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Galerie: Erster Test VW Eco Up

Erster Test: VW Eco Up

Gutes Gewissen inklusive

17.12.2012

Schon im April 2012 durften wir eine erste Runde mit einem Prototypen des erdgasbetriebenen VW Eco Up drehen, jetzt ist der Sparfuchs für jedermann bestellbar. Für die Umwelt ist das derzeit grünste Auto sicher eine Wohltat, doch lohnt es sich auch finanziell? Und vor welchen Hürden stehen Erdgasfahrer im Alltag?

Rund 42,9 Millionen Autos sind in der Bundesrepublik zugelassen und bis auf knapp 600.000 Fahrzeuge rollen sie alle mit Benzin oder Diesel durchs Land. Wer einen der fossilen Brennstoffe verfeuert, hat ein recht sorgenfreies Leben. Über 14.300 Tankstellen verteilen sich so flächendeckend übers Land, dass der begehrte Brennstoff quasi jederzeit an jedem Ort nachgefüllt werden kann.

Seltenes Gut

Galerie: Erster Test VW Eco UpDen rund 75.000 Erdgas-Fahrern bietet sich ein etwas anderes Bild. Sie dürfen sich zwar freuen, wenn die Preistafel an der Zapfsäule nur rund 1,08 Euro für ein Kilogramm ihres Betriebsstoffs ausweist, doch wird der auch unter dem Kürzel CNG (Compressed Natural Gas) vertriebene Kraftstoff lediglich an bundesweit 900 Tanken angeboten. Zwar spricht die Erdgaslobby auch da bereits von flächendeckend, Autobahntankstellen aber halten zum Beispiel Erdgas nur sehr selten vor. Immerhin gibt es mittlerweile zumindest einige Autohöfe, die CNG im Angebot haben; doch auch die sind häufig einige Kilometer von der Autobahn entfernt, wie wir bereits vor Jahren feststellen mussten.   

Der finanzielle Anreiz dürfte vielen den Umweg trotzdem abringen. Und es kommt noch besser: Auf der Anzeigetafel sind es rund 50 bis 60 Eurocent, die CNG günstiger als Superbenzin ist. In Wahrheit aber spart man mit Erdgas noch mehr. Rechnet man den Preis pro Kilogramm nämlich auf die Menge um, die genau so viel Energie intus hat wie ein Liter Benzin, kommt man auf nur noch 0,67 Cent pro sogenannten Liter Benzinäquivalent (LBä). Da ist selbst Diesel mit rund 1,30 Euro/LBä doppelt so teuer.

Rund 3 Euro pro 100 Kilometer

Galerie: Erster Test VW Eco UpIn der Praxis heißt das, dass ein Eco Up, der im Idealfall nur 2,9 Kilogramm Erdgas pro 100 Kilometer verbraucht, auf eben jener Distanz Treibstoff im Wert von nur etwas über drei Euro verheizt. Das lässt das Autofahrerherz an der Tankstelle höher schlagen, kräftig bluten muss es allerdings bei der Anschaffung. 2.975 Euro erlangt VW für den Eco mehr als für den normalen, 9.975 Euro teuren 60-PS-Up; oder 2.400 Euro mehr als für die 75-PS-Version.  

Der Eco Up, der seinen Treibstoff im gleichen Ein-Liter-Dreizylinder verbrennt wie die Benziner, liegt mit 68 PS leistungsmäßig dazwischen. Seine 90 Newtonmeter bei 3.000 Umdrehungen versprechen keinesfalls mehr Durchzug als der Up halten könnte, wer zügig vorankommen will, muss den rau klingenden Motor bei Laune halten und braucht den letzten der fünf Gänge nur selten zu nutzen. Insgesamt ist der Öko-VW zwar noch eine Spur träger als seine Benzin-Brüder, da die aber auch keine Ausgeburt der Fahrfreude sind, fällt der noch etwas gezügeltere Antritt kaum ins Gewicht.

Gut für die Stadt

Galerie: Erster Test VW Eco UpDem Titel „grünstes Auto“ mit nur 79 Gramm CO2 je 100 Kilometer steht eine Beschleunigungszeit von langen 16,3 Sekunden gegenüber. Bis auf Tempo 100 dürften die meisten Eco Ups aber wohl eh nur selten kommen: Der kleine Flitzer ist das Paradebeispiel für ein Stadtauto und die beiden Erdgastanks (einer in der Reserveradmulde, einer vor der Hinterachse) schränken schließlich auch das Kofferraumvolumen von 213 bis 913 Liter nicht ein, so dass der Familieneinkauf problemlos verstaut werden kann.

Den Geldbeutel entlastet der Eco Up wegen seiner teuren Anschaffung allerdings so richtig erst nach rund 55.000 Kilometern, was wiederum gegen den vornehmlichen Einsatz in der Stadt spricht und für ein Vielfahrer-Dasein. Das ist mit dem 164 km/h schnellen VW zwar sicher möglich, es macht aber auf Dauer nicht besonders viel Spaß auf der Autobahn immer nur hinterher zu fahren und sich jeden Überholvorgang zweimal zu überlegen. Für gelegentliche Fahrten übers Land, oder ein zwei Urlaubsreisen pro Jahr reicht der Up allerdings vollends aus.

Erdgas-Fakten

Ja, auch Erdgas gehört zu den fossilen Brennstoffen und ist irgendwann endlich. Doch derzeit liegen die jährlichen Neufunde noch höher als der Verbrauch und es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Methan künstlich herzustellen, wie eben durch Windenergie oder in Biomassekraftwerken. Letztere allerdings sollten nur organische Abfälle verheizen; werden Pflanzen ausschließlich für die Energieerzeugung angebaut, sieht die Bilanz nicht mehr so gut aus: Zum einen schaden Monokulturen dem Boden und zum anderen ist es schlicht moralisch unverantwortlich, Lebensmittel wie Mais, Raps oder Zuckerrohr zu verheizen. Von möglichen Auswirkungen auf die Lebensmittelpreise ganz zu schweigen.

Bis 2018 ist Erdgas in Deutschland übrigens noch steuerbegünstigt, pro Kilowattstunde verdient der Staat bis dahin 1,39 Cent. Danach soll die Abgabe auf 3,19 Cent steigen; damit wäre Erdgas auch zukünftig deutlich günstiger als Benzin und Diesel.  

Noch sauberer mit Biomethan

Galerie: Erster Test VW Eco UpUnd schließlich fährt man ein grünes Auto ja nicht, um den Geldbeutel, sondern die Umwelt zu schonen. Und das tut der Eco Up: Schon mit normalen Erdgas betrieben stößt der Up mit besagten 79 Gramm CO2 deutlich weniger aus als ein Benziner oder Diesel. Noch besser aber sieht die Bilanz aus, wenn man ihn mit dem gleichwertigen Biomethan betreibt, zum Beispiel aus einem Biomassekraftwerk, in dem organische Abfälle verwertet werden. Die Pflanzen, aus denen das Gas gewonnen wird, haben das CO2 zuvor aus der Atmosphäre aufgenommen und nur dieses Kohlendioxid wird schließlich beim Verbrennen wieder frei gesetzt; der Eco Up fährt dann quasi CO2-neutral.

Einen anderen Weg, um „sauberes“ Gas aus erneuerbaren Energien zu gewinnen, geht die VW-Tochter Audi, die sich an einem Windpark in der Nordsee beteiligt hat (wir berichteten) und mit dem dort erzeugten Strom durch Elektrolyse Wasserstoff herstellt und diesen mit dem Sabatier-Prozess wiederum in ein dem Erdgas ebenbürtiges Gas umwandelt. Dass kann dann ihn CNG-Autos verfahren werden.  

 
Fazit

Michael Gebhardt

Der VW-Konzern setzt auf Erdgas und der Eco Up ist nur ein weiterer Schritt in diese Richtung. Passat http://ww2.autoscout24.de/meldung/drei-vw-passat-oekomodelle/umwelt-trip/44275/108409/ , Touran und Caddy fahren bereits seit längerem mit CNG, demnächst folgt der Eco Golf und auch weitere Modelle dürften in nicht allzu ferner Zukunft in einer Eco-Version erhältlich sein - der Modulare Querbaukasten bietet dafür die besten Voraussetzungen.

Der Aufpreis von circa 3.000 Euro ist beim Up zwar happig, im Verhältnis zum Preis eines Golfs oder Passats aber durchaus verschmerzbar. Die Komforteinbußen durch den etwas raueren Lauf und das geringfügig trägere Ansprechen kann man selbst bei VWs Kleinstem verzeihen - dafür ist schließlich das gute Gewissen inklusive. Für die Suche nach einer Erdgastankstelle braucht man hin und wieder jedoch gute Nerven. Das Gute: Ist das Erdgas alle, kann der Eco Up noch auf zehn Liter Benzin als Notreserve zurückgreifen.
 
 

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