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Galerie: Erster Test Audi S6

Erster Test: Audi S6

Gentleman-Express

03.04.2006

„Headbanger“ titelte mein Kollege nach der ersten Fahrt mit dem BMW M5. Weil der über 500 PS starke Businessbayer bei Bedarf ein brutaler, ein gnadenloser Sportler in der Verpackung einer Familienlimousine ist, der unter Volllast die SMG-Gänge hineinhaut, dass es Dir den Kopf verreißt. Als hätte Audi dies als Warnhinweis verstanden, schicken die Ingolstädter nun ihr Pendant ins Rennen: Den nicht minder schnellen S6, der seine Power allerdings dermaßen klammheimlich abgibt, dass selbst die Tempo-panische Schwiegermutter den Fünf-Sekunden-Sprint als „normales Anfahren“ wahrnimmt und bei Tempo 220 die ernstgemeinte Frage stellt, warum der (Porsche) vor uns die linke Spur blockiert.

Ja, ja, die Schwiegermutter. Auch wenn sie in diesem Fall nur als Cliffhanger zum Einstieg in den S6-Erstkontakt herhalten muss, ist der Brückenschlag so weit hergeholt nicht. Meine jedenfalls würde nicht erkennen, dass dieser beinahe schlichte Audi in Wahrheit ein elegant getarnter Hochleistungssportler mit zehn Zylindern, 435 PS, Allradantrieb und Tiefflieger-Temperament ist. Da käme vor dem Einsteigen kein zögerlicher Spruch wie: „Aber nur wenn Du anständig fährst“. Kein Nachfragen an die Tochter wie: „War er wieder nur auf der linken Spur?“.

Warum auch, schließlich deutet fast nichts auf sein exorbitantes Potential hin. Keine Spoiler, keine übertriebenen Kotflügel- verbreiterungen, keine Schrei-weit-offenen Beatmungsluken. Ganz zu schweigen davon, dass es ihn auch als höchstpraktischen Kombi gibt.

Galerie: Erster Test Audi S6Gut, die vier Endrohre fallen auf. Aber man kann das Heck ja auch blickverdeckt zuparken. Den Riesengrill haben alle Audi, 19-Zoll-Felgen gibt es in jedem mittelmäßigen Zubehörladen und die schicken fünf plus fünf-LED-Tagfahrleuchten kann man ohne schlechtes Gewissen auch als spritsparenden Sicherheitsgewinn verkaufen.

Selbiges Understatement im Innenraum: Hier und da ein bisschen Karbon und selbst die (perfekt geschnittenen) Schalensitze fallen optisch dezent aus, aber keineswegs auf. Nur dass der Tacho erst bei 300 km/h endet, das sollten potentiell mitbremsende Passagiere nicht mitkriegen. Am besten, man platziert sie hinter dem Fahrersitz.

Schotten dicht

Galerie: Erster Test Audi S6Und schließt die Fenster beim Anlassen. Denn der Umwelt verrät der S6, zumindest beim Gasgeben, sehr wohl, dass sein Herz evolutionär betrachtet vom Lamborghini Gallardo stammt. Auf 5,2 Liter Hubraum erweitert und mit Benzindirekteinspritzung FSI versehen, strotzt der V10 gerade so vor Kraft. Zu den 435 PS gesellen sich 540 Newtonmeter Drehmoment, die bereits bei 3.000 Touren anliegen und bis 4.000 Touren nicht weniger werden. Doch was heißt eigentlich weniger. Ab Standgas bis hin zum Drehzahlbegrenzer bei 7.000 U/min muss die Kurbelwelle stets mindestens 500 Nm ertragen.

Galerie: Erster Test Audi S6Ein Glück, dass Audi den S6 - wie sollte es anders sein - serienmäßig und ausschließlich mit permanentem Allradantrieb quattro ausliefert. Da kann man die Sechsgangautomatik (mit Schaltwippen am Lenkrad) in den verschärften „S“-Modus einrasten und getrost Vollgas geben. Da verbeißen sich vier Räder ohne Traktionsverlust in den Asphalt, presst es Dich und alle anderen in die erstaunlich bequemen Sessel wie beim Start einer Boeing, was der reisebegeisterten Schwiegermom zum Glück nicht fremd wäre. Da dreht der Zehnzylinder unter gepflegt gedämpftem Trommeln spielend hoch, schaltet die Automatik ein einziges Mal so sanft, dass es nur geschulte Hintern spüren. Und wenige Sekunden später realisiert lediglich der Fahrer beim Blick auf den Tacho, dass der Führerschein theoretisch gerade eben für eine vierwöchige Entziehungskur in Flensburg eingecheckt hat.

Unlimitierte Freiheit

Galerie: Erster Test Audi S6Potentiell dauergefährdet ist der Lappen auch auf der Autobahn. Der Zehnzylinder flüstert im Teillastbetrieb vor sich hin, der Fahrtwind - stimmt, wo ist eigentlich der Fahrtwind? 160 km/h wirken wie 100, 200 wie 140. Die höchste Konzentration besteht tatsächlich darin, etwaige Tempobeschränkungen und vor allem -änderungen bewusst wahrzunehmen. Freie Fahrt bedeutet Entspannung, selbst wenn die Tachonadel kurz vor der 270er-Marke steht.

Zugegeben, souverän schnell gerade aus können andere Premiumschlitten ebenfalls, auch Audi-intern. Um das Potential eines S6 voll auszuschöpfen, braucht es Kurven. Oder besser noch: ein kurviges, abgesperrtes Areal. Hier spätestens sollte die Schwiegermutter nun aussteigen, egal wie schmerzfrei sie auch sein mag.

Spaßfaktor contra Sparbuch

Superpräzise lenkt der S6 ein, zieht messerscharf um die Ecke. Beschleunigt brutal auf der Geraden, bremst brachial vor der nächsten Kehre. Wieder Gas, die vier Antriebsräder krallen sich fest und der Zweitonner katapultiert sich nach vorne. Links, rechts. Keine spürbare Seitenneigung. Der Fahrer hat das Lenkrad in der Hand, die Rumpfmuskulatur maximal angespannt. Das ist (Motor)Sport pur. Am meisten Spaß bereitet die Hatz im „Zwischenmodus“ mit ausgeschalteter Schlupfregelung und verspätetem ESP-Eingriff. Ganz ohne Stabilitätskontrolle ist anstrengend, ganz mit stinken die Bremsen bereits nach der ersten Runde.

Wie man da wieder nüchtern werden soll und das Adrenalin auf ein gesellschaftsverträgliches Maß reduzieren kann? Ein vergleichender Blick ins Sparbuch und in die Preisliste genügt: 79.800 Euro verlangt Audi für die S6 Limousine, 82.000 Euro für den Avant.

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