Elektromobilität-Special
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Galerie: Erster Test Smart Fortwo ED und E-Bike

Erster Test: Smart Fortwo ED und E-Bike

Süchtigmacher und Einstiegsdroge

15.06.2012

Etwas Persönliches vorweg: Elektromobilität ist für mich das nächste große Ding und ihr noch ausstehender Siegeszug meiner Ansicht nach nur eine Frage von wenigen Jahren. Meine Begeisterung für die saubere Autozukunft hat jetzt frischen Nährstoff erhalten: Smart bringt im Sommer 2012 mit der dritten Generation des Fortwo ED einen technisch deutlich ausgereifteren und mit rund 19.000 Euro zudem bezahlbaren Stromer, der nicht nur leise und emissionsfrei fährt, sondern gleich noch Suchtpotenzial bietet.

Galerie: Erster Test Smart Fortwo ED und E-BikeDoch bevor ich in den süchtig machenden Elektro-Smart steige, darf ich noch eine Runde auf dem neuen E-Bike von Smart drehen - eine Art Einstiegsdroge in die E-Mobilität. Mir persönlich wären die 2.850 Euro etwas zu viel Geld für ein Fahrrad und gehört das Pedelec optisch wohl eher in eine Designausstellung als in den harten Biker-Alltag. Doch andererseits ist es für mich als Untrainierter ein faszinierender Spaß, mühelos von der Ampel weg zu sprinten, an der nächsten Steigung locker an allen anderen vorbei ziehen zu können und trotz der sportlichen Geschwindigkeit nicht ins Schwitzen zu kommen. Vor allem in bergigen Regionen, für Berufspendler oder Fahrradmuffel kann der eingebaute Rückenwind dank Akku-Power und Nabenmotor im Hinterrad ein echter Motivationsschub sein.

Doch die eigentliche Gallionsfigur der jetzt von Smart deutlichen Vortrieb erhaltenden E-Revolution ist die dritte Generation des Fortwo ED. Eigentlich sieht dieser aus wie Smarts seit langen aussehen – egal ob elektrisch betrieben oder mit Verbrennungsmotor. Doch unterm Plastikkleid des Zweisitzers hat sich ein technisch radikaler Umbau vollzogen. Accumotive liefert die potente Lithium-Ionen-Batterie, aus einem Joint-Venture mit Bosch stammt ein neuer, kompakt bauender und leichter (30 kg) Permanent-Magnet-Motor, der normal 35 und beim Kickdown sogar 55 Kilowatt und 130 Newtonmeter an die Hinterachse wuchtet.

Spaßiger Sprinter

Galerie: Erster Test Smart Fortwo ED und E-BikeDiese neu entwickelte Antriebseinheit qualifiziert den Fortwo zu einer spritzigen Spaßmaschine. Von 0 auf  60 vergehen 4,8 Sekunden, bis Tempo 100 nur 11,5 Sekunden. Dank der sauberen, schlupffreien und linearen Beschleunigung ohne lästige Gangwechsel gehört man automatisch zur Sprint-Elite im Stadtverkehr. Der bisherige ED brauchte von null auf 100 km/h kaum enden wollende 26,7 Sekunden, und es machte auch keine rechte Freude, den alten ED deutlich über Stadtgeschwindigkeit zu treiben. Anders die dritte Generation, denn hier gibt sich der Motor auch bei höherer Geschwindigkeit überraschend elastisch, der "Gasbefehl" wird spontan und beim Kickdown besonders spritzig umgesetzt. Und ebenfalls anders als beim Vorgänger ist der Antrieb extrem leise und vom nervigen Pfeifen des alten ED nichts mehr geblieben.

Wieselflink, kaum hörbar, wendig und klein – damit ist der Fortwo ED das perfekte Auto für die Stadt. Der neue E-Smart hat aber nichts gegen eine Überlandpartie einzuwenden, denn sein neuer Antrieb qualifiziert ihn zu immerhin 125 km/h Höchstgeschwindigkeit und das Wichtigste: Er kann sogar bis zu 145 Kilometer weit fahren. Das Potential-Denken der meisten Autofahrer verlangt zwar eigentlich nach unbegrenzter Reichweite, doch genutzt wird diese in der Praxis eher selten. Wer sein Mobilitätsverhalten auf die beschränkte Akku-Reichweite abstimmt, wird seinen Autoalltag an dieses Handicap problemlos anpassen können. Alternativ kann man ja im Bedarfsfall auf Zug oder Mietwagen umsteigen. Und sollte es mit dem E-Smart doch mal weiter gehen, muss man Pausen einlegen und im Idealfall per Schnellladung in weniger als einer Stunde die Akkus wieder füllen.

Drei Lademodi

Galerie: Erster Test Smart Fortwo ED und E-BikeAllerdings gestaltet sich das mit dem schnellen Laden praktisch noch schwierig, denn dafür muss zuvor das Auto auf Kundenwunsch mit einem rund 2.400 Euro teuren Hochvoltkonverter werksseitig dafür fit gemacht worden sein. Das zweite Problem: Selbst wenn man sich den Konverter leistet, braucht es noch eine entsprechende Schnelladestationen, die man derzeit in Deutschland an nur wenigen Orten findet.

In der Basisversion wird der Fortwo ED klassisch an der 230-Volt-Steckdose rangehängt, die mit 16 Ampere abgesichert sein muss und dann mit einem Sicherheitsabstand von 13 Ampere in rund sieben Stunden die leeren Batterien wieder gefüllt werden. Alternativ kann man bei Smart für rund 850 Euro eine Wallbox bestellen, die dann zum Beispiel in der heimischen Garage installiert wird (was weitere Kosten verursachen kann). Dank dieser Basis-Wallbox kann die Batterie mit dann voll verfügbaren 16 Ampere in rund sechs Stunden geladen werden. Es werden von Smart übrigens auch Wallbox-Varianten für kleine und größere Flottenbetreiber angeboten, die ein intelligentes Lademanagement mehrerer Fahrzeuge zugleich möglich machen.   

Technische Daten
 
Marke und Modell   Smart Fortwo ED
Version / Ausstattung   Coupé
Motor    
Bauart   Elektromotor (Permanent-Magnet)
Leistung (kW permanent / kW Max.)   35 / 558
Drehmoment (Nm)   135
Antriebsart   Heckantrieb
Getriebeart   manuelle Sechs-Gang-Schaltung
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   2.695 / 1.559 / 1.565
Radstand (mm)   1.867
Wendekreis (m)   8,8
Leergewicht (kg)   900
Kofferraum (Liter)   220 - 340
Bereifung Testwagen   155/60 R15 vorn/ 175/55 R 15 hinten
Verbrauch    
Krafstoffart   Strom
Kombiniert laut Werk (kW/h)   15,1
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   0 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   kA.
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   11,5
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   125
Preise    
ab (Euro)   18.910*
Empfohlene Extras   * zum Kaufpreis kommt dann noch eine Batteriemiete von monatlich 65 Euro über zehn Jahre hinzu.
 
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Das Ideal: Der Selbstversorger

Derzeit sollten E-Mobil-Pioniere in jedem Fall einen Stellplatz mit Stromanschluss haben, denn die Möglichkeiten für öffentliches Laden sind vorerst noch recht eingeschränkt. In Berlin gibt es wohl schon einige Ladestationen, in anderen Regionen/Städten hingegen kaum. Das Ideal wäre ohnehin der Selbstversorger: Wenn der Besitzer eines Fortwo ED nämlich noch eine Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach hat und idealerweise einen Stromspeicher im Keller, könnte er im Prinzip seine Mobilität schon nahezu autark CO2-neutral organisieren. Dann wären die laufenden Energiekosten fürs Autofahren übrigens sehr gering, allerdings wird man für eine Fotovoltaik-Anlage zusammen mit einem Speicher noch gut 30.000 Euro investieren müssen.

Eine gewisse Investitionsbereitschaft ist ohnehin gefragt, wenn wir die Energiewende voranbringen wollen. So auch beim Smart Fortwo ED selbst, der in der Basis ab 19.000 Euro zu haben ist. Für ein zweisitziges Kleinstmobil ist das durchaus viel Geld, für ein begeisterndes und technisch recht überzeugendes E-Mobil hingegen ein bemerkenswert niedriges Niveau. Bis vor kurzem mussten E-Mobil-Pioniere noch reich sein. Allerdings ist an diesen Einstiegspreis für den Fortwo ED eine Batteriemiete gekoppelt, die bei zehn Jahren Laufzeit monatlich 65 Euro verschlingt. Der Vorteil der Batteriemiete: Über die zehn Jahre hat man volle Garantie auf das Batteriepaket. Wer der Akku-Technik im Smart nicht traut, kann sich mit der Miete also absichern, zumal die Batteriewartung mit im Mietpreis inbegriffen ist.

Nicht billig, aber mit Sparpotenzial

Galerie: Erster Test Smart Fortwo ED und E-BikeDoch eigentlich heißt es bei Smart, dass das aus 93 Flachzellen bestehende und 175 Kilogramm schwere 17,6-kW/h-Batteriepaket auf eine Haltbarkeit von zehn Jahren und 150.000 Kilometer Laufleistung ausgelegt ist. Wer daran glaubt, kann die Batterie alternativ auch kaufen, was dann den Basispreis für das Coupé auf 23.680 Euro treibt. Und wer es lieber etwas livestyliger mag, kann für rund 3.000 Euro Aufpreis den Fortwo ED auch in der Cabriolet-Version bestellen. Wird die Batterie übrigens gekauft, muss man dann ihre jährliche Wartung selber zahlen, was allerdings nur mäßige Kosten (eine Kalkulation gibt es noch nicht) verursachen dürfte, denn eigentlich wird nicht die Batterie, sondern nur die für den interne Feuchtigkeitshaushalt verantwortliche Trockenpatrone überprüft.

Dem etwas hohen Kaufpreis für den Smart Fortwo ED stehen übrigens vergleichsweise geringe Unterhaltskosten gegenüber. So sind allein die Energiekosten fürs Fahren deutlich niedriger als für Benzin- oder Dieselmodell (laut Smart bis zu 70 Prozent). Steuern und Versicherung bieten ebenfalls Einsparpotenziale und schließlich gibt es in manchen Regionen auch noch Fördergelder für E-Pioniere. Alles zusammen dürfte den etwas hohen Kaufpreis zwar deutlich relativieren, insgesamt dürfte die E-Mobilität à la Smart dem Kunden dennoch vergleichsweise teuer zu stehen kommen. So ist derzeit noch ein gewisses Maß an Altruismus nötig, wenn man denn E-Pionier werden will. Immerhin wird man für diesen Vorstoß auf andere Weise belohnt, denn wer das elektrische Fahren im neuen Smart ED erlebt, könnte süchtig nach dem großartigen Beschleunigungsverhalten und dem geräuschlosen Vortrieb werden. Das E-Auto, es bietet eindeutig Suchtpotenzial.

 
Fazit

Mario Hommen

Noch führt die E-Mobilität ein Schattendasein, denn bislang waren die angebotenen Fahrzeuge zu teuer und technisch noch recht unausgereift. Mit dem Fortwo ED der dritten Generation hingegen macht Smart einen eindrucksvollen Vorstoß in Richtung Massentauglichkeit. Der kleine Stromer fährt sich erstaunlich gut und bietet dank neuer Antriebstechnik deutlich mehr Fahrspaß als seine Vorgänger. Darüber hinaus ist der schwäbische Stromer mit 19.000 Euro Basispreis finanziell für viele Autofahrer in greifbare Nähe gerückt.

Allerdings muss man als Nutzer eines batterieelektrischen Autos weiterhin die grundsätzliche Bereitschaft mitbringen, sich mit Mobilitätseinschränkungen arrangieren zu wollen. Die 145 Kilometer Reichweite und lange Ladezeiten schränken die Einsatzmöglichkeiten ein. Doch für die langen Fahrten kann man ja auf andere Alternativen zurückgreifen. Für die Umwelt wäre das sicherlich ein Gewinn.
 
 

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