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Galerie: Erster Test Renault Twingo Gordini R.S. und Clio Gordini R.S.

Erster Test: Renault Twingo Gordini R.S. und Clio Gordini R.S.

Zur Tradition genötigt

14.09.2010

Die Gordinis kommen! Nein, keine italienischen Hochseilartisten oder zwielichtige Mafia-Brüder, vielmehr handelt es sich um zwei besonders scharfe Renault-Modelle mit nobler Extrawürze. Sowohl Twingo als auch Clio wurden in ihren Starkversionen Sport mit dem eigentlich in Vergessenheit geratenen Traditionslabel Gordini geadelt. Ein Doppeltest.

Der 1899 geborene Amédée Gordini war ein Motorsport-Enthusiast, der bereits in den 1920er-Jahren begann, Motoren auf mehr Leistung zu trimmen. Später baute der Franzose italienischer Herkunft in seiner eigenen Firma sogar komplette Rennsportfahrzeuge und sportliche Serienmodelle, unter anderem von Renault. Als sich der französische Autohersteller im Jahr 1969 Gordinis Tuningschmiede einverleibte, wurde daraus die Abteilung „Renault Sport“. Gordini und seine Ingenieure waren unter anderem an Renaults Einstieg in die Formel 1 beteiligt. Dem 1979 verstorbenen Gordini will Renault nun mit einer sportlichen Produktlinie ehren, deren erste Vertreter Twingo und Clio sind.

Auffälligstes Merkmal der Gordinis sind ihre Lackierung in Blau und der über die Fahrzeuglänge verlaufende weiße Doppel-Rallyestreifen. Im Fall des Twingo, der mit seinem Sport-Sonderstyling bereits eindrucksvoll Muskeln zeigt, kommen noch in Weiß lackierte Außenspiegelgehäuse, weiße Einfassungen der Nebelscheinwerfer sowie ein weißer Dachkantenspoiler an der Kofferraumklappe sowie dunkel getönte Heckfenster hinzu. Schließlich steht der kleine Flitzer auf expressiven 17-Zoll-Rädern. Farblich will Renault damit die Brücke zu seinen historischen Gordini-Modellen schlagen wie dem R8 aus den 1960er-Jahren.

Fast wie ein Fremdkörper

Galerie: Erster Test Renault Twingo Gordini R.S. und Clio Gordini R.S.Auch im Innenraum findet sich das Farbthema Blau-Weiß wieder. Das Ziffernblatt des Drehzahlmessers wurde farblich abgestimmt, auch im oberen Bereich des Sportlederlenkrads und am Alu-Schaltknauf finden sich blaue und weiße Akzente, sogar die Fußmatten und die herausragenden Sportledersitze wurden „gordinisiert“. Das edel bezogene und stark konturierte Gestühl wirkt allerdings fast wie ein Fremdkörper in dem ansonsten recht schlichten Pragmatismus-Ambiente des Twingo mit seinem vielen Hartplastik.

Fahrtechnisch gibt es zwischen dem Gordini und dem normalen Twingo Sport übrigens keinen Unterschied. Der 1,6-Liter-Vier-Zylinder ist quicklebendig, dreht sauber bis fast 7.000 Touren und sorgt für eine kernige Klangkulisse. Bei hoher Geschwindigkeit wird das Motorgeräusch allerdings recht aufdringlich und vermissen wir deshalb auch einen sechsten Gang beim manuellen Handschaltgetriebe mit seinen recht kurzen Schaltwegen. 133 PS treiben den 1,1-Tonner in unter neun Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und machen ihn bis zu 201 km/h schnell. Angesichts von Leistung und Gewicht sind dies allerdings keine berauschenden Werte. Zum Vergleich: Ein Fiat 500 Abarth sprintet in 7,9 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h und wird 205 km/h schnell.

Agiler Flitzer

Galerie: Erster Test Renault Twingo Gordini R.S. und Clio Gordini R.S.Der Wagen ist straff, jedoch nicht übertrieben hart, die Lenkung wirkt trotz ihrer spitzeren Auslegung etwas synthetisch und ist der Twingo trotz Sportfahrwerk aufgrund seines kurzen Radstands und der schmalen Spur für einen Sportwagen vergleichsweise kippelig unterwegs. Dennoch vermittelt der kleine Gordini-Flitzer eine dynamische Direktheit und lässt sich mit gehobener Agilität durch den Verkehr bewegen. Das ESP ist beim Twingo Sport übrigens toleranter als bei den zivilen Twingo-Versionen ausgelegt.

Neben der Extrapower und dem dynamischen Sonderstyling bietet der Twingo Gordini R.S. noch eine Klimaautomatik, Licht- und Regensensor, einen Tempomat mit Geschwindigkeitsbegrenzer und ein CD-Radio mit MP3-Funktion. Angesichts des Gebotenen erscheinen die rund 17.000 Euro Kaufpreis gar nicht mal teuer. Wem die 2.000 Euro Aufpreis für das Gordini-Styling zu viel sind, kann sich den optisch etwas schlichteren Twingo Sport auch für 15.000 Euro ordern. Beim Fahrerlebnis wird man zumindest keinen Unterschied feststellen.

Clio überzeugender

Galerie: Erster Test Renault Twingo Gordini R.S. und Clio Gordini R.S.Deutlich teurer ist der 201 PS starke Clio Sport, der normal bereits 22.590 Euro kostet. Auch ihn bietet Renault nun im Gordini-Dress für nochmals gut 2.500 Euro Aufpreis an. Der Gordini-Clio ist ebenfalls am auffälligen Blau-Weiß-Styling außen zu erkennen. Und auch innen finden sich die etwa gleichen Blau-Akzente und ähnlich stark konturierten Sportsitze mit edlem Lederbezug wie im Twingo. Insgesamt wirkt im höherwertigen Clio der sportliche Edel-Look etwas stimmiger und sorgt nicht für einen starken Qualitäts-Kontrast wie noch im Twingo.  

Auch das dynamische Fahrerlebnis kann im Gordini-Clio mehr überzeugen. Zum einen bietet der Zwei-Liter-Motor deutlich mehr Leistung und sorgt für einen besonders sonoren Motorsound. Immerhin 6,9 Sekunden soll der Sprint dauern, die Höchstgeschwindigkeit jenseits von 220 km/h liegen. Entscheidender ist allerdings die satte Straßenlage, die herrlich direkte Lenkung, die packenden Bremsen – das fühlt sich schon beinahe wie bei einem erwachsenen Sportwagen an.

Galerie: Erster Test Renault Twingo Gordini R.S. und Clio Gordini R.S.Erwachsen ist allerdings auch der Preis. Mit über 25.000 Euro ist der monetäre Abstand zum noch wesentlich sportlicheren und zudem eine Fahrzeugklasse höher rangierenden Renault Megane Coupé R.S. nur noch gering. Immerhin ist die Ausstattung des Clio Sport im Gordini-Style sehr üppig. Neben 17-Zoll-Rädern, Metallic-Lack und sportlichen Ledersitzen mit Sitzheizung bietet die Luxus-Rennsemmel außerdem noch Licht- und Regensensor, Klimaautomatik, ein TomTom-Navigationssystem, Nebelscheinwerfer, Abbiegelicht, eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung sowie ein schlüsselloses Zugangs- und Startsystem.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Renault Clio   Renault Twingo
Ausstattungsvariante   Gordini R.S.   Gordini R.S.
Abmessung und Gewicht        
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.017/ 1.769 / 1.484   3.602/1.655/1.470
Radstand (mm)   2.585   2.367
Wendekreis (m)   11   10,55
Leergewicht (kg)   ab 1.279   1.124
Kofferraum (Liter)   288 - 1.038   230 - 959
Bereifung Testwagen   215/45 R17   195/40 R17
Motor        
Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart)   1.998 / 4, Reihe   1.598/ 4, Reihe
Leistung kW (PS)   148 (201)   98 (133)
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   215 / 5.400   160 / 4.400
Antriebsart   Frontantrieb   Frontantrieb
Getriebeart   manuelles 6-Gang-Getriebe   manuelles 5-Gang-Getriebe
Verbrauch        
Krafstoffart   Super   Super
Kombiniert laut Werk (l/100km)   8,3   6,7
CO2-Emissionen (g/km)   195   159
AS24-Verbrauch (l/100km)   k.A.   k.A.
Fahrleistungen        
Werksangabe 0-100km/h (s)   6,9   8,7
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k.A.   k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k.A.   k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   224   201
Preise        
ab (Euro)   25.300   16.990
Empfohlene Extras   Der rund 2.500 Euro günstigere Clio Sport reicht.   Das Modell ist eigentlich voll ausgestattet.
 
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Fazit

Der Brückenschlag zur Renault-Rennsporttradition dürfte in Deutschland wohl nur bedingt funktionieren, denn hierzulande ist der Name Gordini im Zusammenhang mit Renault wohl nur wenigen bekannt. Ein von Traditionen durchtränktes Kultimage vermitteln die Neuzeit-Modelle in jedem Fall nicht. Auch technisch können sich die Gordinis nicht abheben, sind sie doch mit ihren jeweils sportlichen Basisversionen fahrtechnisch identisch. Eigentlich handelt es sich bei Gordini allein um eine Ausstattung, die gewiss ihren Reiz bietet, aber die Fahrzeuge nicht besser sondern vor allem teurer macht. Wer allerdings ein Fan der Farbe Blau ist, könnte über die sehr konsequente Ausführung dieses Farbthemas einen Kaufanreiz finden.

Galerie: Erster Test Renault Twingo Gordini R.S. und Clio Gordini R.S.

 
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