Drucken Weiterempfehlen   Twitter
 
Drucken Weiterempfehlen   Twitter
Galerie: Erster Test Toyota Prius+

Erster Test: Toyota Prius+

Knapp verfehlt

20.07.2012

Von einem geräumigen und hochvariablen Siebensitzer-Van erwartet man nicht unbedingt höchstes Effizienzniveau. Doch Toyota drückt dank Hybridtechnik beim neuen Prius+ den Verbrauch auf einen bemerkenswerten Tiefstand: 4,1 Liter lautet der stolze Normwert, den wir auf einer ersten Testfahrt ohne größere Anstrengung nur knapp verfehlten.

Bei dem recht unprätentiösen Namenszusatz + möchte man eigentlich einen Prius mit mehr elektrischer Reichweite erwarten. Diese Rolle wird allerdings der Prius Plug-in-Hybrid übernehmen und handelt es sich beim + vielmehr um einen nutzwertoptimierten Van-Ableger auf Prius-Basis mit einer deutlich modifizierten Karosserie. Dank eines länger und höher bauenden Hecks und des um 80 Millimeter verlängerten Radstands wurde Raum für eine dritte Sitzreihe und mehr Gepäck geschaffen.

Die Antriebseinheit des Prius, die auch rein elektrisches Fahren ermöglicht, wurde hingegen unverändert übernommen. Herzstück ist also im Prius+ ein 1,8-Liter-Vierzylinder-Benziner, der 99 PS leistet. Unterstützt wird dieser von einem 82 PS starken Elektromotor, der im Zusammenspiel mit einer stufenlosen CVT-Automatik die von Toyota angegebene Systemleistung auf 136 PS anhebt.

Bremsenergie wird zu Strom

Doch ist der E-Motor des Prius+ nicht allein für den Vortrieb verantwortlich, er wandelt beim Bremsen zusätzlich Bremsenergie in elektrischen Strom (Rekuperation), welcher in einer großen Batterie zwischengelagert dann wieder beim Vortrieb genutzt werden kann und damit hilft, den Spritverbrauch deutlich nach unten zu drücken.

Galerie: Erster Test Toyota Prius+Einzig in Hinblick auf die Batterie unterscheidet sich das Hybridsystem des + übrigens von dem des herkömmlichen Prius. Denn statt im Gepäckraum hat Toyota speziell für den Prius+ die Batterie in einer entsprechend wuchtigen Mittelkonsole untergebracht, die Fahrer und Beifahrer voneinander trennt. Und statt eines raumgreifenden Nickel-Metallhydrid-Akkus handelt sich um eine kompakter bauende Lithium-Ionen-Batterie mit identischen Leistungseckdaten.

Platz für sieben Erwachsene

Der entscheidende Vorteil dieser Mittelkonsolenlösung ist das bessere Platzangebot im Heck, welches es ermöglicht, zwei aus dem Kofferraumboden herausklappbare Einzelsitze im Prius+ unterzubringen. Und bei diesen handelt es sich um Sitze auf denen sogar Erwachsene einigermaßen bequem mitreisen können. Kopf- und Kniefreiheit sowie der Fußraum sind zwar knapp bemessen, doch ein Weilchen wird man es auch mit 1,80 Meter Körperlänge hier aushalten können.

Galerie: Erster Test Toyota Prius+Sollten ganz hinten Passagiere Platz nehmen, empfiehlt es sich die Sitze der vorderen beiden Reihen etwas weiter nach vorne zu schieben, was die Kniefreiheit für die vorderen Passagiere nicht übergebührlich einschränkt. Und sogar der mittlere Sitz der zweiten Reihe ist dank der Abwesenheit eines Kardantunnels ein vollwertiger.

Bis 1.750 Liter

Dank der verschieb- und klappbaren sieben Einzelsitze ergeben sich beim Prius+ eine Vielzahl verschiedener Nutzungsprofile. Als Siebensitzer beträgt das Gepäckvolumen 232 Liter, als Fünfsitzer stolze 784 Liter und als Zweisitzer sogar 1.750 Liter. Hinzu kommen noch ein 60-Liter-Staufach unterm Kofferraumboden, zwei große Handschuhfächer und weitere kleine Ablagen sowie Getränkehalter. Allein mit seinem Innenraumkonzept bei lediglich 4,60 Meter Außenlänge ist der Prius+ für Stauraum- und Variabilitäts-Fetischisten eine spannende Neuheit.

Galerie: Erster Test Toyota Prius+Der andere Höhepunkt des Hybriden ist sein Spritspar-Antrieb. Zumindest Fahrer, die mehr Wert auf Effizienz als auf Dynamik legen, können sich für das ausgefeilte Zusammenspiel von Benzin- und E-Motor begeistern. Gestartet wird der Prius per Start-Knopf. Nach einem kurzen Druck signalisiert ein kleines Lämpchen die Fahrbereitschaft, obwohl der 1,8-Liter-Benziner vorerst aus bleibt. Legt man nun den Gangwahlhebel auf D, kann man zunächst sogar rein elektrisch und weiterhin lautlos anfahren. Erst wenn mehr Energie benötigt wird als die Batterie liefern kann, wird der Vierzylinder aktiv.

Stark aber nicht spritzig

Zwar kann der Prius+ immerhin 136 PS ins Rennen werfen, doch ganz so üppig fühlt sich diese Power nicht an. Im per Knopfdruck aktivierbaren Powermodus spürt man zunächst einen ordentlichen Extrapunch vom E-Motor, doch dieser ist nur kurzweilig und es treibt den Kompaktvan bei Vollgasbeschleunigung mit laut dröhnendem Benziner eher gemütlich in Richtung 100 km/h. 11,3 Sekunden soll der übrigens mit 1,5 Tonnen erfreulich leichte Siebensitzer für den Sprint brauchen und es maximal auf enttäuschende 165 km/h schaffen. Längsdynamisch reicht es immerhin, um einigermaßen souverän Lastwagen auf der Landstraße zu überholen, ein Grinsen zaubert dieses Performance-Niveau dem Fahrer allerdings nicht ins Gesicht.

Galerie: Erster Test Toyota Prius+Dies könnte hingegen der Verbrauchswert, denn angesichts der eher lusthemmenden Performance entscheiden wir uns gleich für eine möglichst effiziente Fahrweise. Dabei verzichten wir sogar auf die kühlende Luftzufuhr aus der serienmäßigen Klimaautomatik und nutzen zudem möglichst oft in Ortschaften den reinen Elektromodus. Per Knopfdruck kann man den Prius+ zu selbigem zwingen und dann bis zu zwei Kilometer und maximal bis 50 km/h schnell bei ausgeschaltetem Benziner fahren. Man muss dabei allerdings das Gaspedal sehr vorsichtig streicheln. Fordert man mehr Leistung, will man über 50 km/h schnell fahren oder geht der Strom aus dem Akku zur Neige, wird der EV-Modus verlassen und der Benziner springt wieder ein.

4,2 Liter

Auf unserer insgesamt gut 100 Kilometer langen Testfahrt, mit rund 60 Prozent Landstraßen- und 20 Prozent Autobahnanteil, sind wir nicht einmal übertrieben spritsparend gefahren, sondern meist im Verkehr mit geschwommen. Es waren auf der Landstraße sogar einige Überholmanöver dabei und auf der Autobahn muteten wir dem Prius+ 120 Sachen zu. Am Ende unserer Tour zeigte der Bordcomputerwert dennoch überraschend niedrige 4,2 Liter an. Damit lagen wir um nur 0,1 Liter über dem Normverbrauchswert und hätten wir es wirklich darauf angelegt, wäre an diesem Tag ein Wert um vier Liter möglich gewesen. Der mäßige Durst des großen Prius war gewiss auch dem Streckenprofil geschuldet, denn das flache Land nördlich von Hamburg kam unseren Spritspar-Ambitionen entgegen.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Toyota Prius+
Version / Ausstattung    
Motor    
Hubraum (ccm) / Bauart   Hybridsystem aus 1,8-Liter-Benziner, Elektromotor und Li-Ion-Akku
Leistung (kW / PS)   73 / 99
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   142 / 4.000
Antriebsart   Frontantrieb
Getriebeart   Stufenlose-CVT-Automatik
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.615 / 1.775 / 1.575
Radstand (mm)   2.780
Wendekreis (m)   11,8
Leergewicht (kg)   1.495
Kofferraum (Liter)   232 - 784 - 1.750
Bereifung Testwagen   16-Zoll-Leichtmatallräder
Verbrauch    
Krafstoffart   Benzin
Kombiniert laut Werk (l/100km)   4,1
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   96 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   k.A.
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   11,3
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   165
Preise    
ab (Euro)   29.900,00
Empfohlene Extras    
 
Vergrößern
Verkleinern
 

So effizient der Prius+ auch sein mag, er dürfte nicht jeden Autofahrer gleichermaßen begeistern. Wer lieber bulligen Durchzug spüren und möglichst flott auf der Autobahn Strecke machen will, sollte eher zu einem Dieselantrieb greifen, den Toyota allerdings für den Prius+ nicht anbietet. Hochgeschwindigkeitsaspiranten sei deshalb vom Hybridantrieb abgeraten, denn hier setzt die Technik à la Toyota recht frühe Grenzen und schwindet bei flottem Autobahntempo auch noch der Verbrauchsvorteil gegenüber ähnlich motorisierten Dieselvarianten.

Ein Auto zum Cruisen

Doch wer den Prius+ mit ruhigem Gasfuß bewegt, kommt auch besonders relaxt ans Ziel: Immerhin handelt es sich um eine Automatikversion, bei der lästige Schaltarbeit entfällt und die Antriebseinheit verrichtet ihre Arbeit bei gemäßigter Leistungsabfrage zudem angenehm geschmeidig und auch noch bemerkenswert geräuscharm.

Der Hybridantrieb ist nicht der einzige Technik-Höhepunkt, den der Prius+ zu bieten hat. Weitere Besonderheiten sind sein gewichtsparendes Panorama-Sonnendach aus transparentem Kunststoff, LED-Scheinwerfer, ein Park-Assistent, ein adaptiver Tempomat, ein Head-up-Display oder das Pre-Crash-Sicherheitssystem. Allerdings sind die meisten dieser Nettigkeiten den höheren Ausstattungsvarianten Life und Tec-Edition vorbehalten.

Ab 29.900 Euro

Galerie: Erster Test Toyota Prius+Die Basisversion ist namenlos, kann aber eine umfangreiche Ausstattung bieten. Der dann 29.900 Euro teure Prius+ verfügt über sieben Sitze und sieben Airbags, LED-Tagfahrleuchten, 16-Zoll-Alus, Regensensor, Klimaautomatik, Lederlenkrad, ein Multimedia-Audiosystem mit 6,1-Zoll-Touchscreen, eine Rückfahrkamera, ein schlüsselloses Start- und Zugangssystem und vieles mehr. Angesichts der umfangreichen Serienausstattung, dem sparsamen Doppelherzantrieb mit Automatik-Getriebe und EV-Modus sowie der variablen Siebensitzer-Konfiguration ist der Prius+ ein absolut faires Angebot.

Und für Fahrer mit Spritsparambitionen bietet der potenziell niedrige Verbrauch ein hohes finanzielles Einsparpotenzial. Viele Siebensitzer-Vans mit ähnlich starkem Ottomotor und Automatikgetriebe verbrauchen gut doppelt so viel Benzin. Da könnte man hochgerechnet auf die Fahrzeuglebensdauer mit dem Prius+, sofern man das Sparpotenzial praktisch auch konsequent nutzt, durchaus eine fünfstellige Summe bei den Spritkosten wieder reinfahren. Langfristig ist die Investition in die Hybridtechnik also durchaus lohnend, zumal sich auch beim Wiederverkauf Toyotas Hybridmodelle durch erstaunlich hohe Wertstabilität auszeichnen.

 
Fazit

Mario Hommen

Toyotas Hybrid-Offensive bietet einen neuen Höhepunkt: Mit dem Prius+ bringen die Japaner einen vollwertigen und hochvariablen Siebensitzer, der sich beim Verbrauch mit Kleinwagen-Werten bescheidet. Die Antriebstechnik hat sich bereits millionenfach bewährt und funktioniert im Alltag einwandfrei. Allerdings bleibt der Fahrspaß auf der Strecke, denn so richtig spritzig fährt sich der Prius+ trotz seiner 136 PS Systemleistung nicht und sind 165 km/h Höchstgeschwindigkeit alles andere als berauschend.

Berauschen kann sich aber der effizienzgetriebene Fahrer an dem niedrigen Verbrauchsniveau, welches ja auch die Unterhaltskosten deutlich mindern kann.

Apropos Kosten: Mit mindestens 30.000 Euro mag der Hybrid-Van zunächst nicht als Schnäppchen erscheinen, doch angesichts der bereits umfangreichen Serienausstattung, den geringen Unterhaltskosten und dem hohen Wiederverkaufswert könnte sich die Investition in den Prius+ durchaus rechnen.
 
 

Gebrauchtwagen-Kaufberater

Sie suchen einen Gebrauchten? Unsere Kaufberater sagen Ihnen, worauf Sie bei Ihrem Traumwagen achten müssen.

Suche nach Angeboten

Marke
Model
Fahrzeugrückruf
Hier verpassen Sie keinen Rückruf vom Hersteller mehr. Wir informieren Sie sofort per E-Mail.
Zum Rückrufservice

Frage der Woche

AutoWelten

ServiceWelten

Sicherheit online

Schützen Sie sich vor Datenklau (Phishing), Scheckbetrug und unseriösen Angeboten.
Surfen Sie sicher mit unseren Tipps.