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Galerie: Erster Test VW Scirocco

Erster Test: VW Scirocco

Macho im Korsett

03.07.2008

Der Kauf eines VW ist meist ein Akt der Vernunft. Doch VW kann auch anders. Mit dem Scirocco bringt Europas größter Autobauer ein zwar alltagstaugliches Modell, das aber vor allem eines will: Emotionen wecken.

Das sportlich orientierte Autofahrerherz dürfte allein beim historisch aufgeladenen Modellnamen hüpfen. Mit dem legendären Scirocco knüpft VW an eine Tradition günstiger Rasanz an. Optisch und technisch sind die Parallelen zum historischen Namensgeber jedoch gering. Und auch zu anderen Fahrzeugen finden sich kaum Entsprechungen. Um so mehr ist der Neue ein eindrucksvolles Design-Statement.

Mit Korsett

Galerie: Erster Test VW SciroccoSein böser Blick, die breite Spur und seine Proportionen lassen den Scirocoo selbstbewusst und muskulös wirken. Bei 4,3 Meter Länge geht das Kompaktmodell 1,8 Meter in die Breite und baut nur 1,4 Meter hoch. Dank des fast 2,6 Meter langen Radstands fallen die Überhänge vorne und hinten recht kurz aus. Besonders ausladend sind dafür seine Pobacken, die dank der starken Taillierung zusätzliche Geltung erhalten. Kurzum: Dieser maskuline Korsettträger macht bereits im Stand an.

Weniger leidenschaftlich präsentiert sich der Innenraum. Das Scirocco-Armaturenbrett ist im Wesentlichen mit dem des Eos identisch. Einige Details wie die dreieckigen Türgriffe oder die Sportsitze sind dagegen neu. Die eher sachliche Atmosphäre könnte gerne etwas mehr Verspieltheit und Sportwagenflair vertragen.

Sportlich wie praktisch

Galerie: Erster Test VW SciroccoDer Einstieg ist bequem. Ist der Wagen abschüssig geparkt, bekommt man das hohe Gewicht der sehr langen und rahmenlosen Türen beim Öffnen zu spüren. Dafür werden die Fliehkräfte für die Passagiere dank der guten Seitenführung der Sitze relativiert, so wie es für ein sportliches Fahrzeug angemessen ist. Wie auch das vielfach verstellbare Sportlederlenkrad überaus gut zur Hand liegt.

Vorne ist das Platzangebot üppig, die Sitze weit in der Länge verstellbar. Die vorklappbaren Frontsitze ermöglichen zudem einen halbwegs bequemen Einstieg nach hinten. Auf den beiden konturierten Einzelsitzen der Rückbank sind die Platzverhältnisse ebenfalls ordentlich.

Tiefer Schacht

Galerie: Erster Test VW SciroccoDank der getrennt umlegbaren Fondsitze kann der 292 Liter große Stauraum auf 755 Liter wachsen. Rekordverdächtig ist die Höhe der Ladekante: Wie in einem Schacht verschwinden die Koffer tief im Gepäckabteil. Wer von außen die kleine Kofferraumklappe öffnen will, findet zu seiner Überraschung hierfür keinen Knopf oder Hebel am Heck. Statt dessen muss man entweder über die Fernbedienung oder einen Schalter in der Fahrertür entriegeln.

Galerie: Erster Test VW SciroccoDie Fondsitze sind mit integrierten Kopfstützen ausgestattet, die sich nicht wegklappen lassen. Die kleinen Heckfenster und die mächtigen C-Säulen dürften bei Klaustrophobikern im Fond trotz ausreichend viel Platz Beklemmung auslösen. Den Fahrer stört daran vielmehr der stark eingeschränkte Blick nach hinten.

Going wild

Galerie: Erster Test VW SciroccoDoch richten wir die Augen lieber nach vorn, genau in die Richtung, in die der Scirocco so ungestüm drängt. Zumindest mit den zum Marktstart verfügbaren Motoren ist der Zweitürer sehr flott unterwegs. Zunächst läuft der Scirocco – wie auch auf unseren Testfahrten – mit zwei TSI-Benzinern mit 160 und 200 PS auf. Später wird die Motorenpalette noch nach oben und unten wachsen. Unter anderem wird es zwei Diesel mit 140 und 170 PS geben. Eine R-Version mit deutlich über 250 PS ist ebenfalls geplant.

Trotz der nur 1,4 Liter Hubraum sorgt der 160 PS starke Vierzylinder dank Turbo- und Kompressoraufladung für üppige Fahrleistungen. In Kombination mit dem Sechsgang-Schaltgetriebe dauert der 100-km/h-Sprint acht Sekunden und sind fast 220 km/h Spitze drin. Der Motor ist drehfreudig und spritzig, lediglich in manchem Situationen könnte der Twincharger noch etwas mehr Druck machen. Auf Wunsch lässt sich der 1,3-Tonner sparsam bewegen. Die von VW angegebenen 6,6 Liter kann man bei zurückhaltender Fahrweise unterbieten. Wer seinen Gasfuß nicht zügelt, wird aber Verbrauchswerte im zweistelligen Bereich hinnehmen müssen. Bei hoher Leistungsabfrage saufen selbst kleine Turbos ordentlich.

Mit GTI-Motor

Galerie: Erster Test VW SciroccoWer noch sportlicher unterwegs sein will, sollte zum Zweiliter-TSI-Motor greifen. Dieses Aggregat verrichtet sein Werk bereits im Golf GTI, verwöhnt im Scirocco allerdings mit einer etwas sportlicheren Akustik. Der sattsam röhrende Vierzylinder bringt immerhin 200 PS an die gelegentlich etwas überforderten Vorderräder. Der Motor ist sowohl mit Sechsgang-Schaltgetriebe und Sechsgang-DSG kombinierbar. Neben dem Komfortgewinn sorgt das DSG auch für kurze Schaltvorgänge und eine bessere Sprintzeit. Mit gut sieben Sekunden von 0 auf 100 und über 230 km/h Endgeschwindigkeit darf man sich zu den ganz Schnellen auf Deutschlands Straßen zählen. Und mit den von VW angegebenen 7,6 Litern Verbrauch ist man angesichts dieser Fahrleistungen sogar halbwegs sparsam unterwegs.

Querdynamiker

Galerie: Erster Test VW SciroccoDoch nicht nur bei der Längsdynamik kann der Scirocco beeindrucken. Wer gern besonders flott nach links und rechts pfeilt, findet im rassigen Wolfsburger einen tollen Spielkameraden. Unsere mit 18-Zoll-Rädern und 235er-Dunlop-Reifen ausgestatteten Testexemplare beeindrucken mit satter Straßenlage und präzisem Einlenkverhalten. Selbst in schnellen Kurven wankt der Wagen auch wegen seiner breiten Spur kaum. Die Karosserie ist steif, die Bremsen packen ordentlich zu.

Eine Empfehlung ist das adaptive Fahrwerkssystem DCC. Für 925 Euro kann man hier per Knopfdruck zwischen einer sportlichen, einer normalen und einer komfortablen Fahrwerksabstimmung wählen. Zwischen diesen Einstellungen gibt es einen spürbaren Unterschied. Neben dem deutlich härteren Fahrwerk in der Stellung Sport wird außerdem noch die Lenkung straffer. Wem das zu hoppelig ist, kann im Comfort-Modus entspannter weiter cruisen. Doch selbst in der soften Stellung dürfte der Volksrenner grobe Unebenheiten noch etwas geschmeidiger wegfiltern. Dafür lässt den Scirocco – auch in der Normalstellung  – das komplexe DCC-Sensoriksystem stets optimal auf der Piste kleben.

Sogar bezahlbar

Galerie: Erster Test VW SciroccoAm 29. August 2008 startet der Scirocco in Deutschland. Das 122 PS starke und 21.750 Euro teure Basismodell soll allerdings erst einige Wochen später verfügbar sein. Nach einem Schnäppchen klingt dieser Einstiegspreis eigentlich nicht. Doch immerhin verfügt bereits die Basis über bemerkenswerte Details wie 17-Zoll-Alus, Lenkrad und Handbremshebel in Leder, Sportsitze, elektrische Fensterheber, Klimaanlage, ESP, sechs Airbags, Multifunktionsanzeige und Sportfahrwerk. Die stärkeren Versionen mit 160 und 200 PS kosten 23.300 beziehungsweise 25.500 Euro.

Zu den wohl wichtigsten Mitbewerbern des Scirocco zählen der Volvo C30 und der BMW 1er. In beiden Fällen sind die etwa 120 PS starken Benzinvarianten zwar jeweils günstiger als der Basis-Scirocco, ausstattungsbereinigt hat jedoch der VW die Nase vorn, dank seiner serienmäßigen Extras ist sein Preisvorteil sogar erheblich. So kostet ein vergleichbarer dreitüriger BMW 116i rund 3.000 Euro mehr als der Referenz-Scirocco.

Fazit

Der neue Scirocco wird ein Hit. Dabei sind es nicht die sonst VW-typischen Argumente der Vernunft, die für ihn sprechen. Vielmehr kommt der knackige Zweitürer erfrischend anders und als besonders emotionales Auto angebraust. Darüber hinaus ist sein betont sportliches Fahrwerk garant für besonders dynamische Fahrfreuden. Die restliche Technik ist hinlänglich bekannt und bewährt und sorgt ihrerseits für ebenfalls viel Fahrspaß. Dank seiner guten Ausstattung ist der Scirocco zudem ein attraktives Angebot. Und für ein Sportcoupé bietet der Viersitzer viel Platz. Doch warum spricht VW eigentlich von einem Coupé? Angesichts des Steilhecks erscheint diese Bezeichnung etwas unpassend.

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