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Galerie: Erster Test Jaguar XKR-S Cabrio

Erster Test: Jaguar XKR-S Cabrio

Hut ab

20.02.2012

Das XKR-S Coupé war Jaguars Eintrittskarte in den 300er-Club; jenen elitären Kreis von Autos, deren Höchstgeschwindigkeit mit einer Drei beginnt. Dass die Briten stolz darauf sind, ist ihnen anzumerken; dass sie dem Coupé nun noch den Hut abnehmen, nur logisch. Wir folgten mit dem XKR-S Cabrio den Spuren der Rallye Monte Carlo.

Auf mächtigen 20-Zoll-Rädern steht das XKR-S Cabrio selbstbewusst da und macht schon im Stand klar, dass es sich hier nicht um ein zahmes Kätzchen handelt. Die schwarzen Räder und die Lufteinlässe auf der Motorhaube schinden Eindruck, der ausladende Karbon-Heckspoiler lässt den sonst so eleganten Jaguar leicht ins prollige abdriften; aerodynamisch ist das Vesperbrett auf dem Kofferraumdeckel aber nötig. Wie wichtig jedes Gramm Gewicht auf der Hinterachse ist, sollen wir bei unserer ersten Ausfahrt mit dem XKR-S noch erfahren.

Galerie: Erster Test Jaguar XKR-S CabrioAuf den Spuren von Walter Röhrl und Christian Geistdörfer geht es von Nizza hinauf auf den Col de Turini. Die Rallye-Weltspitze stellt hier in der "Nacht der langen Messer" ihr Können unter Beweis; uns musste sich der Jaguar hinauf auf den über 1.600 Meter hohen Gipfel beweisen. Bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen um die zehn Grad plus lassen wir das Verdeck noch am Parkplatz im Kofferraum verschwinden. Per Tastendruck – der Schalter erinnert noch sehr an die wenig ruhmreiche Ford-Ära – faltet sich das Stoffdach in 18 Sekunden zusammen und verstaut sich im Kofferraum; das Gepäckvolumen sinkt dadurch von 313 auf 200 Liter. Für den Wochenendausflug zu zweit ist das gerade noch ausreichend.

Alles hübsch, aber...

Das offene Dach gibt den Blick in das mit reichlich Leder ausgeschlagene Cockpit frei und offenbart einen gemischten Eindruck, mit so manchem Aber. Die Instrumente sind hübsch gezeichnet, aber der Bordcomputer ist nicht mehr ganz zeitgemäß. Der Touchscreen in der Mittelkonsole ist groß, aber die Bedienung ist umständlich. Die Schalter und Tasten sind logisch angeordnet, aber etwas klobig. Das mögen Petitessen sein, die dem Wohlfühlambiente bei weitem nicht schaden; doch zeigen die Mitbewerber in dieser Preisliga, wie man es schöner machen kann.

Galerie: Erster Test Jaguar XKR-S CabrioPraktisch: Die Schalterchen für die elektrische Verstellung der Sportsitze sind nicht unzugänglich an der Seite des Gestühls sondern griffgünstig oberhalb des Türgriffs angeordnet; schnell haben auch große Fahrer die richtige Position gefunden. Die Sitz- und Lenkradheizung, die wir bei minus vier Grad auf dem Gipfel schätzen lernen, muss man hingegen umständlich  über den Touchscreen einschalten.

Per Tastendruck springt das stimmgewaltige Triebwerk an und zeitgleich fährt die runde Wählscheibe, mit der man die manchmal etwas ruppig schaltende Sechsgang-Automatik steuert, aus der Mittelkonsole aus. Als Triebwerk dient dem S-Modell der fünf Liter große Achtzylinder, der selbst als Sauger im XK eine hervorragende Figur macht. Im XKR-S wird er jedoch, wie auch im 510 PS starken XKR, von einem Kompressor zwangsbeatmet. Das Resultat der Sauerstoffkur sind 550 PS und ein Drehmoment von wuchtigen 680 Newtonmeter.

Zugfrei reisen

Galerie: Erster Test Jaguar XKR-S CabrioZartes Antippen des Gaspedals reicht, um dem Achtzylinder ein kurzes, kraftvolles Fauchen zu entlocken und das 1,8 Tonnen schwere Cabriolet nach vorne schnellen zu lassen. Fahrer – der auf unserer Testfahrt übrigens rechts saß – und Beifahrer werden nachdrücklich in die gut gepolsterten Ledersitze gepresst und die Tachonadel wandert unaufhaltsam nach rechts; zumindest, bis uns die französische Straßenverkehrsordnung Einhalt gebot.

Der Sprint geschieht derart flott, dass es nicht leicht fällt, sich an geltendes Recht zu halten. Die 100-km/h-Marke fällt nach 4,4 Sekunden, unaufhaltsam geht es weiter, bis schließlich bei Tempo 300 der Vortrieb elektronisch gestoppt werden würde. Ob die Frisur dann immer noch hält, konnten wir leider nicht testen; bei rund 120 km/h aber lässt es sich, mit geschlossenen Fenstern und Windschott, vortrefflich und nahezu zugfrei offen reisen.

Den Fußmatten sei Dank

So beeindruckend die Kraftentfaltung des XKR-S auch ist, mitunter reagiert der Jaguar fast ein wenig zu harsch; vor allem im verschärften Dynamikmodus gilt es, den rechten Fuß bedächtig zu bewegen, um nicht rüpelhaft unliebsame Bekanntschaft mit der Heckschürze des Vordermanns zu machen. Das nötige Feingefühl entwickelt man allerdings schnell, und hat man sich einmal darauf eingestellt, dass das Kätzchen hin und wieder seine guten Manieren vergisst, lässt sich der Über-Jag auch bestens gediegen bewegen. Zumal er im Normalmodus zwar durchaus hörbar ist, aber nicht unangenehm auffällt. Im Sportbetrieb hingegen dröhnt es ordentlich aus den vier Endrohren und das freche Frotzeln der künstlich herbeigeführten Fehlzündungen passt zum zwiespältigen Charme des Heckspoilers.

Galerie: Erster Test Jaguar XKR-S CabrioAuch wenn letzterer den Auftrieb an der angetriebenen Hinterachse reduzieren soll und obwohl der XKR-S schon mit 295er-Reifen ausgestattet ist, hat der Jag mitunter Probleme, seine Kraft auf die Straße zu übertragen. Ungeübten mag das Heck hin und wieder auskommen, ehe es vom ESP wieder eingefangen wird. Routinierte Fahrer hingegen können – neben der ebenso gefühlvollen wie präzisen Lenkung – den XK auch durchaus mit dem Gaspedal in die richtige Richtung dirigieren; im Dynamikmodus greift das Stabilitätsprogramm später ein.

Die zahlreichen Serpentinen auf dem Weg hinauf auf den Col de Turini laden förmlich dazu ein. Nichts allerdings geht mehr, wenn beide Hinterräder auf Eis stehen. Da halfen, nach einer Rast auf dem Gipfel, weder Wintermodus, aktives Sperrdifferenzial noch der im Kofferraum sitzende Beifahrer. Wie gut, dass beim XKR-S die Fußmatten serienmäßig an Bord sind ...

Überzeugendes Fahrwerk

Galerie: Erster Test Jaguar XKR-S CabrioDer XKR-S überzeugt in den Kurven der Seealpen nicht nur mit auf Wunsch brachialer Kraftentfaltung und unbändigem Vorwärtsdrang, sondern auch mit seiner verwindungssteifen Aluminiumkarosserie und seinem überarbeiteten Fahrwerk. Straff genug abgestimmt, um dem sportlichen Anspruch, Kurven schnell genug nehmen zu können, gerecht zu werden, bewahrt sich der Jaguar trotz der montierten 20-Zöller ausreichend Restkomfort und gehen die meisten Unebenheiten in den Federn perdu. Aktiviert man mit der Zielflaggen-Taste den Dynamikmodus, werden die adaptiven Dämpfer zwar spürbar gestrafft; aber auch dann ist der Brite nicht übertrieben hart. So macht das Cabriolet auch beim entspannten Cruisen entlang der Küste eine gute Figur.

Verloren geht die Entspannung höchstens – kurzfristig – beim Blick auf die Tanknadel, die mit zunehmendem Fahrvergnügen immer zügiger nach links wandert. Den im EU-Zyklus ermittelten Verbrauch von 12,3 Litern kann nur erreichen, wer auf jeglichen Spaß verzichten will; Autofahrer mit diesem Anspruch sollten sich aber erst gar nicht für das ab März 2012 erhältliche, 138.100 Euro teure Jaguar XKR-S Cabriolet entscheiden.

 
Fazit

Michael Gebhardt

Das Jaguar XKR-S Cabriolet führt einem – wieder einmal – vor Augen, wie viel Freude Überflüssiges machen kann. Seine 550 PS entbehren jeder Vernunft, schließlich ist der Jaguar schon als XKR mit 510 Pferdestärken und sogar in der 385 PS starken Basis keinesfalls untermotorisiert. Doch setzt der S dem Cabrio die Krone auf und bringt er das gewisse Extra mit, das gar nicht unbedingt auf der Straße den entscheidenden Unterschied macht, auf jeden Fall aber auf dem Parkplatz vorm Golfclub. Hut ab.
 
 

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