in 10,9 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h. Damit ist der neue TCe nur etwas langsamer als der weiterhin im Angebot befindliche 1.6 16V mit 110 PS. Wesentlich eindrucksvoller ist allerdings der Minderverbrauch: Während der 1.6er noch mit 6,9 Litern angegeben wird, bescheidet sich der TCe mit 5,3 Liter, die wir in der Praxis laut Bordcomputer auf 6,9 Liter getrieben haben.

Den kultivierten und bis auf eine kleines Turboloch recht spritzigen TCe 115 kann man im Fünftürer in der bereits etwas besseren Ausstattung Expression ab 19.450 Euro bekommen, was 1.100 Euro über dem weiterhin verfügbaren 1.6 16V liegt. Theoretisch dürfte sich die Mehrinvestition nach bereits 50.000 Kilometern amortisiert haben. Günstig fällt auch der Vergleich mit dem Klassenprimus Golf aus, der mit dem 105 PS starken 1.2 TSI und etwa vergleichbarer Ausstattung rund 2.500 Euro mehr als der Mégane TCe 115 kostet, bei gleichen Fahrleistungen und gleichem Verbrauch.  

Pistengranate R.S.

Galerie: Erster Test Renault Mégane FaceliftNoch wesentlich attraktiver ist das Preis-Leistungs-Verhältnis beim Mégane R.S., der für nur 28.000 Euro ein enorm hohes Fahrspaßpotenzial und eine umfangreiche Ausstattung bietet. Das Schöne: Mit dem Facelift hat der R.S. noch eine Leistungsspritze von immerhin 15 PS bekommen, bei unverändertem Preis und einer sogar leichten Minderung des Normverbrauchs von 8,4 auf 8,2 Liter pro 100 Kilometer. Im Normalmodus bleibt es bei den bisherigen 250 PS, die 15 Zusatz-PS werden aktiv, wenn man per Knopfdruck in den Sport- oder Race-Modus (ESP deaktiviert) wechselt. Dann klingt der Motor ungehobelter, roher, vermittelt der R.S. bereits bei Standgas echtes Rennsportfeeling.

Dem ersten Eindruck folgen auch entsprechende Taten: Der 1,5-Tonner knackt mit seinen ab 3.000 Touren anliegenden 360 Newtonmeter Drehmoment die 100-km/h-Marke nach nur sechs Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 254 km/h. Doch nicht nur längsdynamisch, begleitet von einem eigenwillig kernig-schnarrenden Auspuffsound, vermag das Kraftpaket dem Fahrer ein fettes Grinsen abringen. Auch in Kurven kann der französische Volkssportler bei forciertem Einsatz brillieren. Einerseits bietet die ohnehin schon für flotte Kurvenfahrten recht gute Fahrwerksbasis mit dem speziellen R.S.-Setup einen härtere und verbindliche Straßenlage und dank einer um 48 Millimeter breiteren Spur noch eine erfreulich geringe Wankneigung. Darüber hinaus sorgen bissige Brembo-Stopper mit Vier-Kolben-Zangen für adäquate Verzögerungswerte, während beim Rausbeschleunigen aus Kurven ein mechanisches Sperrdifferenzial an der Vorderachse Antriebseinflüsse auf die Lenkung minimieren.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Renault Mégane Grandtour   Renault Mégane 5-Türer
Version / Ausstattung   Energy dCi 130 Start & Stop Dynamique   Energy TCe 115 Start & Stop Expression
Motor        
Hubraum (ccm) / Bauart   1.598 / R4-Turbodiesel   1.198 / R4-Turbobenziner
Leistung (kW / PS)   96 / 130   85 / 115
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   320 / 2.000   190 / 2.000
Antriebsart   Frontantrieb   Frontantrieb
Getriebeart   manuelle Sechs-Gang-Schaltung   manuelle Sechs-Gang-Schaltung
Abmessung und Gewicht        
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.559 / 1.804 / 1.507   4.295 / 1.808 / 1.471
Radstand (mm)   2.703   k.A.
Wendekreis (m)   11,05   10,95
Leergewicht (kg)   1.395   1.280
Kofferraum (Liter)   524 - 1.595   405 - 1.162
Bereifung Testwagen   205/50 R 17   195/65 R15
Verbrauch        
Krafstoffart   Diesel   Benzin
Kombiniert laut Werk (l/100km)   4 (mit Start-Stop)   5,3 (mit Start-Stop)
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   104 / Euro 5   119 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   k.A.   k.A.
Fahrleistungen        
Werksangabe 0-100km/h (s)   10,1   10,9
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k.A.   k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k.A.   k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   200   190
Preise        
ab (Euro)   24.590,00   19.450,00
Empfohlene Extras   k.A.   k.A.
 
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Sperre für Top-Performance

Galerie: Erster Test Renault Mégane FaceliftAllerdings ist die Sperre Teil des gut 1.590 Euro teuren Cup-Pakets, welches für weitere 1.400 Euro noch besonders eng anliegende Recaro-Sitze umfasst. Einige lustbetonte Testrunden auf der spanischen Rennstrecke Monteblanco in der Nähe von Sevilla haben uns gezeigt, dass dieses Paket ein Muss für Kunden ist, die sich gelegentlich mal auf abgesperrten Strecken ein wenig austoben wollen. Immerhin empfiehlt sich der Mégane R.S. mit einer beachtlichen Nordschleifen-Rundenzeit von acht Minuten und fünf Sekunden, welche man auch mit dem bordeigenen LAP-Timer direkt nachmessen kann. Selbst für Ungeübte ist der R.S. eine Riesengaudi, da er sich kinderleicht auch im forcierten Einsatz beherrschen lässt, sofern man mit aktiviertem ESP unterwegs ist, welches beim ohnehin recht spät untersteuernden Sport-Mégane den Fahrer nicht übertrieben stark bevormundet.

Und auch beim Kaufpreis nimmt der Mégane nicht gleich jegliche Euphorie, denn mit 28.000 Euro ist er unter den Power-Kompakten ein Schnäppchen. Zum Vergleich: VWs Scirocco R kostet über 6.000 Euro mehr, bietet dabei die gleichen Fahrleistungen und nur eine leicht bessere Ausstattung. Selbst ausstattungsbereinigt bietet der Franzose noch einen Preisvorteil von rund 5.000 Euro.

Apropos Preis und Ausstattung: Dank der Neuerungen bei der Baureihe Mégane hat Renault die ohnehin schon verwirrende Vielfalt an Motorisierungen und Ausstattungsmöglichkeiten weiter aufgefächert. Wer sich für einen Mégane entscheiden sollte hat also mehr denn je die Qual der Wahl und auch Verkaufsgespräche der Renault-Händler werden angesichts dieser Vielfalt nicht einfacher werden.

 
Fazit

Mario Hommen

Klare Sache: Mit den beiden Energy-Motoren dCi 130 und TCe 115 hat Renault zwei wirklich beeindruckende Aggregate im Portfolio. Beide Motoren fühlen sich lebhaft und spritzig an, drücken den Verbrauch aber deutlich nach unten. Ein guter Ausgleich angesichts der stark gestiegenen Spritpreise.

Ansonsten sind es eher kleinere Details, die den Mégane im Modelljahre 2012 begehrenswerter machen. Eine davon bietet der großartige R.S., dessen auf 265 PS gesteigerte Leistung für noch mehr Fahrspaß bei gleichzeitig etwas weniger Verbrauch sorgt.
 
 

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