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Galerie: Erster Test VW Passat CC

Erster Test: VW Passat CC

VW greift nach dem Stern

09.04.2008

Und plötzlich wollen alle ein Coupé mit vier Türen: In einer breit angelegten Marketingkampagne amüsiert sich Mercedes momentan  so scheint es  über den VW Passat CC. Schließlich waren es doch die Stuttgarter, die mit dem CLS vor einigen Jahren dieses Segment neu erschlossen haben. Doch so cool wie es die Werbung uns glauben machen will, dürfte man bei Daimler wohl nicht auf den neuen Wolfsburger reagiert haben.

Die Grenzen zwischen Limousine und Coupé sind ebenso fließend, wie die Dachlinie des letzteren. Früher, als die automobile Welt noch klar strukturiert war, hatte ein Coupé zwei Türen und erst recht keine B-Säule. Mercedes brachte die heile Welt 2004 ins Wanken und die Gemüter der Fachwelt in Rage. Ist der CLS ein viertüriges Coupé? Oder eine geschickt vermarktete Limousine? Was auch immer Neider oder Liebhaber dem CLS nachsagen, eins ist er auf jeden Fall: erfolgreich.

Jetzt kommt VW mit dem Passat CC  das steht für Comfort Coupé  und will den Stuttgartern das Fürchten lehren. Ob der Volkswagen ähnliche Erfolge verbuchen kann, entscheiden natürlich die Kunden, die Mitte 2008 die ersten Fahrzeuge geliefert bekommen. Doch Daimler dürfte mit gespannter Mine in die Zukunft blicken. Schließlich ist das viertürige Coupé aus Wolfsburg gut 15.000 Euro günstiger. Keine Frage, der Passat ist zwölf Zentimeter kürzer, und in der Basis deutlich schwächer als der Benz. Doch ist das allein ausschlaggebend?

Gute Arbeit

Galerie: Erster Test VW Passat CCSchließlich hat VW beim Passat CC vorbildliche Arbeit geleistet. Auf 4,80 Meter Länge können vier Passagiere komfortabel Platz nehmen. Der Verzicht auf den mittleren Notsitz im Fond schafft viel Freiraum für die Hinterbänkler. Klar, das flach auslaufende Dach schränkt die Kopffreiheit ein wenig ein, doch sorgt es zugleich für eine fast höhlenartige Geborgenheit. Weiches Leder und gut konturierte Sportsitze schmeicheln den Insassen und laden zum Entspannen ein.

Überhaupt hat sich VW keinen Fehler geleistet, sei’s bei der Materialauswahl oder bei der Verarbeitung. Das Cockpit ist größtenteils von der Limousine bekannt, wirkt aber um Welten edler und exklusiver. Neu sind die weiß beleuchteten Rundinstrumente, die an den Phaeton erinnern, und deutlich eleganter wirken als die gewohnte blau-rote Armatur. Auch die Steuerung der Klimaanlage, das Lenkrad mit drei Speichen und die Türverkleidung wurden für den CC überarbeitet.

Von wegen unpraktisch

Galerie: Erster Test VW Passat CCMit dem Vorurteil des engen, unpraktischen Coupés räumt der Passat CC auf, auch was das Kofferraumvolumen angeht. 532 Liter schluckt das Gepäckabteil (27 Liter mehr als der Mercedes CLS), lange Gegenstände können durchgeladen werden. Auf Wunsch gibt es außerdem eine geteilt umklappbare Rückbank, die das Volumen noch einmal deutlich erweitert.

Soviel zur Praxis. Viel wichtiger noch sind beim Passat CC die „inneren“ Werte: So soll doch das Coupé, nach Ansicht des Entwicklungsvorstands Ulrich Hackenberg, die Marke emotionalisieren. Gerade die Passat-Baureihe  seit 35 Jahren im Programm  zeichnet sich nur wenig durch aufregendes Design, gesteigerte Dynamik, kurz: erhöhten Herzschlag aus. Das soll sich jetzt ändern. Schon das Design des CC weicht deutlich von der sonst gewohnten, Mainstream-tauglichen Linienführung ab.

Emotionales Design

Galerie: Erster Test VW Passat CCLange Haube, kurzes Heck, entlang der Flanke eine markante Lichtkante, so steht der Passat da. Seine scharf gezeichneten Scheinwerfer blicken fordernd nach vorn, die rahmenlosen Scheiben verleihen Eleganz. Am meisten polarisiert wohl das Heck mit großen, roten Leuchten und einer ausgeprägten Kante am Heckdeckel. Dazu kommt eine extrem schmale Heckscheibe, die zwar schick aussieht, den Blick nach hinten aber ziemlich einschränkt.

Um nicht nur das Herz des Ästheten, sondern auch des ambitionierten Fahrers anzusprechen, wartet der Passat CC mit technischen Feinheiten auf. Da wäre das Topmodell: 300 PS aus sechs Zylindern, 3,6 Liter Hubraum, 350 Newtonmeter Drehmoment. Mit dem aus dem Passat R36 adaptierten Motor erreicht das Coupé  in Verbindung mit einem Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe und Allradantrieb   nach 5,6 Sekunden 100 km/h. Tempo 250 Höchstgeschwindigkeit versteht sich von selbst.

Nur Direkteinspritzer

Galerie: Erster Test VW Passat CCWem die 40.800 Euro für die Hochleistungsversion zu teuer sind, der bekommt für 30.300 Euro die Einstiegsversion, ein Benzindirekteinspritzer mit 160 PS. Angetrieben von einem 1,8-Liter-Turbovierzylinder fällt die Tempo-100-Marke nach 8,6 Sekunden. Frei von jeglichem Turboloch  eine klitzekleine Gedenksekunde wollen wir ihm zugestehen  zieht der 1,4 Tonnen schwere Passat schon bei niedrigen Drehzahlen kraftvoll durch. Und auch bei flotter Fahrt überschreitet er den angegebenen Durchschnittsverbrauch von 7,6 Litern nur minimal.

Noch sparsamer geht der 2.0 TDI zu 30.775 Euro ans Werk. VW verspricht für den laufruhigen 140-PS-Common-Rail-Diesel einen Konsum von nur 5,8 Litern je 100 Kilometer. In der Praxis pendelt sich der Wert bei gut sechseinhalb Litern ein. Vor allem gegenüber den alten Pumpe-Düse-Selbstzündern ist der neue Vierzylinder eine Ausgeburt der Ruhe. Noch dieses Jahr will VW die Palette um einen 200-PS-Benziner sowie einen 170 PS starken TDI erweitern.

Anpassungsbedarf

Galerie: Erster Test VW Passat CCStarke Motoren sind das Eine, ein ausgewogenes Fahrwerk das Andere. Im Passat CC hat der Fahrer fortan das Wahlrecht: Per Tastendruck lässt sich das adaptive Fahrwerk in drei Stufen von bequem bis straff verstellen. Selbst im Komfort-Modus wird der Volkswagen nicht schwammig, sondern gleitet butterweich aber gut kontrollierbar über Unebenheiten. Das andere Extrem, der Sportmodus, bringt neben der deutlich härteren Abstimmung eine verringerte Servounterstützung der Lenkung mit sich.

Der Clou an der ganzen Sache ist die fortlaufende Regelung der Dämpfung. Je nach Fahrbahn und Fahrsituation werden die Dämpfer blitzschnell reguliert, in Kurven beispielsweise die äußeren gestrafft, um weniger Seitenneigung zuzulassen. Auch auf schlechten Straßen passt sich das System nahezu in Echtzeit an den Untergrund an. So soll der Komfort gesteigert, gleichzeitig aber auch die Sicherheit erhöht werden.

In der Spur bleiben

Ach ja, die Sicherheit: VW führt im Passat CC den so genannten „Lane Assist“ ein. Gegenüber anderen erhältlichen Spurhalteassistenten, die den Fahrer lediglich warnen, wenn er seinen Fahrstreifen verlässt, greift das Wolfsburger System aktiv in die elektromechanische Lenkung ein. Hintergrund: Rund 14 Prozent aller Unfälle mit Verletzten werden durch das Abkommen von der Fahrbahn verursacht. Ist das System aktiviert (ab 65 km/h), überwacht eine Kamera die Fahrbahnmarkierungen.

Galerie: Erster Test VW Passat CCWer eine Markierung, sei es der Mittelstreifen oder die Randbegrenzung, ohne zu blinken überfährt, wird durch sanfte Lenkeingriffe wieder zurück auf die Spur gebracht. Natürlich lässt sich das System mit wenig Kraft überstimmen, so dass der Fahrer jederzeit die Oberhand behält. Doch die kleinen Eingriffe sind so effizient, dass sie den Wagen sicher wieder auf Kurs bringen. Wer allerdings glaubt, er könne das Lenken komplett dem System überlassen, der irrt. Zu enge Kurvenradien zum Beispiel kann der Lane Assist nicht verarbeiten und warnt den Fahrer akustisch und per Hinweis im Bordcomputer. Auch wer die Hände ganz vom Lenkrad nimmt, ist schnell überführt, und wird aufgefordert, wieder die Kontrolle zu übernehmen.

Parkt automatisch

Galerie: Erster Test VW Passat CCUnd noch einen Assistenten hat VW im Angebot. Der bereits aus anderen Modellen bekannte Park Assist erkennt eine passende Parklücke im Vorbeifahren und lenkt den Wagen automatisch hinein. Der Fahrer braucht lediglich Gas und Bremse zu bedienen  und übernimmt die Verantwortung! Mit 755 Euro ist der Parkassistent nicht gerade billig, aber: Die wegen der schlechten Übersicht auf jeden Fall empfehlenswerten Parksensoren kosten allein schon 520 Euro. Der Lane Assist ist für 515 Euro erhältlich, das adaptive Fahrwerk steht mit 1.025 Euro auf der Rechnung.

Die Liste der Sonderausstattung ließe sich noch lange weiterführen: Ob Ambientepaket mit hübschen Leuchten, automatische Distanzregelung, diverse Dekoreinlagen, klimatisierte Sitze oder ein Panorama-Austelldach  VW bietet auf fast jeden Wunsch eine Antwort. Die Serienausstattung ist dagegen spärlich. Zwar umfasst sie vorbildlich die komplette Sicherheitsausstattung, doch die Komfortextras reichen gerade einmal von elektrisch einstellbaren Außenspiegeln über elektrische Fensterheber zu einer manuellen Klimaanlage. Selbst ein Radio ist ab Werk nicht vorgesehen. Hier könnte VW dem Premiumanspruch des Passat CC noch etwas mehr betonen.

Fazit

Mit dem in Emden gebauten Passat CC wird VW spürbar emotionaler. Die Designer werden nicht mehr so sehr in ihrer Kreativität gezügelt, nur um der breiten Masse zu gefallen. Das Design polarisiert, die Technik überzeugt. Tadellose Verarbeitung, starke und sparsame Motoren und technische Feinheiten wie das adaptive Fahrwerk oder der Spurhalteassistent machen den Volkswagen begehrenswert. Ob Mercedes wirklich Angst haben muss, entscheiden die Kunden. Wer aber mit dem CLS liebäugelt, das Budget aber nur zur C-Klasse reicht, der findet bei VW eine ebenbürtige Alternative. Zudem wird der Passat CC viele Käufer ansprechen, denen die Limousine bisweilen zu bieder war.

 
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