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Galerie: Erster Test Seat Exeo ST

Erster Test: Seat Exeo ST

Kennen wir uns nicht?

09.06.2009

Audi proklamierte mal folgenden Werbespruch: Schöne Kombis heißen Avant. Diese Aussage gilt spätestens ab jetzt nicht mehr. Denn Seat baut mit Sicherheit so schöne Kombis, wie Audi. Zumindest in jüngster Zeit und zwar mit dem Exeo ST, der eben nicht Avant heißt, obwohl er das könnte und auch einmal tat. Alles klar? Nein? Dann bitte weiterlesen ...

Hinter dem Exeo ST steckt nämlich ein Audi A4 Avant. Der alte A4 Avant, um genau zu sein. Audi brachte sämtliche Produktionsanlagen des alten A4 von Ingolstadt nach Martorell in Spanien und baut seit einigen Wochen dort den A4 mit modifiziertem Design eben als Seat Exeo.

Glück für Seat

Galerie: Erster Test Seat Exeo STWas für ein Glück für Seat und für Audi. Audi hat das alte Gelumpe vom Hof und bei Seat läuft ein ausgereiftes und schickes Premium-Automobil vom Band. Oder ist der neue Exeo, nur weil Seat draufsteht, etwa kein Premium mehr? Wie dem auch sei, der eingeschlagene Weg ist eine Win-Win-Situation, wie Controller zu sagen pflegen.

Wir finden auch, dass Seat gewonnen hat. Denn noch nie war ein Auto der spanischen VW-Marke dermaßen gut verarbeitet, hatte eine so hohe Materialgüte innen wie außen und fuhr sich so erwachsen. Klar, das Grundgerüst ist ja millionenfach erprobt und Kinderkrankheiten abgelegt. Dass der alte A4 damit praktisch sein zweites Facelift erhalten hat – von B6 auf B7 und nun auf Exeo - dürfte auch echte Audi-Freunde freuen, trauern einige dem verblichenen A4 ob seiner Verarbeitungsqualität doch nach. Und besonders erwähnenswert ist, dass die Spanier die kleinen Macken, die der alte A4 Avant hatte, beseitigt haben und ihn zudem optisch verschönerten.

Neue Dieselmotoren

Galerie: Erster Test Seat Exeo STAls A4-Ärgernis galt Zeit seiner Produktion der eher zweitklassige Pumpe-Düsen-Antrieb. Im Exeo ST werkelt nun ein moderner Common-Rail-Selbstzünder. Sowohl der bald erhältliche 120-PS-TDI als auch die stärkeren Zwei-Liter mit gut 140 und 170 PS geben ihre Leistung sehr gleichmäßig und souverän ab – kein Plärren mehr, kein Tritt in den Rücken bei 2.000 Touren und lediglich eine sanfte Anfahrschwäche ist zu spüren. Dass der Exeo 2.0 TDI dennoch nicht ganz die Laufruhe des aktuellen A4 erreicht, ist zweitrangig und liegt eher an der Motorlagerung und der Geräuschdämmung. Dafür laufen bei den TDIs nicht einmal sechs Liter durch die gemeinsame Einspritzleitung.

Wer kein Selbstzünder-Fan ist, dem kann man guten Gewissens eines der Benzin-Derivate anvertrauen. 102 (1.6), 150 (1.8 T) und 200 PS (2.0T) leisten die Vierzylinder, wobei lediglich der Top-Motor auf  Direkteinspritzung setzt. Der 150-PS-Benziner ist sogar noch ein Uralt-Motor mit 1,8 Litern Hubraum und Fünfventil-Technik. Audi und VW haben dieses Aggregat vor Jahren aus dem Programm geschmissen. Einzige Ausnahme: Der New Beetle. Sei’s drum, der Turbobenziner ist flott, sparsam und vor allem angenehm laufruhig. Aufgrund des Technik-Vorsprungs des direkteinspritzenden Zwei-Liter-Motors ist der Stärkste nicht einmal trinkfreudiger als die beiden schwächeren Kandidaten. 7,7 Liter Super soll der 1.6 benötigen, 7,9 Liter der 2.0 TFSI und 8,1 Liter der 1.8 T.

Neues Fahrwerk

Galerie: Erster Test Seat Exeo STZweites Manko des alten A4 war dessen Bockigkeit, wenn es ums Federn ging. Wirklich geschmeidig rollten damals schon die Versionen mit Standard-Fahrwerk nicht ab. Wer auf das Sportfahrwerk oder gar auf das S-Line-Sportfahrwerk setzte, musste echt hart im Nehmen sein, vor allem wenn aus optischen Gründen die empfehlenswerte 18-Zoll-Bereifung montiert wurde. Alles vergessen: Die Spanier überarbeiteten Mehrlenker-Vorder- und -Hinterachse so, wie es von Anfang des A4-Lebenszykluses hätte sein sollen. Geschmeidiges Anfedern, verhärtendes Abfedern, sanftes Ausfedern ohne grimmige Seitenneigung. Da wundert man sich, dass Audi dieses tolle Setup nicht hinbekommen hat. Egal, Seat hat es geschafft und das ist ein weiterer Grund, der für den preiswerten Exeo spricht. Als kostenfreie Option hält die Ausstattungsliste auch noch ein Sportfahrwerk parat – für die Harten. Allradantrieb ist übrigens nicht geplant – schade.

Knappes Interieur

Galerie: Erster Test Seat Exeo STEher gegen den Exeo ST spricht sein Platzangebot. Trotz neuer, vorzüglicher Sitzanlage können die Iberer keine Wunder bewirken und müssen mit den rund 4,70 Meter langen Fahrzeug und dessen Grundlayout leben. Das soll heißen: Vorne mangelt es nicht an Platz. Lediglich die breite Mittelkonsole reibt am rechten Fahrerknie. In der zweiten Reihe sieht das etwas anders aus: Hier nervt die geringe Kniefreiheit. Ein VW Golf hat dort mehr zu bieten. Und auch im Kofferraum des Kombis ist nicht wirklich viel Platz. Mit 442 Litern Gepäckraum unter der Abdeckung und gut 1.300 Litern bei umgelegter Sitzbank gehört er nicht nur in seinem Segment zu den Raum-Zwergen – doch auch beim erfolgreichen A4 war das für viele Käufer kein Killer-Kriterium.

Überschaubbare Kosten

Galerie: Erster Test Seat Exeo STDafür überzeugt der Exeo ST bei Ausstattung und Preis. 23.290 Euro kostet das Einstiegsmodell 1.6 Reference mit 102 PS. Der Antrieb ist ausreichend für die meisten Belange. Wer etwas mehr Benzin-Dynamik möchte, greift zum 1.8 T, den es ab 25.290 Euro gibt. Das Leistungstopmodell ist der 2.0 T für knapp unter 30.000 Euro, dann allerdings in Kombination mit der höherwertigen Stylance-Ausstattung. Die kostet übrigens genauso viel wie die Sport-Ausstattung, die allerdings für die beiden Basistriebwerke mit 102 und 120 PS nicht erhältlich ist. Der kleinste Diesel beginnt bei 26.490 Euro.

Zur Basisausstattung aller Exeo-Varianten gehören Klimaautomatik, sieben Airbags (Fahrer-Knie-Airbag ist neu), ESP, Nebelscheinwerfer, der Bordcomputer, ein MP3-CD-Radio und eben eine gediegene Verarbeitung. Und auch die Aufpreisliste ist umfangreich und außergewöhnlich. So können beispielsweise Fenster in Doppelverglasung, ein Schiebedach mit Solarzellen, das in der Sonne die Lüftung anschmeißt, sowie diverse Pakete geordert werden.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Seat Exeo ST 1.6   Seat Exeo ST 1.8 T
Ausstattungsvariante   Reference   Reference
Abmessung und Gewicht        
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.666/ 1.772/ 1.454   4.666/ 1.772/ 1.454
Radstand (mm)   2.642   2.642
Wendekreis (m)   11,2   11,2
Leergewicht (kg)   ab 1.370   1.460
Kofferraum (Liter)   442 - 1.354   442 - 1.354
Bereifung Testwagen   205/55 R16   205/55 R16
Motor        
Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart)   1.595/ 4, Reihe   1.781
Leistung (PS)   102   150
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   148 / 3.800   220 bei 1.800
Antriebsart   Front   Front
Getriebeart   manuelles 6-Gang-Getriebe   manuelles 6-Gang-Getriebe
Verbrauch        
Krafstoffart   Super   Super
Kombiniert laut Werk (l/100km)   7,7   8,1
CO2-Emissionen (g/km)   179 / Euro 5   189 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   k. A.   k.A.
Fahrleistungen        
Werksangabe 0-100km/h (s)   13,1   9,6
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k. A.   k. A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k. A.   k. A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   186   210
Preise        
ab (Euro)   23.290   25.290
 
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Fazit

Der Seat Exeo ST  ist schick, vielleicht sogar schicker als der alte A4 Avant, gut verarbeitet und kann in der Mittelklasse bestens mitmischen. Das Fahrwerk ist astrein und steht echten Fahrzeug-Neuentwicklungen in diesem Segment in nichts nach. Die neuen Diesel-Motoren geben dem Exeo einen Mehrwert und machen ihn daher sehr interessant für Vielfahrer mit einem Gespür fürs Monetäre, denn nie zuvor war Audi-Fahren in der Mittelklasse so günstig. Prima Seat, ihr habt den besseren A4 gebaut.

Galerie: Erster Test Seat Exeo ST

 
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