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Galerie: Erster Test Audi A8 L W12

Erster Test: Audi A8 L W12

Wo rohe Kräfte stilvoll walten

15.07.2010

Ab Oktober 2010 bietet Audi sein Flaggschiff A8 auch mit langem Radstand an. Die Passagiere dürfen sich auf mehr Platz freuen, die Chauffeure über den neuen Zwölf-Zylinder, der den A8 L stets kraftvoll, aber niemals ungehobelt antreibt.

Nicht jeder, der die 13 Zentimeter Raumgewinn der nun 5,27 Meter messenden Langversion genießen will, muss zum Zwölf-Zylinder greifen. Audi bietet den A8 L wie seinen kurzen Bruder auch mit zwei V6- und V8-Motoren an; jeweils gibt es einen Benziner (3.0 TFSI und 4.2 FSI) und einen Diesel (3.0 TDI und 4.2 TDI). Den neuen Zwölf-Zylinder dagegen gibt es ausschließlich mit langem Radstand.  

Hierzulande wird man beides nur selten antreffen, für den langen Radstand sollen sich in Europa gerade mal zehn Prozent aller Käufer entscheiden, immerhin die Hälfte davon wird zumindest in Deutschland dann aber vom W12 angetrieben werden. Das die Bundesrepublik allerdings nicht als Beispiel dient, zeigt ein Blick auf die Verkaufszahlen des Vorgängers. Weltweit rollen rund 50 Prozent der 150.000 verkauften A8 der zweiten Generation mit langem Radstand über die Straßen; vornehmlich über chinesische Straßen. Bedenkt man, dass für einen Chauffeur im Reich der Mitte gerade mal zehn Euro am Tag kalkuliert werden müssen, ist die Entscheidung für die Langversion verständlich.

Ruhe auf dem Sitz

Galerie: Erster Test Audi A8 L W12Schließlich ist der Komfortgewinn deutlich spürbar. Die 13 Zentimeter mehr Platz kommen gänzlich den Fondpassagieren zu Gute, die es sich auf den auf Wunsch elektrisch verstellbaren Rücksitzen bequem machen können. Anders als beim Vorgänger gibt es die individuell einstellbaren Sessel nun auch für den Fünfsitzer, früher musste dafür der Viersitzer mit fester Mittelkonsole geordert werden. Den gibt es auch weiterhin und als besonderes Schmankerl bietet Audi auf der rechten Seite nun einen Ruhesitz an.

Ordert man dieses rund 12.000 Euro teure Extra, lässt sich der Beifahrersitz per Knopfdruck nach vorne fahren, die Lehne neigt sich und die Kopfstütze klappt der besseren Aussicht wegen nach unten. Gleichzeitig fährt aus der Rückenlehne eine Fußablage aus und der Fonspassagier kann bequem die Beine hochlegen. Sitzheizung, -kühlung und Massagefunktion verstehen sich von selbst, und kühle Getränke hält der optionale Kühlschrank hinter der Mittelarmlehne bereit.

7.700 Euro für mehr Platz

Galerie: Erster Test Audi A8 L W12Dass der Ruhesitz, der für den W12 übrigens nur knapp die Hälfte kostet, so teuer ist, liegt vor allem an den Ausstattungsextras die zwingend mitbestellt werden müssen und die beim Top-Modell schon Serie sind. Dazu zählen neben der viersitzigen Ausführung unter anderem die Vier-Zonen-Klimaanlage und das Entertainmentsystem mit seinen beiden zehn Zoll großen Bildschirmen, auf denen die Fondpassagiere neben DVDs zum Beispiel auch die Landkarte des Navigationssystem anschauen können.

Der Aufpreis für die Langversion liegt bei den Sechs- wie Acht-Zylindern übrigens bei 7.700 Euro, ein Teil davon wird wiederum durch Mehrausstattung relativiert. So laufen alle A8 L serienmäßig mit Lederausstattung und Schiebedach vom Band. Trotzdem finden sich in der Preisliste noch reichlich Extras. So müssen etwa alle Fahrerassistenzsysteme wie Toter-Winkel-Warner oder Spurhalteassistent extra bezahlt werden.

Teure Sonderposten

Ein weiterer teurer Posten ist das High-End-Navigationssystem, das auf Wunsch Satelliten-Bilder von Google Maps einblendet und auch das Soundsystem von Bang & Olufsen stellt einen großen Posten dar. Eine nette Option ist außerdem das zweiteilige Panoramadach, das erstmals auch über eine Ausstellfunktion für die hintere Scheibe verfügt. Von den Preisen abschrecken lassen sich scheinbar nur die wenigsten: Der durchschnittliche A8-Käufer gibt zwischen 25.000 und 28.000 Euro für Sonderausstattung aus.

Galerie: Erster Test Audi A8 L W12Über Geld darf sich auch keine Gedanken machen, wer zum W12 greift. Denn für Audis Top-Modell müssen mindestens 137.000 Euro bezahlt werden – dafür sind die LED-Scheinwerfer, ein besonderer Kühlergrill und chromeingefasste Rückspiele ebenso Serie wie das W12 Logo am Kotflügel. Zum Vergleich: Der A8 L mit Sechs-Zylinder kostet als Benziner oder Diesel rund 80.000 Euro, die Acht-Zylinder sind für gut 95.000 Euro zu haben. Allerdings stehen dem Fahrer dann auch nur maximal 372 PS im 4.2 FSI zur Verfügung und damit 128 Pferdestärken weniger als im neuen W12.

Mehr Leistung, weniger Verbrauch

Galerie: Erster Test Audi A8 L W12Gegenüber dem Vorgänger, der vom im Grunde gleichen 6,3 Liter großen Zwölf-Zylinder angetrieben wurde, konnten die Ingenieure die Leistung auf glatte 500 PS anheben. Neben der um zwei Millimeter vergrößerten Zylinderbohrung ist die Umstellung auf Benzindirekteinspritzung die wohl bedeutenste Änderung, die auch großteils dafür verantwortlich sein dürfte, dass trotz des Leistungsplus der Verbrauch um zehn Prozent auf 12,4 Liter pro einhundert EU-Zyklus-Kilometer gesunken ist.

500 PS ist eine klare Ansage, mindestens genauso beeindruckend ist aber das Drehmoment. Zwar stellt der W12 – W deshalb, weil Audi quasi zwei V6-Motoren aneinander gebaut hat – seine maximale Kraft von 625 Newtonmetern erst bei 4.750 Touren bereit. Aber: Schon ab 1.800 Umdrehungen liegen 600 Newtonmeter an der Kurbelwelle an, die für enormen Durchzug sorgen. In Zahlen: 4,7 Sekunden bis Tempo 100, maximal 250 km/h – natürlich elektronisch abgeregelt.

Erste Tugend: Souveränität

Galerie: Erster Test Audi A8 L W12Wer allerdings brachiale Kraftentfaltung erwartet, der irrt. Wie es sich für einen Zwölf-Zylinder gehört, verhält sich das Aggregat kultiviert und zurückhaltend. Pubertäre Machtdemonstrationen sind im fremd, ruhig läuft das Triebwerk vor sich hin. Sobald der Fahrer aufs Gaspedal tritt, stellt der W12 freilich die gewünschte Leistung parat, schaltet die Acht-Gang-Automatik flink runter und prescht der A8 nach vorne.

Das alles aber geschieht ohne Aufheulen des Motors, ohne – dem quattro-Antrieb sei Dank – Traktionsprobleme und natürlich ganz ohne Mühen. Denn die allererste Tugend der Zwölf-Zylinder-Riege beherrscht auch der Audi A8 W12: Souveränität. Und das Gefühl, zu wissen, dass man könnte, wenn man denn wollte, ist oft mehr Wert als der eigentliche Sprint.

Handlich wie ein Kleinwagen

Auf die Fahreigenschaften hat der Längenzuwachs keinen Einfluss. Mit beeindruckender Leichtfüßigkeit lässt sich das fast 5,30 Meter lange Aluschiff (2.130 Kilogramm) nicht nur auf der Autobahn, sondern auch über mäandernde Landstraßen manövrieren, fast als wäre es ein Kleinwagen. Je nach Wunsch lassen sich Gasannahme, Automatik-Schaltprogramm, Lenkung und natürlich die Luftfederung individuell anpassen und der A8 wird vom sanften Gleiter, dessen Fahrwerk alle Unebeneheiten schluckt, zur Sportlimousine mit fast schon imponierender Agilität.

Galerie: Erster Test Audi A8 L W12Leistungsmäßig liegt der A8 L W12 übrigens unter seinen Wettbewerbern, preislich dafür im Mittelfeld. Für den 544 PS starken BMW 760 Li rufen die Münchner mindestens 144.800 Euro auf, Mercedes verkauft den S 600 mit 517 PS ab 131.900 Euro. Hauseigene Konkurrenz macht dem A8 der kürzlich überarbeitete VW Phaeton, den der gleiche W12 mit 450 PS antreibt und der ab 115.000 Euro zu haben ist.  

Hybrid und Frontantrieb folgen

Wer von der Langversion und dem W12 gar nicht erst zu Träumen wagt und dem die mindestens 72.000 Euro für den günstigsten A8 immer noch zu viel sind, darf sich auf nächstes Jahr freuen. Dann will Audi eine abgespeckte Version des 3.0 TDI mit rund 200 PS und reinem Frontantrieb anbieten, die deutlich günstiger sein wird. Für Ende 2011 ist zudem der – sicherlich nicht günstige – Hybrid-A8 angekündigt, der von einem Zwei-Liter-Vier-Zylinder-Benziner und einem E-Motor angetrieben wird, die zusammen 245 PS und 480 Newtonmeter liefern, aber nur 6,2 Liter Sprit konsumieren sollen.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Audi A8 L
    W12
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   5.267 / 1.949 / 1.471
Radstand (mm)   3.122
Wendekreis (m)   k. A.
Leergewicht (kg)   2.130
Kofferraum (Liter)   510
Bereifung Testwagen   255/45 R 19
Motor    
Hubraum (ccm) / Bauart   6.299 / W12
Leistung (kW / PS)   386 / 500
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   625 / 4.750
Antriebsart   Allradantrieb
Getriebeart   automatisches Acht-Gang-Getriebe
Verbrauch    
Krafstoffart   Benzin
Kombiniert laut Werk (l/100km)   12,4
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   290 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   k .A.
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   4,7
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k .A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k .A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   250
Preise    
ab (Euro)   137.000,00
Empfohlene Extras   Servoschließung für die Türen (640 Euro), Standheizung (1.520 Euro), MMI-Navigation (2.900 Euro), TV-Empfang (1.280 Euro), Nachtsichtassistent (2.000)
 
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Fazit

Die Langversion edelt den Audi A8 endgültig zur Chauffeurs-Limousine. Und daran haben beide Spaß, Fahrer und Gefahrene. Die Passagiere genießen im Fond serienmäßig viel Platz und auf Wunsch zahlreiche Komfortextras wie den Ruhesitz, das Entertainment-System oder das austellbare Panoramadach. Der Chauffeur darf sich über unveränderten Fahrkomfort und Agilität auf hohem Niveau freuen. Und wenn er Glück hat, und der Chef generös ist, darf er sich auch über die souveräne Kraftentfaltung des 500 PS starken W12 freuen.

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