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Galerie: Erster Test Seat Leon Cupra

Erster Test: Seat Leon Cupra

Darf’s ein bisschen R sein

26.02.2014

Gerade erst hat Volkswagen mit dem Golf R das Top-Modell der Kompaktreihe vorgestellt, schon zieht die spanische Tochter Seat nach. Mit dem Cupra krönt sie ihre Leon-Baureihe und vermittelt ein bisschen R-Feeling.

Freilich darf der Seat dem Golf R – und auch dem quasi baugleichen Audi S3 – nicht zu nahe kommen, und muss deshalb leistungstechnisch ein paar Abstriche machen. Gehen beim Wolfsburger Obergolf 300 PS an alle vier Räder, so sind es beim Seat je nach Wunsch 265 oder 280 PS, die aber jeweils nur die Vorderachse antreiben. Quell der Kraft ist der gleiche Zweiliter-Turbobenziner wie bei VW und Audi, warum sich die Spanier allerdings für zwei derart nah beieinander liegende Leistungsstufen entschieden haben, erschließt sich nicht ganz; vermutlich um einen etwa günstigeren Einstiegspreis ermöglichen zu können. Man geht allerdings davon aus, dass sich das Gros der Cuprakäufer für den potenteren 280er entscheidet.

Unabhängig von der Leistung ist die Kraftausbeute der beiden Versionen, beide stemmen 350 Newtonmeter Drehmoment auf die Kurbelwelle, die zwischen 1.700 und 5.600 Umdrehungen anliegen. Verantwortlich dafür ist nicht zuletzt der Turbolader, der, wenn er alles gibt, pro Sekunde bis zu 236 Liter Luft mit 1,2 bar Druck verdichtet. Und das Ergebnis: Der Cupra hängt in quasi jeder Lebenslage direkt am Gas und folgt kleinsten Pedalbewegungen aufs Wort.

Nur mit Frontantrieb

Galerie: Erster Test Seat Leon CupraIn Zahlen heißt das: Nach 5,8 Sekunden fällt die Hunderter-Marke, beim 265er ein Zehntel später. Ordert man das Doppelkupplungsgetriebe, verkürzt sich die Sprintzeit jeweils um 0,1 Sekunden. Wie der Handschalter, hat auch das DSG sechs Fahrstufen, der letzte Gang ist zum Spritsparen lang übersetzt. So ist ein Normverbrauch von 6,4 Litern möglich, der Handschalter nimmt sich 0,2 Liter mehr. Wer allerdings den Gangwahlhebel auf S stellt und damit eine sportlichere Schaltstrategie anwählt, treibt freilich auch den Konsum in die Höhe. Optional stehen auch für die DSG-Versionen Schaltwippen am Lenkrad zur Verfügung, wobei die händischen Eingriffe in den seltensten Fällen wirklich nötig sind.

Nötiger hätte der kompakte Sportler, der sich nur durch einen Wabenkühlergrill, etwas größere Lufteinlässe und breitere Radhäuser von seinen ohnehin recht dynamisch gezeichneten Serienbrüdern unterscheidet, eher einen Allradantrieb, denn wer’s ordentlich krachen lässt, bringt die Vorderachse schnell an ihre Belastungsgrenze. Dies kündigt sich beim flotten Beschleunigen durch scharrende Räder und ein nervöses Zucken im Lenkrad an. Die lästige Untersteuerungstendenz, die Fronttriebler in zügig gefahrenen Kurven an den Tage legen, wird dagegen vom serienmäßigen Vorderachsdifferenzial in Zaum gehalten.

Mehr Kraft nach außen

Galerie: Erster Test Seat Leon CupraDie aus dem VW Golf bekannte, elektronisch geregelte Lamellenkupplung schickt in der Kurve immer ein bisschen mehr Kraft an das mit mehr Traktion gesegnete, kurvenäußere Rad und sorgt so dafür, dass sich der Leon quasi selbst in die Kurve hineindreht. Hinzu kommt eine äußerst feinfühlige und direkte Progressivlenkung mit geschwindigkeitsabhängiger Übersetzung, die eine ambitionierte Fahrweise ebenso unterstützt wie einfaches Rangieren.

Ebenfalls serienmäßig an Bord: Adaptive Dämpfer und die Fahrprofilauswahl, die im Sportmodus nicht nur eben jene Dämpfer sowie Lenkung, Getriebe und Gasannahme beeinflusst, sondern auch aus dem ohnehin kernigen Motorklang ein kraftvolles Gebrüll macht. Im Komfortmodus dagegen soll der Leon Cupra zu einem „Sportwagen für jeden Tag“ werden, wie Entwicklungsvorstand Matthias Rabe versichert. Er verspricht außerdem: Wäre der Cupra nicht bei Tempo 250 abgeregelt, würde er locker noch zehn km/h mehr schaffen. Auf der Straße spielt das keine Rolle, am Stammtisch – und beim Tuner – dagegen sehr wohl.

Serienmäßige LED-Scheinwerfer

Galerie: Erster Test Seat Leon CupraDamit Fahrer und Gäste auch unabhängig von der Fahrleistung wissen, dass sie im Cupra sitzen, werden sie in der ersten Reihe von komfortablen Sportsitzen empfangen; auf Wunsch sind auch Rennschalen erhältlich. Chrompedale und Aludekor unterstreichen das sportliche Ambiente im Interieur ebenso wie ein griffiges, unten abgeflachtes Lenkrad. Serienmäßig ist außerdem ein umfangreiches Entertainmentsystem mit großem Touchscreen und Gestensteuerung verbaut, dass sich auf Wunsch um eine Navigationsfunktion erweitern lässt. Die ist allerdings nur eingeschränkt empfehlenswert, da das System vergleichsweise langsam arbeitet. Ebenfalls immer an Bord sind beim Cupra die Voll-LED-Scheinwerfer.

Entsprechend hoch ist allerdings auch der Preis für das Top-Modell der Leon-Baureihe. Für den dreitürigen Cupra werden mindestens 30.810 Euro fällig, die leistungsstärkere Version mit 280 PS schlägt mit 32.110 Euro zu Buche. Für den Fünftürer werden jeweils 500 Euro mehr verlangt, das Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe kostet 1.700 Euro extra. Zum Vergleich: der „nur“ 230 PS starke Golf GTI ist für vergleichbare 29.825 Euro zu haben, der 300-Allrad-PS starke Golf R dagegen liegt mit 38.325 Euro deutlich darüber. Und dessen Audi-Pendant S3 liegt nochmal knapp 1.000 Euro darüber.

 
Fazit

Michael Gebhardt

Golf-R-Feeling zum günstigeren Preis, das verspricht der neuen Leon Cupra. Der Spanier, ohnehin dynamischster Vertreter der drei kompakten VW-Geschwister, wird in der Top-Ausführung zum Alltagssportler, der es mit den meisten Mitbewerbern aufnehmen kann; und einen GTI lässt der Leon allemal stehen. Dass Seat den Cupra in zwei Leistungsvarianten anbietet, wäre allerdings nicht nötig gewesen, wenn schon, sollte man zur 280-PS-Version greifen.

Größter Nachteil – abgesehen von etwas weniger Power – gegenüber dem Golf R ist der fehlende Allradantrieb. In Kurven macht das serienmäßige Vorderachsdifferenzial das zwar weitgehen wett, aber wer an der Ampel mit Vollgas los will, erntet erst einmal durchdrehende Räder. Und: Technikfreaks, die Wert auf ein perfektes Entertainment-System legen, werden mit der derzeit von Seat angebotenen Lösung sicher nicht glücklich werden.
 
 

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