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Galerie: Erster Test VW Golf Bluemotion

Erster Test: VW Golf Bluemotion

Annäherungsversuch

26.06.2013

Endlich hat VW wieder ein Drei-Liter-Auto im Programm. Wie einst der Lupo 3L bewegt sich der neue Golf Bluemotion mit einem Durchschnittsverbrauch von 3,2 Litern auf einem Vorzeige-Niveau. Praktisch ist es mit solchen Werten jedoch so eine Sache, wie wir auf einer ersten Testfahrt erfahren durften.

Der Normverbrauch, den die Hersteller auf Grundlage einer viel diskutierten Prüfstandmessung ermitteln, hält meist in der Praxis nicht, was die Theorie verspricht. Eher selten schafft man es, die vorgegebene Marke zu erreichen und liegen meist die Praxiswerte ein, zwei oder drei Liter darüber. Beim neuen Golf Bluemotion, der mit seinen 3,2 Litern derzeit eine Bestmarke unter den allein mit Verbrennungsmotor angetriebenen Fahrzeugen innehat, wähnen wir die Bedingungen dennoch als günstig, vielleicht sogar unter die drei Liter zu kommen.

Erstmalig testen dürfen wir den Sparmeister – der seinen niedrigen Verbrauch vor allem Aerodynamik-Maßnahmen, einem lang übersetzten sechsten Gang und der Reduzierung innermotorischer Reibung verdankt – nämlich im geruhsamen Holland, zwischen Amsterdam und Almere. Nicht nur der dortige Verkehr ist einer beschaulichen Gangart zuträglich, vor allem ist es hier topfeben und damit das Höhenprofil den Prüfstandbedingungen noch am ähnlichsten.

Zum Klimaschutz die Klima aus

Galerie: Erster Test VW Golf BluemotionIm Innenraum nimmt man unser Testexemplar nicht als Auto mit einem besonders spartanischem Naturell wahr. Der Bluemotion ist zwar maximal in der mittleren Ausstattung Comfortline bestellbar, doch über den Konfigurator lässt er sich, wie in unserem Fall, mit reichlich Nettigkeiten zu einer noblen Hütte aufwerten. Unter anderem auch mit einer Klimaautomatik, die auf den kommenden 67,5 Kilometern dem Klimaschutz zwangsverpflichtet wird und also gar nicht arbeitet, um so den Verbrauch nicht unnötig in die Höhe zu treiben. Bei wolkigem Himmel und erfrischenden 17 Grad Außentemperatur ist das keine allzu große Herausforderung.

Auch vom längsdynamischen Potenzial des 1.6 TDI machen wir kein Gebrauch, denn immerhin 110 PS und 250 Newtonmeter Drehmoment kann der Diesel an die Vorderräder werfen und damit den ohne Fahrer nur knapp über 1,2 Tonnen leichten Spar-Golf in 10,5 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 beschleunigen und maximal 200 km/h schnell machen. Lahmarschig ist das nicht. Doch verbieten wir für unser Spritspar-Experiment der Nadel des Drehzahlmesser Ausflüge jenseits von 2.000 Touren.

Man muss auch sparen wollen

Galerie: Erster Test VW Golf BluemotionSinniges Beschleunigen, frühes Hochschalten, niedertouriges und vorausschauendes Fahren sowie das Motor-Aus durch die Start-Stopp-Automatik bei roten Ampeln gehören zu den Garanten eines möglichst niedrigen Spritkonsums. In Holland allgemein und speziell auf der von VW ausgesuchten Teststrecke, die höchstens Geschwindigkeiten von gerade einmal 80 km/h erlaubte, fällt man mit einem derart effizienzgetriebenen Fahrstil kaum auf.

Direkt nach Beginn unserer Testfahrt driftet der Bordcomputer-Verbrauchswert dennoch in zunächst astronomische einstellige Höhen ab, doch dank einer durchgehend disziplinierten Fahrweise purzelt die Vorkomma-Zahl recht schnell auf 4. Erst dann wird die Entwicklung der Nachkommastellen interessant, die ebenfalls beständig und zielsicher in Richtung 0 zusteuern, bis dann nach 26,6 Kilometer endlich die erste 3 vorm Komma auftaucht. Knapp zehn Kilometer weiter fällt dann die 3,8 Liter, genau der Wert, den der Bluemotion-TDI des Golf VI noch als Normverbrauch aufwies. Erst bei Kilometer 52,3 geht es noch ein letztes Mal abwärts: 3,7 Liter steht auch nach 67,8 Kilometern noch auf dem Bordcomputer. Das Ende unserer Testfahrt.

Es hätte wohl weniger sein können

Galerie: Erster Test VW Golf BluemotionEin wenig enttäuscht sind wir dann doch, denn eigentlich wähnten wir die Bedingungen als optimal für einen Wert von unter drei Liter. Vielleicht hätte es noch einige Kilometer mehr gebraucht, um auch die 3,6 zu erreichen, und wäre sogar irgendwann wohl noch die 3,5 gefallen. 2,9 Liter wären jedoch utopisch geblieben.

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Am Ende waren es also 3,7 Liter. Ein VW-Sprecher gibt hierfür unter anderem auch der Ausstattung die Schuld. Wer den Bluemotion in der spartanisch ausgestatteten und damit leichteren Basisversion wählt und kleinere Reifen fährt, sollte problemloser den so herausragenden Normwert von 3,2 Liter erreichen können. Unser Exemplar war üppig ausgestattet und auf den größeren 16-Zöllern unterwegs. Desweiteren war der Testwagen noch fabrikneu und eigentlich noch nicht richtig eingefahren, denn seine volle Sparpracht soll der Bluemotion erst ab einer Laufleistung von 10.000 Kilometern entfalten.

Guter Alltagswagen …

Immerhin sollte es kein größeres Problem sein, diese Laufleistung zu erreichen, denn der Geiz-Golf ist ein absolut alltagstaugliches Fahrzeug, welches trotz der 15-Millimeter-Fahrwerksabsenkung erstaunlich hohen Fahrwerkskomfort bietet. Und auch Platz ist reichlich vorhanden, der Golf VII ein sogar vorbildlicher Kompakter in puncto Kofferraumvolumen und Kniefreiheit im Fond.

…der allerdings seinen Preis hat

Galerie: Erster Test VW Golf BluemotionBleibt noch die Frage, ob sich der Bluemotion auch rechnen kann. Immerhin 22.175 Euro wird für die Basis fällig und damit 1.200 Euro mehr als für den 1.6 TDI Bluemotion Technology, der mit 3,8 Liter Normverbrauch angegeben wird. Sollte in der Praxis der Verbrauchsunterschied von 0,6 Liter bestehen bleiben, würde man pro 100 Kilometer rund 70 Cent sparen können. Amortisieren wird sich der Bluemotion mit der reinen Spritersparnis also erst in sechsstelligen Kilometer-Sphären. Steuern und Versicherung helfen dem weiterhin nach Euro 5 zertifizierten Golf Bluemotion auch nicht weiter.

Eine Alternative ist vor allem der Toyota Auris Hybrid, der rund 23.000 Euro kostet und sich mit ebenfalls 3,8 Liter Benzin bescheidet. Obwohl der Golf weniger kostet, ist er ausstattungsbereinigt sogar teurer, denn zur Serienausstattung des Auris gehören unter anderem eine Automatik und vier Einstiegstüren und ist damit der Japaner das eigentlich attraktivere Angebot. Entsprechend braucht es auch bei diesem Vergleich eine sehr hohe Kilometerlaufleistung, um den Investitionsnachteil des Bluemotion-Golfs zu egalisieren. Insofern kann das derzeit sparsamste Modell der Golf-Familie allein eine Empfehlung für diejenigen sein, die einen zusätzlichen Beitrag für die Umwelt leisten wollen. Rechnen wird er sich hingegen nicht.

 
Fazit

Mario Hommen

So ist es halt mit dem Normwert: Er verspricht mehr als er in der Praxis zumeist halten kann. Zumindest lagen wir bei einer ersten Ausfahrt mit dem neuen VW Golf Bluemotion 1.6 TDI mit 3,7 Liter Verbrauch noch einen halben Liter über diesen.

Ein bisschen Spielraum nach unten hat es aber noch gegeben und kann man mit einer weniger üppig ausgestatteten Variante auch noch das ein oder andere Zehntel sparen. Wer es darauf anlegt, könnte also tatsächlich einen immerhin schon recht geräumigen Golf mit knapp über 3 Liter Diesel auf 100 Kilometer bewegen.

Eines bleibt im konsequenten Spritsparmodus jedoch auf der Strecke: Der so oft und gern zitierte Fahrspaß.
 
 

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