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Galerie: Erster Test Audi S4

Erster Test: Audi S4

Tabubruch

24.10.2008

Früher wurden neue Autos immer schneller, stärker und größer. Mit der Aufgabe, spritsparende Autos zu bauen, lässt sich das aber nur schwer in Einklang bringen. Langsam setzt sich der Trend zum Downsizing durch, Autos werden wieder leichter und Motoren kleiner. Die Leistung wollte bislang aber noch kein Hersteller reduzieren. Mit dem neuen Audi S4 brechen die Ingolstädter jetzt auch mit diesem letzten Tabu.

Das haben wir uns nur getraut, weil er trotzdem schneller ist, als der Alte, sagt Peter Kohoutek. Der Österreicher, der den A4 entwickelt hat, spielt damit auf die jüngsten Downsizing-Maßnahmen beim Topmodell S4 an. Schon öfters wurde in letzter Zeit Hubraum einem geringeren Verbrauch geopfert, doch bislang brachte es noch kein Hersteller übers Herz, dabei auch die Leistung zu reduzieren.

Zwei weniger

Galerie: Erster Test Audi S4Audi wagt den Schritt und schickt den, über vier Liter großen Achtzylinder aus dem Vorgänger in Rente. Seinen Platz nimmt ein neu entwickelter V6 ein, der aus seinen drei Litern Hubraum exakt 333 PS schöpft. Das sind immerhin elf Pferdestärken weniger als bisher, und das beim Topmodell der Baureihe.

Damit der Herr Kohoutek seinen Chef – das ist der Entwicklungsvorstand Michael Dick – davon überzeugen konnte, muss der schwächere Motor den neuen S4 schneller als bisher ans Ziel bringen. Ein Kompressor machts möglich, der, anders als ein Abgasturbolader, aus dem Stand frische Luft in die Brennkammern presst und zusammen mit der Benzindirekteinspritzung für mehr Effizienz sorgt.

Mehr Drehmoment

Schon ein Blick in die technischen Daten dürfte die Zweifel des Herrn Dick beseitigt haben. Der Achtzylinder war ein klassisches Hochdrehzahl-Aggregat und entwickelte seine volle Leistung bei 7.000 Touren. Auf halbem Weg dahin stellte er sein maximales Drehmoment von 410 Newtonmetern zur Verfügung.

Der Neue tut dies schon bei 2.900 Umdrehungen, und seine 440 Newtonmeter liegen bis zu 5.300 U/min an der Kurbelwelle an. Auch die maximale Leistung steht früher parat, zwischen 5.500 und 7.000 Touren kann der Fahrer aus dem Vollen schöpfen. Legt dieser es darauf an, kann er den neuen S4 in 5,1 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen und spart so eine halbe Sekunde gegenüber dem Vorgänger ein.

Geht auch anders

Klingt alles nach einem echten Sportler. Doch der S4 kann auch anders, kann ganz Gentlemen sein. Sein Drehmomentverlauf erlaubt schaltfaules Fahren und gemütliches Cruisen ebenso, wie rasante Ausflüge auf die Rennstrecke. Ab Werk kommt der Audi mit einem manuellen Sechsgang-Getriebe, alternativ gibt’s für Bequeme das Siebengang-DSG.

Ambitionierten Fahrern sei aber der Handschalter ans Herz gelegt, er wirkt direkter und vermittelt einen sportlicheren Fahreindruck. Butterweich gleitet der Schalthebel durch die exakte Gasse, der Fahrer ist stets Herr über die Gangwahl. Zwar kann er auch beim DSG mittels Schaltpaddeln eingreifen, doch ist die Verlockung groß, es dem sanft schaltenden Automaten zu überlasen.

Nach eigenem Gusto

Galerie: Erster Test Audi S4Über das bekannte „drive select“-System können auch S4-Fahrer Einfluss auf Motor, Getriebe, Lenkung und Dämpfung nehmen, und so den Ingolstädter der persönlichen Vorliebe anpassen. Wer Comfort wählt, bekommt von Unebenheiten spürbar weniger mit als im Dynamic-Modus, der einen deutlich direkteren Kontakt zur Straße herstellt.

Der serienmäßige Allradantrieb ist, wie bei Audi üblich, hecklastig ausgelegt und passt perfekt zum sportlichen Charakter. Noch mehr Dynamik – und Sicherheit - verspricht das neue, optionale Sportdifferenzial, dass die Kraftverteilung an der Hinterachse regelt. Durch die Koppelung an das „Drive Select“ reagiert auch das Differenzial je nach gewähltem Modus unterschiedlich.

Alles an ein Rad

In der Praxis wird beim Einlenken oder Beschleunigen in der Kurve die Kraft gezielt zum kurvenäußeren Rad geschickt. Das hat physikalisch bedingt mehr Traktion und kann demnach auch mehr Kraft übertragen. Im Komfortbetrieb haben Fahrsicherheit und Stabilität oberste Priorität. Der Audi neigt später zum Untersteuern und ESP-Eingriffe sind seltener nötig. Der Sportmodus verspricht dagegen ein deutliches Plus an Agilität. So wird der S4 förmlich in die Kurve hineingedrückt, gleitet wie auf Schienen durch die Biegung und klebt an der Straße wie Kaugummi. Im Bedarfsfall kann die komplette Kraft einer Achse an ein einziges Rad geleitet werden.

Wer den S4 so um die Kurve scheucht, dass das Differenzial ständig komplett sperrt, wird sich über die serienmäßigen Sportsitze mit perfektem Seitenhalt und trotzdem hohem Langstreckenkomfort freuen. Weniger erfreulich dürfte der Blick auf die Tankuhr sein. Zwar verspricht Herr Kohoutek eine Einsparung von 27 Prozent gegenüber dem Vorgänger. Doch scheint der Wert von 9,7 Litern je 100 Kilometer nur schwer realisierbar. Selbst gemütliche Fahrer werden den Audi S4 kaum unter elf Liter je 100 Kilometer drücken können. Was nichts desto trotz natürlich weniger ist als der V8 geschluckt hat.

Fast ein Schnäppchen

Galerie: Erster Test Audi S4Und noch etwas ist gegenüber dem Vorgänger gesunken, nämlich der Preis. Rund 3.000 Euro kostet der ab März 2009 erhältliche S4 weniger als das bisherige Modell. Der Grundpreis für die Limousine liegt bei 50.950 Euro, der Avant startet bei 52.600 Euro. Dafür gibt’s neben einer umfangreichen Serienausstattung mit 18-Zoll-Rädern, elektrischer Sitzeinstellung, Klimaautomatik und Xenon Plus-Scheinwerfern vor allem viel Understatement.

Denn der neue S4 gibt sich erst auf den zweiten Blick als solcher zu erkennen. Der verchromte Kühlergrill, Außenspiegel in Alu-Optik und die Doppelendrohre geben nur dezente Hinweise auf das Topmodell. Und auch im Innenraum herrscht Zurückhaltung, hier fallen nur die grau hinterlegten Rundinstrumente ins Auge.

Apropos Zurückhaltung: Bauartbedingt kann der neue 3.0 TFSI nicht ganz mit dem tiefen, blubbernden Klang des alten Achzylinders mithalten. Erst wenn man dem Sechszylinder richtig die Sporen gibt, faucht er aggressiv auf, um kurz darauf wieder in ein sonores Brummen zu verfallen. Der Vorteil: Auch auf längeren Strecken ist der Sound nicht unangenehm.

Fazit

So muss Downsizing aussehen: Weniger Hubraum, weniger PS – und trotzdem hervorragende Fahrleistungen. Der S4 macht trotz kleinerem Motor alles besser als sein Vorgänger. Aber gibt es überhaupt noch „den“ S4? Vielmehr schlagen zwei Herzen in seiner Brust: Wenn er will, ist der Audi ein reinrassiger Sportler, der seinem Fahrer jeden Wunsch erfüllt. Der hecklastige Allradantrieb, das Sportdifferenzial und das Drive-Select-Fahrwerk ermöglichen eine überaus dynamische Fahrweise bei perfekter Beherrschbarkeit.

Andererseits erlaubt diese Kombination auch eine sehr defensive, zurückhaltende Gangart, bei der sich der Fahrer keineswegs deplaziert fühlt. Und genau diese Möglichkeit zur Zurückhaltung macht doch den Reiz des S4 aus. Zusammen mit dem optischen Understatement verleiht der Audi das gute Gefühl, dass man ja könnte, wenn man nur wollte…

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