Schönes Wetter, offenes Dach - das Cabriofeeling in unserem Special.
Angereist bin ich mit einem dieser supermodernen Autos. Eines, das mir den Rücken massierte, selbstständig den Verkehr beobachtet hat und meine gefühlvollen Hände dank einer Lenkradheizung auf Temperatur hielt. Doch jetzt will ich eigentlich gar nicht mehr einsteigen. Eine Liebeserklärung an das Nicht-Perfekte.
Sie fragen sich sicher, was zwischen meiner Ankunft und Abfahrt im idyllischen Beilngries im Altmühltal passiert ist. Ich bin Auto gefahren. Daihatsu Trevis. Nichts besonderes, ein Kleinwagen eben. Dachte ich zu Beginn. Am Ende wollte ich ihn nicht mehr hergeben.
Mit seinen runden Kulleraugen stand der Retro-Kleinwagen, der ein bisschen an den ersten Mini erinnert, im Hof und lud mich ein. Komm, fahr mit mir, schien er zu sagen. Ich bin zwar klein, aber für dich ist Platz. Eine gewagte Aussage, schließlich messe ich 1,94 Meter. Doch der nur 3,40 Meter lange Trevis sollte Recht behalten.
Schlicht aber praktisch
Ich ließ mich auf dem einfachen Sitz nieder und fühlte mich wohl. Sitzheizung, verstellbare Seitenwangen, Massagefunktion - wer braucht das schon? Ich streckte meine Hände aus, erfühlte feinstes Hartplastik. Sieht nicht unbedingt schön aus, aber erfüllt doch seinen Zweck. Und ist günstig. Viel wichtiger für mich sind doch die zahlreichen Ablagen für Handy, Schlüssel und Schokoriegel.
Wer jetzt denkt, es mangelt an Komfort, der irrt. CD-Radio, Klimaanlage, elektrische Fensterheber und Außenspiegel, ja sogar ein höhenverstellbarer Fahrersitz sind serienmäßig. Einziger Punkt der Aufpreisliste: Eine Viergang-Automatik.
Motörchen
Nachdem der Trevis und ich uns kurz angefreundet hatten startete ich den Motor. Besser das Motörchen. Ein Blick in die technischen Daten verrät: 1,0 Liter, 58 PS, 91 Newtonmeter. Kann ja lustig werden, dachte ich im Stillen. Und genau das wurde es auch.
Mein neuer Freund wiegt, inklusive mir, nur leichte 790 Kilogramm. Die 58 Pferdchen reichen also locker aus, um den Daihatsu zu bewegen. Das drehfreudige Aggregat und die kurz übersetzten Gänge eins bis drei des manuellen Fünfgang-Getriebes machen den Trevis im Stadtverkehr zum flotten Flitzer.
Eher ein Stadtauto
Gut, jenseits des Ortschilds braucht der Kleine ein wenig Zeit. 12,2 Sekunden vergehen, bis wir bei Tempo 100 sind.
Die Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h wollte ich gar nicht erst erreichen. Darum geht es doch auch gar nicht. Wer fährt denn in der Regel einen Trevis? Richtig, Frauen im Stadtverkehr. Und genau dafür ist der Daihatsu perfekt geeignet.
Das der Frauentyp bei Bedarf auch anders kann, hat er mir auf einer kurvig-hügeligen Strecke bewiesen. Dreht man die Gänge schön weit aus, geht es flott voran. Genauso flott allerdings schiebt der Trevis dann auch über seine kleinen Vorderräder.
Es schiebt
Kaum stellt man die Frage nach ESP, findet man sie selbst schon überflüssig: Der Trevis kostet 11.290 Euro, da sind solche Sicherheitsfeatures nicht drin. Aber sind wir ehrlich, die breite Trevis-Fahrer-Masse wird den kleinen Daihatsu nie in den Grenzbereich bewegen. Und wer es trotzdem provoziert, weiß in der Regel was er tut. Zudem lässt sich das Untersteuern leicht kontrollieren. Geübte Fahrer haben schon nach kurzer Zeit ihren Spaß dran, mit dem Trevis auf Kurvenjagd zu gehen.
Bewegt man den Daihatsu ganz manierlich, begnügt sich das Aggregat im Durchschnitt mit 4,8 Litern des günstigen Normalbenzins. Umgerechnet bedeutet das 114 Gramm CO2 je Kilometer - vorbildlich, wenngleich andere Kleinwagen mittlerweile noch weniger in die Luft blasen.
Fazit
Nein, der Daihatsu Trevis ist nicht perfekt. Will er aber auch gar nicht sein. Und er muss es auch nicht sein. Gerade das einfache, bodenständige und ehrliche spricht für den Kleinwagen. Genauso wie der Preis. Für unter 12.000 Euro bekommt man ein ausreichend gut ausgestattetes Auto, das einen bestens von A nach B bringt.
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21.05.2012
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21.05.2012
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