Schönes Wetter, offenes Dach - das Cabriofeeling in unserem Special.
Als Statussymbol der HipHop- und Rapper-Szene hat sich der Cadillac Escalade in den USA einen Namen gemacht. Die neue Generation der Mutter aller Dickschiffe wagt die Überfahrt über den großen Teich und soll auch hierzulande eine kleine, dafür aber eingefleischte Fan-Gemeinde glücklich machen.
Wenn Cadillac von einer „kleinen Fan-Gemeinde“ spricht, heißt das in Zahlen rund 100 Käufer - in Deutschland und Österreich zusammen, wohlgemerkt. Schon beim ersten Anblick des neuen Escalade wird klar, warum bei GM so vorsichtig spekuliert wird: Wer um alles in der Welt soll dieses Monstrum kaufen?
Wem ein Mercedes GL mit 5,08 Metern Länge schon riesig erscheint, wird von den 5,15 Metern des Escalade regelrecht erschlagen. Zumal er mit über zwei Meter Breite so ziemlich alle anderen übertrifft. Einzig der technisch mit dem Escalade verwandte Hummer H2 kann den Caddy noch überbieten.
Ballroom
Der Innenraum hält, was die wuchtige, überdimensionale Kastenform verspricht: Platz noch und nöcher, vor allem in der ersten Reihe. Für die zweite Sitzreihe bietet Cadillac wahlweise zwei Einzelsitze oder eine Dreier-Bank an, ganz hinten dürfen immer drei Personen Platz nehmen.
In der dritten Reihe geht es sogar in einem Escalade eng zu. Probleme macht wieder einmal die niedrige Sitzposition. Alle Sitze sind umklappbar (teilweise elektrisch) und je nach Ausstattung ausbaubar. Das Gepäckvolumen reicht von 478 bis 3.084 Liter.
Spielwiese
Angesichts dieser Tatsachen wird einem klar, warum die amerikanische HipHop-Szene auf den Escalade abfährt. Kaum ein anderes Auto bietet mehr Platz für Soundanlagen, Subwoofer, DVD-Spieler und Projektionsleinwände. Es gibt kaum etwas, was ein findiger Tuner noch nicht in einen Escalade eingebaut hat…
Doch zurück zum Serienmodell: Neben dem Platzangebot überzeugt die neue Generation durch solide Verarbeitung und angenehme Materialien. Typisch amerikanische Mängel, wie frei verlaufende Kabel, sind passé, der Escalade wirkt hochwertig und komfortabel.
Für endlose Highways
Komfortabel ist auch das riesige Gestühl, Seitenhalt ist den Sitzen allerdings völlig fremd. Nach der ersten Kurve wird aber sowieso schnell deutlich, dass man mit einem Escalade besser nur geradeaus fahren sollte.
Weich wie ein Ozeanriese schaukelt das Über-SUV vor sich hin, federt butterweich über alle Unebenheiten hinweg und wiegt die Mitfahrer sanft in den Schlaf. Passend dazu ist die Lenkung indirekt wie das Steuerrad eines Hochseedampfers.
Der permanente Allradantrieb sorgt in Kurven dafür, dass der über zweieinhalb Tonnen schwere Escalade auf der richtigen Bahn bleibt. Den Rest übernimmt das serienmäßige ESP. Dennoch quietschen in jeder Kehre die Reifen und der Escalade drängt mit aller Wucht nach außen.
Potenter Smallblock
Dass unter der monströsen Haube ordentlich Kraft steckt, steht nicht zur Debatte. Ein bollernder 6,2-Liter-V8 stellt 409 PS und 565 Newtonmeter zur Verfügung. 6,8 Sekunden soll der Escalade bis Tempo 100 benötigen, bei 170 km/h wird sicherheitshalber abgeregelt. Subjektiv ist das Schwergewicht aber trotzdem ein träger Riese.
Die sechs lang übersetzten Gänge werden, wie kann es in den USA anders sein, von einer Automatik verwaltet. Während bei normaler Fahrt die Gangwechsel sanft von statten gehen, schaltet der Automat beim Kickdown ziemlich ruppig in die niedrigeren Gänge.
Umweltsünder
Bleibt noch der Spritverbrauch des mindestens 69.750 Euro teueren Escalade zu diskutieren: In der Stadt soll sich der Koloss 23 Liter gönnen, kombiniert 16,2. Ein realistischer Wert liegt irgendwo bei 18 Litern. Dazu kommt noch die traurige Position auf einem der letzten Ränge der CO2-Skala.
Mit 383 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer reiht sich der Escalade in die Riege der Umweltsünder um Rolls Royce Phantom, Mercedes ML 63 AMG und Jeep Grand Cherokee SRT8 ein. Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatten um CO2-Grenzwerte ist die Zukunft des Escalade mehr rußgrau als rosenrot.
Fazit
Die Fakten sprechen gegen den Escalade und doch hat der Ami das gewisse etwas, was ihn so reizvoll macht. Das Gefühl grenzenloser Freiheit, die bequeme Art zu Cruisen, sprich der American Way of Life. Und wie so oft reichen Image und Kindheitsträume aus, um ein Auto begehrlich zu machen…
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21.05.2012
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