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Galerie: Erster Test Volvo S60

Erster Test: Volvo S60

Alternativ mal anders

21.05.2010

Eine frische Nordbrise bläst Volvo seinen deutschen Mitbewerbern ab 18. September 2010 entgegen. Mit dem S60 gehen die Schweden hierzulande auf A4-, 3er- und C-Klasse-Kundenfang. Mit acht Motoren zwischen 115 bis 304 PS dürfte sogar für alle Interessenten etwas dabei sein.

Kontraproduktiv wirkt sich für dieses Vorhaben jedoch die Preisvorstellung von Volvo aus. Denn der S60 bleibt laut Bernhard Bauer, Geschäftsführer von Volvo Deutschland, bewusst nur drei bis vier Prozent unter den Preisen vergleichbarer Audi A4-Modelle. Mindestens 27.000 Euro verlangen die Schweden für den 150 PS starken T3-Benziner.

3.000 bis 4.000 Verkäufe ab 2011

Vielleicht relativiert die Verkaufserwartung von bis zu 4.000 Fahrzeugen für den deutschen Markt in 2011 dieses Vorhaben wieder. Denn ein A4 verkaufte sich 2009 rund 75.000 Mal.

Volvo S60Bis zum Marktstart im Spätsommer wollen die Schweden die Werbetrommel noch mächtig rühren, um die Aufmerksamkeit der potenziellen Kunden zu gewinnen. Bis dahin ist auch noch Zeit, um Details am neuen Liebling zu ändern. Denn das von Denso beigesteuerte Navigations- und Entertainment-System unseres Vorserien-Test-Modells konnte keineswegs überzeugen. Software-Probleme ließen die Navigation gar nicht starten und ein lähmend langsames Reagieren auf Eingabebefehle nervte eklatant. Damit sind die echten Kritikpunkte des S60 aber auch schon abgehakt. Alles andere macht der 4.63 Meter lange, 1,87 Meter breite und 1,48 Meter hohe S60 nämlich recht ordentlich.

Was das Aussehen anbetrifft, kann man geteilter Meinung sein – Geschmacksache eben. Am Äußeren vermissen einige Betrachter die Geradlinigkeit älterer Modelle. Und auch im Innenraum geht es nicht mehr ganz so sachlich wie in älteren Modellen zu. Das Armaturenbrett ist um einige Grad zum Fahrer geneigt, die Luftausströmer und die Mittelkonsole sind ab der Ausstattungslinie Momentum mit Alu-Applikationen geschmückt. Die Materialauswahl und Verarbeitung ist kritiklos, kommt an das Finish der deutschen Mitbewerber aber nicht ganz heran. Kein Beinbruch. So bietet der S60 auch so echtes Wohlfühlambiente und die Bedienung ist nach kurzer Eingewöhnung intus.

Automatisches Getriebe empfehlenswert

Volvo S60Zum Wohlfühlen tragen auch die neuen Sitze bei, die Volvo selbstbewusst als serienmäßige Sportsitze anpreist, es de facto aber nicht sind. Dafür gibt es vorne wie hinten ordentlich Platz, nur das Kofferraumvolumen fällt mit 380 Litern recht kläglich aus. Ebenso suboptimal wurde der Schalthebel für das manuelle Getriebe platziert. Sitzt der Fahrer dicht am Volant, ist der Gangwechsler zu weit hinten angebracht und beim Schalten und Lenken kann die hohe und massive Mittelkonsole stören.

Abhilfe schafft eines der automatischen Getriebe. Volvo bietet je nach Motor eine Sechs-Gang-Automatik oder ein ebenso vielstufiges Doppelkupplungs-Getriebe zu je 2.100 Euro an. Das Powershift genannte Zwei-Kupplungs-System ist zum Marktstart nur für den 2.0T erhältlich. Es harmoniert mit dem gut 200 PS leistenden Turbo-Vier-Zylinder sehr gut, kommt an die Schaltschnelligkeit eines VW-DSG jedoch nicht ran. Dafür ruckt es aber beim Langsamfahren und Rangieren nicht. Der 2.0T bietet mit 300 Newtonmeter Drehmoment mehr als ausreichend Kraft. Mit einem Normverbrauch von 7,9 Litern liegt er günstig, im Alltag ist mit einer hohen Zehn zu rechnen.

Beste Wahl: Volvo S60 D3

Volvo S60Deutlich sparsamer kommt der neue D3-Diesel daher. Er gönnt sich 5,2 Liter und bietet im Gegenzug mit 163 PS und 400 Newtonmeter die perfekte Symbiose aus Leistung und Kraft. Zudem überrascht der fünf-zylindrige Sonderling mit einer überaus angenehmen Laufkultur. Das sanfte Knurren wirkt beruhigend auf das Gemüt, den Fahrstil und damit auch auf den Verbrauch. Zudem hat Volvo passenderweise die Seriendämpfer nicht so straff abgestimmt wie im 200-PS-Benziner. Der S60 D3 federt in der Regel harmonisch, lediglich gröbere Schnitzer im Straßenbelag werden den Insassen direkt mitgeteilt. Die Fahrdynamik ist für den Alltag über jeden Zweifel erhaben. Und das, obwohl die etwas synthetisch wirkende Lenkung nicht immer ideal über die Linie berichtet. Mindestens 31.650 Euro will Volvo für den D3 haben, der laut Pressesprecher Olaf Meidt rund 32 Prozent der S60-Verkäufe ausmachen soll.

Weitere 40 Prozent entfallen auf den mindestens 33.950 Euro teuren und deutlich rauer laufenden D5, ebenfalls mit fünf Zylindern aber 2,4 Liter Hubraum. Der 205-PS-Diesel ist der Topseller im Programm. Empfehlenswert ist hier die Zwangskombination aus Sechs-Stufen-Automatik und Haldex-Allradantrieb. Kostenpunkt: mindestens 38.550 Euro. Sein Vorteil: Er darf 1.800 Kilogramm an den Haken nehmen und hat keine Traktionsprobleme. Zwei Argumente, die neben dem Prestige des Top-Diesels ziehen.

T6 säuft, DRIVe nicht

Volvo S60Ähnlich geeignet für das Ziehen von Trailern ist der T6 genannte Drei-Liter-Reihen-Sechs-Zylinder mit 304 PS und 440 Newtonmeter Drehmoment. Ein Motor, der vor allem in USA und Asien Freunde finden wird, aufgrund der Trinksitten von 10,2 Litern Normverbrauch in Deutschland aber keine Rolle spielt. Ihn gibt es ausschließlich mit Allrad (AWD) und Automatik. Ab Frühjahr 2011 folgt eine 1,6 Liter DRIVe-Spar-Version mit Stopp-Start-Automatik. Der Diesel soll sich mit einem Verbrauch von 4,3 Litern begnügen. Ebenso nachträglich kommen ein 240-PS-Beziner (2.0 Liter) sowie ein 180- und 150-PS-Otto mit je 1,6 Liter Hubraum.

Als feine Ergänzung empfiehlt sich für Genießer das Four-C (Continuously Controlled Chassis Concept) Adaptiv-Fahrwerk inklusive geschwindigkeitsabhängiger Servolenkung für mindestens 1.340 Euro. Der Fahrer kann zwischen Comfort, Sport und Advanced wählen, wobei Comfort für 95 Prozent aller Fahrten das Ideal bedeutet und am besten zum Image von Volvo passt. Denn so sehr die Marketing-Verantwortlichen den neuen S60 in die Sport-Ecke drücken wollen, so wenig passt diese Richtung zu Volvo.

Ab in die Schublade

Volvo S60Dann doch lieber die Sicherheitsschublade aufmachen. Da kennen sich die Schweden bestens aus und präsentieren mit Pedestrian-Safety eine Ausbaustufe des ACC-Abstandsregeltempomats (jetzt mit Stopp-and-Go-Funktion). Das neue System kann Zusammenstöße zwischen S60 und Fußgängern bis zu einer Geschwindigkeit von 35 km/h vermeiden. In mehreren Tests bei unserem Erstkontakt funktionierte das System zuverlässig. Nicht ganz so souverän funktionierte das City-Safety-System, das den S60-Fahrer vor langsam fahrenden oder stehenden Autos warnt. So flackerte das in die Windschutzscheibe projizierte und von einem Ton begleitete Warnlicht mehrmals unbegründet auf.

Volvo S60Des Weiteren verfügen alle S60 auf Wunsch über eine 180-Grad-Frontkamera, die bei Ausfahrten praktisch um die Ecke in den fließenden Verkehr gucken kann. Der BLIS genannte Tote-Winkel-Warner blinkt und tönt beim Spurwechsel im Spiegeldreieck, wenn sich neben einem doch mal unbemerkt ein Fahrzeug geschlichen hat. Der Driver Alert rappelt, wenn der Fahrstil auf Müdigkeit hinweist und der Spur-Halte-Assistent warnt akustisch, wenn man einen Fahrbahnstreifen ohne zu Blinken überfährt. Zu guter Letzt verhindert der Alcoguard das Losfahren, sollte der Fahrer die selbst auferlegte Promille-Grenze überschritten haben.

Braucht’s all die Systeme? Einige behaupten Ja. Volvo auch und träumt von der Vision, dass ab 2020 keine Insassen von neuen Modellen mehr schwer verletzt geschweige denn zu Tode kommen. Bis auf das City-Safety-System kosten alle Sicherheitsmaßnahmen extra. Im Paket allerdings erschwingliche 1.950 Euro. Leder kostet fast genauso viel.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Volvo S60 T3   Volvo S60 T4
Ausstattungsvariante   Basis   Basis
Abmessung und Gewicht        
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.628 / 1.865 / 1.484   4.628 / 1.865 / 1.484
Radstand (mm)   2.776   2.776
Wendekreis (m)   Spurkreis 11,30   Spurkreis 11,30
Leergewicht (kg)   k. A.   k. A.
Kofferraum (Liter)   380   380
Bereifung Testwagen   205/60 R16   215/55 R16
Motor        
Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart)   1.598 / 4, Reihe   1.598 / 4, Reihe
Leistung (PS)   110 (150)   132 (180)
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   240   240
Antriebsart   Front   Front
Getriebeart   6-Gang-Schalter   6-Gang-Schalter oder Doppelkupplung
Verbrauch        
Krafstoffart   Super   Super
Kombiniert laut Werk (l/100km)   k.A.   k.A.
CO2-Emissionen (g/km)   k.A.   k. A.
AS24-Verbrauch (l/100km)   k.A.   k.A.
Fahrleistungen        
Werksangabe 0-100km/h (s)   k.A.   k.A.
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k.A.   k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k.A.   k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   k.A.   k.A.
Preise        
ab (Euro)   27.000   29.900
         
Empfehlenswerte Extras   Ausstattungslinie Momentum (rund 3.650 Euro) inklusive Audiopaket High-Performance, Parkpilot hinten, 17"-Alufelgen, Aluapplikationen innen, spezielle Stoffsitze, automatisch abblendbarem Innenspiegel, elektrisch anklappbare Außenspiegel und mehr; Winterpaket Pro mit Xenonlicht und beheizbaren Sitzen ( 1.100 Euro), Four C-Technologie-Fahrwerk (1.150 Euro), Automatik oder Doppelkupplungs-Getriebe (je 2.100 Euro),    
 
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Fazit

Mit dem neuen Volvo S60 ist den Schweden ein großer Wurf gelungen. Der Mittelklässler ist geräumig, ansehnlich, besitzt gut abgestimmte Fahrwerke, bietet konkurrenzfähige Motoren und möchte bei den Kunden wieder einmal mit der Sicherheitsnummer ankommen. Ob das gelingt, muss sich zeigen. In diesem Segment kaufen vor allem deutsche Kunden eben doch lieber Mercedes, BMW und Audi, denn preislich gibt sich das nicht mehr viel. Aber die anvisierten 4.000 Fahrzeuge für 2011 scheinen realistisch, denn eine tolle Alternative ist der S60 in jedem Fall. Schön, dass es so etwas gibt.

Volvo S60

 
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