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Galerie: Erster Test Toyota Verso-S

Erster Test: Toyota Verso-S

Multipler Referenzklässler

23.02.2011

Jüngst erst resümierten wir beim Kleinwagen-Vergleich, dass man in der Sub-Vier Meter-Klasse keine Raumwunder erwarten darf. Und dann das: Toyota bittet zum ersten Test des neuen, 3,99 Meter langen Verso-S und beweist uns Gegenteiliges. Neben vorbildlicher Raumökonomie überrascht der Minivan noch mit weiteren Topwerten.

Gefallen. Das muss ein Auto vor allem auch äußerlich, und sorgen Toyotas selten für Begeisterungsstürme. So gehört auch der Verso-S mit seiner funktionalen Van-Silhouette nicht zu den Erscheinungen, die hektische Will-haben-Impulse auslösen. Doch andererseits: Modern gezeichnet, auf schicken 16-Zöllern und mit Chrom-Zierrat strahlt er ganz ohne LED-Firlefanz, Dynamik-Sicken und Coupédach durchaus garageneinfahrtstauglich. Doch beeindrucken will der Verso-S mit seinen inneren Werte.

Die kurzen Fahrzeugüberhänge, der hohe Aufbau und ein entsprechend langer Radstand deuten bereits an, dass hier Wert auf hohe Raumausbeute gelegt wurde. Gleich der Einstieg auf den Fahrersitz vermittelt ein beeindruckend luftiges Gefühl. Cockpit und Armaturenbrett mauern nicht ein und kann man sich den Arbeitsplatz dank des in Höhe und Länge verstellbaren Lenkrads und des ebenso justierbaren Sitzes optimal einrichten. Zudem sind die Sitze straff gepolstert und bieten guten Seitenhalt. Überragend ist zudem die Kopffreiheit, mit der sich der Verso-S als Kauftipp für Hutträger empfiehlt.

Hinten viel Platz für Gepäck und Passagiere

Auch zum Fond ist der Einstieg großzügig bemessen, die Kniefreiheit opulent und auch der topfebene Fußraum ohne Kardantunnel bietet viel Entfaltungsspielraum. Der mittlere Sitz der Rückbank ist allerdings unbequem, selbst auf kürzeren Strecken.

Galerie: Erster Test Toyota Verso-SNutzwert-Fetischisten werden sich vor allem am Kofferraum ergötzen. Die Heckklappe öffnet weit nach oben und kann man noch mit 1,80 Meter Länge aufrecht darunter stehen. Die Ladekante ist hingegen sehr niedrig und dank eines Zwischenbodens muss die Fracht nicht mal über eine Schwelle gehievt werden. Wer etwas mehr Platz benötigt, kann den Zwischenboden auch absenken. Ebenfalls praktisch sind die insgesamt 19 großen und kleineren Staufächer sowie drei Getränkehalter.

Ein weiterer Clever-Clou: Im Kofferraum befinden sich links und rechts in den Seitenwänden jeweils zwei große Hebel, über die sich die asymmetrisch geteilte Rückbank nach vorne klappen lässt. Die Lehne senkt sich zusammen mit der Sitzfläche von selbst ab und wächst so der eigentlich 429 Liter große Kofferraum auf stolze 1.388 Liter. Der Verso-S ist ein Kleinwagen, der ein familientaugliches und variabel nutzbares Platzangebot bietet.

Zu viel der Abwechslung

Galerie: Erster Test Toyota Verso-SAuch die Qualität kann überzeugen. Ob Kofferraumverkleidung, die Sitzbezüge oder bei den reichlich vorhandenen Plastikteilen – grobe Schnitzer leistet sich Toyota hinsichtlich der Verarbeitung nicht. Allerdings wurde sehr viel Hartplastik verbaut und sorgt lediglich auf dem Armaturenbrett gesofteter Kunststoff für haptisch leichte Höhenflüge. Ansonsten fällt auf der eigentlich sehr aufgeräumten Mittelkonsole die Kakophonie verschiedener Oberflächen und Farbtöne eher unschön auf. Das Plastikteile-Puzzle ist zwar nicht willkürlich, doch eine Terz zu abwechslungsreich.

Elegant gelöst ist hingegen das neue Multimedia-Audiosystem Touch, welches sich weitgehend über das berührungsempfindliche Farbdisplay bedienen lässt. Mit dem Touch bekommt man ein RDS-Radio, das die Liste erreichbarer Sender anzeigt, eine Bluetooth-Schnittstelle, eine vielseitige Bordcomputer-Anzeige und das Bild der Rückfahrkamera. Allerdings ist Touch ausschließlich den höheren Ausstattungen Life und Club vorbehalten.

Mit Google navigieren

Galerie: Erster Test Toyota Verso-SBereits zum Marktstart im März 2011 ist die 550 Euro teure Funktionserweiterung des vollintegrierten Navisystems Touch & Go bestellbar, die allerdings erst ab Juni 2011 ausgeliefert wird. Entsprechend konnten wir die von Toyota angepriesene Navifunktion in unserem Testexemplar nicht überprüfen. Doch Toyota kündigt einige interessante Funktionen wie die Integration von Google Maps an. Google kann dann bei der Sehenswürdigkeitensuche helfen oder eine umweltverträgliche Route vorschlagen. Außerdem kann man bei Touch & Go das Handy koppeln und Adressinformationen aus dem Telefonbuch für die Zielwahl nutzen. Schließlich sollen künftige Apps Hilfreiches wie die Suche nach günstigen Tankstellen oder freien Parkplätzen erleichtern.

Doch unser Verso-S konnte auch mit einigen handfesten Nettigkeiten gefallen. So verfügte das Top-Modell über Licht- und Regensensor, ein schlüsselloses Zugangs- und Startsystem, eine Start-Stopp-Automatik und ein riesiges Glas-Panoramadach, welches den Insassen einen herrlichen Ausblick gönnt. Obwohl ein Kleinwagen, lässt sich der Verso-S also mit gediegenen Extras aufrüsten.

Etwas müder Benziner

Galerie: Erster Test Toyota Verso-SBei den Motoren sind die Wahlmöglichkeiten hingegen beschränkt. Einziger Benziner ist der aus anderen Toyota-Modellen bekannte 1,33-Liter-Vier-Zylinder mit 99 PS. Hier hat man lediglich noch die Wahl zwischen einem manuellen Sechs-Gang-Schaltgetriebe oder einem rund 1.300 Euro teuren stufenlosen CVT-Getriebe namens Multidrive.

Zum längsdynamischen Spaßmobil qualifiziert sich der Verso-S mit dem Benziner nicht. Lkws auf der Landstraße lassen sich nicht mal eben überholen, man muss hierfür am besten gleich mehrere Gänge runter schalten und den Gasfuß danach für längere Zeit am Bodenblech gedrückt halten. Souveränes Drehmoment und Durchzug fühlen sich anders an. Doch der Vier-Zylinder wirkt immerhin so, als ob er nicht nur hohe Drehzahlen vertragen kann, sondern diese sogar mag. Unschöner Effekt: Der aufgrund niedriger Windgeräusche eigentlich angenehm leise Minivan nervt dann akustisch mit aufdringlichem Motordröhnen.

Multidrive: Komfortabel und effizient

Positiv überrascht hat uns das automatisch schaltende CVT-Getriebe. Der mit einer Automatik einhergehende Komfort ist ja für sich schon was Feines, doch als Sahnehäubchen verzichtet das Getriebe auf jegliches Rucken, Verschlucken oder unsanfte Gangwechsel. Der Gasbefehl wird einfach angenehm sauber und beim Anfahren überraschend kraftvoll in Vortrieb umgesetzt. Zumindest im Stadtverkehr überzeugt das Getriebe auf ganzer Linie. Bei Überlandfahrten oder auf der Autobahn ist hingegen der Gummiband-Effekt etwas störend. Will man zum Beispiel von 100 auf 130 km/h beschleunigen, geht zunächst die Motordrehzahl nach oben und sinkt erst wieder, wenn man den Gasfuß zurücknimmt und im Teillastbereich fährt.

Galerie: Erster Test Toyota Verso-SEtwas zähe 13,7 Sekunden dauert der Sprint der Multidrive-Version von null auf 100 km/h, 165 km/h sind maximal möglich. Etwas bessere Werte bietet die Kombination mit manuellem Sechs-Gang-Getriebe. Dafür ist das Multidrive mit 5,2 Liter um 0,3 Liter effizienter. Noch weniger Sprit braucht der Verso-S übrigens mit der optionalen Start-Stopp-Automatik. Dieses mit 450 Euro zwar etwas teure Extra soll nochmals 0,2 Liter an Einsparungen bringen. Doch egal, ob mit oder ohne Selbstabschaltungs-Automatik: Der Verso-S ist das sparsamste Benzinmodell im Segment der Minivans.

Langstrecken-Vielfahrern bietet Toyota alternativ noch einen 90 PS starken Diesel, der neben leicht besseren Fahrleistungen noch einen niedrigeren Verbrauch von 4,3 Litern ermöglichen soll. Der Aufpreis dieser Variante beträgt allerdings mindestens 2.350 Euro und dürfte sich die Mehrinvestition gegenüber dem Benziner wohl nur sehr langfristig und bei hohen Fahrleistungen rechnen.

Tolle Lenkung

Galerie: Erster Test Toyota Verso-SDas Fahrwerk des Verso-S hat einen etwas zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Weitgehend war das Komfortniveau trotz der 16-Zoll-Räder angenehm. Der durchaus feinfühlig anfedernde Unterbau dämpft viele Unebenheiten auf zufriedenstellende Weise weg. Doch bei groben Löchern oder auf Kopfsteinpflaster gab sich das Fahrwerk des Verso-S überraschend mitteilsam, und erfahren die Insassen dann über den Zustand der Straße mehr als ihnen lieb ist.

Ansonsten fährt sich der Verso-S sehr unproblematisch, ist ein gutmütiger Untersteuerer mit mäßiger Wankneigung, der keineswegs zu weich abgestimmt ist. Herrlich genau und mit vorbildlicher Rückmeldung folgt der Wagen zudem den Lenkbefehlen. Unter den elektrischen Servolenkungen im Kleinwagen-Segment gehört sie definitiv zu den besten am Markt. Auch die Bremsen packen richtig an. Entsprechend motiviert der Verso-S auch mal dazu, etwas ambitionierter um Biegungen zu fegen. Im Zweifelsfall sorgt das feinfühlige ESP für nötige Kurskorrekturen.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Toyota Verso-S   Toyota Verso-S Life
    1.33 6-Gang-Schaltgetriebe   1.33 Multidrive
Motor        
Hubraum (ccm) / Bauart   1.329 / R4   1.329 / R4
Leistung (kW / PS)   73 / 99   73 / 99
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   125 / 4.000   125 / 4.000
Antriebsart   Frontantrieb   Frontantrieb
Getriebeart   manuelles Sechs-Gang-Getriebe   stufenloses CVT
Abmessung und Gewicht        
Länge/Breite/Höhe (mm)   3.990 / 1.695 / 1.595   3.990 / 1.695 / 1.595
Radstand (mm)   2.550   2.550
Wendekreis (m)   10,8   10,8
Leergewicht (kg)   1.145 - 1.225   1.145 - 1.225
Kofferraum (Liter)   429 - 1.388   429 - 1.388
Bereifung Testwagen   185/65 R 15   185/60 R 16
Verbrauch        
Krafstoffart   Benzin   Benzin
Kombiniert laut Werk (l/100km)   5,5   5,0 (mit Start-Stopp)
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   120 / Euro 5   1217/ Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   k .A.   k .A.
Fahrleistungen        
Werksangabe 0-100km/h (s)   13,3   13,7
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k .A.   k .A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k .A.   k .A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   170   165
Preise        
ab (Euro)   14.950,00   18.225,00
Empfohlene Extras   Die Ausstattung Life (2.000 Euro), die viele Extras bietet und für die einige attraktive Optionen bestellbar sind, die es für die einfachen Ausstattungen grundsätzlich nicht gibt.   Navisystem Touch & Go für 550 Euro sowie das Panorama-Glasdach für 450 Euro.
 
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Viel Auto fürs Geld

Bei der Sicherheit bleibt sich Toyota seiner Kernwerte treu und hat auch den Verso-S vorbildlich aufgerüstet. Neben der vollständigen Liste aktiver elektronischer Helfer der neuesten Generation ist auch der passive Schutz auf hohem Niveau. Trotz kurzer Überhänge soll die Karosserie viel Aufprallenergie absorbieren und dürften dann noch die Rückhaltesysteme mit immerhin sieben Airbags und dem Schleudertrauma-Schutz das Verletzungsrisiko zusätzlich minimieren.

Galerie: Erster Test Toyota Verso-SDie umfangreiche Sicherheitsausstattung ist im gut 15.000 Euro teuren Basismodell bereits Serie, das darüber hinaus aber nur wenige Nettigkeiten bietet. Attraktiver sind selbstredend die höheren Ausstattungen Cool, Life und Club. Mit der zweithöchsten Ausstattung Life und dem Benziner in Kombination mit dem Multidrive-Getriebe bekommt man bereits ein Rundum-Glücklich-Paket. Wer dann noch das Navi Touch & Go sowie das Panorama-Glasdach ordert, bekommt für knapp über 19.000 Euro einen üppig und komfortabel ausgestatten Verso-S zum überaus fairen Tarif.

Mitbewerber hat der Verso-S einige. Ob Skoda Roomster, Citroen C3 Picasso, Kia Venga, Hyundai ix20 oder Lancia Musa – alle sind sie mit etwa vergleichbaren Motorisierungen und Ausstattungen jedoch teurer. Also auch beim Preis-Leistungs-Verhältnis bewegt sich der Verso-S auf Top-Niveau.

Fazit

Das stärkste Argument für den Verso-S ist sein üppiges und gut nutzbares Raumangebot. Trotz der nur 3,99 Meter langen Karosserie kann es sich hier eine vierköpfige Familie samt Gepäck bequem machen. Ein weiterer Höhepunkt ist das komfortable Multidrive-Getriebe, das neben Komfort auch noch für wenig Verbrauch sorgt. Der Verso-S 1.3 Multidrive ist immerhin der sparsamte Minivan am Markt. Seine umfangreiche Sicherheitsausstattung und das sehr gute Preis-Leistungsverhältnis sprechen außerdem für den kleinen Van.

Es gibt aber auch ein paar Kritikpunkte: So ist der Benziner nicht sonderlich spritzig und wird bei Leistungsabfrage akustisch etwas aufdringlich. Gelegentlich gibt sich das Fahrwerk zudem etwas polterig. Und die Mittelkonsole mit ihrem Plastikteile-Mosaik mangelt es an optischer Harmonie.

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