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Galerie: Erster Test Saab 9-5

Erster Test: Saab 9-5

Heilsbringer

10.06.2010

Dem Marken-Kahlschlag im Zuge der GM-Pleite - Pontiac, Hummer und Saturn hat der US-Autokonzern samt Insolvenz-Dreitagebart einfach wegrasiert – wäre beinahe auch Saab zum Opfer gefallen. Zum Jahreswechsel 2009/2010 durchlebte die schwedische Traditionsmarke ein Rettungs-Drama, das erst in letzter Minute dank Spyker-CEO Victor Muller mit einer Perspektive jenseits von GM endete. Noch vor der Herkulesaufgabe, sich vollständig vom GM-Konzern abzunabeln, muss der in Tollhättan beheimatete Autohersteller sein durch die Fast-Pleite ramponiertes Image aufpolieren. Der neue 9-5 soll für Saab vor allem auch ein Renommee-Sanierer werden.

Auf stolze fünf Meter ist die Ablöse für die 13 Jahre alte Vorgänger-Generation des 9-5 angewachsen. Die kühle und wuchtige Erscheinung mit ihren wie Arktis-Eis wirkenden Bi-Xenon-Scheinwerfern, dem eleganten Coupédach und der dank schwarz lackierter B–Säulen durchgehend wirkenden seitliche Fenstergrafik sorgen für eine eigenständige, auffällige Eleganz. Einen starken Eindruck hinterlässt auch das Heck mit durchgehend rotem Leuchtband hinter Klarglasabdeckung. Als progressiver Vertreter einer gehobenen Fahrzeugklasse überzeugt der 9-5 zwar, doch haftet seinen zum Teil ausladenden Proportionen auch etwas, nun ja, Plumpes an.

Was man dem 9-5 dabei kaum ansieht: Plattform-Spender ist der Opel Insignia. Allerdings trumpft der schwedische Technik-Bruder des Opel-Flaggschiffs mit einem zehn Zentimeter längeren Radstand auf. Vom zusätzlichen Platz zwischen den Achsen profitieren vor allem die Fond-Passagiere. Die Öffnungen der hinteren Türen sind zwar etwas eng, doch einmal durch, erfreuen sich die Gäste im 9-5-Fond über eine enorme Beinfreiheit bei allerdings nur mäßiger Kopffreiheit. Auch vorne kommen langbeinige Passagiere gut unter und dürfen zudem die üppige Ausstattung und das Premium-Flair genießen.

Reichlich Technik-Schmankerl

Saab 9-5Das Kunststoff-Ensemble im Innenraum könnte zwar noch eine Note edler sein und auch manches Spaltmaß dürfte Fugen-Pedanten unangenehm ins Auge fallen, doch verwöhnt das sehr modern eingerichtete, aufgeräumte 9-5-Cockpit dafür mit vielen technischen Leckerbissen. Zumindest unser umfangreich ausgestattetes Testexemplar bot ein vollintegriertes Touchscreen-Navi, eine klanggewaltige Harmann-Kardon-Audioanlage, ein Head-Up-Display, eine Verkehrsschild-Erkennung, eine Klimaautomatik, Ledersitze, einen Regensensor und einen Tempomaten. Diese und weitere Ausstattungsoptionen machen das Autofahren zwar angenehmer und komfortabler, doch im Fall des 9-5 auch recht teuer. Dafür ist beim großen Skandinavier die Sicherheitsausstattung bereits in der Basisversion auf Top-Niveau.

Neben vielen Technik-Schmankerln bietet der 9-5 auch für banalere Alltagsbedürfnisse gute Lösungen. Der immerhin 513 Liter große Kofferraum ist üppig dimensioniert und ermöglicht mittels einer variabel auf Schienen gelagerten Alustange eine praktische Transportsicherung des Gepäcks. Wem der Kofferraum noch zu klein ist, der kann dank der geteilt umlegbaren Rückbank auch größere Gegenstände einladen, oder sollte auf den Mitte 2011 erscheinenden Kombi des 9-5 warten.

Saab 9-5Per Knopfdruck: Lichter aus, Motor an

Der Fahrer blickt auf ein Kombiinstrument mit klassischen Analoganzeigen und einem zentralen, schick animierten Farbdisplay in der Tachomitte. Für das kreisrunde Display lassen sich eine Vielzahl verschiedener Informations- und Anzeige-Modi wählen. Wem bei Nachtfahrten die diversen Leuchten und Displays im 9-5-Cockpit stören, kann kurzerhand mit dem Druck auf den Night-Panel-Knopf das Lichtermeer auf den illuminierten Tacho reduzieren.

Apropos Knopfdruck: Gestartet wird der Motor in klassischer Saab-Tradition mit einem Impulsgeber in der Mittelkonsole. Doch statt Zündschloss ist beim 9-5 erstmals ein modischer Start-Stopp-Knopf angesagt.

Braucht nur fünf Liter

Zur Testfahrt haben uns der 160 PS starke Diesel  sowie das besonders druckvolle Prestige-Aggregat 2.8T V6 mit 300 PS zur Verfügung gestanden. Der Diesel ist hinsichtlich Laufkultur ein etwas rauer Geselle, seine Anfahrschwäche ein weiterer Malus. Doch ist der Ladedruck, über den auch in bester Saab-Tradition eine Anzeige im Cockpit informiert, aufgebaut, kommt richtig Schwung in die mindestens 1,6 Tonnen schwere Fuhre.

Gekoppelt mit einem leicht knochigen und lang übersetzen Sechs-Gang-Schaltgetriebe soll der Sprint mit dem 2.0 TID 9,9 Sekunden dauern, die Höchstgeschwindigkeit 215 km/h betragen. Allerdings bot sich uns im schwedischen Straßenverkehr keine Möglichkeit, das Leistungs-Potenzial richtig auszuloten. Dafür verblüffte der Bordcomputer nach unserer obrigkeitshörigen Schleichfahrt mit einem Verbrauchswert von fünf Litern pro 100 Kilometer. Wenn man es locker angeht, lässt sich der 9-5 also erstaunlich effizient bewegen.

Durstiger Über-Saab

Saab 9-5Deutlich durstiger gab sich der eindrucksvolle V6-Benziner, der selbst im schwedischen Schongang-Verkehr noch knapp über zehn Liter auf 100 Kilometer wegschnupfte. Wer richtig Leistung will, bekommt sie vom V6 reichlich und spontan geliefert, allerdings sorgen Bleifuß-Fahrten für entsprechend unverschämte Quittungen beim nächsten Tankstopp. Doch bis zum Besuch der Zapfsäule hat man viel Freude mit dem sehr laufruhigen Power-Aggregat. Der stets mit dem Allrad XWD und einer schnell schaltenden Sechs-Gang-Automatik kombinierte V6 erreicht aus dem Stand die 100er-Marke nach 6,9 Sekunden und schafft die 250 km/h.

Dem Fahrspaß zuträglich sind neben gut konturierten und langstreckentauglichen Vordersitzen auch das aufwendig konstruierte Fahrwerk. Die Lenkung spricht beim V6 angenehm direkt an und lässt sich der Wagen sehr zielsicher durch Biegungen dirigieren, selbst bei flotter Kurvenfahrt bleibt sein Fahrverhalten transparent und gutmütig. Trotz eines gehobenen Dynamikniveaus und immerhin 19 Zoll großen Rädern (Serie für die Top-Ausstattung Aero) kommt auch der Komfort nicht zu kurz. Der Fahrer hat beim Topmodell des 9-5 sogar serienmäßig per Knopfdruck die Wahl zwischen einer sportlichen oder komfortablen Dämpfereinstellung. Im Sportmodus reagieren zudem die Lenkung spitzer und schaltet die Automatik spontaner.

Tolle Allradtechnik

Saab 9-5Ebenfalls einer agilen und neutralen Performance zuträglich ist der beim V6 serienmäßige intelligente Allradantrieb. Registriert die Elektronik Schlupf an einem Rad, wird das Haldex-4-System umgehend die Kraft hochvariabel zwischen den Achsen und zwischen den Rädern der Hinterachse verteilen. Einziger Wermutstropfen: Ein spektakulärer Kavalierstart mit rauchenden Reifen ist nicht möglich, was den klassischen Saab-Kunden allerdings wenig stören dürfte.

Eher gemütlich ausgelegt ist das Fahrwerk beim Diesel. Hier fühlt sich die Lenkung deutlich teigiger an und liegt der Komfortgleiter weniger satt auf der Straße. Die Dynamiker-Fraktion dürfe also wesentlich mehr Freude am V6 haben, doch weniger ambitionierte Piloten sollten auch mit dem Standard-Fahrwerk glücklich werden.

Eine Frage der Perspektive

Saab 9-5Für welche der vielen zur Wahl stehenden Antriebsvarianten (vier Benziner, zwei Diesel, Handschalter, Automatik, Fronttriebler oder Allradler) man sich auch entscheidet: Die Preisgestaltung dürfte Schnäppchen-Jäger etwas ernüchtern. Rund 34.000 Euro kostet die Basis mit 180 PS starkem 1,6-Liter-Benziner, für einen Diesel werden mindestens 36.000 Euro fällig und das Top-Modell 2.8T V6 ist ab 52.500 Euro zu haben. Mit einigen der attraktiven Optionen lässt sich der Preis auch bis knapp jenseits von 60.000 Euro treiben.

Der Technik-Verwandte Opel Insignia ist da wesentlich günstiger zu haben. Doch eigentlich will der 9-5 gegen die Modelle der oberen Mittelklasse deutscher Premium-Hersteller antreten. Und im Vergleich zu Audi A6, BMW 5er und Mercedes E-Klasse ist der Saab 9-5 zum Teil sogar deutlich günstiger.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Saab 9-5 2.0TID   Saab 9-5 2.8T V6 XWD
Ausstattungsvariante   Linear   Aero
Abmessung und Gewicht        
Länge/Breite/Höhe (mm)   5.008/ 1.868 / 1.467   5.008/ 1.868 / 1.467
Radstand (mm)   2.837   2.837
Wendekreis (m)   11,4   11,9
Leergewicht (kg)   k.A.   k.A.
Kofferraum (Liter)   515   515
Bereifung Testwagen   225/55R17   245/40R19
Motor        
Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart)   1.956 / 4, Reihe   2.792/ V6
Leistung kW (PS)   118 (160)   221 (300)
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   350 / 1.750   400/ 2.000
Antriebsart   Frontantrieb   permanenter Allrad
Getriebeart   manuelles 6-Gang-Getriebe   Sechs-Gang-Automatik
Verbrauch        
Krafstoffart   Diesel   Benzin
Kombiniert laut Werk (l/100km)   5,3   10,6
CO2-Emissionen (g/km)   139   244
AS24-Verbrauch (l/100km)   k.A.   k.A.
Fahrleistungen        
Werksangabe 0-100km/h (s)   9,9   6,9
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k.A.   k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k.A.   k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   215   250
Preise        
ab (Euro)   35.900   52.500
Empfohlene Extras   Head-Up-Display (1.000 Euro)   Auf den ventilierten Sport-Komfortsitzen fühlt man sich besonders wohl, kosten allerdings auch über 4.000 Euro
 
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Fazit

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Wer bereits zum Abgesang der Marke Saab anstimmte, dürfte nunmehr verstummen. Mit dem neuen 9-5 sind die Schweden besser aufgestellt denn je. Die ungewöhnliche Aura des deutlich gewachsenen Flaggschiffs passt gut zum Individualisten-Image der skandinavischen Autoherstellers und knüpft in überzeugender Weise an die Traditionswerte der Marke an.

Die Technik des 9-5 dürfte selbst gehobenen Ansprüchen an Luxus, Leistung, Fahrspaß und Sicherheit befriedigen. Zu seinen besonderen Stärken gehören aber eine enorme Beinfreiheit im Fond sowie die bereits im Basismodell sehr umfangreiche Sicherheitsausstattung.

Ansonsten hat der Kunde eine Fülle an Individualisierungs-Möglichkeiten und bietet sich auch bei den Antrieben ein breites und attraktives Spektrum. Sportlich, sparsam, komfortabel, sicher – der Kunde hat die Wahl, die allerdings nie ganz billig sein wird.

Saab 9-5

 
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