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Galerie: Erster Test Volvo V40

Erster Test: Volvo V40

Meister im Detail

14.06.2012

Jahre lang teilten Audi und BMW mit A3 und 1er das Kompaktwagengeschäft im Premiumsegment unter sich auf, diese Ära ging mit dem heurigen Genfer Auto Salon zu Ende – zwei neue Vertreter wollen die Nobel-Golf-Klasse aufmischen: Mercedes-Benz mit der neuen A-Klasse und Volvo mit dem V40. Der Schwede stand zur ersten Ausfahrt bereit und punktet mit auffälligem Design, Sicherheit und feinen Details.

Den Mercedes-Benz-Designern wird dieser Tage gerne vorgehalten, beim Zeichnen der neuen A-Klasse wohl zu oft an den 1er BMW gedacht zu haben. Ein Vorwurf, über den die Schweden nur schmunzeln können: Verwechslungsgefahr besteht beim V40 nicht. Gekonnt haben Volvos Kreative bekannte Design-Elemente aufgegriffen, teilweise neu interpretiert und mit frischen Ideen und einer Portion Mut neu kombiniert.

Das Ergebnis wirkt wie mit einem Strich gezeichnet, die Proportionen stimmen, der Auftritt ist stattlich und sportlich zugleich. Der sachlichen Front mit auffallend flacher Windschutzscheibe steht ein ausdrucksstarkes Heck mit Dachkantenspoiler, extravaganten Leuchten und muskulösen Flanken gegenüber. Heutzutage fast schon unverzichtbar: die ansteigende Türkante und das leicht abfallende Dach – wir wollen absichtlich nicht von coupéhaft sprechen. Dass unter dem Blech noch ein paar Ford-Focus-Teile stecken, sieht man dem Skandinavier beim besten Willen nicht an.  

Design statt Kofferraum

Galerie: Erster Test Volvo V40Auf 4,37 Meter Länge ist in der ersten Reihe auf bequemem Gestühl ausreichend Raum, auch für großgewachsene Insassen vorne. Um es den Gästen auf der Rückbank, die nach oben und vorne nicht allzu viel Platz haben, etwas bequemer zu machen, hat Volvo die äußeren Sessel ein Stück nach innen gerückt. Das schafft Bewegungsspielraum, der Mittelplatz wird damit aber endgültig zum Notsitz degradiert. Für den Fall, dass dort doch jemand Platz nimmt, ist die Sitzposition ein Stück nach vorne gerückt; so sollen sich die Schultern der drei Passagiere nicht in die Quere kommen.

Besser genutzt ist der Platz eindeutig, wenn man die breite Mittelarmlehne herunterklappt, die per Seilzug öffnenden Cupholder ausfährt und es sich gemütlich macht. Oder man klappt die nicht in der Neigung verstellbare Lehne komplett um und erweitert so den Kofferraum auf 1.408 Liter. Bei voller Bestuhlung schluckt das Gepäckabteil nur 350 Liter - genau so viel wie der 17 Zentimeter kürzere VW Golf. Je nachdem, ob man den doppelten Ladeboden geordert hat oder nicht, entsteht beim Umklappen ein ebener Boden oder eine Stufe.

Instrumente nach Wunsch

Galerie: Erster Test Volvo V40Auf dem ergonomisch gut eingerichteten Fahrerplatz fällt das neue Kombiinstrument auf, das – gegen Aufpreis – in einer volldigitalen Variante die fahrrelevanten Informationen darstellt. Der Fahrer kann zwischen den drei Themen Elegance, Power und Eco wählen, die unterschiedliche Informationen in den Fokus rücken. Die rechte Hand hat man im V40 an einem futuristisch anmutenden, beleuchteten Schalt- oder Automatikwahlhebel, auf der linken Seite, in der Türtasche, gibt es ein spezielles Eiskratzer-Fach – mit Ablauf, damit die nasse Plastescheibe nicht alles voll tropft. Besonders stolz sind die Schweden aber auf ihren rahmenlosen Rückspiegel – die Sicht nach hinten kann er aber auch nicht verbessern und beim Einparken empfehlen sich Abstandspiepser oder gleich der automatisch einparkende Assistent.

Galerie: Erster Test Volvo V40Eine Weltneuheit wartet auf der anderen Seite der Windschutzscheibe: der Fußgängerairbag. Erkennt der Volvo mit Hilfe zahlreicher Sensoren in der Frontschürze einen Zusammenstoß mit einem Fußgänger, löst ein serienmäßiger Airbag aus, der die Motorhaube ein Stück anhebt und sich über den unteren Teil der Scheibe sowie die besonders harten A-Säulen erstreckt. Personen sollen den Aufprall so möglichst ohne Verletzungen überstehen. Auch eine neue Gummimatte als Motorabdeckung soll den Sturz noch besser abfedern. Damit sich die durch den Airbag höheren Reparaturkosten im Unfallfall nicht negativ auf die Kfz-Versicherungsprämie auswirkt, verhandelt Volvo derzeit noch mit den Assekuranzen.

Notbremsung bis 50 km/h

Damit es gar nicht zum Aufprall kommt, arbeitet das City-Safety-System, das in jedem Volvo V40 an Bord ist, nun bis 50 km/h und verhindert im Idealfall mit einer Vollbremsung den Crash ohnehin. Ein Spurhalteassistent der gegenlenkt, die Tot-Winkel-Warner, eine Verkehrsschilderkennung, ein Abstandstempomat mit Stop-and-Go-Funktion und der Cross-Traffic-Alert, der beim Rückwärtsausparken per Radar die Umgebung abtastet und vor Querverkehr warnt komplettieren gegen Aufpreis den Rundumschutz.

Ab September 2012 steht der V40 mit einer Auswahl von fünf Motoren beim Händler. Die beiden Benziner T3 (150 PS) und T4 (180 PS) schöpfen ihre Kraft aus 1,6 Liter Hubraum, der Verbrauch liegt bei rund fünfeinhalb Litern. Ebenfalls 1,6 Liter groß ist der Brennraum des 115 PS starken Einstiegsdiesel D2, der mit einem Normverbrauch von nur 3,6 Litern glänzt und damit die deutschen Premiumkonkurrenten auf die Ränge verweist.

Flottes Sparmodell

Galerie: Erster Test Volvo V40Bei unserer Testfahrt zeigt sich das Triebwerk aus der Kooperation von PeugeotCitroën und BMW, das auch im Mini arbeitet, unerwartet agil und vollkommen ausreichend; kein Wunder das Volvo davon ausgeht, dass rund die Hälfte der Käufer zum D2 greifen wird. Der Selbstzünder reagiert zackig auf den Gasbefehl und bietet dank 270 Newtonmeter Drehmoment ausreichend Durchzug. Nur beim Überholen empfiehlt sich der Griff zum Schalthebel des Sechsgang-Getriebes. Knapp über zwölf Sekunden dauert die Beschleunigung auf Tempo 100, bei 190 km/h ist Schluss: für ein Sparmodell mehr als akzeptable Werte.

Wer meint, mehr Leistung zu benötigen, kann zu einem der beiden Zwei-Liter-Diesel greifen, mit 150 PS (D3) oder 177 PS (D4). Sie erledigen den Standardsprint in 9,6 beziehungsweise 8,6 Sekunden, laufen 210 und 220 km/h und konsumieren beide laut EU-Norm jeweils 4,3 Liter. Oder man wartet gleich auf den Top-Benziner T5, dessen 2,5-Liter-Turbo 254 PS leistet. Er soll Ende 2012 auf den Markt kommen. Alle Triebwerke sind serienmäßig mit einer Stopp-Start-Funktion ausgerüstet, ein Automatikgetriebe ist auf Wunsch für die meisten Aggregate erhältlich; für den T4 gibt es ein Doppelkupplungsgetriebe.   

Technische Daten
 
Marke und Modell   Volvo V40
Motor / Ausstattung   D2
Motor    
Hubraum (Kubikzentimeter / Bauart)   1.560
Leistung (kW (PS) / U/min)   84 (115) / 3.650
Drehmoment (Nm / U/min)   270 / 1.750 - 2.500
Antriebsart   Frontantrieb
Getriebeart   6-Gang-Schaltgetriebe
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.369 / 1.802 / 1.424
Radstand (mm)   2.647
Wendekreis (m)   k. A.
Leergewicht  (kg)   1.357
Kofferraum (Liter, nach DIN)   350 - 1.408
Serienbereifung   11,2
Verbrauch    
Krafstoffart   Diesel
EU-Zyklus (l/100km)   3,9
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   94 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   k. A.
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   12,3
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k. A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k. A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   190
Preise    
ab (Euro)   24.980,00
Ausgewählte Extras (Euro)   Fahrerassistenzpaket (1.980), Fahrdynamikpaket (1.250)
 
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Einstellbare Lenkung

Galerie: Erster Test Volvo V40Auf ein adaptives Fahrwerk verzichtet Volvo, mit der straffen Abstimmung haben die Ingenieure aber einen guten, sportlichen Kompromiss gefunden, der auch langstreckentauglich ist. Einstellbar ist auf Wunsch dagegen die Lenkung, in drei sich deutlich voneinander unterscheidenden Stufen von leichtgängig bis straff. Wie bei den drei Anzeigemodi im Kombiinstrument ist aber davon auszugehen, dass diese Spielereien nur in den ersten Tagen nach der Auslieferung genutzt werden, bis man seine optimale Einstellung gefunden hat. Zumal das die Lenkkraftunterstützung nur bei Stillstand verändert werden kann.

Dass Volvo die deutschen Premium-Kompakten im Visier hat, zeigt auch die selbstbewusste Preisgestaltung; zum Teil liegt der V40 über den Modellen der Mitbewerber. Ausstattungsbereinigt soll er drei bis fünf Prozent unter den Audi-Preisen liegen; den Ingolstädter Autobauer hat sich Volvo als Referenz ausgeguckt. Für den T3 müssen mindestens 24.680 Euro hingelegt werden, der Einstiegsdiesel D2 kostet 24.980 Euro. Mit mindestens 30.780 Euro markiert derzeit der D4 die Spitze der Preisliste. Das Automatikgetriebe schlägt mit 1.800 Euro zu Buche, das erweiterte Fahrerassistenzpaket kostet 1.980 Euro und die justierbare Lenkung im Paket mit Sportfahrwerk und 17-Zoll-Alurädern 1.250 Euro.  

 
Fazit

Michael Gebhardt

Vor Audi A3, BMW 1er und Mercedes-Benz A-Klasse braucht sich der neue Volvo V40 nicht zu verstecken. Die Verarbeitung ist mindestens auf dem Niveau der deutschen Hersteller, das Design ist eigenständig und das Platzangebot zwar nicht üppig, aber auch nicht schlechter als bei den anderen. Hinzu kommen sparsame Motoren, ein gelungenes Fahrwerkssetup und eine umfangreiche Sicherheitsausstattung, die Ihresgleichen sucht. Details wie der Eiskratzerhalter, das einstellbare Kombiinstrument oder der rahmenlose Spiegel bringen Extrapunkte.

Einzig der Imagevorsprung der süddeutschen Autobauer könnte Volvo den geplanten Absatz von fast 13.000 V40 bis Ende 2013 erschweren, denn über den Preis lässt sich der Kompakt-Volvo mit seinem selbstbewussten Tarif nur schwer verkaufen. Helfen könnte dabei schon eher die für den Pariser Auto Salon im Herbst 2012 angekündigte Offroad-Variante; und auch eine sportliche R-Design-Version wird gerade vorbereitet. Außerdem will Volvo in Zukunft das Internet in den V40 bringen, an einer entsprechenden Lösung wird derzeit mit ehemaligen Nokia-Technikern gearbeitet.
 
 

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