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Galerie: Erster Test Audi A8

Erster Test: Audi A8

Kleiner Wohlfühler

03.02.2010

Komische Überschrift? Mitnichten. Der neue Audi A8 ist ein Auto zum Verlieben, zum Gernhaben, zum Genießen, ja sogar zum Nichtauffallen – alles in allem ein echter Wohlfühler also. Aber klein ist er eben auch. Und das, obwohl der A8 eine der längsten und breitesten Luxuslimousinen überhaupt ist. Eine verzwickte Lage.

So ist er mit einer Gesamtlänge von 5,14 Metern fünf beziehungsweise sieben Zentimeter länger als die S-Klasse und der Siebener. In der Breite überragt der Ingolstädter den Schwaben um acht Zentimeter. Lediglich bei der Höhe hält der A8 Maß und unterbietet BMW und Mercedes um je drei Zentimeter. Der Radstand fällt mit knapp unter drei Metern hingegen fast zehn Zentimeter kürzer als bei den beiden Mitbewerbern aus.

Geht’s noch?

Anno 1991 pikierte sich die (vor allem deutschsprachige) Welt über Mercedes W140 und bezeichnete ihn als Panzer. Der Panzer von damals war jedoch mit einer Länge von 5,11 Meter und einer Breite von 1,89 Metern kleiner als der A8 heute und mit einem Gewicht von gut 1,8 Tonnen exakt gleich schwer. Guten Morgen Audi, aufwachen! So ändern sich aber die Zeiten. Und das, obwohl es mittlerweile weder mehr Platz auf den Straßen, noch in den Parkhäusern und Innenstädten gibt.

Audi A8Audis Weg ist umso fragwürdiger, als dass die Abmessungen nicht einmal in ein Plus an Bewegungsfreiheit im Inneren umgemünzt werden können. Gefühlt bietet der A8 kaum mehr Beinfreiheit als ein A6, und der hat zudem den größeren Kofferraum (plus 36 Liter). Die Gründe für die Misere sind schnell gefunden: Die Mittelkonsole ist breit, die in alle Richtungen verstellbaren Komfort-Sitze sind extrem voluminös und der Radstand ist eben deutlich kleiner als bei S-Klasse und 7er. Zudem verfälscht die flache Dachlinie den subjektiven Raumeindruck.

Hoch anzurechnen ist den Bayern hingegen, dass das Design des A8 wie aus einem Guss wirkt, trotz langer Überhänge und gigantischen Abmessungen. Optisch besitzt der Wagen eine unnachahmliche Leichtigkeit, kein Gramm Fett scheint zu viel an ihm zu sein.

Alu spart

Im neuen A8 fühlt man sich dennoch ausgesprochen wohl. Er gibt einem nämlich das unbeschreiblich gute Gefühl der Geborgenheit. Es kommt Zustande aufgrund der hohen Schulterlinie, infolge der kompletten Sicherheitsausstattung und wegen der 231 Kilogramm (50 Prozent leichter als Stahl) leichten und ultrafesten Alukarosserie.

Audi A8Das Gefühl der Unkapputtbarkeit strahlt auch die gesamte Innenraumarchitektur und deren Verarbeitung aus. Alles scheint perfekt für die Ewigkeit. Die Scharniere der zweiteiligen Mittelarmlehne (210 Euro) sind es sogar wahrscheinlich. Denn fettes Vollaluminium verankert hier die Armauflage mit der Mittelkonsole.

Nicht ganz ins exzellente Gesamtbild wollen die Blindschalter (Tasten ohne Funktion) neben dem acht Zoll großen MMI-Bildschirm passen. Hier hätte Audi lieber ausstattungsabhängig individuelle Zierleisten anfertigen sollen. Denn ob der A8 nun bei 72.000 oder 73.000 Euro startet, interessiert in dieser Liga nicht – vielleicht aber auch die Blindtasten nicht. Das Verbannen dieser ist laut Audi-Sprecher nämlich kein Kundenwunsch gewesen.

Umfangreich und intuitiv

Audi A8Die Bedienung des A8 ist bis auf eine Ausnahme vorzüglich. Es gibt derzeit wohl kein ähnlich umfangreiches System, was derart intuitiv funktioniert. Sei es eine perfekte Sprachsteuerung für Navi und Telefon oder das neue Touch-Pad, was die Eingabe mittels Fingerstreich auf dem kleinen Feld vor dem Wahlhebel ermöglicht.

Audi A8Apropos Wahlhebel: Hier sind wir bei der erwähnten Ausnahme. Die Rasterung zwischen P, R, N und D ist zu fein gewählt, und so kommt es, dass man beim schnellen Rangieren versehentlich P anstelle von R anwählt – nicht nur ein Mal. Die Gänge werden im A8 stets automatisch gewechselt. Acht Fahrstufen sezieren jeden Tempobereich in die ideale Drehzahl. Bei Tacho 130 km/h dreht die Kurbelwelle des 3.0 TDIs lediglich 1.600 Mal pro Minute.

Der 3.0 TDI ist die Universalwaffe für den neuen A8, der ab Ende März 2010 im Handel ist. Vorerst jedoch nur als 4,1-Liter-Diesel und 4,2-Liter-Benziner (Hubraumangaben gibt es am A8-Kofferraumdeckel nicht mehr). Beide V8-Motoren begeistern mit ihrer Leistungsentfaltung und Laufruhe, bedeuten im Alltag aber zugleich Überfluss par excellence. Die Achtender beschleunigen den mindestens 1.835 Kilogramm (FSI) schweren Luxusliner in deutlich unter sechs Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Der 3.0 TDI startet erst im dritten Quartal 2010 und wird den Löwenanteil der A8-Verkäufe ausmachen. Zu Recht. Denn der 250-PS-Diesel reicht selbst für Schnellfahrer aus.

Sparbrötchen

Den Dank für den Verzicht am oberen Ende der Automobilwelt erhält man beim Tanken. 6,6 Liter soll sich der 3.0 TDI Quattro genehmigen, einen Liter weniger als der V8-TDI und drei Liter weniger als der V8-FSI. Zum Vergleich: Ein BMW 730d ohne Allrad benötigt 6,8 Liter, ein Mercedes S 350 CDI 4Matic gönnt sich gar 7,8 Liter.

Audi A8Anteil am genügsamen Umgang mit dem teuren Nass hat vor allem die Leichtbauweise. Rund 200 Kilogramm ist der entsprechende A8 leichter als die Hauptkonkurrenz; da kann nur der Jaguar XJ mithalten. Ein weiterer Grund ist die erwähnte Spreizung des 8-Gang-Wandler-Automats, der erstmals mit einer Stopp-Start-Funktion beim Anhalten kombiniert wurde. Da hat Motor-Stopp-Pionier BMW wohl geschlafen. Denn lediglich Porsches Panamera schafft das bei einem reinen Verbrennungsmotor in dieser Liga. Die Stuttgarter koppeln das System jedoch nicht mit einer hochkomfortablen und sehr schnellen Acht-Gang-Wandler-Automatik, sondern mit einem bisweilen recht ruppigen Doppelkupplungs-Getriebe.

Ende 2010 folgt übrigens der Obersparer im A8-Programm. Ein auf 204 PS kastrierter 3.0 TDI mit Frontantrieb und glatt sechs Litern Normverbrauch. Er wird den A8 ebenfalls souverän antreiben, aber unserer Meinung nach gehört der Quattro einfach dazu.

Nur mit Allrad

Audi A8Denn durch den permanenten Torsen-Allrad erreicht der A8 ein Dynamik-Potenzial, das wohl nur wenige A8-Käufer jemals erfahren wollen und werden. Und das ist die Krux an der Geschichte. Denn der A8 kann wohl auf der Nordschleife dem Porsche Panamera die Stirn bieten und damit für Luxuswagen Dynamik-Maßstäbe setzen. Aber: Der Alltagskomfort bleibt auf der Strecke. Denn selbst in der Fahrwerksstellung Comfort spricht vor allem die Luftfeder-Vorderachse trocken und steif an und lässt den Aufbau sanft zittern. Und das ist schmerzlicher, als auf der Nordschleife zu versagen – zumindest für dieses Fahrzeug-Segment. Hier sollten die Ingolstädter über eine echte Komfortabstimmung nachdenken. Audi aber macht es genau anders herum und bietet für 820 Euro eine zehn Millimeter tiefer gelegte Sportabstimmung an. Wer bitte braucht das?

60.000 Euro an Extras

Galerie: Erster Test Audi A8Diese Frage kann man auch angesichts der Aufpreisliste stellen. 60.000 Euro können ohne spezielle Sonderwünsche gewählt werden. 2.650 Euro verlangt Audi beispielsweise für 20-Zoll-Räder (bei den V8-Motoren). Mindestens 2.300 Euro werden für die sagenhaft guten und gleichzeitig voluminösen Komfort-Sitze fällig. Das Assistenz-Paket mit Parkpiepsern, adaptivem Temporegler – der übrigens sehr gut funktioniert –, Toter-Winkel-Warner und weiteren Sicherheitsfunktionen erhält man ab 3.570 Euro. Der Nachtsicht-Assistent, der Fußgänger bei Dunkelheit in das 7-Zoll-Display des Kombiinstruments einblendet, erweitert die Wunschliste um weitere 2.000 Euro.

Das neue Navi mit Google-Anbindung, bei der die Ziele vom Büro-Rechner online über Google Maps zum Audi gesendet und diese dann direkt als Ziel übernommen werden können, kostet 2.900 Euro. Die LED-Scheinwerfer für rund 1.800 Euro werden auch viele A8-Kunden ordern, obwohl der Vorteil für den Fahrer wohl eher im Prestige liegt. Denn schon die serienmäßigen Bi-Xenon-Scheinwerfer bieten eine hervorragende Ausleuchtung und führen als Besonderheit den Lichtkegel beispielsweise an den entgegenkommenden Fahrzeugen herum, und vermeiden so automatisch das Blenden – für 800 Euro extra allerdings.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Audi A8 3.0 TDI   Audi A8 4.2 TDI
Ausstattungsvariante        
Abmessung und Gewicht        
Länge/Breite/Höhe (mm)   5.137/1.949/1.460   5.137/1.949/1.460
Radstand (mm)   2.992   2.992
Wendekreis (m)   12,3   12,3
Leergewicht (kg)   ab 1.870   ab 1.995
Kofferraum (Liter)   510   510
Bereifung Testwagen   255/45 R19   255/45 R19
Motor        
Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart)   2.967 / 6, V   4.134 / 8, V
Leistung (PS)   184 (250)   258 (350)
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   550 zwischen 1.500 -3.000   800 zwischen 1.750 - 2.750
Antriebsart   Allrad   Allrad
Getriebeart   8-Gang-Automatik   8-Gang-Automatik
Verbrauch        
Krafstoffart   Diesel   Diesel
Kombiniert laut Werk (l/100km)   6,6   7,6
CO2-Emissionen (g/km) laut Werk   174 / Euro 5   199 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   k.A.   k.A.
Fahrleistungen        
Werksangabe 0-100km/h (s)   6,6   5,5
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k.A.   k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k.A.   k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   250   250
Preise        
ab (Euro)   72.200   90.800
         
Empfohlene Extras   Metallic (1.080 Euro), Komfortsitz-Paket (2.300 Euro), Dammglas (1.190 Euro), adaptive Light (800 Euro), Komfort-Mittelarmlehne (210 Euro), Navi Plus (2.900 Euro), Bluetooth-Freisprecher (390 Euro), Bose Sound-System ( 1.150 Euro)    
 
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Ebenso außergewöhnlich ist der Klang des Bang & Olufsen Sound-Systems für schlappe 6.500 Euro, der nochmals hörbar fülliger und dezidierter tönt, als das wahrlich nicht schlechte Bose-Surround-System (1.150 Euro).

Fazit  

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Die beste Luxuslimousine der Welt will Audi erschaffen haben. Wir meinen das auch – mit Vorbehalt allerdings. Das Entertainment und Sicherheitspaket des A8 ist vorbildlich und setzt nicht nur beim Thema Handhabung Maßstäbe. Die Verarbeitung ist nahe am Perfekten und die Motoren gehören zu den besten und effizientesten überhaupt – der V8-Benziner benötigt so viel Sprit wie ein 230 PS starker Mercedes C 300 – und die Fahrdynamik ist so hoch angesiedelt, dass die Grenzen wohl kaum je ein A8-Fahrer testen wird.

Aber genau das ist die Krux des A8, denn richtig komfortabel ist er nicht. Ebenso wenig kann das Platzangebot des 5,14 Meter langen Topmodells überzeugen. Dabei sind das – zumindest bislang – die Hauptkriterien, die eine Luxuslimousine eigentlich definieren. Wer den A8 hingegen als Sportwagen mit viel Platz sieht, kommt der Sache näher, sollte aber vielleicht gleich auf den S8 warten – der folgt 2011. Dann kommt übrigens auch ein Hybrid, der laut Audi-Chef Rupert Stadler wiederum „neue Maßstäbe“ setzen soll. Wir sind gespannt.

Audi A8

 
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