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Galerie: Erster Test Fiat 500L

Erster Test: Fiat 500L

Kleine Begegnung

12.07.2012

Selbst in seiner Heimatstadt Turin ist er heutzutage nur noch selten anzutreffen: Der als Elefantenschuh in die Autoannalen eingegangene Fiat 500. Doch just als wir mit dem neuen 500L durch die italienische Metropole fahren, steht am Straßenrand eben jenes Original. Eigentlich wollten wir nur ein paar Vergleichsfotos machen, doch der Besitzer Dr. Emilio Marini gesellte sich voller Stolz spontan hinzu. Als wir ihn auf die Parallele in der Modellbezeichnung hinweisen winkt Marini ab: "Not the same!", ruft er empört auf Englisch. Und hier hat der Liebhaber des alten 500 schlichtweg recht.

Selbst Fiat-Designer waren über die Namensgebung überrascht. Aus dem Historienfundus hätten sich vielleicht Namen wie Multipla, Grande Punto oder 600 angeboten, doch Fiat hat Großes mit dem Namen 500 vor, denn der 500L ist ganz nebenbei der Auftakt einer im Aufbau befindlichen Cinquecento-Großfamilie. Ein SUV und ein Siebensitzer sollen schon bald folgen und werden weitere Ableger von Fiat vage angekündigt. Allesamt adelt die Kultnummer 500, allesamt sollen Lifestyler mit besonderem Pfiff und Charme sein.

Ebendies bietet auch der im Oktober 2012 in Deutschland startende 500L. Mit dem eigentlichen 500, egal ob Ur- oder Neuzeit-Variante, hat er keine Ähnlichkeiten. Vielmehr trägt den Familien-Fiat die mit dem neuen Panda Ende 2011 eingeführte Designsprache, die sich zum Beispiel durch aufgeplusterte, leicht eckige Radhäuser auszeichnet. Anderes erinnert eher an den Mini Countryman, wie das andersfarbig lackierte Dach, die schwarz lackierten Säulen oder das abgesetzte hintere Seitenfenster. Wenn auch nicht zum Verwechseln ähnlich, so ist die Stoßrichtung des 500L doch ziemlich eindeutig.

Raumriese

Galerie: Erster Test Fiat 500LDer Innenraum des immerhin 4,15 Meter langen Fünfsitzers wirkt wesentlich eigenständiger und ist im Gegensatz zu dem des Minis deutlich praxistauglicher. Stil hat das Interieur außerdem: Knallige Farbakzente, ein bisschen Chrom-Chichi, ein modernes Multimedia-System mit großem Bildschirm sorgen für einen wohnlich-modernen Touch. Recht eigenwillig ist die Form des Handbremshebels in der Art einer Computermaus, was allerdings für mehr Ablagefläche in der Mittelkonsole sorgt.

Und dann gibt noch zwei richtig nette Optionen für den 500L: Neben einer klanggewaltigen Audioanlage vom kultigen Kopfhöhrer-Spezialisten Beat kann man eine edle Espressomaschine von Lavazza ordern, die sich clever-funktional im Auto einsetzen lässt. Fehlt eigentlich nur noch der Müdigkeitswarner, der zur Pause und zum Kaffeekochen mit der edel gearbeiteten Bordmaschine mahnt.

Gewisse Nachlässigkeiten

Galerie: Erster Test Fiat 500LTypisch für Fiat sind im Innenraum die zum Teil recht einfach wirkenden Plastikoberflächen, die eine bisweilen mäßige Qualitätsanmutung versprühen. Und dann fiel uns vorne im Dachhimmel noch eine Schaltereinheit auf, die etwas locker eigehenkt und eingepasst war. Allerdings war dies nur bei einem Exemplar der Fall, während in anderen Testfahrzeugen das Teil ordentlich montiert war.

Das wohl wichtigste Kaufargument für einen 500L ist sein Platzangebot. Locker luftig finden selbst Sitzriesen hier eine entspannte Position, trotz eines die Kopffreiheit eigentlich einschränkenden Glasdachs. Im Fond bietet die in Längsrichtung verschiebbare Rückbank zudem viel Kniefreiheit und der Kofferraum hat Platz für mindestens 343 Liter Gepäck. Als Zweisitzer passen durch die weit nach oben öffnende Heckklappe über 1.300 Liter hinten rein. Auch die Beifahrerlehne ist umklappbar und ermöglicht den Transport von bis zu 2,40 Meter langen Gegenständen.

Wickelwunder

Galerie: Erster Test Fiat 500LDie gut 1.300 Liter Maximalstauraum sind allerdings kein Topwert, was der nach vorne wickelbaren Rückbank geschuldet ist. Bei anderen Mitbewerbern kann man die Bank flach wegklappen, was eine bessere Raumausbeute ermöglicht. Dafür ist die Klappchoreografie im 500L meisterlich, denn man muss in der Rückbanklehne einen leichtgängigen Hebel ziehen und fast wie von selbst wickelt sich dann das Fauteuil nach vorne. Die Entscheidung für diese Konstruktion ist dem geplanten Ausbau der 500-Familie geschuldet: Die Wickelrückbank soll im geplanten Siebensitzer den einfachen Zugang zur dritten Sitzreihe garantieren.

Doch zurück zu Dottore Mariani, der uns noch den im Heck werkelnden Zweizylinder seines 500L zeigt und der im Vergleich zum ebenfalls nur zweizylindrigen Twinair in unserem 500L mickrig wirkt. Ähnlich wie die Größen- sind auch die Leistungsunterschiede: Während der luftgekühlte Zweitakter für lediglich 18 PS gut ist, mobilisiert der Hightech-Twin in seiner jüngsten und erstmalig im 500L eingesetzten Ausbaustufe stolze 105 PS aus nur 0,9 Liter Hubraum. Diese üppige Kraft kann sich bisweilen sogar sehr lebendig anfühlen, denn zumindest jenseits der 3.000 Touren legt sich der Motor nach einer eklatanten Anfahrschwäche mächtig ins Zeug und die immerhin 145 Newtonmeter zerren auch ordentlich an den Vorderrädern.

Etwas hart

Galerie: Erster Test Fiat 500LNeben den Antriebseinflüssen in der Lenkung hat uns beim 500L-Fahrwerk das etwas unterdämpft wirkende Setup gestört. Zumindest auf dem holperigen Asphalt italienischer Städte gab der Unterbau diesen gelegentlich unsanft an die Insassen weiter. Dafür lässt sich der hochbauende Fiat unkompliziert auch flotter durch Kurven scheuchen, wobei der große Aufbau für eine Wankneigung der Karosserie sorgt und das serienmäßige ESP den Querexperimenten früh Einhalt gebietet. Ein Dynamiker wie der optisch ähnliche Mini Countryman ist der 500L in jedem Fall nicht.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Fiat 500L   Fiat 500L
Version / Ausstattung   1.4 16V Fire   1.3 Multijet
Motor        
Hubraum (ccm) / Bauart   1.368 / R4-Benziner   1.248 / R4-Turbdodiesel
Leistung (kW / PS)   70 / 95   63 / 85
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   127 / 4.500   200 / 1.500
Antriebsart   Frontantrieb   Frontantrieb
Getriebeart   manuelle Sechs-Gang-Schaltung   manuelle Fünf-Gang-Schaltung
Abmessung und Gewicht        
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.147 / 1.784 / 1.665   4.147 / 1.784 / 1.665
Radstand (mm)   2.612   2.612
Wendekreis (m)   11,1   11,1
Leergewicht (kg)   1.245   1.315
Kofferraum (Liter)   343 - 400 - 1.310   343 - 400 - 1.310
Bereifung Testwagen   205/55 R 16   205/55 R 16
Verbrauch        
Krafstoffart   Benzin   Diesel
Kombiniert laut Werk (l/100km)   6,3   4,2
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   145 / Euro 6   110 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   k.A.   k.A.
Fahrleistungen        
Werksangabe 0-100km/h (s)   12,8   14,9
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k.A.   k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k.A.   k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   170   165
Preise        
ab (Euro)   ca. 16.000 Euro   k.A.
Empfohlene Extras   Die Kaffeemaschine von Lavazza ist ein Muss.   Die Kaffeemaschine von Lavazza ist ein Muss.
 
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Das gilt auch längsdynamisch: 12,3 Sekunden soll der Standardsprint des 1,3-Tonners mit dem Twinair dauern, die Höchstgeschwindigkeit bei 180 km/h liegen. Wer das volle Leistungspotenzial abschöpfen will, könnte in der Praxis den sehr niedrigen Normverbrauch von 4,8 Litern problemlos verdoppeln. Abgesehen vom rauen Lauf gehört diese Trinkfreude zu den weniger vorteilhaften Eigenschaften des Zweizylinders. Will man den Motor mit fünf bis sechs Litern fahren, wird man von der vorhandenen Spritzigkeit wenig mitbekommen.

Hilfen zum Spritsparen

Galerie: Erster Test Fiat 500LDen Sparwillen unterstützen kann die sogenannte Eco-Drive-Anzeige im Multimedia-System. Über ein Balkendiagramm wird dargestellt, ob man zuvor richtig geschaltet oder beschleunigt hat. Mit der Farbe Grün wird signalisiert, dass man im effizienten Bereich unterwegs ist. Bei ineffizienter Fahrweise mahnt die Farbe Rot zur Zurückhaltung. Schaltpunktanzeige und eine Start-Stopp-Automatik helfen beim sparsamen Umgang mit dem Sprit.

Nicht so spritzig wie der Twinair ist der alternativ für den 500L angebotene 1,4-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 95 PS. Mit 12,8 Sekunden für den Sprint und 170 km/h Topspeed fährt er dem Twinair jedoch nur leicht hinterher. Doch dürfe dieser kultiviertere Motor hinsichtlich Praxisverbrauch der Ehrlichere sein, denn die gut sechs Liter Normverbrauch wird man nur um ein bis zwei Liter nach oben treiben.

Nur knapp vier Liter Verbrauch

Galerie: Erster Test Fiat 500LWährend die beiden Benziner jeweils über manuelle Sechs-Gang-Getriebe verfügen, muss der einzige Diesel, ein 85 PS starkes 1,3-Liter-Aggregat, mit fünf Gängen auskommen. Auch beim Vortrieb und beim Verbrauch ist Magerkost angesagt, denn 14,9 Sekunden soll der Sprint dauern, die Höchstgeschwindigkeit bei nur 165 km/h liegen und dafür der Normverbrauch mit 4,2 Liter sehr bescheiden sein. Bescheiden sind auch die Geräusche, der Diesel gibt sich ungewöhnlich kultiviert.

Vorläufig soll es laut Fiat keine weiteren Motorvarianten geben. Ebenfalls noch unklar ist der Preis: In Italien soll die Basisversion, die nicht einmal über eine Klimaanlage verfügen wird, bei 15.500 Euro liegen. Ähnlich viel wird Fiat auch in Deutschland verlangen. Damit liegt der 500L preislich etwas über den Citroën C3 Picasso (15.530 Euro) oder dem Hyundai ix20 (14.690 Euro). Im Vergleich zu einem Mini Countryman (ab 20.300 Euro) ist der 500L hingegen ein echtes Schnäppchen.

 
Fazit

Mario Hommen

Man möchte meinen, mit dem 500L würde Fiat einen größeren Ableger des Cinquecento anbieten. Doch in Wahrheit hat das neue Modell keine größeren Gemeinsamkeiten mit dem aktuellen 500 und schon gar keine mit dem historischen 500L, worauf uns Dottore Mariani bei einer zufälligen Begegnung in Turin nachdrücklich hingewiesen hat.

Nichtsdestotrotz hat auch der 500L ein gewisses Kultpotenzial, denn er bringt neben einem geräumigen und variablen Innenraum noch einige pfiffige Lösungen. Dazu gehören neben der tollen Wickelchoreografie der Rückbank, die optionale Audioanlage von Beat oder die Kaffeemaschine von Lavazza. Zudem bietet die Außenoptik einen gewissen Charme und dann stimmt auch noch der Preis für den 500L.

Nicht so richtig überzeugen wollten uns die verfügbaren Motoren. Der Twinair ist zu rau und in der Praxis zu durstig, während die anderen beiden Alternativen müde wirkten. Schön wäre es, wenn Fiat noch den aufgeladenen 1,4-Liter-Benziner anböte, denn dann hätte der kompakte Familien-Van auf Punto-Basis einen Rundum-Glücklich-Motor im Portfolio.
 
 

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