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Galerie: Erster Test Toyota Auris II

Erster Test: Toyota Auris II

Hossa!

07.12.2012

Ein freudiger Ausruf? Ja, denn wenn man den alten Toyota Auris kennt und nun die Gelegenheit bekommt, die Neuauflage zu fahren, kann man es schon mit Rex Gildo halten und einfach mal Hossa! rufen. Der neue Auris sieht nicht nur verdammt gut aus, er fährt sich auch so. Und selbst der eigentlich zahme Hybrid kann gediegenen Fahrspaß mit hoher Effizienz in Einklang bringen.

Fangen wir zunächst mit den Äußerlichkeiten an, die sich im Fall des Auris mehr als sehen lassen können. Statt als pummeliges Allerweltsauto kommt der neue Toyota mit sattem Stand, selbstbewusst, scharfkantig, modern, aerodynamisch und weitgehend eigenständig daher. Ein wenig erinnern die vertikal verlaufenden Heckleuchten an Alfas Giulietta, doch beim Rest gibt sich der charaktervolle, begehrenswerte Kompakte kein „Me too“-Produkt.

Innen gibt es keine futuristisch anmutenden Experimente mehr. Auf eine freischwebende Mittelkonsole wie beim Vorgänger hat man ebenso verzichtet wie auf schicke Optitron-Rundinstrumente. Das Interieur der Neuauflage wirkt konventioneller und trotz einiger liebloser Details (80er-Jahre-Digitaluhr oder altbacken wirkender Kunststoff ums Navidisplay) auch gediegener.

Viel Hui und wenig Pfui

Galerie: Erster Test Toyota Auris IIVor allem aber: Man sitzt nahezu perfekt in diesem Auto auf angenehm konturierten und mit ordentlichem Langstreckenkomfort gesegneten Sitzen. Praktisch sind zahlreiche Ablagemöglichkeiten sowie das riesig dimensionierte Handschuhfach und ein ebenfalls groß geschnittenes Staufach unterhalb der Fahrerarmlehne.

In den von uns getesteten höherwertigen Ausstattungsvarianten sorgen zudem schicke Materialien für eine wohnliche Atmosphäre. Softtouch-Oberflächen auf dem Armaturenbrett und der Türinnenschulter sorgen standardmäßig für eine bereits leicht noble Anmutung. Teile des Armaturenbretts lassen sich zudem mit schicken Oberflächen in Metalloptik oder mit echtem Leder verkleiden. Letzteres trifft auch auf die Sitze zu, die aber von einer bei Toyota üblichen Billig-Machart sind und entsprechend die preislich günstigeren Textilbezüge hier vorzuziehen sind.

Cleveres Packaging

Galerie: Erster Test Toyota Auris IIEbenfalls konventionell gibt sich der Auris selbst in der zum Marktstart bereits verfügbaren Hybrid-Version: Statt des futuristisch inszenierten Hightech-Overkills des Prius zeugen im Innenraum nur ein paar Extratasten und ein kleiner, blauer Gangwahlhebel in der Mittelkonsole von seiner besonderen Antriebstechnik. Diese verfügt weiterhin über eine üppig dimensionierte Batterie, die allerdings dieses Mal unterhalb der Rücksitzbank untergebracht werden konnte und dort weder das gute Platzangebot im Fond noch jenes im Kofferraum einschränkt. 360 Liter passen stets in das konventionell erweiterbare Gepäckabteil. Wer ein ausgemachtes Ladetalent will, sollte bis zum Sommer 2013 warten, dann reicht Toyota noch eine Kombiversion des neuen Auris nachreichen.

Die Batterie des Hybrid kann für bis zu zwei Kilometer rein elektrischer Fahrweise Strom speichern, was nicht nur leises und emissionsfreies Gleiten im Stadtverkehr ermöglicht, sondern insgesamt für ein vergleichsweise niedriges Verbrauchsniveau sorgt. 3,8 Liter lautet die Normwertangabe, über der wir praktisch bei zurückhaltender Fahrweise im Eco-Modus laut Bordcomputer um gut einen Liter lagen, was ein bemerkenswert niedriger Praxiswert ist.

Spaß im Power-Modus

Das Verblüffende jedoch: Wechselt man vom Eco- in den Power-Modus (der diesen Namen durchaus verdient hat) und legt eine spaßbetonte Fahrweise an den Tag, wird man dennoch den Verbrauch nur schwer jenseits die Acht-Liter-Marke treiben können. Spaßbetont scheint angesichts des Hybridantriebs fast ein Widerspruch zu sein, zumal die Fahrwerte (10,9 Sek./180 km/h) eher ernüchtern. Doch praktisch bereitet der flotte Landstraßenritt durchaus Laune, denn das ordentliche Zusatz-Drehmoment des E-Motors gibt dem Fahrer das Gefühl, recht flott aus Kurven herauszukommen.

Galerie: Erster Test Toyota Auris IINervig bleibt trotz einer verbesserten Abstimmung des Zusammenspiels von Getriebe und Verbrennungsmotor allerdings der Gummiband-Effekt. Das in der Art eines stufenlosen CVT-Getriebes arbeitende Planeten-Getriebe des Hybridantriebs lässt beim Beschleunigen weiterhin die Motordrehzahl noch oben schnellen, während die

tatsächliche Beschleunigung wesentlich verhaltener ist als es der laut brummende Vierzylinder dann akustisch suggeriert. Doch das besondere Zusammenspiel von Motordrehzahlen und Beschleunigung ist letztlich Gewöhnungssache und kommt bei artgerechter Fahrweise eher selten .

Spaß in Kurven

Galerie: Erster Test Toyota Auris IIBemerkenswert optimiert hat Toyota das Fahrverhalten des Auris in Kurven. Der tiefe Fahrzeugschwerpunkt, die exakte und in manchen Momenten verzeihbar synthetisch wirkende Lenkung sowie die geringe Wankneigung sorgen zusammen mit der guten Sitzposition für ein angenehm dynamischen Fahreindruck. Allerdings haben wir diese dynamischen Momente nur mit den stärkeren Motorvarianten erleben, die serienmäßig über eine den flotten Kurvenfahrten zuträgliche Mehrlenker-Hinterachse verfügen, während bei den schwächeren Motoren lediglich eine Verbundlenkerachse zum Einsatz kommt.

Unter anderem der 132 PS starke 1,6-Liter-Saugbenziner ist mit dem aufwändigeren Fahrwerk ausgestattet und kann dank eines Gewichts von nur 1,2 Tonnen noch etwas spielerischer und sogar mit angenehmen Komfort ums Eck gescheucht werden. Der 1.6 Valvetronic ist eine wohltuende Absage an die aktuelle Downsizing-Diktatur und dürfte vor allem für drehzahlhungrige Fahrer eine interessante Alternative sein.

Viel Drehzahlen

Galerie: Erster Test Toyota Auris IIBergauf mangelt es dem Vierzylinder zwar an Hubraum und Drehmoment, doch wer gerne schaltet und keine Skrupel hat, die Drehzahlnadel jenseits der 4.000 Touren pendeln zu lassen, wird durchaus seine Freude haben können. Zehn Sekunden für den Sprint und 200 km/h Topspeed sind durchaus respektable Werte, ebenso wie die 5,9 Liter Normverbrauch, die wir praktisch bei sehr ambitionierte Fahrweise um nur drei Liter nach oben getrieben haben. Ein aufgeladener Downsizing-Motor hätte da sicherlich einen zweistelligen Verbrauchswert angezeigt.

Wer sparsamer mit konventionellen Motoren unterwegs sein will, kann alternativ noch den 99 PS starken 1,33 VVT-I ordern, der sogar mit Start-Stopp-Automatik kombinierbar ist, oder einen der beiden Dieselmotoren: Einen 1,4er mit 90 PS oder den 2.0 D-4D mit 124 PS, die 4,2 beziehungsweise 4,3 Liter verbrauchen sollen.

Preis ist heiß

Galerie: Erster Test Toyota Auris IIDer stärkere Diesel ist auch die teuerste Auris-Variante, die 23.490 Euro kostet. So ist der rund 23.000 Euro teure Auris Hybrid sogar günstiger als der Diesel und übrigens auch um 3.000 Euro günstiger als der Prius, der ja über eine identische Antriebseinheit verfügt. Wer schon immer mit dem sparsamen Antrieb des Prius liebäugelte, findet jetzt im Auris eine nicht nur günstigere sondern gleich noch bessere Alternative. Auf die futuristische Ausstrahlung des Prius kann man auf jeden Fall gerne verzichten.

Die Basisversion des Auris mit dem kleinen 1,3-Liter-Benziner kostet übrigens 16.000 Euro. Die Ausstattung ist dann recht überschaubar, doch verfügt der Auris dann immerhin schon über vier Einstiegstüren. Gegenüber einem vergleichbaren Basis-Golf kann der Auris damit einen Preisvorteil von fast 2.000 Euro geltend machen und liegt damit auf etwa gleichem Niveau wie der Opel Astra.

 
Fazit

Mario Hommen

Toyota wagt mit dem Auris einen Neuanfang, der optisch und fahrtechnisch beeindruckt. War der Vorgänger ein eher dröger  Kompaktklasse-Vertreter, zählt die Neuauflage nunmehr zu den aufregenderen Exemplaren seiner Zunft.

Zumindest optisch hat der absolut alltagstaugliche Japaner deutlich gewonnen und kommt mit seinem progressiven Außendesign auf Anhieb gut an. Der Innenraum ist vergleichsweise konventionell gestrickt, bietet aber hinsichtlich Funktionalität und Alltagstauglichkeit Top-Niveau.

Besonders hervorheben kann sich der neue Auris aber mit seinem deutlich mehr in Richtung Fahrspaß getrimmten Fahrwerk, welches zumindest in den stärkeren Varianten einen guten Alltagskomfort und ein erfreuliches Performance-Niveau bieten kann.

Antriebsseitig kann der Auris noch mit der hocheffizienten Hybridversion beeindrucken, die in puncto Fahrspaß leicht gewonnen hat, beim Verbrauch aber weiterhin theoretische als auch praktische Minimalwerte ermöglicht. Eine gute Wahl ist auch der 1,6-Liter-Benziner, der zwar etwas drehmomentschwach ist, dafür aber Drehzahlfreunde begeistern dürfte und der nicht mit der Naschsucht aufgeladener Downsizing-Motoren unangenehm auffällt, wenn man ihn etwas mehr fordert.

Schließlich überzeugt der Auris auch beim Preis, denn dieser liegt deutlich unterhalb vom Golf.
 
 

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