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Galerie: Erster Test Volvo XC90

Erster Test: Volvo XC90

Einer für alle

11.03.2015

Die trauen sich was, die Schweden: Volvo will künftig keine prestigeträchtigen Sechs- und Achtzylinderbenziner mehr offerieren, und auch der Fünfzylinder-Turbodiesel wird aufs Altenteil geschickt. Den freiwerdenden Platz im Motorraum nimmt ein wandlungsfähiger 2,0-Liter-Vierzylinder ein. Mehr brauche man nicht, heißt es, um den gesamten Bedarf an Benzin- und Dieselaggregaten abdecken.

Ausschlaggebend für diesen Verstoß gegen die ungeschriebenen Regeln der automobilproduzierenden Oberschicht sind wirtschaftliche Gesichtspunkte: Statt eine Motorenvielfalt zu verwalten und betreuen, kann sich Volvo auf einen einzigen konzentrieren und alle künftigen Modelle um diesen einen Motorblock herum entwickeln.

Wie ernst es den Schweden mit der Umstellung ist, lässt sich aus der Entscheidung ableiten, das geringere Verbräuche versprechende neue Antriebskonzept nicht erst einmal probehalber in einem der kleineren Volvo einzusetzen, sondern sofort das Flaggschiff der Marke damit zu bestücken, den XC90 genannten, 4,95 Meter langen, 1,96 Meter breiten und 1,78 Meter hohen Groß-SUV.

Variables Leistungsniveau

In vier Zylindern eine diesem Fahrzeug-Typ angemessene Leistung zu erzeugen, ist heutzutage keine große Herausforderung für ein Kfz-Entwickler-Team: Dafür gibt es Turbolader und Kompressoren. Auf einem anderen Blatt steht, ob sich die Reduzierung der Zylinderzahl auf vernünftige vier gut verkaufen lässt. Volvo rechnet fest damit und scheint recht zu behalten: Obwohl der XC90 erst ab Juni ausgeliefert wird, konnten allein in Deutschland bereits 2000 Käufer gewonnen werden.

Hierzulande wird der durch und durch neue XC90 derzeit zumeist mit dem 225 PS mobilisierenden Turbodiesel geordert. Das maximale Drehmoment beträgt 470 Newtonmeter; eine Achtstufen-Automatik leitet die Kräfte an den serienmäßigen Allradantrieb weiter. Um sie zu erzeugen, reichen laut Datenblatt mit durchschnittlich 5,7 Liter je 100 Kilometer.

In der Realität sind es ein bis zwei Liter mehr, ohne dass man das dynamische Potenzial des Vierzylinders voll ausgereizt und auch nicht versucht hat, den leer gut zwei Tonnen schweren Wagen in 7,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h zu beschleunigen. Mindestens 53.400 Euro sind die Kunden für diese Modellvariante zu zahlen bereit, doch dank zahlreicher sicherheit- und komforterhöhender oder einfach nur reizvoller Extras können es auch 20.000 Euro mehr sein.

Topversion mit E-Antrieb

Für Leute, die gerne auf die Tube drücken, ist der XC90 mit dem D5 genannten Diesel jedoch die falsche Wahl, denn er lädt eher zum Cruisen denn zum Vollgasgeben ein. Wer’s spritziger mag, kann den als T6 firmierenden, 320 PS starken Benziner nehmen (ab 57.700 Euro), dem Turbolader plus Kompressor Beine machen: 6,5 Sekunden braucht er für den Sprint von 0 auf 100 km/h.

Noch mehr Wumm entwickelt der XC90, wenn man diesen Motor zusammen mit einem an der Steckdose zu betankenden Akku-Paket ordert, das seine Energie in einen 59 Kilowatt-Elektromotor einspeist. Er ist für den Antrieb der Hinterachse zuständig, der Verbrennungsmotor für die vordere, was den T8 Twin Engine auf etwas andere Art als D5 und T6 zum Allradler macht. Die Systemleistung von 400 PS verwaltet auch hier eine Achtstufen-Automatik. Die Tachonadel ist in 5,6 Sekunden auf die 100er-Marke zu treiben und die offizielle Verbrauchsangabe - 2,5 Liter je 100 Kilometer - ebenso fix ad absurdum zu führen.  

Dass diese mindestens 76.705 Euro teure, mit einem Gesamt-Zugkraftangebot von 640 Newtonmeter ausgestattete Kombination schiere, im Alltag unrealistische Sparsamkeit suggerieren kann, hängt unter anderem damit zusammen, dass 40 Kilometer im E-Modus zurückzulegen sind und in dieser Phase kein Benzin konsumiert wird.

Der Bonus, der auf dieser Grundlage errechnet wird, ist freilich wirklichkeitsfremd. Ein SUV vom Format eines XC90 ist kein Stadtmobil, sondern ein selten im E-Modus dahinrollendes Langstreckenfahrzeug, und deshalb sollte man diesen Zahlen keine große Bedeutung beimessen und sich nicht wundern, wenn im Tank nach 100 Kilometern acht bis zehn Liter fehlen.

Wahlweise fünf oder sieben Sitze

Galerie: Erster Test Volvo XC90Der T8 Twin Engine wird ab Werk mit sieben Sitzen bestückt; D5 und T8 sind - zum Preis von 1.500 Euro - vom Fünf- zum Siebensitzer hochzurüsten. Weitere Unterschiede sind beim Innenraumvergleich zu entdecken: Nur im Plugin-Hybrid  findet sich ein handgefertigter Wahlhebel aus Kristallglas und standardmäßig eine Vierzonen-Klimaautomatik, ein Panorama-Glas-Schiebedach und Standheizung.

Das Raumangebot in den ersten zwei Reihen ist üppig, das in der dritten nicht schlecht: Bis zu einer Größe von etwa 1,70 Metern sitzt man ganz hinten durchaus bequem.

Die Nutzung von Reihe 3 sollte man Passagieren mit Rückenproblemen dennoch nicht zumuten: Sie könnten sich beim Versuch, dorthin zu gelangen, die Knochen verrenken.

Rundum besser gesichert

Das neue Antriebskonzept ist nach Volvo-Art in viele bewährte und zwei neue Sicherheitssysteme eingebettet. Dazu gehört im XC90 ein Kreuzungsbremsassistent, der dem Wagen automatisch zum Stillstand bringt, wenn er beim Linksabbiegen in den Gegenverkehr  hineinzusteuern droht. Eine weitere Neuentwicklung zieht die Gurte automatisch straff, um die Passagiere in der bestmöglichen Sitzposition zu fixieren, wenn die Sensor-Signale darauf hindeuten, dass der Wagen ungeplant von der Fahrbahn abkommen könnte.

Auch bei Heckaufprall und  beim Überschlag zurren die Gurte die Passagiere in einer möglichst sicheren Position fest; zudem wird der beim Wiederaufprall unvermeidliche Stoß von den Sitzen abgefedert, um die Wirbelsäule zu schonen. Das City-Safe-System wiederum verhindert Unfälle mit Fußgängern und anderen schwächeren Verkehrsteilnehmern.

Was es sonst noch gibt, verrät die Preisliste, der man auch entnehmen kann, dass Volvo kostenpflichtige Extras gerne im Paket verkauft. Einzeln erhältlich sind unter anderem das System für eine 360-Grad-Überwachung der Fahrzeugumgebung und die Ein- und Ausparkassistenten, die bei Ausparken auch vor Querverkehr warnen und, wenn’s nicht anders geht, den Wagen sogar selbsttätig aus der Lücke manövrieren. Ein anderes Extra hat Volvo schon lange im Angebot: Der Mittelplatz im Fond lässt sich zum Kindersitz umrüsten.

Luftfederung als Option

Außerdem kann man den XC90 fürs Gelände ertüchtigen, indem man ihn mit der optionalen Luftfederung ordert. 2.650 Euro kostet die Möglichkeit, die Bodenfreiheit zu variieren. Dabei ist der Wagen nicht nur anzuheben, sondern auch um einige Zentimeter abzusenken, um Beladen, Ein- und Ausstieg zu erleichtern. Wählt der Kunde das  Stahlfahrwerk, findet er an der Hinterachse eine moderne Blattfeder-Konstruktion vor, weshalb kein Federbein den Gepäckraum einengt. So bleibt sogar bei dreireihiger Nutzung noch Platz für 340 Liter Gepäck. Klappt man die Sitze zusammen, können bis zu 1900 Liter verstaut werden.

Schön schlicht

Galerie: Erster Test Volvo XC90Im Innenraum dominiert skandinavisches Design und stilvolle Eleganz: Klare Linien, schnörkellose Formen, sorgfältig ausgewählte Materialien. Was aussieht wie Holz, besteht aus  Holz und fühlt sich auch so an, und gleiches gilt für Leder und Alu: Bei Volvo wirkt Luxuriöses nicht dick aufgetragen und Schlichtes bemerkenswert schön.

Der Instrumententräger wird Kunden abschrecken, die viele Tasten und Knöpfe erwarten, und alle freuen, die es gewohnt sind, Touchscreens zu bedienen. Volvo hat den berührungsempfindlichen Bildschirm hochkant im oberen Bereich der  Mittelkonsole untergebracht und sich große Mühe gegeben, dem Bediener möglichst wenig Rätsel aufzugeben.

Tiefer ins XC90-System einzusteigen, erfordert allerdings Zeit, weshalb von größeren Eingriffen während der Fahrt abzuraten ist. Die Daten, die für den Fahrer wichtig sind, muss er jedoch nicht im rechten Augenwinkeln erspähen, sondern sie werden ihm auch auf einem kleinen Display zwischen Tacho und Drehzahlmesser und - trotz 1.350 Euro Aufpreis sehr empfehlenswert - auf einem Head-up-Display am unteren Rand Windschutzscheibe angezeigt.

Der neue XC90, der in derselben Liga spielt wie VW Touareg, Audi Q7, BMW X5, Mercedes-Benz M-Klasse, Jeep Grand Cherokee und Range Rover Sport, ist die erste von zwölf Neuerscheinungen, die Volvo bis 2018 präsentieren will. 2015 ist allerdings ein reines XC90-Jahr:  Noch vorm Jahreswechsel wird die Angebotspalette um den T5 AWD mit 254 PS und den frontgetriebenen D4-Turbodiesel mit 190 PS erweitert: 49.400 Euro soll er kosten.

 
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