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Galerie: Erster Test Toyota RAV4 2.2 D-4D

Erster Test: Toyota RAV4 2.2 D-4D

Familienfreund

28.02.2013

Damals, vor 19 Jahren, war der Auftritt des RAV4 zwar sehr bescheiden, aber auch überraschend erfolgreich. Der Begründer des Segments kompakter SUVs war nur 3,69 Meter kurz, bot eine nüchterne Optik, Einfachtechnik und war zunächst nahezu konkurrenzlos. In der nunmehr vierten Generation kommt er in einer vom Fortschritt in allen Aspekten aufgeblähten Version, um gegen die auf rund 20 Mitbewerber gewachsene Konkurrenz bestehen zu können. Ein deutlicher Längenzuwachs, mehr Platz, feinere Technik und ein deutlicher Optik-Sprung sollen ihm seinen Stammplatz unter den Markführern sichern.

Die Entwicklungssprünge des RAV4 verdeutlicht die Generationen-Parade auf der ersten Pressefahrvorstellung. Mit der Erstausgabe weist die Neuauflage allein beim Schriftzug am Heck Gemeinsamkeiten auf. Der nunmehr auf stolze 4,57 Meter angewachsene und nach Toyota-Definition dennoch weiterhin kompakte Allradler hat vielmehr Ähnlichkeiten mit den neuen Keen-Look-Vertretern Yaris, Auris und Verso, die schon seit einigen Monaten das Toyota-Design in eine kohärentere Moderne führen. Eleganter, coupéhafter und dynamisch akzentuierter war keiner der Vorgänger. Trotz der dramatischeren Inszenierung ist der durchaus ansehnlicher gewordene RAV4 noch immer keine Erscheinung, die sich deutlich von der Masse abheben will.

Mit deutlichem Raumgewinn

Galerie: Erster Test Toyota RAV4 2.2 D-4DAuch beim Innenraum fällt der Modernisierungsschub ins Auge, der aber ebenfalls in einem Schönheits-Wettbewerb nicht als progressiv und überragend wohnlich durchgehen dürfte. Der RAV4 bietet solides Toyota-Handwerk, mit einem etwas wilden Materialmix und der klassischen Old-School-Digitaluhr, mit einer sauberen Verarbeitung und ansehnlichen Oberflächen, aber ohne den feinen Premiumschliff deutscher Mitbewerber. Nach Budget-Lösung sieht das Touchscreen-Navi aus, welches weder optisch noch mit seiner Rechnergeschwindigkeit den Super-Navis von BMW, VW oder Mercedes Paroli bieten kann und bei dem sich lediglich über den günstigen Preis (550 Euro) eine Anschaffung rechtfertigen ließe.

Als uneingeschränkten Höhepunkt des RAV4-Interieurs erlebt man hingegen das großzügige Platzangebot, welches vor allem den Fondgästen deutlich mehr Beinfreiheit als bisher beschert. Diese sitzen trotz der nach hinten abfallenden Dachlinie mit guter Kopf- und viel Beinfreiheit. Rund 1,80 Meter große Fahrgäste haben zwischen Knie und Vordersitzlehne noch gut zehn Zentimeter Luft und außerdem hat der Toyota trotz Allradantrieb einen lediglich zwei Zentimeter hohen Kardantunnel, was den mittleren Platz der Rückbank zum vollwertigen Sitz qualifiziert.

Sesam öffne dich

Galerie: Erster Test Toyota RAV4 2.2 D-4DEin weiteres Beispiel für die gute Raumökonomie bietet der fast ebene und gut ausgekleidete Kofferraum, der zwar mit 1.746 Datenblatt-Litern im Vergleich zum Vorgänger sogar um sechs Liter geschrumpft zu sein scheint, allerdings dank eines unterm Kofferraumboden befindlichen 100-Liter-Staufachs in der Summe sogar mehr Raum bietet. Bei voller Bestuhlung passen immerhin noch 537 Liter rein.

Eine Neuheit beim Zugang zum Gepäckabteil ist die nun nach oben statt zur Seite und optional auf Knopfdruck elektrisch öffnende Heckklappe, bei der sogar die Öffnungshöhe programmiert werden kann; praktisch für Garangenbesitzer. Dank einer vergleichsweise niedrigen Ladekante stellt auch das Einladen schwerer Gegenstände keine sonderliche Hürde dar. Zwar hätte man den Kofferraum noch mit weiteren Nutzwert-Feinheiten garnieren können, doch die Grundzutaten für zeitgenmäßen Alltagsnutzen sind vorhanden.

Abrüstung

Galerie: Erster Test Toyota RAV4 2.2 D-4DObwohl der RAV4 ein typischer Vertreter der Höher-Schneller-Weiter-Logik der Autobranche ist, hat Toyota bei den Motoren auf den bisherigen Top-Diesel mit 177 PS verzichtet. Er soll der geringen Kundennachfrage beim Vorgänger geopfert worden sein. Das höchste der Diesel-Gefühle ist nunmehr der 2.2 D4-D mit 150 PS und 340 Newtonmeter, mit dem Toyota fast 50 Prozent aller künftigen RAV4 ausgestattet sieht und der zwangsweise an den Allradantrieb und optional an eine Sechsgang-Automatik gekoppelt ist. Die restlichen 50 Prozent teilen ein 124 PS starker Diesel, der auch als 2WD angeboten wird, sowie ein Benziner mit 151 PS, der ebenfalls zwangsweise mit Allrad gekoppelt ist.

Mit dem Top-Diesel mit Automatik haben wir uns in jedem Fall sehr wohl gefühlt, denn der Motor läuft ruhig, sorgt für ordentlichen Durchzug und akzeptable Fahrwerte: Mit dem Selbstschaltgetriebe dauert der Sprint glatt zehn Sekunden und sind maximal 185 km/h möglich. Der Verbrauch ist mit 6,6 Litern noch halbwegs bescheiden, beim Handschalter wären es sogar nur 5,6 Liter Verbrauch. Ein Liter Mehrverbrauch für die komfortablere Wandlerautomatik ist ein üblicher Aufschlag. Ebenfalls typisch ist das gemütliche, wandlertypische Schaltnaturell, welches dem ambitionierten Fahrer vielleicht eine Spur zu viel Trägheit im Zusammenspiel mit dem kräftigen Motor vermitteln könnte.

Mehr Sport

Galerie: Erster Test Toyota RAV4 2.2 D-4DDoch der neue RAV4 kann auch anders, denn ein gänzlich neuer Sportmodus, aktivierbar per Tastendruck, sorgt unter anderem für eine veränderte Schaltcharakteristik, die längsdynamisch mit höherem Ausdrehen der Gänge und schnelleren Gangwechseln den Japaner lustbetonter vorantreibt. Wichtiger am Sportmodus ist allerdings das veränderte Verhalten des Allradantriebs, welches vor allem beim schnellen Einlenken in die Kurve mehr Drehmoment an die Hinterachse leitet und das Auto damit stabiler durch die Kurven zieht.

Wer daran Spaß hat, kann den RAV4 mit deutlich härterer Hand und in lustbetonter Weise um Ecken scheuchen. Ein sonderlich agiler Kurvenfeger ist der RAV4 aber selbst damit nicht. Letztlich bleibt auch die Neuauflage auf der sicheren Seite, mit ordentlich Schlagseite, gutmütig untersteuernd und mit kräftigen Regeleingriffen des Stabilitätsprogramms kann man angstfrei und immerhin noch einigermaßen flott in den früh einsetzenden Grenzbereich vorstoßen. Wer den RAV4 in der möglichst handlichsten Version haben will, muss übrigens den empfehlenswerten Benziner mit 151 PS kaufen, denn durch das deutlich geringere Gewicht an der Vorderachse kommt man beschwingter von links nach rechts.

Gemütlich, sicher

Galerie: Erster Test Toyota RAV4 2.2 D-4DDoch im Kern empfiehlt sich der RAV4 weiterhin als entspannter Cruiser, der ein im Vergleich zum Vorgänger noch sanfteres Fahrwerk bietet. Nur noch selten gibt die Hinterachse höchstens mal leichte Schläge an den Innenraum weiter. Angenehm außerdem: Das geringe Windgeräusch-Niveau, welches es selbst noch bei 160 km/h den vorderen Insassen ermöglicht, sich mit ruhiger Stimme zu unterhalten. Ach, und eigentlich soll das SUV-Modell ja noch eine gewisses Maß an Geländegängigkeit bieten, doch sollte man ihm kaum Dramatischeres als Schotterpisten zumuten. Für kernige Kletterpartien bietet Toyota ja seine Land Cruiser.

Als Reisewagen vor allem für Familien will sich der RAV4 anbiedern. Dazu passt auch sein hohes Sicherheitsniveau. Eine Reihe an Helferlein qualifizieren den wahrscheinlich fünf Sterne beim EuroNCAP-Crashtest einheimsenden Japaner zu einer besonders vertrauenswürdigen Trutzburg. Ein automatisch abblendender Fernlichtassistent, ein optisch-akustisch warnender Spurhalteassistent und der mit Radarsensoren am Heck arbeitende Totwinkel-Warner gehören zu den Neuheiten, mit denen Toyota zudem Anschluss an den Assistenzsystem-Rüstungswahn der deutschen Hersteller halten will.

Kaum teurer

Galerie: Erster Test Toyota RAV4 2.2 D-4DEin wichtiger weiterer Punkt im deutlich härter gewordenen Konkurrenzkampf unter den Kompakt-SUVs ist die Preisgestaltung, die bei Toyota trotz vieler Verbesserungen kaum teurer als beim Vorgänger ausgefallen ist. Der Basisbenziner mit 151 PS kostet zusammen mit nunmehr obligatorischem Allradantrieb 27.750 Euro, was im Vergleich zum antriebsseitig vergleichbaren Vorgänger ein um 1.550 Euro günstigerer Preis ist. Allerdings war dieser dann in der etwas besseren und 2.000 Euro kostenden Ausstattung Life zu haben.

Auch der 150-PS-Diesel mit Automatik und ebenfalls obligatorischem Allradantrieb ist ebenso um nur wenige hundert Euro teurer als sein Vorgänger geworden. Damit ist der RAV4 weiterhin um gut 2.000 Euro günstiger als ein vergleichbar motorisierter und ausgestatteter VW Tiguan.

 
Fazit

Mario Hommen

Der neue Toyota RAV4 hat deutlich gewonnen. Vor allem kann er sich mit einer schärferen und moderneren Optik besser in Szene setzen, ein polarisierender Blickfänger ist er – typisch Toyota – allerdings weiterhin nicht. Auch der Innenraum hat gewonnen, vor allem beim Platzangebot, der gleichermaßen Raum für mehr Gepäck und die Fondpassagiere bietet. Allerdings gehört der RAV4 mit 4,57 Meter Länge mittlerweile zu den besonders großen Vertretern der Kompakt-SUV-Szene.

Bei den wichtigen Antrieben ist eigentlich alles beim Alten geblieben, allerdings wurde der Starkdiesel durch einen schwächeren 124-PS-Diesel ersetzt. Und damit orientiert sich auch der RAV4 an dem Trend, sich allgemein genügsamer zu geben.

Beim Komfort hat der RAV4 zugelegt, denn die Innenraumgeräusche sind auffallend geringer, das Fahrwerk zudem etwas komfortabler. Im Gegenzug kann der Allradantrieb im per Knopfdruck aktivierbaren Sport-Modus einen Spaß-Zuschlag bei Kurvenfahrten bieten, wenngleich der Toyota selbst mit 150-PS-Diesel und Automatik selbst dann nicht zu den ausgesprochen agilen Vertretern seiner Zunft zählt.

Vielmehr steht beim RAV4 die Sicherheit im Vordergrund, ist eigentlich alles an Bord, was aktiv und passiv die Insassen effektiv schützen kann. Und auch bei den derzeit von der Industrie so angepriesenen Assistenzsystemen kann der Allradler einiges bieten. Und das alles zu unverändert konkurrenzfähigen Preisen.
 
 

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