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Galerie: Erster Test VW Amarok

Erster Test: VW Amarok

Für schlaue Angeber

18.06.2010

Hummer, Ford-Pickups und andere Großtrucks, sind out – und in Deutschland gar nicht zu bekommen. Sozialunverträglich lautet das einvernehmliche Urteil. Größtes Manko der Riesen enorme Abmessungen und ebensolcher Spritdurst. Der VW Amarok ist anders.

Okay, bei den Abmessungen orientiert sich der neue VW Amarok an den Dinosauriern, muss er aber auch, denn er ist ein Nutztier, das Platz bieten soll. Vorteil: Seine 5,25 Meter Länge sieht man ihm nicht unbedingt an. Grund dafür ist das neue VW-Markengesicht. Zumindest von vorne ist der Amarok auch ohne Logo klar als VW auszumachen. Ein Punkt, der per se viele Käufer aus den anderen Lagern zu den Niedersachsen überlaufen lassen wird.

Ausbaufähige Nische in Deutschland

Galerie: Erster Test VW Amarok6.000 Pickups werden in Deutschland jährlich abgesetzt. Bislang teilen sich diesen Minikuchen der Mazda BT 50, der Toyota Hilux, der Mitsubishi L 200 und der Nissan Navara, Allesamt messen mehr als fünf Meter, der Navara sogar 5,40 Meter und kosten mit Doppelkabine ab rund 25.000 Euro. Gedacht und gemacht sind sie für Handwerker, Waldarbeiter, Bauingenieure und alle, die ein robustes Fahrzeug mit Ladefläche benötigen.

Genau in diese Ein-Tonnen-Pickup-Nische will VW Nutzfahrzeuge (VWN) ab Mitte September 2010 (in Deutschland) mit dem Amarok. Und wenn VW in ein Segment einsteigt, ist davon auszugehen, dass es wächst. Weltweit ist das in diesem Segment so, in Europa soll es nach Aussage von VWN sogar dazu kommen, dass Privatkäufer Gefallen am Amarok finden.

Galerie: Erster Test VW AmarokCharme ist dabei ein Schlüssel zum Erfolg. Und davon besitzt der Amarok viel. Seine Besonderheit: Hightech gepaart mit Robustheit. VWN setzt in dieser Leistungsklasse auf einen ungewöhnlich kleinen Zwei-Liter-Diesel – Mitbewerber setzen meist auf 2,5 Liter Hubraum. Dank Doppelturbo-Aufladung leistet er 163 PS und 400 Newtonmeter. Der aus dem T5 bekannte, aber abgespeckte TDI läuft leise, kraftvoll und gleichmäßig. Ein souveräner Antrieb, der den Wunsch nach mehr Hubraum oder Leistung nie aufkommen lässt.

Tacho 190 sind drin und wer flink im gut schaltbaren Sechs-Gang-Getriebe rührt, wird rund elf Sekunden nach dem Stillstand Tempo 100 erreichen. Weiterer Vorteil des kleinen Hubraums: wenig Verbrauch. Mit 7,6 Litern Diesel unterbietet der Amarok die 200-Gramm-CO2-Schwelle als einziger. Die Allradversion benötigt zwar 0,2 Liter mehr, Platz eins im Segment ist das aber noch immer. Alternativ startet 2011 ein 122-PS-TDI (7,5 Liter) auch mit Kurzkabine. Zum Vergleich: Ein Renault Espace 175 dCi und ein Mercedes R 300 CDI benötigen ähnlich viel Kraftstoff. Damit ist der Amarok trotz seiner Dimensionen von 5,25 Meter Länge, 1.94 Meter Breite und 1,84 Meter Höhe irgendwie sozialverträglich.

Zwei Allradsysteme

Galerie: Erster Test VW AmarokEine Grundsatzfrage vor dem Kauf lautet: Heck- oder Allradantrieb? Wir tendieren – wie voraussichtlich 80 Prozent der Käufer in Deutschland – zum Allrad, der rund 1.900 Euro zusätzlich kostet. Denn der Heckantrieb in Verbindung mit Starrachse und Blattfedern bedeutet bei unbeladenem Fahrzeug schlechte Traktion. VWN bietet aber auch beim Allradantrieb Wahlmöglichkeiten.

Permanenter oder zuschaltbarer Allradantrieb? Beim Permanent-System (schwarze 4 am Heck) greift VWN in den Konzernbaukasten und gönnt sich den Torsen-Strang des Q7. Hierbei werden meist 40 Prozent der Motorkraft nach vorne und 60 Prozent nach hinten gegeben. Damit sind 95 Prozent aller Geländetouren zu bewerkstelligen, der Fahrer muss sich um nichts kümmern. Für 670 Euro gibt’s zusätzlich ein Hinterachsdifferenzial, das auf Knopfdruck verriegelt. Wer oft ins richtig schwere Gelände muss, sollte zum zuschaltbaren Allradantrieb (rote 4 am Heck) greifen. Eine Klauenkupplung verbindet, ebenfalls auf Knopfdruck, beide Achsen starr. Auch dieses System kann mit dem Hinterachsdifferenzial gekoppelt werden. Allerdings ist die Nutzung des 4x4-Modus nur auf rutschigem Untergrund sinnvoll, da beim Manövrieren starke Verspannungen im Antriebsstrang auftreten.

Hart im Nehmen

Im Offroad-Einsatz verblüfft der mit zuschaltbarem Allrad ausgerüstete Amarok mit Fähigkeiten, die man eher dem Defender oder der G-Klasse zutrauen würde. Untersetzung und Sperren sowie Leiterrahmen, hintere Starrache und Blattfedern des VW-Pickups orientieren sich an echten Offroadern.

Galerie: Erster Test VW AmarokDas Federungssystem gibt es ebenfalls in zwei Ausführungen: Volle Nutzlast (bis 1,14 Tonnen) und weniger Komfort oder mehr Komfort und weniger Nutzlast (bis 940 Kilogramm)? Das Fahrverhalten der beiden unterscheidet sich deutlich. Hoppelt der Heavy-Duty genannte Schwerlader aufgrund der drei Hinterachs-Blattfedern pro Seite wie ein herkömmlicher Pickup, sind mit der zivileren Zwei-Blatt-Federung auch 1.000 Kilometer-Etappen entspannt machbar. Pkw-Gefühl vermittelt die präzise Lenkung, auch wenn der Wendekreis mit 13 Metern – auch des Radstandes wegen – weit ausfällt.

Der Abstand zwischen den beiden Achsen (3,10 Meter) schafft wiederum Platz für Mensch und Material. Fünf Personen kommen in der Doppel-Kabine gut unter. Dank höhenverstellbarem und komfortablem Fahrer- und Beifahrersitz fühlt man sich sehr wohl. Die Bedienung ist aufgrund bekannter Schalter aus verschiedenen VW-Epochen einfach, die Materialauswahl pragmatisch und dennoch ansehnlich. Aufpreisfrei kann der Kabinenboden mit Teppich oder Kunststoff geordert werden.

Basis, Trendline, Highline

Galerie: Erster Test VW AmarokEin weiteres Argument, das für den Amarok spricht, lautet: Wer sich solch ein Auto kauft, braucht es. Um das „Brauchen“ zu erleichtern, hat VW die Ausstattungslinien Basis (ab 29.000 Euro), Trendline (ab 32.725 Euro) und Highline (ab 35.265 Euro) im Angebot. Die Basisversion mit Heckantrieb ist für den Gewerbetreibenden, der ein robustes Auto mit viel Ladekapazität sucht, gedacht. Er besitzt keine Klimaanlage, keine Zentralverriegelung, keine elektrisch verstellbaren Spiegel und keine bestromten Fensterheber.

Bei der Sicherheit wird nicht gespart. Was man zum Überleben benötigen könnte, ist stets dabei. Als Besonderheit besitzen alle Amarok den Bergabfahr-Assistenten inklusive Offroad-ABS. Erkennungsmerkmale der Grundausstattung: Der Verzicht auf Chrom, unlackierte Stoßfänger und Spiegel, keine Kotflügelverbreiterung und schmale Transporter-Reifen, die auf nassen Straßen schnell ihre Haftung verlieren.

Luxus-Amarok

Für die luxuriöseren Trend- und Highline stehen bis zu 19 Zoll große Aluräder bereit, die das Erscheinungsbild des Amarok vom Arbeitstier zum Showcar verwandeln und den Privatkunden ansprechen sollen. Zusätzlich gibt es beheizte Ledersitze, Navigationssystem sowie das Styling-Paket Exterieur mit Schwellerrohren, „Überrollschutz“ und speziellem Heckstoßfänger. Das noble Mendoza-Braun-Metallic gibt dem Stylo-Amarok den letzten Schliff für die Flaniermeile.

Technische Daten
 
Marke und Modell   VW Amarok 2.0 TDI   VW Amarok 2.0 Bi-Turbo-TDI
Ausstattungsvariante   Basis   Basis
Abmessung und Gewicht        
Länge/Breite/Höhe (mm)   5.254/1.944/1.834   5.254/1.944/1.834
Radstand (mm)   3.095   3.095
Wendekreis (m)   12,95   12,95
Leergewicht (kg)   ab 1.240   ab 1.882
Kofferraum (Liter)   2,52 Quadratmeter   2,52 Quadratmeter
Bereifung Testwagen   205 R16 C Transporter-Reifen   205 R16 C Transporter-Reifen
Motor        
Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart)   1.968 / 4, Reihe   1.968 / 4, Reihe
Leistung (PS)   90 (122)   120 (163)
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   340 ab 2.000   400 ab 1.500
Antriebsart   Heck   Heck
Getriebeart   6-Gang-Handschalter   6-Gang-Handschalter
Verbrauch        
Krafstoffart   Diesel   Diesel
Kombiniert laut Werk (l/100km)   7,5   7,6
CO2-Emissionen (g/km) laut Werk   198 / Euro 5   199 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   k. A.   11,2
Fahrleistungen        
Werksangabe 0-100km/h (s)   13,5   10,8
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k. A.   k. A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k. A.   k. A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   163   182
Preise        
ab (Euro)   Derzeit noch nicht kommuniziert   28.940
         
Empfohlene Extras   Comfort & Function-Paket mit Zentralverriegelung, Funkfernbedienung, elektrischen Fensterhebern und elektrisch verstellbaren und beheizbaren Außenspiegeln (934 Euro), manuelle Klimaanlage (1.297 Euro), Anhängekupplung (300 Euro)   Comfort & Function-Paket mit Zentralverriegelung, Funkfernbedienung, elektrischen Fensterhebern und elektrisch verstellbaren und beheizbaren Außenspiegeln (934 Euro), manuelle Klimaanlage (1.297 Euro), Anhängekupplung (300 Euro)
 
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VW Nutzfahrzeuge rechnet mit einem gewerblichen Käuferanteil von mehr als 50 Prozent. Die freuen sich über das 1,56 Meter lange und 1,62 Meter breite Ladeabteil. Damit ist er Spitzenreiter im Segment und kann bei geöffneter Heckklappe (das ist erlaubt) sogar zwei Euro-Paletten quer laden. Apropos geöffnete Heckklappe: Dort können 250 Kilogramm drauf lasten. Für leichteres Einladen kann sie – laut VW auch einzigartig – um 180 Grad nach unten geklappt werden. Die 780 Millimeter niedrige Ladekante ist Rekord, die Anhängelast von 2,8 Tonnen ein guter Wert.

Fazit

Irgendwie ist es langweilig mit VW. Die Niedersachsen kommen mit ihren Lösungen meist spät, dann aber gewaltig. Rund 28.000 Amarok-Bestellungen liegen weltweit bereits vor Der im argentinischen Pacheco produzierte Grob-VW setzt neue Maßstäbe, vereint den Nutz- mit dem Haben-Wollen-Faktor und wird sicherlich auch in Deutschland ein Erfolg – trotz des vergleichsweise hohen Preises.

Argumente wie niedriger Verbrauch, unproblematisches Fahrverhalten, gute Sicherheitsausstattung, hohe Alltagstauglichkeit (bis auf die Abmessungen) und pfiffige Detail-Lösungen werden Gefallen finden – nicht nur bei Angebern. Schlau gemacht.
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