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Galerie: Erster Test Audi A8 Hybrid

Erster Test: Audi A8 Hybrid

Sanfte Gefühle

04.04.2012

Oberklasse neu erleben, frei von dem schlechten Gewissen, beim nächsten Ampelstart wieder einmal zur Gewinnmaximierung der Mineralölfirmen beigetragen zu haben. Mit dem neuen Audi A8 Hybrid kommt diese Vorstellung der Wirklichkeit ein ganzes Stück näher.

Von außen ist alles wie immer. Der Audi A8 Hybrid glänzt zwar bei Bedarf in der ihm exklusiv vorbehaltenen Farbe Arktissilber, doch weniger Eingeweihte würden die besondere Stellung dieses A8 innerhalb des Modellprogramms weder an der Farbe noch an seinen turbinenartigen 19-Zoll-Aluminiumfelgen  erkennen. Nein, von außen ist dieser erste Audi Hybrid der Oberklasse schlicht ein normaler A8. Unter dem Aluminium dagegen zieht Audi alle Register, um dem Slogan "Vorsprung durch Technik" aus den 1980er Jahren alle Ehre zu machen.

Technische Anleihen beim A6 Hybrid

Wie schon bei dem vor kurzem vorgestellten Audi A6 Hybrid setzt Audi auf die Kombination des Tausendsassa 2,0-Liter-FSI mit einem Elektromotor in einem Antriebsstrang. Aus Platz- und Kostengründen treiben beide Aggregate ausschließlich die Vorderräder des A8 Hybrid an. Der makentypische Allradantrieb "Quattro" ist für den Hybrid nicht vorgesehen.

Galerie: Erster Test Audi A8 HybridParallelhybrid nennen das die Fachleute und damit unterscheidet sich diese Form des Hybrid von anderen Systemen, etwa dem des Peugeot 3008 Hybrid4, wo der Elektromotor und der Verbrenner je eine Achse antreiben und so zumindest in einigen Betriebsmodi einen Antrieb aller Räder realisieren. Die Antriebsversion der Ingolstädter bietet den Vorteil, dass die Umsetzung mit verhältnismäßig einfachen Mitteln möglich war. Zwar bedingte der erstmalige Einsatz der 211 PS starken Vierzylinders-Turbos einige bauliche Veränderungen in der Aufhängung, das aus dem A6 Hybrid und dem Audi Q5 Hybrid bekannte Acht-Gang-Tiptronic-Getriebe mit integriertem Elektromotor konnte jedoch nahezu unverändert übernommen werden.

Der Clou dieser Konstruktion besteht darin, dass der vormals in der Getriebeglocke operierende Drehmomentwandler durch einen Elektromotor der Firma Sachs ersetzt wurde. Das spart Platz und Gewicht und macht die Einheit kompakt. Der Rest der Hybridtechnik ist dann auch nichts anderes als ein Griff in das mittlerweile gut gefüllte Regal der Entwicklungsabteilung des Volkswagen-Konzerns. Die kompakte Leistungselektronik sitzt im Motorraum und erhält den Strom via zweier üppiger Stromkabel von den über der Hinterachse thronenden Lithium-Ionen-Batterien mit einer Leistung von 1,3 kWh. Dazu bekommt der A8 im Kombiinstrument die obligatorische Fahrzustandsanzeige montiert und die Software des MMI um ein Leistungsflussdiagramm angereichert und fertig ist die Hybridversion, die ihre endgültige Adelung durch Schriftzüge in den Einstiegen erfährt.

Unmerkliche Wandlung

Galerie: Erster Test Audi A8 HybridGenauso unspektakulär wie sich die technische Beschreibung liest, fährt sich der neue A8 Hybrid dann auch. Nachdem ja außen und innen alles wie immer ist, bleibt genug Muße, sich auf das Zusammenspiel von Verbrenner und Elektroantrieb zu konzentrieren. Und auf die Frage, wie sich "nur" 211 PS zuzüglich 34 Elektro-PS in der schweren Limousine machen. Erste Antwort: Erstaunlich gut. Der Audi rollt elektrisch sanft aus den Startlöchern, beschleunigt munter und macht zu keinem Zeitpunkt mit einer fühlbaren Leistungsschwäche auf sich aufmerksam. Wer es eilig hat, kommt naturgemäß seltener in den Genuss des rein elektrischen Fahrens, als der geruhsame Fahrer, wobei die Übergänge der einzelnen Betriebsmodi den Ingenieuren so gut gelungen sind, dass es schon eines Blickes auf das Leistungsflussdiagramm der MMI bedarf, um herauszufinden, welcher Antrieb denn nun gerade für den Vortrieb sorgt.

Beim Druck auf die "EV" Taste am Armaturenbrett ist es ausschließlich der E-Motor. Er übernimmt seinen Solopart bis zu einer Geschwindigkeit von 100 km/h und auf einer Distanz von bis zu drei Kilometern. Ein Wert, der derzeit seinesgleichen auf dem Markt sucht. In anderen Betriebszuständen sorgt die ausgeklügelte Regeltechnik dafür, dass die Batterie regelmäßig nachgeladen wird. Auf eine separate Lademöglichkeit (Plug in) an der Netzsteckdose verzichtet Audi im A8 Hybrid. Wohl nicht zuletzt auch deshalb, weil es dem Oberklassekunde kaum zuzumuten gewesen wäre, bei Wind und Wetter sich mit einem schmutzigen Kabel herumzuärgern.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Audi A8
Version / Ausstattung   Hybrid
Motor    
Hubraum (ccm) / Bauart   1.984 / Hybridsystem R4-Turbobenziner und Synchron-Elektromotor
Leistung (kW / PS)   155 / 211 (Systemleistung: 180/245)
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   350 / 1.500 - 4.200
Antriebsart   Frontantrieb
Getriebeart   Acht-Gang-Automatik
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   5.137 / 1.949 / 1.460
Radstand (mm)   2.992
Wendekreis (m)   k.A.
Leergewicht (kg)   1.870
Kofferraum (Liter)   335
Bereifung Testwagen   255/45 R19
Verbrauch    
Krafstoffart   Benzin
Kombiniert laut Werk (l/100km)   6,3
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   147 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   k.A.
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   7,7
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   235
Preise    
ab (Euro)   77.700,00
Empfohlene Extras   k.A.
 
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Gutes Gefühl überwiegt

Galerie: Erster Test Audi A8 HybridDoch viel wichtiger als das nackte Zahlenwerk, ist das gute Gefühl mit dem man im Audi A8 Hybrid unterwegs ist. Speziell im Innenstadtbereich ertappt man sich immer wieder bei der diebischen Freude, den Fahrpedalwertgeber möglichst zurückhaltend zu behandeln, um den Einsatz des Verbrenners heraus zu zögern. Statt wie bislang Ampelstopps als nervige weil spritfressende Wartezeit zu registrieren, freut man sich auf das folgende sanfte Wiederanrollen und genießt das noble Ambiente im A8.

Mit einem elektrisch betriebenem Klimakompressor und einer elektrischen Servolenkung hat Audi für den klassengerechten Komfort gesorgt. Schade nur, dass die Entwickler nicht das nun endlich mögliche Assistenzsystem "Active Lane Assist" in den Hybrid einbauen durften, das den A8 vollautomatisch in der Spur hält. Dies hätte bei dem 235 km/h schnellen Audi für ein noch größeres Komforterlebnis gesorgt, denn der A8 Hybrid ist naturgemäß auf langen Strecken zu Hause. Dort, so meinen Kritiker, mache sich sein Hybridantrieb jedoch kaum bemerkbar, weshalb der Sinn des Einsatzes dieser Technik in einer Oberklasselimousine zumindest angezweifelt werden darf.

Vier Zylinder können Oberklasse

Galerie: Erster Test Audi A8 HybridNeben der Tatsache, dass naturgemäß die neue und teure Technik zunächst den solventen Kunden der Oberklasse zur Verfügung steht, bringt der A8 Hybrid aber auch die Erkenntnis, wie gut es sich mittlerweile auch in der Oberklasse mit nur vier Zylindern leben lässt. Das Motorengeräusch ist selbst bei hohen Drehzahlen dezent, die Beschleunigung auch im oberen Geschwindigkeitsbereich noch vehement und zur Not schiebt der E- Motor im Boost-Betrieb eben noch ein wenig mit, um den immerhin 1.870 Kilogramm schweren A8 in Schwung zu halten. Sicher, den fulminanten Schub der großen V8-Benziner oder Sechszylinder-Dieselmotoren kann diese Version nicht bieten, jedoch stellt man schnell fest, dass das im Hybrid Gebotene in nahezu jeder Fahrsituation ausreicht und der Wunsch nach zusätzlicher Leistung eigentlich nie aufkommt.

Neue Technologie hat ihren Preis

Wie zu erwarten, lässt Audi sich die Hybridtechnik im A8 Hybrid kräftig bezahlen. Aluminiumkarosserie, top Verarbeitung, ein hoher Sicherheitsstandard und die teure Antriebstechnik fordern ihr Tribut auf dem Konto. Mit einem Grundpreis von 77.700 Euro liegt der A8 Hybrid in der kurzen Version (die Langversion setzt später ein)  auf Augenhöhe mit dem annähernd gleichstarken 3,0-Liter-Diesel, der mit einem Schadstoffausstoß von 169 g/km nur 22g/km mehr emittiert, dafür aber mit dem Allradantrieb Quattro daherkommt. Doch den A8 Hybrid nur auf dieses nüchterne Zahlenspiel zu reduzieren, wäre zu kurz gegriffen. Vielmehr stellt er den Aufbruch in eine neue Autogeneration da, die deutlich macht, das weniger manchmal eben doch mehr sein kann.

 
Fazit
 

Sven Jürisch

Der neue Audi A8 Hybrid ist ein weiterer Beleg dafür, wie ausgereift die Hybrid-Technologie ist. Perfekte Übergänge der Betriebsmodi, ansprechende Fahrleistungen und das Ganze serviert in einem nahezu perfektem Auto. Letztlich bleibt , neben dem happigen Preis nur die Frage, warum Audi nicht auch einen A8 mit dem Vierzylinder ohne Hybrid ins Programm nimmt. Angesichts der durchaus zufriedenstellenden fahrdynamischen Qualitäten und dem Mindergewicht von rund 130 Kilogramm eine Version, die vermutlich auf Resonanz stoßen dürfte.
 
 
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