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Galerie: Erster Test Seat Leon ST

Erster Test: Seat Leon ST

Seat packt’s

21.11.2013

Lange kam Seat trotz verheißungsvoller Markenclaims und bester VW-Technik nicht aus dem Knick. 2013 scheint die Marke mit dem neuen Leon das lange Tal der Tränen allerdings zu verlassen. Trotz der allgemeinen Absatzkrise konnten die Spanier deutlich mehr Autos als im Vorjahr verkaufen und dürfte die geglückte Produktoffensive mit dem Kombiableger des Kompakten zusätzlichen Schwung erhalten. Nach einer ersten Ausfahrt gibt sich die Marke begehrlicher denn je.

Ein Hauptgrund für den Erfolg des Leon ist seine gelungene Optik. Hier macht auch der ST alles richtig. Mit fast 4,60 Meter Länge ist der Kombi ein sattes, stolzes Auto, das trotz seiner Nutzwertauslegung eine gehörige Portion Eleganz ausstrahlt. Mit dem schwer verdaulichen Van-Vorgänger Altea (Gebrauchtangebote in der AutoScout24-Börse) gibt es glücklicherweise keine Ähnlichkeiten mehr. Zudem bietet der Kombi dank seiner LED-Leuchten vorne und den feinen Lichtlinien im Blechkleid einen Halsverdreher-Auftritt, dank dem er optisch ganz auf der Höhe der Zeit ist.

Kleine Abstriche innen

Beim wohnlich und progressiv gestalteten, tadellos verarbeiteten Innenraum kann man das allerdings nicht in allen Details behaupten. So finden sich hier vor allem in den unteren Regionen einige kostenoptimierte Kunststoffe und statt eines heute üblichen Minischalters für die Feststellbremse wurde noch ein klassischer großer Hebel in der Mittelkonsole verbaut. Diese beherbergt außerdem ein für preissensiblere Kunden gedachtes Navi-Infotainment-System, welches mit so feinen Multimedia-Lösungen wie sie beim neuen Golf zur Verfügung stehen, nicht mithalten kann, dafür aber mit 690 Euro alle wichtigen Funktionen für überschaubares Geld bietet. Trotz dieser Gut-und-Günstig-Variante wird Seat vermutlich noch 2014 das Infotainment-Angebot um höherwertige Lösungen erweitern.

Galerie: Erster Test Seat Leon STBeim Platzangebot bewegt sich der Leon auf einem guten C-Segment-Niveau. Vorne wie hinten sitzen Passagiere mit ordentlicher Kopf- und viel Beinfreiheit. Im Fond stört lediglich der breite Kardantunnel und ist insofern die Rückbank nur bedingt für drei Passagiere nutzbar. Alternativ lässt sich diese praktischer Weise über zwei Fernentriegelungshebel zweigeteilt auch vom Kofferraum aus umlegen. So wird aus dem stolze 587 Liter fassenden Gepäckabteil ein bis zu 1.470 Liter großer Stauraum, der allerdings keine besonderen Clever-Lösungen zur Unterbringung von Gepäck bietet. Immerhin kann man eine umlegbare Beifahrersitzlehne bestellen, die es ermöglicht, bis zu 2,67 Meter lange Gegenstände einzuladen. Ebenfalls gut: Die niedrige Ladekante (65 Zentimeter) und die breite Laderaumöffnung (1,09 Meter).

Wer mehr Nutzwert und mehr praktische Details wünscht, wird beim teureren Konzernbruder von VW glücklicher. Zudem passen in den mit mehr Clever-Lösungen gesegneten Golf Variant immerhin 150 Liter mehr Gepäck. Doch letztlich sind die Unterschiede im Ladevolumen eher Zahlenklauberei, die für den Autoalltag selten von entscheidender Bedeutung sein dürften. Entscheidender ist, dass der Leon ST einen üppigen und variablen Innenraum bietet, der in sehenswerter Weise verpackt wurde.

Breites Motorenprogramm

Galerie: Erster Test Seat Leon STUnd diese Verpackung wurde zudem recht leicht konstruiert, denn mit 1.233 Kilogramm ist der große Leon (natürlich in der nackten Basis) der immerhin leichteste Vertreter in seinem Segment. Und dieser Umstand wirkt sich zusammen mit einer recht aerodynamisch geformten Außenhaut auch positiv auf die Verbrauchswerte der Motoren aus, von denen es zum Marktstart Ende November 2013 fünf Benziner (86 bis 180 PS) und fünf Diesel (90 bis 184 PS) geben wird. Ergänzend kommen für die Baureihe in 2014 noch die Spritsparversionen Ecomotive (1.6 TDI/110 PS/3,2 Liter), die Erdgasversion TGI und der 1.4 TSI ACT (150 PS/Zylinderabschaltung).

Auf unserer Testfahrt sind wir unter anderem den 105 PS starken 1.2 TSI in Kombination mit dem Siebengang-DSG gefahren. Geschmeidig, kultiviert und ausreichend flott treibt der kleine Turbobenziner den großen Spanier voran. Klar, leistungsmäßig gibt es noch Luft nach oben, doch kann man mit dem immerhin 175 Newtonmeter zwischen 1.400 bis 4.000 Umdrehungen mobilisierenden Motor gut leben. Den 10,3 Sekunden und 191 km/h stehen zudem erfreulich genügsame fünf Liter gegenüber.

Satter TDI-Schub

Galerie: Erster Test Seat Leon STEinen deutlich eindrucksvolleren Spagat aus Effizienz und Fahrspaß bietet allerdings der 184 PS und 380 Newtonmeter starke 2.0 TDI, den es mit Sechsgang-Getriebe gibt, welches entweder manuell vom Fahrer oder automatisch von der Doppelkupplung DSG verwaltet werden kann. Die manuelle Variante überzeugt mit einer vorzüglichen Schaltkultur und bietet mit 7,8 Sekunden und 228 km/h das vorläufig höchste längsdynamische Niveau der Baureihe. Der Normverbrauch liegt bei bescheidenen 4,3 Liter. Theoretisch. Ein Praxisaufschlag von 50 (!) Prozent ist eher die Regel als die Ausnahme, denn im Starkdiesel wird das Kilometerfressen im Expressmodus zum besonders souveränen, kurzweiligen und entspannten Vergnügen.

Das allgemein niedrige Geräuschniveau und das ausgewogene Fahrwerk tragen ihren Teil dazu bei. Zugegeben, das Sportfahrwerk der FR-Ausstattung kann in manchen Situationen schon mal mit etwas mehr Härten als nötig nerven, doch bekommt man dafür im Gegenzug ein recht scharf abgestimmtes, kurvenfreudiges Alltags- und Familienauto, welches Papa auch dank der elektronischen Vorderachsdifferenzialsperre XDS zum lustbetonteren Spritabfackeln hernehmen kann. Je nach Einsatzzweck lässt sich der Leon dank des gegen Aufpreis verfügbaren adaptiven Fahrwerks DCC per Knopfdruck angemessen auf den jeweiligen Einsatzzweck abstimmen. Hier bekommt man eine deutliche Spreizung zwischen den Einstellungen Komfort und Dynamik zu spüren, welche sich zugleich auf Lenkung, Motorcharakteristik und Federung auswirken. In Kombination mit dem DSG ändert sich zudem die Schaltcharakteristik.

Viele Technik-Schmankerl

Galerie: Erster Test Seat Leon STAber trotz seines optional spaßorientierten Charakters ist der Leon ST vor allem auch ein sicheres Modell, welches sich mit diversen optionalen Assistenzsystemen aufrüsten lässt. So gibt es einen radarbasierten Abstandstempomat, der nicht nur automatisch den Abstand zum Vordermann regelt, sondern auch vor Kollisionen warnen und sie durch autonome Bremseingriffe sogar verhindern kann. Desweiteren kann man noch eine Müdigkeitserkennung, einen Fernlichtassistenten, einen Spurhalteassistenten oder die besonders gut ausleuchtenden LED-Vollscheinwerfer ordern. Alles gegen Aufpreis, versteht sich.

Selbstredend lässt sich der Leon ST mit weiteren Ausstattung kräftig und entsprechend preistreibend aufrüsten. Die Basis ist mit 16.820 Euro zwar recht niedrig positioniert, allerdings auch das Ausstattungsniveau. Exemplarisch für das Spardiktat des Einstiegsmodell ist die Rückbank, die lediglich einteilig umklappbar ist. Dafür hat die Positionierung der Basisversion des Leon ST rein finanziell ihren Reiz, denn man kann Golf-Technik um 2.000 Euro günstiger als bei Wolfsburger Original bekommen. Oberhalb der recht nackten Basis hat Seat noch die Ausstattungen Reference, Style und FR – letztere macht bei deutschen Kunden über 50 Prozent am Verkaufskuchen aus.

Will man seinen Leon zumindest mit einem Teil der Optionen aufrüsten und den 105 PS starken TSI fahren, sollte man mit gut 10.000 Euro mehr als für die Basis rechnen. Wer die gleiche Summe noch einmal auf den Tisch packt, bekommt den Stark-Diesel und die nahezu komplette Herrlichkeit der recht umfangreichen Ausstattungswelt des Leon. Dann bewegt sich der Spanien-Golf allerdings auf dem etwa gleichen Niveau wie ein vergleichbar ausgestatteter Golf Variant und scheint die Sparoption perdu.

 
Fazit

Mario Hommen

Seats augenblicklicher Höhenflug dürfte noch mehr Auftrieb bekommen: Mit dem Leon ST haben die Spanier einen weiteren Hingucker im Programm, der zudem dank des üppigen Platzangebots mit hoher Alltags- und Familientauglichkeit punktet, ein ausgewogenes Fahrverhalten bietet und dann noch eine finanziell interessante Alternative zum technisch sehr ähnlichen VW Golf Variant ist.

Starke wie auch effiziente Motoren und einige Technik-Schmankerl wie LED-Vollscheinwerfer, Adaptiv-Fahrwerk DCC, Abstandstempomat und Unfallverhinderer sorgen außerdem für gehobener Attraktivität.

Es fehlen aber auch einige bei den Technik-Brüdern Golf Variant und Audi A3 verfügbaren Ausstattungsmöglichkeiten. So ist das Navi zwar günstig aber angesichts modernerer Systeme doch etwas einfach gestrickt. Und eine elektrische Parkbremse, die ohne großen Feststellhebel auskommt, wäre schön. Dank dieser und anderer Sparmaßnahmen ist der Leon ST zwar etwas günstiger als ein Golf Variant, aber damit dennoch kein Schnäppchen mehr.
 
 

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