Schönes Wetter, offenes Dach - das Cabriofeeling in unserem Special.
1984 brachte Chrysler den ersten Voyager auf den Markt, unter der Regie seines US-italienischen Chefs Lee Iacooca, der den Konzern damit vor der Pleite gerettet hat. Ein Viertel Jahrhundert später sind es wieder die Italiener, die dem amerikanischen Autobauer aus der Patsche helfen. Und wieder spielt der Voyager dabei eine große Rolle.
Wir erinnern uns: Ende 2008 war Chrysler bankrott und auch die Erste Hilfe der US-amerikanische Regierung in Höhe von vier Milliarden Dollar konnte den Konzern nicht retten; ab dem 29. April 2009 standen die Bänder still. Erst zwei Monate später konnte, nach Beilegung eines Rechtsstreits, der rettende Vertrag unterzeichnet werden – mit Fiat. Als Gegenleistung für den Technologietransfer bekamen die Italiener 20 Prozent der Anteile – und Fiat-Chef Sergio Marchionne wurde Chrylser-Boss.
Teil des Rettungsplans Marchionnes war es, die Marken Chrysler und Lancia zusammenzulegen; Chrysler vertreibt die Fahrzeuge in den englischsprachigen Märkten, der Rest läuft über Lancia. Und eines der wichtigsten Modelle in diesem Portfolio ist der Chrysler Voyager, pardon, der Lancia Voyager. Dieser präsentierte sich nun erstmals der Öffentlichkeit.
Wenig neues
Die Neuerungen sind allerdings schnelle abgehandelt, im Grunde haben die Italiener nur den Kühlergrill ausgetauscht und im Innenraum eine etwas antiquiert wirkende, analoge Uhr eingesetzt. Geblieben ist dem 5,20 Meter langen Van – die Amerikaner nennen ihn liebevoll Kompakt-Van – seine Alltagstauglichkeit und leider auch der gewöhnungsbedürftige Materialmix aus Leder, Kunstholz und Hartplastik sowie die nachlässige Verarbeitung.
Ebenfalls nicht neu ist der 2,8 Liter große Vier-Zylinder-Diesel, der 163 PS mobilisiert und ein maximales Drehmoment von 360 Newtonmeter erzeugt. Das klingt nach nicht wenig, doch müssen immerhin 2,2 Tonnen Leergewicht – vollbeladen sind es bis zu 2,8 Tonnen – bewegt werden, mit denen der Selbstzünder doch so seine Problemchen hat.
Gemütlichkeit
Vor allem bergauf hat das serienmäßige Sechs-Gang-Automatikgetriebe reichlich Schaltarbeit zu verrichten; das allerdings tut es das sanft und kaum spürbar. Für den Standardsprint gibt Lancia 11,9 Sekunden an, maximal läuft der Voyager 185 km/h. Daneben gibt es übrigens noch einen 283 PS starken V6-Benziner, der aber auf dem europäischen Markt keine große Rolle spielt.
Zu den eher gemütlichen Fahrleistungen passt auch das äußerst amerikanisch abgestimmte Fahrwerk hervorragend. Gerade aus läuft der Voyager vorbildlich, doch ist die Seitenneigung in der Kurve beträchtlich. Dafür gleicht der Voyager Unebenheiten im Asphalt wunderbar aus, was gerade für ein Langstreckenfahrzeug nicht unbedeutend ist. Trotzdem gilt: Etwas mehr Präzision und eine direktere Lenkung hätten nicht geschadet.
Gut ausgestattet
Nichts zu bemängeln gibt es dagegen an der Serienausstattung. In Deutschland bietet Lancia den Voyager in der Version Gold an: Aluräder, eine Drei-Zonen-Klimaautomatik, die beiderseits elektrisch bedienbaren Schiebetüren und die elektrisch betriebene Heckklappe, das beheizbare Lenkrad, elektrische Fensterheber rundum, Tempomat, Parksensoren, eine verstellbare Pedalerie sowie eine Audioanlage und vieles mehr sind im Preis von 39.990 Euro - für beide Motoren - inbegriffen.
Technische Daten |
| Marke und Modell | Lancia Voyager | Lancia Voyager | |||
| Motor / Ausstattung | 2.8 CRD | 3.6 V6 | |||
| Motor | |||||
| Hubraum (Kubikzentimeter / Bauart) | 2.776 / R4-Turbo | 3.604 / V6 | |||
| Leistung (kW (PS) / U/min) | 120 (163) / 3.800 | 208 (283) / 6.600 | |||
| Drehmoment (Nm / U/min) | 360 / 1.800 | 344 / 4.400 | |||
| Antriebsart | Frontantrieb | Frontantrieb | |||
| Getriebeart | 6-Gang-Automatik | 6-Gang-Automatik | |||
| Abmessung und Gewicht | |||||
| Länge/Breite/Höhe (mm) | 5.218 / 1.998 / 1.750 | 5.218 / 1.998 / 1.750 | |||
| Radstand (mm) | 3.078 | 3.078 | |||
| Wendekreis (m) | k. A. | k. A. | |||
| Leergewicht (kg) | 2.242 | 2.091 | |||
| Kofferraum (Liter) | 934 - 3.912 | 934 - 3.912 | |||
| Serienbereifung | 225/65 R 17 | 225/65 R 17 | |||
| Verbrauch | |||||
| Krafstoffart | Diesel | Benzin | |||
| Kombiniert laut Werk (l/100km) | 7,9 | 10,8 | |||
| CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm | 207 / Euro5 | 252 / Euro5 | |||
| AS24-Verbrauch (l/100km) | k. A. | k. A. | |||
| Fahrleistungen | |||||
| Werksangabe 0-100km/h (s) | 11,9 | 8,6 | |||
| AS24-Sprint 0-100km/h (s) | k. A. | k. A. | |||
| AS24-Bremstest 100-0km/h (m) | k. A. | k. A. | |||
| Höchstgeschwindigkeit (km/h) | 185 | 208 | |||
| Preise | |||||
| ab (Euro) | 39.990,00 | 39.990,00 | |||
| Ausgewählte Extras (Euro) | Navigationssystem (1.850), DVD-System (2.150), Xenon-Licht (890), Glasschiebedach (1.150), Metallic-Lack (650) | Navigationssystem (1.850), DVD-System (2.150), Xenon-Licht (890), Glasschiebedach (1.150), Metallic-Lack (650) | |||
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Vergrößern
Verkleinern
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Recht viele Extras bietet die Optionsliste auch gar nicht an, empfehlenswert sind das Glasschiebedach (1.150 Euro), die Xenon-Scheinwerfer (890 Euro) und - vor allem für Reisen mit Kindern - das DVD-System mit zwei Bildschirmen im Fond (2.150 Euro). Letzteres gibt es allerdings nur in Verbindung mit dem GPS- und Mediacenter, das noch einmal mit 1.850 Euro zu Buche schlägt.
Fazit
Mit dem Voyager hat Lancia eine alltagstaugliche Familienkutsche im Angebot, die mit intelligenten Lösungen überzeugt. Die im Wagenboden verstaubaren Sitze sind ebenso praktisch wie die beiden elektrisch betriebenen Schiebetüren oder die zahlreichen Ablagen. Und die Serienausstattung ist vorbildlich.
Dass die Verarbeitung noch recht amerikanisch daher kommt, verzeiht man da gerne. Ein stärkerer Dieselmotor und ein besser auf die europäischen Verhältnisse abgestimmtes Fahrwerk wäre dagegen wünschenswert.
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