Dem Traumwagen ein Stück näher. Worauf Sie beim Youngtimer achten müssen.
"Auf die Dauer hilft nur Power", lautet ein beliebter Tuner-Spruch. Audi nimmt das wörtlich und stellt mit dem A8 4.2 TDI quattro eine Luxuslimousine vor, die jederzeit grenzenlose Kraft bietet. Ein Luxus der ganz anderen Art, wie wir finden.
Über den A8 an sich, als Oberklasse-Limousine mit sportlichen Ambitionen, brauchen wir nicht viele Worte zu verlieren. Der Innenraum ist schlicht, gelungen und wohltuend schlank. Das Design ist selbstbewusst und zeigt jetzt in allen Motorisierungen den mit dem 12-Zylinder eingeführten Single-Frame Grill. Und das Fahrwerk ist - vor allem in Verbindung mit dem permanenten Allradantrieb quattro - eine nahezu perfekte Verbindung von Souveränität und Sicherheit.
Von Hause aus steht der A8 gut im Futter,
gerade der 4,2 Liter V8-Benziner konnte uns schon überzeugen. Doch rund 70 Prozent der A8-Kunden verlangen
nach einem potenten Dieselaggregat. Sie wurden bisher mit 275 PS bedient, die einem 3,9-Liter-Achtzylinder
entstammen. Der völlig neu konstruierte V8 4.2 Commonrail-Diesel bietet zwar ebensoviel Drehmoment (650
Newtonmeter),
jedoch schon bei
niedrigen 1.600 Touren. Und er legt vor allem in der Leistung deutlich
nach und stellt jetzt 326 PS bereit. Hier muss sich auch der Pumpe-Düse-V10 im Phaeton geschlagen geben,
der allein beim Drehmoment (750 Newtonmeter) noch die Spitze in der Oberklasse markiert.
Doch sind das zunächst nur Papierwerte, ebenso wie die Beschleunigung aus dem Stand auf Tempo 100, die im Datenblatt mit einem Wert von 5,9 Sekunden (!) vermerkt ist.
Nichtraucher
Topmotorisierungen werden bei Audi immer mit dem quattro-Antrieb gekoppelt, der über ein Torsen-Differential die Drehmomente zwischen den beiden Antriebsachsen regelt. Ansonsten würden sich die 650 Newtonmeter an der Vorderachse innerhalb von Augenblicken in nach Gummi stinkenden Rauchwolken auflösen.
Schon
auf den ersten Metern mit dem neuen 4.2 TDI hält man das Datenblatt für einen Fehldruck, denn der A8
bricht los wie die sprichwörtliche Sau. Dieseltypisch ist dabei die leichte Verzögerung beim Ampelstart,
bevor der Gaspedalbefehl in Schub umgewandelt ist. Doch schon knapp über Leerlaufdrehzahl räkelt sich
das Drehmoment und schüttelt quasi mit links Wucht ans Automatikgetriebe, dass es einen
nachdrücklich in die Rückenlehne presst. Haben die beiden Turbolader erst mal richtig Druck aufgebaut,
wird das Drehmoment so richtig wach und will ein bisschen mit den Muskeln protzen. Turboloch? Mangelnde
Drehfreude?
Ganz im Gegenteil.
Nachgelegt
Völlig
Diesel-untypisch legt der V8 bei 3.000 Umdrehungen noch mal zwei Brickets nach - egal in welchem der sechs ZF-Automatik-Gänge. Bei 4.000 Touren legt der TDI sogar drei Brickets drauf
und die Post geht richtig ab wiederum bei jedem Tempo. In unserem Testwagen ging die Beschleunigungsorgie bis knapp 280 km/h, mehr
wurde nur durch am Horizont auftauchende andere Autobahnnutzer verhindert.
Doch
seine Topspeed normalerweise bei 250 km/h abgeregelt ist nicht das Faszinosum des neuen A8. Es ist vielmehr die Unbekümmertheit der Leistungsentfaltung:
Dem Motor ist es völlig egal, ob bei 80, 150 oder 200 der Gasfuß "Mehr!" befiehlt: Die urzeitliche
Gewalt des Diesel fällt derart gnadenlos über den Antriebstrang her, dass man sich auf Augenhöhe mit
einem Jetpiloten
wähnt.
Der Vollständigkeit halber seien noch weitere Neuerungen beim A8 genannt, denn der Powerdiesel (ab 81.000 Euro) ist nicht das einzige Novum.
Die neue Basismotorisierung stellt ab sofort der 3.2 Liter FSI Benziner mit 260 PS (ab 60.900 Euro) dar, der den bisherigen 3-Liter ersetzt. In Verbindung mit der 7-Gang-Automatik empfiehlt er sich als entspannender Reisebegleiter, der gerne auch mit über 200 über die Autobahn gleitet.
Lichttechnisch
bieten die A8 jetzt erstmalig Abbiege- Kurven- und Tagfahrlicht in Verbindung mit dem empfehlenswerten
Xenon-Licht. Multimedial ist ein digitaler DAB-Radiotuner erhältlich, ebenso wie digitales Bordfernsehen.
Bang und Olufsen stellt ab Herbst die Top-HiFi-Version im A8 mit nicht weniger als 14 Aktivlautsprechern
und 1.000 Watt Gesamtleistung.
Der 12-Zylinder Topversion des A8 (ab 107.000 Euro) bleiben die neu entwickelten Keramikbremsen vorbehalten. Sie sparen pro Rad fünf Kilo Gewicht und zeichnen sich durch besonders hohe Standfestigkeit aus. Sie sind durch rote Monoblock-Bremssättel erkennbar, die gelochten Composit-Scheiben erkennt man erst auf den zweiten Blick. Audi wirbt für diese Hightech-Option mit einem mehr an Komfort, obgleich eine Keramikbremse ihre Vorteile nicht im Alltag, sondern auf der Rennstrecke ausspielen kann. Alleine die viermal längere Haltbarkeit (ca. 300.000 km) mag man als Alltagsargument gelten lassen, doch auch das relativiert sich schnell bei einem Aufpreis von wahrscheinlich über 7.000 Euro. Für den A8-Piloten, der sonst schon alles hat, sind sie aber genau das letzte Quäntchen zum Glück.
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