Elektromobilität-Special
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Galerie: Erster Test Toyota Prius Plug-in Hybrid

Erster Test: Toyota Prius Plug-in Hybrid

Der Prius zeigt, was er kann

28.08.2012

Toyotas Sparmeister Prius verbraucht dank Hybridantrieb zwar wenig, ganz ohne Benzin reicht es allerdings nur für zwei Kilometer. Dabei steckt in ihm ein E-Motor, der rein elektrisches und damit emissionsfreies Fahren auch über weitere Distanzen ermöglichen könnte, wenn denn die Batterie größer wäre. Im Oktober startet der Prius als Plug-in Hybrid, der dank eines mächtigen Lithium-Ionen-Akkus den Null-Emissions-Radius auf 25 Kilometer erweitert, dafür allerdings nach einer gewaltigen Mehrinvestition verlangt.

Äußerlich erkennt man den neuen Plug-in-Prius erst auf den zweiten Blick. Die Grunderscheinung blieb nahezu unverändert und sind es Details wie etwa mehr Chromzierrat, die für eine leichte optische Aufwertung sorgen. Und dann gibt es noch eine zusätzliche Tankdeckelöffnung auf der rechten Fahrzeugseite, hinter der sich der Anschluss für das Ladekabel befindet.

An jeder üblichen 230-Volt-Steckdose lässt sich dieses Ladekabel anschließen, um den üppig dimensionierten Stromspeicher aufzuladen. Spätestens nach 90 Minuten soll der 4,4-kWh-Akku dann die Energie für bis zu 25 Kilometer weite Null-Emissions-Fahrten gespeichert haben. Wer nun rein elektrisch losstromern will, muss lediglich vor Fahrtantritt per Knopfdruck das Antriebssystem in den EV-City-Modus zwingen.

Bis zu 85 km/h schnell

Galerie: Erster Test Toyota Prius Plug-in HybridEntsprechend leise kann man dann mit dem Prius vom Parkplatz rollen, denn der Vierzylinder-Benziner bleibt vorerst aus. Diese Möglichkeit bietet auch schon der normale Prius, doch beim Plug-in geht es weiter, springt selbst bei Geschwindigkeiten jenseits der 50 km/h der Verbrennungsmotor nicht hinzu. Erst kurz bevor die Tachoanzeige die 100-km/h-Marke knackt, springt der Vierzylinder an. Nach Angaben von Toyota sollen rein elektrisch Geschwindigkeiten bis 85 km/h möglich sein.

Zwar ist der Prius mit seinem E-Motor kein Temperamentsbolzen, doch im Stadtverkehr kann man problemlos mit schwimmen. Wer es spontan eiliger hat und das Gaspedal voll durchtritt, wird automatisch dafür sorgen, dass der Vierzylinder mitarbeitet und der Wagen somit flotter voranprescht. Um wieder in den E-Modus zu gelangen, muss man erneut per Knopfdruck den Elektromodus aktivieren. Um drin zu bleiben darf das Gaspedal nur maximal 90 Prozent seines Weges getreten werden, darüber wird der Benziner aktiviert.

Über 20 Kilometer kein Problem

Galerie: Erster Test Toyota Prius Plug-in HybridAuf einer Testfahrt haben wir in der Nähe der Toyota Europazentrale eine gut 20 Kilometer lange Stadtverkehrsrunde rein elektrisch absolviert. Eher sinnig und nicht über 70 km/h schnell waren am Ende noch zwei Kilometer Reichweite übrig. Laut Toyota soll es besonders mußedurchdrungene Mitarbeiter geben, die sogar 40 bis 50 Kilometer weit mit einer Stromladung rein elektrisch weit gekommen sind. Wer möglichst schnell rein elektrisch unterwegs ist, kann die Reichweite auch auf deutlich unter 20 Kilometer drücken.

Für viele Berufspendler eröffnet der durchaus realistische 25-Kilometer-Radius interessante Möglichkeiten. Wer zum Beispiel einen 20 Kilometer langen Arbeitsweg hat, kann mit der vollen Batterie diesen allein im E-Modus abspulen. Idealerweise gibt es dann am Arbeitsplatz noch eine Lademöglichkeit, und lässt sich so auch der Rückweg rein elektrisch fahren. Dabei schont man nicht nur die Umwelt sondern gleich noch das Portemonnaie, denn die Ladung der Batterie soll gut fünf Kilowattstunden kosten. Damit würden 100 Kilometer elektrisch gefahren rund fünf Euro Energiekosten verursachen, während im Benzinmodus mit dem Prius im Idealfall etwa sieben Euro fällig wären. Dank der größeren Batteriekapazität soll der Normverbrauch der Plug-in Hybrid bei lediglich 3,7 Litern liegen. Der normale Prius verbraucht 3,9 Liter.

Amortisiert sich nicht

Galerie: Erster Test Toyota Prius Plug-in HybridRund 70 Prozent der gefahrenen Strecken sind laut Toyota Kurzstrecken und bietet der Prius damit vor allem für Stadtbewohner die Möglichkeit, ein Großteil der Fahrten rein elektrisch zu bewältigen. Angesichts seines zusätzlichen Benzinantriebs kann der Hybrid-Japaner aber auch ohne Einschränkungen für alle anderen Fahrten eingesetzt werden. Anders als batterieelektrische Fahrzeuge unterliegt man mit dem Plug-in-Toyota keinerlei Reichweiten-Einschränkung. Dieser vielfach diskutierten Problematik bei E-Autos weicht der Plug-in-Prius geschickt aus. Auch das Problem einer fehlenden Ladeinfrastruktur kann den Fahrer eigentlich kalt lassen.

Der Haken an der Sache ist eigentlich nur der Aufpreis. Fast 10.000 Euro mehr kostet die Plug-in-Version mehr im Vergleich zum normalen Prius und rechtfertigt sich diese Mehrinvestition eine leicht bessere Ausstattung und vor allem der größere Energiespeicher. Eigentlich viel Geld für knapp 23 Kilometer mehr elektrischen Radius. Amortisieren werden sich die ausstattungsbereinigt rund 8.000 Euro Mehrpreis in keinem Fall und wäre allein der Wunsch, weniger Emissionen und CO2 produzieren zu wollen, ein Grund für den deftigen Aufschlag. Die mindestens 36.200 Euro erfordern ein gewisses Maß an Altruismus.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Toyota Prius
Version / Ausstattung   Plug-in Hybrid
Motor    
Hubraum (ccm) / Bauart   1.798 / R4-Benziner
Leistung (PS)   136 (99 PS Benzinmotor allein)
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   142 / 4.000
Antriebsart   Frontantrieb
Getriebeart   stufenlos variable Automatik
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.460 / 1.745 / 1.490
Radstand (mm)   2.730
Wendekreis (m)   11,2
Leergewicht (kg)   1425 - 1.450
Kofferraum (Liter)   443 - 1.543
Bereifung Testwagen   15-Zoll-Alufelgen
Verbrauch    
Krafstoffart   Benzin
Kombiniert laut Werk (l/100km)   3,7
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   85 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   k.A.
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   10,8
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   180
Preise    
ab (Euro)   36.200 Euro
Empfohlene Extras    
 
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Eine clevere Alternative zum Ampera

Im Vergleich zum Opel Ampera, der ebenfalls elektrisches Fahren ohne Reichweitenproblematik ermöglicht, ist der Prius Plug-in jedoch ein günstiges Angebot, denn Opel verlangt nochmals gut 10.000 Euro mehr. Allerdings bekommt man beim Ampera deutlich mehr rein elektrische Reichweite (bis zu 80 Kilometer) und ist der Rüsselsheimer Stromer längsdynamisch im Vergleich zum Prius eine echte Rakete. Nach Ansicht von Toyota ist diese spaßbetonte Opel-Lösung allerdings vergleichsweise ineffizient.

Das liegt unter anderem auch am Gewicht, denn der Prius Plug-in Hybrid bringt 230 Kilogramm weniger als der Ampera auf die Waage. Grund ist die Batterie des Japaners, die lediglich 80 Kilogramm schwer ist und damit das Gesamtgewicht um nur 38 auf insgesamt noch recht bescheidene 1.425 Kilogramm nach oben drückt. Toyota hat die 87 Liter große Batterie übrigens ohne Raumeinbußen untergebracht und ist der Kofferraum mit 443 Liter entsprechend ordentlich dimensioniert. Im Vergleich zum normalen Prius hat der Stauraum lediglich zwei Liter eingebüßt, da noch die Steckdose für das Ladekabel untergebracht werden musste.

 
Fazit

Mario Hommen

Für 23 zusätzliche Kilometer mehr rein elektrischer Reichweite muss man im Fall der Prius Plug-in fast 10.000 Euro mehr hinblättern. Dafür bekommt man ein Teilzeit-Stromer mit längsdynamischen Einschränkungen im E-Modus: Man muss sinnig beschleunigen und darf nicht über 85 km/h schnell fahren, will man ein Anspringen des grundsätzlich immer startbereiten Benziners verhindern. Fahrspaß kommt dann zwar keiner auf, aber die meisten Strecken kann man so emissionsfrei fahren und damit sogar Geld sparen. Amortisieren wird sich die Mehrinvestition in den Plug-in Prius allerdings nicht, selbst wenn man möglichst konsequent elektrisch fahren würde. Der Clou allerdings: Man kann viele Strecken elektrisch fahren, hat aber dank des Verbrennungsmotors keinerlei Reichweiten-Einschränkung und ist der Japaner also universell einsetzbar.

Auch wenn der Prius im Vergleich zu konventionell angetriebenen Fahrzeugen oder Hybriden recht teuer ist, ist er im Vergleich zu stärker elektrifizierten Modellen wie dem Opel Ampera oder Fisker Karma fast schon ein Schnäppchen. Insofern bietet Toyota elektrische Mobilität ohne eine generelle Reichweiteneinschränkung zu vergleichsweise günstigen Preisen.
 
 

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