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Galerie: Erster Test Audi A6 Allroad Quattro

Erster Test: Audi A6 Allroad Quattro

Hoch hinaus

30.03.2012

Mit der dritten Ausgabe des Allroad Quattro schließt Audi eine weitere Lücke im Programm des A6. Doch außer dem üblichen Geländewagenzierrat hat der Kombi erstaunlich wenig von dem Charme seiner Ur-Version geerbt.

Als vor ziemlich genau vor zwölf Jahren der erste Audi A6 Allroad in einem Werbespot einen Tonnen schweren Lkw am Abschlepphaken durch die Wüste zog, begann für Audi ein Abenteuer. Bis dato hatten die Ingolstädter mit geländegängigen Fahrzeugen kaum etwas am Hut, sah man von den Bundeswehrentwicklungen des Munga oder des Iltis einmal ab. Der auf dem Audi A6 der zweiten Generation basierende A6 Allroad startete mit rustikalen Anbauteilen an Front und Heck, schwer zu reinigenden aber markanten Doppelspeichenfelgen und einem unlackierten Dach in mattschwarz. Das sah trendy aus und betonte die rustikale Note des Allroad.

Galerie: Erster Test Audi A6 Allroad QuattroDoch Ausgabe Eins war mehr als nur ein Boulevardposer. Er verfügte dank einem in der Höhe verstellbarem Luftfederfahrwerk (208 mm Bodenfreiheit), permanentem Allradantrieb und optionaler Geländeuntersetzung über echte Nehmerqualitäten. Der bis dato unbehelligten SUV-Konkurrenz gefror angesichts der unerwarteten Fähigkeiten des Audi Allroad das hämische Grinsen über den zu erwartenden Flop der Audianer im Gesicht. Mit insgesamt drei Motoren hielt sich der geländetaugliche A6 immerhin vier Jahre im Programm und verkaufte sich vor allem in den Alpenländern recht ordentlich.

Dass der erste Gelände Audi bis heute beliebt ist, zeigt sich auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Bereits heute gehören gut erhaltene Exemplare auf die Einkaufsliste der Youngtimer-Liebhaber und liegt das Preisniveau entsprechend hoch.

Ohne Geländeambitionen

Galerie: Erster Test Audi A6 Allroad QuattroAusgabe drei des Audi Allroad, die ab Mai 2012 bei den Händlern steht, dürfte ein solcher Aufstieg in die Liebhaberkreise vermutlich verwehrt bleiben. Wie auch schon bei dem ab 2005 gebauten Vorgänger setzt Audi auf die Reduzierung der Geländefähigkeiten und macht aus der Allroad-Conversion einen besseren Bordsteinkrabbler. Klar das auch dieser Allroad über die mittlerweile zum guten Ton gehörenden Alutrittleisten und Aluschürzen verfügt. Angesichts der epedimieartigen Verbreitung dieser Bauteile im Volkswagen Konzern wäre alles andere auch eine Verschwendung von Ressourcen der zentralen Einkaufsabteilung gewesen.

Doch darüber hinaus bietet der A6 Allroad Quattro nicht mehr oder weniger als jeder herkömmliche A6 Avant. Das heißt zunächst einmal eine ansehnliche und hervorragend verarbeitete Karosserie samt einem großzügigem Innenraum. Kleine aber teure Helfer, wie die elektrisch per Knopfdruck öffnende Heckklappe oder das durchdachte Stau- und Lagersystem im Kofferraum erleichtern den Umgang mit dem Allroad. Optionale Ledersitze, High-End-Navigation mit Google-Anbindung und allerlei Assistenzsysteme sind naturgemäß auch für den Allroad Quattro lieferbar, was diesen im Alltag zu einem sehr entspannten und sehr perfektem Automobil qualifiziert. Nur all das kann und hat ein normaler Audi A6 Avant eben auch. Was also soll einen bewegen, sich mit der immerhin rund 4.000 teuren Option "Allroad" auseinanderzusetzen?

Nur für Waldwege

Galerie: Erster Test Audi A6 Allroad QuattroAudis Antwort liegt tief im Marketing verborgen. Der Allroad Quattro soll vor allem für Menschen mit urbanem Freiheitsdrang sein. Also nicht für Förster und Jäger oder gar Wüstenpioniere, sondern eher für den zünftigen Ausflug in die Lüneburger Heide mit sandigem Waldparkplatz. Im Rahmen dieser eher freizeitorientierten Auslegung wäre dann auch Zeit genug, um das Offroad-Gimmick der MMI zu erforschen. Audi hat dazu bei echten Geländegängern Muster geschaut und bietet auf Knopfdruck eine Neigungswinkelanzeige. Hübsch anzusehen, doch in Anbetracht der Fahrzeuggesamtauslegung ein weitgehend überflüssiges Detail.

Zur Ehrenrettung von Audi muss man allerdings feststellen, dass es offenbar eine nicht unerhebliche Anzahl von Kunden gibt, die die Barbour-Wetterjacke bei Regen mit einem Schirm schützen, statt ihr etwas Patina zuteilwerden zu lassen. Der Erfolg der zahllosen "Cross"-, "Alltrack"- und "Track"-Versionen gibt den Marketingabteilungen recht. Und wer unbedingt ins Gelände will, dem stehen im Audi-Modellprogramm zahlreiche "Q"-Modelle zur Verfügung, die in unwegbarem Terrain besser aufgehoben sind als die im Grunde ihrer C7-Plattform völlig bodenständige A6-Allroad-Quattro-Version.

Allroad-Konzept mit hoher Alltagstauglichkeit

Galerie: Erster Test Audi A6 Allroad QuattroAuf der Straße spielt der mit insgesamt vier Sechszylinder-Motoren lieferbare Gelände A6 dagegen in der ersten Liga. Dank seines aufwändigen Luftfederfahrwerks liegt der Ingolstädter in jeder Situation perfekt, zeigt keinerlei Schwächen im Kurvenfahrverhalten und auch das von früheren A6-Modellen bekannte und häufig kritisierte Stuckern der Vorderachse ist längst Geschichte. Wenn es schnell gehen muss, senkt sich der A6 Allroad Quattro um 15 Millimeter ab und verbessert so noch einmal die Fahrdynamik.

Für Feld, Wald und Flur dagegen lässt sich der ausschließlich als Kombi lieferbare A6 um bis zu 35 Millimeter aus seiner Normalposition nach oben fahren und ermöglicht so  zumindest das Befahren des ausgewaschenen Feldwegs zur Berghütte. Für schweres Gelände hingegen fehlt es dem Audi neben einer entsprechenden Abdichtung der Karosserie und grobstolligen Geländereifen auch an den bei 4x4-Fahrzeugen oft üblichen manuellen Differentialsperren. Der Allroad Quattro belässt es bei seinem von der Straßenversion bekannten selbstsperrendem Mitteldifferential und sorgt ansonsten über einen Bremseneingriff für eine Verbesserung der Traktion

Starkes Zugfahrzeug

Galerie: Erster Test Audi A6 Allroad QuattroBesser als unebenes Terrain beherrscht der Audi dagegen die Disziplin des Anhängerziehens. Gleich, ob es den Pferdeanhänger oder das Segelboot zu transportieren gilt, mit einer unschlagbaren Anhängelast von 2.500 Kilogramm und einem variablem Allradantrieb setzt der Audi die Maßstäbe in seiner Klasse. Dazu darf auch reichlich Zuladung an Bord und aufs Dach. Der A6 Allroad Quattro darf 100 Kilogramm auf seine serienmäßige Dachreling laden. Wem das immer nicht reicht, dem setzt der bis zu 1.680 Liter große Kofferraum kaum Grenzen. Der beinhaltet sogar eine Schmutzwanne unterhalb der Ladefläche. Ein durchdachtes Detail, was sich im Alltag bestens bewähren dürfte, etwa wenn es um die Unterbringung dreckiger Schuhe geht.

Erwartungsgemäß setzt Audi im 1.930 Kilogramm schweren Allroad Quattro ausschließlich auf kräftige Sechszylinder-Motoren. Angesichts des hohen Fahrzeuggewichtes dürften insbesondere die beiden 3,0-Liter-V6-Dieselmotoren mit 245 und 313 PS bei den Kunden hoch im Kurs stehen. Die Topversion übertrifft mit einem Drehmoment von 650 Nm zwischen 1.450 bis 2.800 U/min den Wert der Ur-Version aus dem Jahr 2000 um nahezu das Doppelte und brennt mit einer Beschleunigung von 5,6 Sekunden auf 100 km/h sportwagengleiche Werte in den Asphalt.

Dabei benimmt sich der Bolide durchaus zutraulich. In Verbindung mit der serienmäßigen 8-stufigen Tiptronic, lässt sich der A6 Allroad Quattro sowohl ökonomisch-komfortabel als auch extrem dynamisch bewegen. Dann allerdings muss die feinsinnige Besatzung damit leben, dass der herkömmliche Wandlerautomat seinem Stress etwas Luft macht und unangenehme Öldünste via Klimaanlage in den Innenraum bläst. Ein Problem, mit der die schwächeren Dieselmodelle und der einzig verfügbare Benziner (310 PS) nicht zu kämpfen haben. Sie verfügen mit ihrer 7-Gang S-tronic über die bekannte Doppelkupplungs Technologie und verzichten somit auf einen Drehmomentwandler samt dessen Ölhaushalt.

Teure Extratour

War Audi’s erster A6 Allroad mit einem Grundpreis von umgerechnet 45.000 Euro aus heutiger Sicht noch ein Schnäppchen, so ist die aktuelle Ausgabe in ihrer Einstiegsvariante nicht unter 55.000 Euro zu bekommen. Doch Audi gibt sich selbstbewusst und spekuliert darauf, dass so mancher A7 oder A8 Kunde den praktischen Alleskönner als Alternative einplant. Dann dürften, wie beim Vormodell auch, die 62.100 Euro für das 313 PS starke Topmodell, nur der Beginn einer längeren Odyssee durch die seitenlange Aufpreisliste sein. Ein Effekt, der insbesondere bei Audi gern gesehen sein dürfte.

Fazit

Mit dem A6 Allroad Quattro nimmt Audi die Möglichkeiten des Weltkonzerns Volkswagen wahr, eine optimale Ausnutzung der Ressourcen zu bieten. Allradantrieb, bärenstarke Dieselmotoren und etwas Geländewagenflair machen aus dem Oberklasse-Audi zwar noch keinen Gipfelstürmer, machen aber auf dem Après-Ski-Parkplatz eine gute Figur.

Der nur bedingt geländegängige Lifestyle-Kombi bietet auf höchstem Qualitätsniveau genau dass, was seine Kunden erwarten. Viel Show, eine perfekte Antriebstechnologie und ein gesteigertes Maß an Individualität. Die Illusion, einen echten Offroader zu fahren gibt es dazu – ganz untypisch für den Hersteller sogar kostenlos.  

 
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