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Galerie: Erster Test VW Beetle 2.0 TSI

Erster Test: VW Beetle 2.0 TSI

Das Re-Revival

14.07.2011

Berlin, Friedrichstraße. Im Stop-and-Go-Verkehr kämpfen wir uns Meter um Meter voran, vorbei am Bugatti-Showroom, Menschengewusel, einem dramatisch jonglierenden Straßenkünstler. Plötzlich klopft es am Seitenfenster. Begeistert fragt uns ein am Straßenrand flanierendes älteres Paar über unser Auto aus, kündigt spontan an, zum Marktstart des Beetle Ende Oktober beim VW-Händler vorbeizuschauen und wünscht uns noch eine gute Fahrt. Oha. Engagiert VW bei Presse-Vorstellungen jetzt auch Claquere? Eher nicht, denn bezahlte Applaus-Spender hat der neue Beetle gar nicht nötig.

Einen VW kaufen war immer auch eine Wahl der Vernunft, blieben betont emotionale Modelle im Arsenal der Wolfsburger stets Ausnahmen. Doch jetzt setzt VW voll auf die Kult-Karte und belebt den Käfer auf ein Neues, will man damit vor allem BMWs Lifestyle-Ableger Mini ein paar Kunden abluchsen und in einem bislang vernachlässigten Segment neues Wachstum generieren.

Es handelt sich dabei allerdings um einen Zweitversuch. Bereits 1998 wurde mit dem New Beetle die fraglos glorreiche Vergangenheit des Käfers wiederbelebt und hat man in das expressive Kultmobil große Hoffnungen gesetzt. Doch abgesehen von einer kurzen Euphorie konnte der Krabbel-Enkel in Europa nicht nachhaltig begeistern, wurden in 13 Jahren weltweit nur knapp über eine Million Exemplare verkauft. Die zweite Generation des Retro-Käfers könnte da durchaus erfolgreicher werden.

Nonkonformist mit Gleichmacher-Vergangenheit

Galerie: Erster Test VW Beetle 2.0 TSI Der Schlüssel hierfür liegt aber wohl weniger in der über 70 Jahre alten Käfer-Historie mit über 20 Millionen verkauften Exemplaren. Vielmehr überzeugt der Beetle mit einer auffällig anderen Optik, die modernen Schick mit putzigen Retro-Anleihen in geschickter Weise vermischt. VW will zusätzlich mit einer lifestylig verklärten Kultkampagne den Beetle als legitimen Käfer-Nachfolger emotional aufladen. Doch seien wir mal ehrlich: Es gab Zeiten, da war der Käfer alles andere als Kult, galt als Einsteigerauto für schmale Budgets und als Inbegriff von Uniformität. Doch genau von dieser Gleichmacherei und Einfach-Technik hebt sich der neue Beetle in wohltuender Weise ab.

Immerhin rückt der Beetle optisch näher an das historische Vorbild als es der New Beetle vermochte, bietet die Silhouette etwas mehr Ur-Käfer-Feeling. Doch ganz so stimmig wie die organisch wirkende Karosserie des Entwurfs von Ferdinand Porsche ist selbst der Beetle nicht. Sympathie wecken dafür die niedlichen Kulleraugen zusammen mit dem breiten Lüftungsschlund der Frontschürze, was ein freundliches Lächeln suggeriert. Doch der Blick in Kombination mit den LED-Tagfahrlichtern ist auch fordernd, wirkt das Auto zudem wertig und technisch modern.

Mit Riesen-Spoiler

Galerie: Erster Test VW Beetle 2.0 TSI Aber auch kraftvoller steht der Beetle dar, gibt sich deutlich maskuliner als seine Vorgänger. Viele zusätzliche Lichtkanten wie zum Beispiel die Einfassung der Seitenfenster unterstützen diesen Eindruck. Geschickt verlängert der optionale Heckspoiler zudem die Schulterlinie und lässt den Wagen so in der Seite noch gestreckter wirken. Mögen viele den aufgesetzten Bürzel eher als peinlich empfinden, erfüllt er doch optisch eine Mission, wirkt das Heck so weniger pummelig und bieder. Weniger gut haben uns hingegen die luftigen 19-Zoll-Leichtmetallräder gefallen, in denen die Bremsscheiben irgendwie verloren wirken.

Einen recht attraktiven Eindruck macht auch der Innenraum – zumindest auf den ersten Blick. Vieles kennt man bereits von anderen VW-Modellen, sorgt der übliche Chromzierrat für Premium-Flair. Zu den Besonderheiten gehört unter anderem das Handschuhfach im Ur-Käfer-Stil, dessen Klappe man zum Beispiel mit Applikationen in Karbon-Optik oder Wagenfarbe aufhübschen kann. Die Wagenfarbe kann man auch für die Türinnenverkleidung ordern, was eine weitere Reminiszenz an den Ur-Käfer ist.

Zeitgemäß, alltagstauglich und mit Retro-Charme

Galerie: Erster Test VW Beetle 2.0 TSI Wie schon beim New Beetle sind auch hier diverse Retro-Zitate angesagt, doch wirken diese nicht so übertrieben verspielt, sind feiner in ein insgesamt sehr stimmiges, funktionales und absolut zeitgemäßes Interieur eingearbeitet. Übertrieben spielzeugartige Details wie die Blumenvase des New Beetle gibt es nicht mehr.

Und auch sonst stimmen die Proportionen. Das Armaturenbrett ist nicht so unendlich tief, die Frontscheibe steht steiler, den Arbeitsplatz kann man sich optimal anpassen und ist die Kopffreiheit selbst für Großgewachsene noch gut. Allerdings nur auf den vorderen Sitzen, während auf den beiden Sitzen der Rückbank sich Personen über 1,80 Meter Länge etwas eingeengt fühlen. Richtig brauchbar ist der Kofferraum, der gegenüber dem Vorgänger um gut 100 Liter wuchs und damit für den Alltag ausreichend dimensioniert ist. Von 310 lässt sich das Gepäckabteil dank umlegbarer Rückbank auf immerhin 905 Liter erweitern.  

Zuviel Hartplastik

Galerie: Erster Test VW Beetle 2.0 TSI Wo der Innenraum allerdings etwas schwächelt, ist seine Materialwahl. Eigentlich rühmt sich VW seit vielen Jahren einer edlen Anmutung mit vielen haptisch und optisch besonders ansprechenden Softoberflächen, doch im Beetle ist Hartplastik total angesagt. Was hierbei deutlich wird: VW will den Neo-Käfer vor allem in den USA und China in die Erfolgsspur bringen, und dort geben sich Autokunden mit einer einfacheren und vor allem auch günstigeren Materialwahl zufrieden. Ein aufwendiger gemachtes Euro-Cockpit wie zum Beispiel beim Jetta bekommt man für den Beetle selbst in der alten Welt nicht.

Antriebsseitig stand uns auf unserer ersten Ausfahrt die vorläufige Top-Motorisierung 2.0 TSI zur Verfügung. Hierbei handelt es sich um eine um zehn PS schwächere Version des Golf-GTI-Motors, die in unserem Fall mit dem Sechs-Gang-DSG kombiniert wurde. Gehobene Dynamik und Komfort sind hier also angesagt und erfreut der in Mexiko gebaute Kulleraugen-GTI mit ordentlichem Durchzug. Beim Ampelstart wirken die eigentlich großzügig dimensionierten Antriebsräder kurzweilig etwas überfordert, danach stürmt der Wagen aber lustvoll voran. Obwohl ein eigentlich sehr kultivierter Motor, bietet er sogar noch eine akustisch leicht emotionale Note, die fast nach Fünfzylinder klingt.

Fährt mit GTI-Motor dem GTI hinterher

Galerie: Erster Test VW Beetle 2.0 TSI Doch es handelt sich um einen leicht kastrierten GTI-Vierzylinder, der nicht ganz so beeindrucken kann wie bei seinem technisch engen Golf-Verwandten. Gefühlt präsentiert sich der Beetle nicht ganz so spritzig, reagiert nicht ganz so forsch auf Gasbefehle. Diesen Eindruck bestätigt auch der Blick ins Datenblatt: Während der Golf GTI 6,9 Sekunden für den Sprint benötigt, wird der Stark-Beetle mit 7,5 Sekunden angegeben. Und dabei ist der Retro-VW sogar noch 50 Kilogramm leichter. Auch bei der Höchstgeschwindigkeit übertrumpft der 238 km/h schnelle GTI den mexikanischen Krabbel-Kollegen um 15 km/h. Und trotz der schlechteren Fahrleistungen ist der Verbrauch mit 7,7 Liter leicht höher. In der Praxis fiel laut Bordcomputer immerhin der Aufschlag mit 8,6 Litern moderat aus.

Technische Daten
 
Marke und Modell   VW Beetle 2.0 TSI
Version / Ausstattung   6-Gang-DSG
Motor    
Hubraum (ccm) / Bauart   1.984 / R4-Turbobenziner
Leistung (kW / PS)   147 / 200
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   280 / 1.700 - 5.000
Antriebsart   Frontantrieb
Getriebeart   Sechs-Gang-DSG
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.278 / 1.808 / 1.486
Radstand (mm)   2.537
Wendekreis (m)   10,8
Leergewicht (kg)   1.439
Kofferraum (Liter)   310 - 905
Bereifung Testwagen   215/55 R 17
Verbrauch    
Krafstoffart   Benzin
Kombiniert laut Werk (l/100km)   7,7
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   179 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   k.A.
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   7,5
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   223
Preise    
ab (Euro)   27.100,00
Empfohlene Extras   Klimaautomatik/Tempomat/Mittelarmlehne (545 Euro)
 
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Auch beim Fahrwerk gab sich der Power-Beetle vergleichsweise stumpf und unsensibel. Eigentlich handelt es sich ja um ein prinzipiell aufwändiges Fahrwerk, doch sorgten einerseits gröbere Verwerfungen im Asphalt für teilweise heftige Schläge im Innenraum und fühlte sich der Beetle nicht ganz so handlich und kurvengierig wie ein GTI an. Das adaptive Fahrwerk DCC ist für den Beetle zudem grundsätzlich nicht bestellbar. Doch trotz der Kritik: Der Beetle liegt gut auf der Straße, die durchaus sportlich abgestimmte Lenkung gibt eine exakte Rückmeldung und lassen sich reuelos Kurventempi fahren, die eigentlich kaum mehr in den öffentlichen Straßenverkehr gehören. Fahrspaß kann man also reichlich haben, auch wenn dieser nicht ganz an das herausragend gute GTI-Niveau heranreicht.

Günstige Alternative

Galerie: Erster Test VW Beetle 2.0 TSI Erfreulich ist dann allerdings die Bepreisung des Beetle im Vergleich zum Golf: Während ein GTI mit 6-Gang-DSG mittlerweile 29.600 Euro kostet, bekommt man den bereits ordentlich motorisierten und ausgestatteten Beetle 2.0 TSI für 27.100 Euro und das bei etwa gleichwertiger Ausstattung. Da bleibt im Fall des Beetle noch Luft für einige attraktive Extras, wie den Bi-Xenon-Scheinwerfern mit LED-Tagfahrlicht (750 Euro) oder der exklusiven, klanggewaltigen Fender-Soundanlage für 650 Euro.

Wem das zu teuer ist, der kann schon ab 17.000 Euro die Basisversion mit dem 105 PS starken 1.2 TSI bestellen, der dann allerdings mit einer noch durchaus ausbaufähigen Ausstattung vorfährt. Doch der Vergleich zu seinen Lifestyle-Mitbewerbern ist interessant: Ein ähnlich stark motorisierter, jedoch wesentlich kleinerer Mini kostet ähnlich viel Geld, während beim Citroën DS4 die Preisliste erst bei rund 21.000 Euro startet. Ein Auto der Kompaktklasse mit derart expressivem Design und Kopfverdreher-Potenzial – da ist der Beetle im Vergleich zur Konkurrenz fast schon ein Schnäppchen.

Fazit

Das modernisierte Retro-Design des Beetle wirkt. Auf unserer Testfahrt durch das an optischen Reizen gewiss nicht arme Berlin konnte er dennoch vielen die Hälse verdrehen. Auch der funktionale und mit Retro-Zitaten angehüsbschte Innenraum macht durchaus was her. Was dem Interieur allerdings fehlt, ist der bei VW sonst übliche, feine Premium-Feinschliff.

Der Beetle soll aber nicht nur optisch gefallen, in der 200 PS starken Top-Version fährt er sich sogar richtig gut, allerdings nicht ganz so gut wie ein vergleichbar motorisierter Golf GTI. Dieser Umstand lässt sich verschmerzen, wenn man den vergleichsweise günstigen Preis des Beetle ins Kalkül nimmt. Nicht nur optisch, auch preislich ist er nämlich eine echte Alternative zum Golf.

 
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