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Galerie: Erster Test VW Polo BlueGT

Erster Test: VW Polo BlueGT

Sparen zur rechten Zeit

12.07.2012

Zylinderabschaltung gab es bisweilen nur bei großvolumigen Acht- und Zwölfzylindermotoren. Mit dem Polo BlueGT holt VW nun zum nächsten Schlag aus und bringt das Brennraum-Management erstmals im Kleinwagensegment:  Sein 140 PS starker Turbobenziner läuft mal mit vier, mal mit zwei Zylindern und spart in Phasen geringer Leistungsabfrage bis zu einem Liter.

Das Thema ist ein alter Hut: Je mehr Zylinder, desto höher der Verbrauch. Also weg mit den Brennräumen, die man nicht braucht. Mercedes machte dies bereits Ende der 90er Jahre in der S-Klasse vor und füllte in bestimmten Fahrsituationen nur noch die Hälfte der acht oder zwölf Zylinder mit Kraftstoff. Unfeine Schwingungen, eine bisweilen ungewöhnliche Akustik und nur wenig Kraftstoffeinsparung machten den Technikern damals zu schaffen und sorgten 2005 für ein vorläufiges Ende der Zylinderabschaltung im Hause Daimler.  

Galerie: Erster Test VW Polo BlueGTNun entdeckt Volkswagen diese Einsparmöglichkeit wieder neu. Zwar haben auch die Stuttgarter die Technik längst wieder im Programm, doch nicht ohne Grund steht VW im Ruf, Entwicklungen häufig spät, dann aber mit entsprechender Perfektion in den Markt einzuführen. Vorarbeit leisteten die Konzerntöchter Audi und Bentley, die bereits seit einiger Zeit im S8 und Continental V8 beziehungsweise Mulsanne das aktive Zylindermanagament einsetzen; Volkswagen selbst treibt es – wieder einmal – auf die Spitze und bringt die Technik im Polo BlueGT erstmals ins Kleinwagensegment.

Fahrspaß und Sparspaß

BlueGT, das klingt nach BlueMotion und GTI. Die beiden eher konträren Welten will Volkswagen mit den neuen 1,4-Liter-Turbobenziner verbinden. Mit 140 PS ist der Polo zwischen dem etwas bieder motorisierten 105-PS-Modell und dem überstarken Polo GTI mit 180 PS eingeordnet und überzeugt mit ordentlichen Fahrleistungen. 210 km/h Höchstgeschwindigkeit und eine Beschleunigung von nur 7,9 Sekunden von null auf 100 km/h mit einem Kleinwagen sprechen eine deutliche Sprache. Und auch optisch setzt der Polo auf Dynamik: Er trägt die Front- und Heckschürze des GTIs und wartet im Innenraum mit straffen Sportsitzen auf.  

Galerie: Erster Test VW Polo BlueGTDen BlueMotion-Part übernimmt ACT, das aktive Zylindermanagement. Durch eine spezielle Auslegung der Nocken werden die Ein- und Auslassventile der Zylinder zwei und drei in bestimmten Lastzuständen – zwischen 1.400 und 4.000 Umdrehungen und einer Drehmomentabfrage von 25 bis rund 100 Newtonmeter – nicht angesteuert; aus dem Vierzylinder wird ein Zweizylinder. Sobald der Fahrer wieder mehr Leistung abruft, reagiert die Elektronik und schiebt die Versatzstücke der beiden Nockenwellen binnen weniger Millisekunden so zurecht, daß die Ventile wieder angesteuert und die Brennräume befeuert werden.

Keine Komforteinbußen

Das der gesamte Ablauf, der gerade mal eine halbe Nockenwellenumdrehung braucht, für den Fahrer unmerklich geschieht, war bei Volkswagen nicht anders zu erwarten. Kein Schütteln oder Brummen weißt im Zweizylinder-Betrieb auf die ungewöhliche Lösung hin. Nur wer ein ausgesprochen gutes Gehör hat, gepaart mit ein wenig Phantasie, vermag bei moderater Autobahnfahrt vielleicht einen kleinen Klangunterschied feststellen: Im Zweizylinder-Modus könnte man meinen, dass der komplett aus Aluminium gefertigte Motor ein wenig mehr scheppert.

Galerie: Erster Test VW Polo BlueGTEin rauer Raubauke, wie der (reine) Zwei-Zylinder von Fiat ist der TSI-Motor aber keinesfalls, generell übertönen im Polo die Abrollgeräusche der Reifen das Motorengeräusch und das Triebwerk macht nur bei Volllastphasen nennenswert akustisch auf sich aufmerksam. Wer nicht wahrzunehmen vermag mit wie vielen Zylindern er gerade fährt, den macht ein Hinweis in der Multifunktions-Anzeige darauf aufmerksam. Und außer mit dem rechten Fuß kann der Fahrer übrigens auch keinen Einfluss auf das System nehmen. Weder gibt es eine Möglichkeit, die Fahrt mit zwei Zylindern zu forcieren, noch kann das Stillegen zweier Brennkammern per Tastendruck verhindert werden.

Hohe Spar-Investition

Lässt man die 250 Newtonmeter Drehmoment, die der Motor zwischen 1.500 und 3.500 Umdrehungen entwickelt, von einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe verwalten, liegt der Normverbrauch bei nur viereinhalb Litern, für die Handschalter gibt VW 4,6 Liter je 100 Kilometer an. Für ein 140-PS-Auto vorbildliche Werte. Und das nicht nur auf dem Papier: Bei unserer ersten Ausfahrt pendelte sich der vom Bordcomputer ausgewiesene Wert zwischen 5,2 und 5,5 Litern an, nur ein knapper Liter Abweichung also.

Galerie: Erster Test VW Polo BlueGTDas Sparen hat allerdings seinen Preis. Mindestens 19.650 Euro kostet der in Spanien gefertigte Polo, wenn er im Herbst 2012 zu den deutschen Händlern rollt, für die DSG-Version werden 21.075 Euro fällig. Mit ein paar der zahlreichen lieferbaren Extras wie etwa der übersichtlich zu bedienenden Navigation oder den Xenon-Scheinwerfern kommen noch einmal mindestens 1.780 Euro dazu und wer dann noch Ledersitze oder vier Türen ordert, kommt in Regionen, in denen auch ein nicht schlecht ausgestatteter Golf Comfortline mit 160 PS starkem 1.4 TSI Motor zu haben ist. Der hat dann zwar noch keine Zylinderabschaltung und verbraucht im Alltag sicher ein wenig mehr Kraftstoff, offeriert den Insassen dafür aber auch ein deutliches Plus an Raum und Komfort.

 
Fazit

Michael Gebhardt

Klarer Fall: Der Polo BlueGT ist ein Technikpionier und VW dürfte es damit gelungen sein, die bislang großvolumigen Motoren vorbehaltene Zylinderabschaltung in eindrucksvoller Form zu demokratisieren. Zumal der Polo nicht der einzige bleiben wird: Der neue Audi A3 wird in Kürze ebenso von der Technik profitieren wie der A1, und weitere Modelle werden bald folgen.
 

Galerie: Erster Test VW Polo BlueGTOb die Käufer allerdings bereit sind, den Öko-Aufschlag zu Begleichen, muss sich noch zeigen, zumal die 140 PS des BlueGT zwar reichlich Spaß bringen, für die preissensible Kleinwagen-Kilentel aber fast etwas zu viel sind. Wer sich für einen der schwächeren Benziner oder gar einen Diesel im Polo entscheidet, spart einige tausend Euro. Und bis die mit dem BlueGT amortisiert sind, braucht es viele Kilometer.

 

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