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Erster Test: Audi A4 Facelift

Erster Test: Audi A4 Facelift

Neue Mitte

01.12.2011

Die automobile Mittelklasse rüstet sich. Anfang des Jahres hat Mercedes seine C-Klasse aufgefrischt, erst vor wenigen Wochen feierte der komplett neue 3er BMW seine Premiere. Klar, dass Audi jetzt nachziehen muss: ab Ende Januar 2012 steht der überarbeitete A4 beim Händler.

Erster Test Audi A4 FaceliftDen Begriff Facelift mag man in Ingolstadt nicht; dort spricht man lieber von Modellpflege. Im Falle des Audi A4 auch vollkommen zu Recht, denn optisch, also im Gesicht, hat sich nur wenig verändert. Der Singleframe-Kühlergrill ist nun an den oberen Ecken leicht angeschnitten, Lufteinlässe und Nebelleuchten wurden überarbeitet und die etwas modifizierten Scheinwerfer tragen nun – in Kombination mit dem XenonPlus-Paket – ein Tagfahrlicht mit markanten LED-Leuchtbändern. LED-Technik kommt auch, ebenfalls nur optional, bei den neugezeichneten Heckleuchten zum Einsatz.

Nachgebessert hat Audi vor allem im Innenraum. Ernteten Materialien und Verarbeitung bei der Vorstellung vor inzwischen vier Jahren noch Kritik, so findet sich jetzt kaum Anlass mehr zum Tadel. Nur die überarbeiteten Lenkstockhebel für Blinker und Scheibenwischer wirken in der Neuauflage wenig filigran und kommen etwas altbacken daher.

Mehr Qualität, leichtere Bedienung

Erster Test Audi A4 FaceliftNicht nur der Gesamteindruck in Sachen Anmutung hat sich verbessert, auch an der Bedienung haben die Techniker noch gefeilt: das Infotainmentsystem MMI kommt jetzt mit nur noch vier Tasten rund um den Dreh-Drück-Knubbel aus und die Sitzheizung und –kühlung kann direkt per Tastendruck und nicht mehr über ein zusätzliches Drehrad reguliert werden. Auch das Fahrdynamiksystem Drive Select kommt ab sofort mit einer einzigen Taste aus.

Den Schwerpunkt bei der Modellpflege hat Audi eindeutig auf die Motoren gelegt, die allesamt sparsamer geworden sind; im Durchschnitt um elf Prozent. Gleichzeitig haben die meisten Aggregate an Leistung und Drehmoment zugelegt. Mit sieben Dieseln und vier Benzinern – allesamt mit Stopp-Start-Technik – für Limousine und Avant deckt Audi ein Leistungsspektrum von 120 bis 333 PS ab; für den ebenfalls aufgefrischten A4 Allroad quattro wird es nur zwei Selbstzünder und einen Ottomotor geben.

Viele Diesel

Erster Test Audi A4 FaceliftErstaunlich ist die geringe Spreizung der Leistungswerte bei den Dieseln; fünf der sieben angebotenen Varianten basieren auf dem 2.0 TDI, er leistet 120, 136, 143, 163 oder 177 PS. Das sparsamste Modell ist dabei nicht das schwächste, sondern die 136-PS-Variante. Sie soll sich im europäischen Mittel mit 4,2 Liter Treibstoff begnügen, wird aber nicht mehr wie bisher als TDIe vermarktet. Nur 0,2 Liter mehr schluckt die 163 PS starke Ausführung.

Aus dem Programm genommen hat Audi den 190 PS starken 2.7 TDI, seine Rolle nimmt eine 204 PS starke Variante des V6 3.0 TDI. Er soll sich übrigens mit 4,9 Liter Kraftstoff begnügen. Die Diesel-Spitze markiert eine 245 PS starke Ausbaustufe, die es für rund 1.300 Euro Aufpreis auch in einer besonders sauberen, Euro-6-tauglichen Clean-Diesel-Version gibt.

Neuer Benziner

Schon eher einen Neuling in der Motorenpalette gibt es auf Benzinerseite. Neben dem alten Einstiegsmodell 1.8 TFSI mit 120 PS (Verbrauch: 6,5 Liter) gibt es ab sofort das gleichnamige, aber dennoch neue und vor allem sparsamere Aggregat mit 170 Pferdestärken, dass kürzlich im überarbeiteten A5 seine Premiere feierte.

Erster Test Audi A4 FaceliftDer neue 1.8er ersetzt die 160-PS-Version alter Bauart und soll nur 5,7 Liter verbrauchen – also 18 Prozent weniger als bisher. Möglich machen dies eine neue Ventilsteuerung, innovatives Thermomanagement, eine Überarbeitung von Turbolader und Einspritzanlage (direkte und indirekte Einspritzung wurden kombiniert) sowie die Integration des Abgaskrümmers in den Zylinderkopf.

Durchzugsstark und kultiviert

Soweit die Theorie: In der Praxis gefällt der mit 320 Newtonmeter Drehmoment ausgestattete Motor durch seinen kraftvollen Antritt und seine Drehfreude. Aus dem Drehzahlkeller heraus – das Maximum liegt schon bei 1.400 U/min an – geht es flott voran, willig wandert die Nadel des Tourenmessers bis auf fast 7.000 Umdrehungen. Je weiter der Zeiger nach rechts kommt, desto kerniger klingt das ansonsten äußerst leise Aggregat. Tempo 100 kann man in  8,1 Sekunden erreichen, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 230 km/h.

Neben der ansprechenden Kraftentfaltung glänzt das Triebwerk nicht nur mit ruhigem, sondern auch mit äußerst kultiviertem und vibrationsarmen Lauf. Die beiden Ausgleichswellen erfüllen ihre Aufgabe mit Bravour und schon bei knapp über 1.000 Umdrehungen lässt sich der A4 1.8 TFSI wunderbar fahren; der Blick auf den Drehzahlmesser sorgt da häufig für Überraschungen.

Manierlicher Sechs-Zylinder

Erster Test Audi A4 FaceliftAusgesprochen manierlich zeigt sich auch der 3.0 TFSI, ein kompressorgeladener V6, der den bisher verbauten 3,2-Liter-Sauger ersetzt; es handelt sich dabei um das gleiche Aggregat wie schon im S4, wo der Motor weiterhin unverändert 333 PS leistet.

Zum dieselähnlichen Durchzug seiner 400 Newtonmeter gesellt sich ein sonorer Sechs-Zylinder-Klang, den Standardsprint absolviert der A4 so in 5,9 Sekunden, bei Tempo 250 wird der Vortrieb gebremst. Den Normverbrauch beziffert Audi auf 8,1 Liter. Ergänzt wird das Benziner-Angebot noch um den 2.0 TFSI, der nun 211 statt 200 PS leistet

Allrad und drei Getriebevarianten

Nicht nur bei den Motoren hat der A4-Kunde die Qual der Wahl, weiterhin bietet Audi für die meisten Modelle optional, bei manchen serienmäßig, den Allradantrieb quattro an. Außerdem stehen drei Getriebe zur Wahl. Die größtenteils ab Werk verbaute, manuelle Sechs-Gang-Schaltung kann auf Wunsch durch eine Automatik ersetzt werden: bei den Fronttrieblern ist dies die stufenlose Multitronic, bei den quattro-Modellen das Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe S-Tronic. Sowohl letzteres als auch der Handschalter machten bei unserer Ausfahrt eine prima Figur.

Erster Test Audi A4 FaceliftAm straffen, aber nicht zu harten Fahrwerk (optional gibt es ein Sport- und das tiefergelegte S-Line-Fahrwerk) hat Audi nichts geändert, wohl aber an der Lenkung. Statt des konventionellen elektrohydraulischen Systems kommt jetzt eine elektromechanische Lenkung zum Einsatz, die vor allem eins soll: Sprit sparen. Bis zu 0,3 Liter je Kilometer sollen sich so einsparen lassen, da bei Geradeausfahrt keinerlei Energie für den E-Motor aufgewendet werden muss. Bisher musste die Hydraulikpumpe fortwährend betrieben werden.

Automatische Lenkeingriffe

Unterschiede zum bisherigen System waren bei unserer ersten Testrunde nicht festzustellen, die Lenkung glänzt mit ausgesprochenem Leichtgang, hoher Präzision und guter Rückmeldung. Allerdings arbeitet die neue Lenkung nun mit den Fahrerassistenzsystemen zusammen und kann in Verbindung mit dem Spurhalteassistenten aktiv eingreifen, wenn ein ungewollter Spurwechsel droht.

Weiterhin gibt es die Dynamiklenkung, die nicht nur die Lenkkraftunterstützung sondern auch die Übersetzung je nach Geschwindigkeit anpasst. Einfluss auf die Lenkung (und je nach Ausstattung auf Getriebe, Gaspedalkennlinie, die adaptive Dämpferregelung und den Abstands-Tempomat) hat auch das Fahrdynamik-System Drive Select, dass neben den bekannten Modi Auto, Comfort, Dynamic und Individual jetzt um die Betriebsart Efficiency ergänzt wurde; dann wird auch die Klimaanlage beeinflusst und auf Effizient getrimmt.

Mach mal Pause

Erster Test Audi A4 FaceliftNeben dem erwähnten Spurhalteassistenten und dem Abstandstempomaten, der mit Hilfe des integrierten Not-Bremsassistenten unter 30 km/h nun auch eine Vollbremsung einleiten kann, bietet Audi weiterhin den Tot-Winkel-Sensor und neuerdings einen Müdigkeitswarner an. Dieser ist außer bei den Einstiegsmotoren serienmäßig an Bord und überwacht die Lenkbewegungen sowie Schalter- und Pedalbetätigungen des Fahrers. Erkennt das System Müdigkeitssymptome wird der Fahrer zur Pause aufgefordert.

Damit den Beifahrern während der Fahrt nicht langweilig wird, hat Audi den A4 mit seinem Online-System Connect ausgestattet. Auf Wunsch lässt sich so im Wageninneren ein Wlan-Hotspot einrichten, über dem sich bis zu acht Geräte mit dem Internet verbinden können – mit UMTS-Geschwindigkeit. Gleichzeitig bindet das System Google Maps in das Navigationssystem ein und erlaubt etwa eine Satellitendarstellung. Routen können zudem zu Hause gespeichert und dann im Auto abgerufen werden.

Handydaten zur Stauprognose

Die 890 Euro teure Online-Technik bringt außerdem das Verkehrsinformationssystem online mit, das weit über das bekannte, radiogesteuerte TMC hinausgeht. Statt nur auf vorgegebenen Staumeldungen basiert das System auf Handy- und GPS-Daten und kann so detaillierte Auskunft über Staus und Behinderungen geben.

Als Datenbasis dienen unzählige Navigationssystem und Smartphones, deren Standort anonymisiert bestimmt und ausgwertet wird. Bewegt sich etwa ein Handy auf einer als Autobahn deklarierten Straße mit nur 20 km/h vorwärts, schließt das System auf eine Verkehrsstörung und bindet die Information in das Navigationssystem ein. Anders als TMC funktiniert dies auch auf Landstraßen und in der Stadt. In den ersten drei Jahren sind die Infos kostenlos, danach lässt sich Audi dafür bezahlen.

Ein wenig fragwürdig ist bei der ganzen Sache die Beschaffung der Daten, die von den Handynetzbetreibern über einen Dienstleister an Audi – und auch andere Hersteller – verkauft werden. Zwar sind alle Informationen anonymisiert, doch haben Smartphone-Anwender, wie auch GPS-System-Nutzer, keine Möglichkeit, dieser Verwendung zu widersprechen.

Rund 7.000 Euro Extra-Ausstattung

Erster Test Audi A4 FaceliftAlle Preis für den neuen Audi A4 sind momentan noch nicht bekannt, fest steht der Einstiegspreis für den 120-PS-Diesel mit 29.900 Euro, das sparsamste 136-PS-Modell kostet 32.000 Euro. Was der Basisbenziner kostet, ist noch offen, der neue 1.8 TFSI mit 170 PS schlägt mit 30.900 Euro zu Buche. Für den Sechs-Zylinder müssen bei den Dieseln mindestens 39.050 Euro bezahlt werden, der 3.0 TFSI auf Benzinerseite ist noch nicht eingepreis. Für den Kombi verlangt Audi jeweils 1.650 Euro Aufschlag; den auf Offroad-optik getrimmten Allroad quattro gibt es 177-PS-Diesel ab 39.850 Euro.

Wie gehabt gibt es den Audi in den drei Austattungsvarianten Attraction, Ambition und Ambiente. Und durch die reichlich angeboten Zusatzausstattung lässt sich der Grundpreis problemlos in die Höhe treiben. Im Durchschnitt geben A4-Käufer rund 6.500 Euro für Extras aus. Einen Großteil dessen dürfte bei den meisten das Navigationssystem mit 2.100 beziehungsweise 2.810 Euro für das noch umfangreichere Plus-System ausmachen. Letzteres ist nötig, um  die Online-Dienste voll ausnutzen zu können.

 
Fazit
Erster Test Audi A4 Facelift

Michael Gebhardt

Dass Audi den A4 optisch nahezu unberührt gelassen hat, ist nicht schlimm. Das Design kann sich auch nach vier Jahren noch sehen lassen und die kleinen, durchgeführten Retuschen an den Scheinwerfen und dem Kühlergrill reichen, um etwas neuen Schwung rein zu bringen. Umso wichtiger war die Überarbeitung des Innenraums, die Audi gelungen ist; endlich entspricht der A4 dem Premium-Anspruch der Marke.
 

Auch bei der Pflege der Motorenpalette hat man Ingolstadt gute Arbeit geleistet. Die Aggregate sind zwar, sieht man von dem grundlegend modifizierten 1.8 TFSI ab, nicht wirklich neu, wurden aber allesamt sparsamer und die meisten dazu noch etwas leistungsstärker. Vor allem der erwähnte Benziner gefällt durch seinen äußerst ruhigen, kultivierten Lauf und dem – zumindest auf dem Papier – genügsamen Umgang mit Treibstoff.

 

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