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Galerie: Erster Test Toyota Mirai

Erster Test: Toyota Mirai

Der eigenwillige Sumser

26.07.2016

Alternative Antriebe sind in aller Munde. Doch vor allem in Sachen E-Mobilität schafft gerade fast kein Hersteller den großen Wurf. Vermeintlich zu kurze Reichweiten und hohe Anschaffungspreise sprechen nicht unbedingt für die Stromer, denn selbst mit den 4.000 Euro Prämie vom Staat, die es seit Mitte 2016 für E-Autos gibt, sind die meisten Öko-Autos noch ziemlich teuer. Das gilt auch für den Toyota Mirai, der dafür aber immerhin das Reichweitenproblem gelöst hat.

So klingt die Zukunft! Erinnern Sie sich noch an die Cartoon-Serie „Die Jetsons“? Die urkomische, im All lebende Familie, die mit ihren fliegenden Autos von A nach B kommt? Hören Sie das sumselnde Geräusch der Flug-Mobile? Der typische Klang des Stromerns, so als würde der Blitz der alten Kompaktkamera hochfahren. So klingt es auch, wenn man sich mit den heutigen E-Fahrzeugen anschleicht und damit nicht selten seine Umwelt erschreckt. Das könnte vor allem im Falle des neuen Toyota Mirai passieren. Denn genau wie der Prius sieht auch der Mirai eher futuristisch aus, was vielleicht den einen oder anderen Kunden vom Kauf abschreckt.

Galerie: Erster Test Toyota MiraiAber über Geschmack lässt sich bekanntermaßen nicht streiten, und während der Japaner für die einen ein Designfehler ist, ist er mit seinem eigenwilligen Aussehen für die anderen vielleicht doch knorke. Auf jeden Fall, soviel steht fest, sieht er mit den großen, dreieckigen Lufteinlässen in der Front, den schlitzförmigen Scheinwerfern und dem Brauereipferd-Hintern recht spacig aus. Und auch der Innenraum mutet futuristisch an: Das Cockpit wird beherrscht von Displays und die gewählten Materialien sind nicht nur hochwertig, sie sind auch ordentlich verarbeitet, sodass wir hier nichts zu meckern finden. Die Sitze sind bequem und sogar auf der hinteren Sitzreihe finden Alltagsriesen ausreichend Platz.

Wasser marsch

Nicht weniger spacig ist auch die Technik, die für 550 Kilometer lokal emissionsfreie Reichweite sorgt. Die 4,89-Meter-Limousine ist genau so lang wie ein Audi A6 und wird von einem 154 PS starken Elektromotor angetrieben. Doch der Strom dafür kommt nicht nur aus einer aufgeladenen Batterie, sondern wird im Auto in einer Brennstoffzelle erzeugt. Dort werden über eine spezielle Membran Wasserstoff und Sauerstoff zusammengeführt, der Fachmann spricht von einer kalten Verbrennung. Auf der einen Seite entsteht dabei feinster Strom, und das „Abgas“, welches aus dem Auspuff kommt, ist nichts weiter als Wasser, das als Dampf oder in Tröpfchenform austritt.

  • Technische Daten – Toyota Mirai

Länge: 4,89 Meter, Breite: 1,82 Meter, Höhe: 1,54 Meter, Radstand: 2,78 Meter, Kofferraumvolumen: 361 Liter, Tankkapazität: 5 Kilogramm

Antrieb:

Permanent erregter Synchron-Elektromotor, Vorderradantrieb, 113 kW/154 PS, maximales Drehmoment: 335 Nm, 0-100 km/h: 9,6 s, Vmax: 178 km/h, Durchschnittsverbrauch: 0,76 Kilo Wasserstoff je 100 km, CO2-Ausstoß: 0 g/km, Effizienzklasse: A+, Preis: ab 78.540 Euro (nur im Leasing erhältlich)

Praktisch: Die Brennstoffzellen-Technik ist nicht größer als ein Handgepäckkoffer und kann problemlos unter den Vordersitzen platziert werden. Der Wasserstofftank allerdings fällt etwas größer aus und ist im Heck untergebracht. Mit dem Nachteil, dass das Kofferraumvolumen bei nur schlanken 361 Litern liegt. Damit nimmt der Mirai es mit weniger Gepäck auf als ein VW Golf. Angst vor dem Wasserstofflager braucht aber keiner haben: Der Tank wird ständig überwacht und sofort abgesperrt, sollte im äußerst unwahrscheinlichen Fall das flüchtige Gas austreten. Selbst bei einem Unfall ist der Tank so geschützt, dass nichts passieren kann.

Ein netter Alltagsgleiter

Galerie: Erster Test Toyota MiraiBleibt die Frage offen: Fährt der Mirai sich denn anders als ein über die Steckdose geladener Stromer? Ja und nein! Der größte Vorteil aller E-Fahrzeuge ist das sofort bereit stehende Drehmoment – davon profitiert auch der Mirai, der über 335 Newtonmeter Kraft verfügt. Diese wird aus dem Stand heraus direkt an die Vorderräder geschickt. In 9,8 Sekunden ist der Wasser spuckende Stromer auf Landstraßentempo gebracht, sehr gelenk lässt sich der Japaner über die Strecke bewegen und macht, wie beim E-Auto üblich, einfach nur Spaß. Der typische Sumse-Sound wird beim Mirai zusätzlich vom leisen Rauschen der Brennstoffzelle untermalt, was aber nicht störend ist.

Was ihn von anderen E-Autos unterscheidet, ist weniger das Fahren, sondern die Pausen zwischen den Etappen: Fünf Kilogramm Wasserstoff fassen die beiden Tanks und die sind innerhalb weniger Minuten befüllt. Der Mirai muss also nicht wie andere Elektros für mehrere Stunden an die Steckdose gehängt werden. Allerdings fehlt zurzeit noch die großflächige Versorgung, momentan gibt es nur ein paar Hand voll öffentliche Wasserstoff-Tankstellen in Deutschland – damit wird der Massentauglichkeit solcher Fahrzeuge (noch) ein Riegel vorgeschoben. Doch Automobilhersteller und Staat sind schon dabei, dies zu ändern. Bis 2023 soll es 400 Tankstellen mit H2-Säulen geben.

Galerie: Erster Test Toyota MiraiAußerdem hat das Ganze natürlich seinen Preis: Mindestens 78.540 Euro müssen berappt werden. Allerdings verleast Toyota den Mirai aktuell nur – mit 1.219 Euro pro Monat sind Sie dabei. Dafür bekommt man durchaus auch schickere Autos, doch das dürfte Menschen, die ihr grünes Gewissen nach außen hin zeigen wollen, nur wenig berühren.

 
Fazit

Jan Menno Schmidt

Wir sind uns sicher: Dem Wasserstoff-Antrieb gehört die Zukunft. Und das sehen nicht nur wir so, sondern auch Toyota. Mirai heißt nämlich übersetzt nichts anderes als Zukunft. Die Reichweite mit einer Tankfüllung überzeugt, Qualität und Platzangebot (zumindest für die Passagiere) passen und hinzu kommt der typische Elektro-Fahrspaß. Und am Ende des Tages finden wir ihn dann sogar trotz seiner gewöhnungsbedürftigen Optik ziemlich cool. Wären da nicht die teure Leasing-Rate und die dünngesäte Infrastruktur der H2-Tanksäulen, würde die Zukunft wahrscheinlich schon  morgen beginnen.
 
 

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