Drucken Weiterempfehlen   Twitter
 
Galerie: Erstkontakt Mercedes E 63 AMG

Erstkontakt: Mercedes E 63 AMG

6,2; 9,8; 525 und die Rote Sau

07.07.2009

Michael Blumenstein
Fotos: Dieter Rebmann

Früher nannte man starke AMG-Modelle „The Hammer“ (W 124) oder „Rote Sau“ (W 109). Heute heißen sie schlicht SL 63, S 63, ML 63, C 63 und E 63, was bei Kennern jedoch nicht für weniger Entzücken sorgt. Letztgenannter ist der neueste AMG-Kraftmeier mit fettem Hubraummotor – 6,2-Liter, viel PS – exakt 525 –  und noch mehr Exklusivität. Neu sind die rekordverdächtigen Verbrauchswerte im einstelligen Bereich – 9,8 Liter sind machbar.

Okay, die 9,8 Liter Verbrauch erreichten wir bei unserem Erstkontakt nur mit Hilfe aller Tricks, die ein AMG-E-63-Fahrer sicherlich nicht anwenden wird. Klimaanlage aus, Fenster zu und stets die Schubabschaltung nutzen oder alternativ, wenn man rollen muss, den Gangwählhebel auf Neutral stellen und Schwung verwerten. Zudem heißt es bei jedem Stopp Motor abstellen – manuell, versteht sich. Denn eine Stopp-Start-Funktion hat dieser Benz verständlicherweise nicht. Auf der rund 40 Kilometer lange Spezial-Runde über die Schwäbische Alb konnten wir einen Verbrauch von 9,8 Litern nach Bordcomputer ermitteln – das war der Bestwert an diesem Veranstaltungstag und mehr als Spaßnummer anzusehen.

Akustisch und optisch kein Leisetreter

Galerie: Erstkontakt Mercedes E 63 AMGDenn im Normalbetrieb strömen mindestens 12,6 Liter in die acht Pötte, theoretisch, nach EU-Norm. Da der E 63 geradezu ums Gasgeben bettelt, sollte man jedoch mit 16 Litern rechnen. Die Kombination aus Motor-Sound und optischem Auftritt machen aus dem braven Benz alles andere als einen Leisetreter. Aus dem grummelig blubbernden Motor bei Standgas und Sanftgas wird mit einem Mal ein rotzfrecher Sportler, der locker bis über 7.000 Touren dreht und dabei die Geräusch-Vorschriften scheinbar ignoriert – zum Glück. Denn einen vollkommeneren V8-Sound kann man ab Werk nirgends kaufen.

Zudem fasziniert der E 63 mit seiner durch die AMG-Designer geschliffenen Erscheinung, die es in ähnlicher Form ab knapp 3.000 Euro auch für alle Normal-E-Klassen gibt. Dem E 63 sieht aber dennoch jedes Kind an, dass dieser Benz etwas Besonderes ist. Zu muskulös kommt er mit seinen jeweils 17 Millimeter breiteren vordere Kotflügeln daher, zu auffällig ist die goldfarbenen Bremsanlage (Option), zu ungewohnt die kantige Vierrohr-Abgasanlage. Wenn dann noch die Magno-Matt-Lackierung gewählt wurde, glotzen selbst Daimler-Verwöhnte Alb-Bewohner diesem Monster nach.

Die agilste Benz-Limousine

Die Optik und Akustik ist das eine, das Fahrgefühl das andere.

Galerie: Erstkontakt Mercedes E 63 AMGLaut AMG sei die Dynamik für eine Mercedes-Limousine einmalig. Selbst die Agilität des anerkannt schnellen C 63 soll dieser fast Fünf-Meter-Dampfer in den Schatten stellen. Auf unseren ersten Runden auf meist öffentlichen Straßen konnten wir das Performance-Potenzial nicht annähernd ausloten. Dennoch drückte man uns einen E 63 mit Drivers- und Performance-Paket samt Spezial-Bremsanlage in die Hand.

Die Sechskolben-Bremse bietet mit ihren gut 400 Millimeter- Karbon-Keramik-Scheiben eine höhere Wärme-Resistenz und insgesamt rund zehn Kilogramm weniger Gewicht. Zudem sollen Bremsbeläge wie -scheiben ein Autoleben halten. Damit könnten sich die Mehrkosten von rund 9.000 Euro sogar amortisieren. Nachteil: Wie alle bislang gefahrenen Karbon-Keramik-Bremsanlagen quietschen auch die AMG-Derivate und schränken damit den Fahrkomfort hörbar ein. Laut AMG-Techniker soll dieses Problem bis zum Serienanlauf der Stopper, im Frühjahr 2010, behoben sein.

Pakete für die Rakete

Galerie: Erstkontakt Mercedes E 63 AMGDas Drivers-Package (3.927 Euro) beinhaltet unter anderem die Geschwindigkeits-Anhebung von 250 km/h auf Tempo 300 und den bis zu 40 Kilogramm Abtrieb generierenden Mini-Heckspoiler. Paket-Umfang ist auch ein spezielles Fahrtraining, welches dem E-63-Käufer sein Auto näher bringen soll – natürlich auf zur Verfügung gestellten AMG-Modellen.

Eine echte Kuriosität ist das auf den ersten Blick in diesem Paket unpassende elektrisch bedienbare Heckrollo. Das sei aber notwendig, da aufgrund des Heckspoilers (auch im Performance-Paket dabei) die dritte Bremsleuchte weiter hoch rutschen muss, um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen. Diese höhergelegte Bremsleuchte ist wiederum Serien-Bestandteil, wenn man bei der E-Klasse das Heckrollo ordert. Um nicht eine dritte Hutablage (a. Serie, b. mit Heckrollo und c. für die AMG-Version) machen zu müssen, entschied man sich, das Heckrollo an die Option Heckspoiler zu koppeln.

Galerie: Erstkontakt Mercedes E 63 AMGIm Performance-Paket (8.270 Euro) sind neben den 19-Zoll-Schmiederäder, ein Dreispeichen-Lenkrad mit Schaltwippen aus Aluminium, das Sperrdifferenzial (für bessere Traktion aus den Kurven) sowie eine noch sportlichere Fahrwerksabstimmung kombiniert.

Dabei huscht schon der 63er mit Standard-AMG-Fahrwerk (vorne elektronische geregelte Stoßdämpfer, hinten Luftfederung) leichtfüßig wie keine E-Klasse zuvor um die Ecken und schwingt auf Fußbefehl lässig das Heck raus. Wer den Sidestep beherrscht, kann alle elektronischen Stützräder deaktivieren (zehn Sekunden „Sport Off“ drücken). Wer auf Nummer sicher gehen möchte, belässt es bei ESP-Sport. Der kurze Druck auf die ESP-Taste erlaubt kleine Heckschwenks, die Dank der um 22 Prozent direkteren Lenkung zentimetergenau vollendet werden können.

Dezent different

Galerie: Erstkontakt Mercedes E 63 AMGDer Innenraum erwartet einen mit gewohntem E-Klasse Ambiente. Etwas stärker konturierte Sitze, ein leicht modelliertes Lenkrad und die neu formierte Mittelkonsole mit Mini-Wählhebel und Billig-Alu-Look (in der Herstellung angeblich fast so teuer wie echtes Aluminium!) samt „Drive-Unit“ geben etwas Eigenständigkeit.

Auf der Drive-Unit kann der Fahrer auswählen, welches Tier sein E 63 mimen soll. C bedeutet Controlled Efficiency und lässt das ohne Drehmoment-Wandler auskommende MCT-Sport-Automatik-Getriebe sanft und weich wie eine herkömmliche Wandler-Automatik agieren. Die Stellung S bewirkt 25 Prozent schnellere und spätere Gangwechsel und eine um 40 Prozent straffere Dämpfercharakteristik. Im S+-Modus schrumpfen die Schaltzeiten auf 100 Millisekunden. Gleiches gilt für den M-Modus, hier werden die Gänge zusätzlich stets im vorgewählten Gang gehalten – der 63er rennt also in den Begrenzer und schaltet selbst bei Kickdown nicht runter. Automatisches Zwischengas besitzen alle Modi außer C. Die Race-Start-Funktion (RS) bietet die Möglichkeit, den idealen Sprint zu fahren. 4,5 Sekunden von Null bis 100 km/h sind somit für jeden möglich. Die Taste AMG schärft neben der Schaltung auch die verstellbaren Dämpfer.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Mercedes E 63 AMG
Ausstattungsvariante    
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.891 / 1.872 / 1.442
Radstand (mm)   2.874
Wendekreis (m)   11,3
Leergewicht (kg)   ab 1.840
Kofferraum (Liter)   540
Bereifung Testwagen   VA 255/35 R 19; HA 285/30 R 19 Pirelli PZero
Motor    
Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart)   6.208 / 8, V
Leistung (PS)   525
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   630 / 5.200
Antriebsart   Heckantrieb
Getriebeart   MCT 7-Gang-Automatik
Verbrauch    
Krafstoffart   Super Plus
Kombiniert laut Werk (l/100km)   12,6
CO2-Emissionen (g/km)   295
AS24-Verbrauch (l/100km)   k. A.
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   4,5
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k. A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k. A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   250 / 300
Preise    
ab (Euro)   105.791
Empfohlene Extras   80-Liter-Kraftstoff-Tank (0 ! Euro), Matt-Lackierung Magno (etwa 5.000 Euro), AMG Performance Package mit 19-Zoll-Alus, Drivers package mit km/h-Limit-Anhebung auf 300, Spoiler und Fahrer-Training (3.927 Euro), Performance-Fahrwerk, -Lenkrad, Hinterachs-Sperrdifferenzial, Mini-Spoiler und elektrischem Heckrollo und Reifendruckkontrolle (8.633 Euro), Abblendbare und anklappbare Spiegel (464 Euro), Sitz-Memory-Paket inklusive vollelektrischen Sitzen vorne (1.487 Euro), Multikontur-Sitze (619 Euro), Sitzbelüftung vorne (1250 Euro), Reserverad (83 Euro), Navigations-System Command APS (3.046 Euro), USB-Anschluß (238 Euro), Freisprecheinrichtung (464 Euro), Sound-System (940 Euro), Scheibenwaschanlage beheizt (202 Euro), adaptives Xenon-Licht (1.690 Euro)
 
Vergrößern
Verkleinern
 

Deutlich teurer als der Vorgänger

eVote

 

Ein echtes Manko ist erwartungsgemäß der Preis, der im Vergleich zum E-63-Vorgänger (W 211) mal eben um rund 6.500 Euro stieg. Zusätzlich müssen nun die Intelligent-Light-Xenonscheinwerfer (1.700 Euro), die elektrische Sitzverstellung inklusive Speicher-Funktion (1.500 Euro) und die Durchlademöglichkeit (520 Euro) vom Fond in das mit 540 Liter geräumige Kofferabteil extra geordert werden – das war mal Serienbestandteil. So kommt es, dass ein sinnvoll ausgestatteter E 63 die 130.000-Euro-Grenze erreicht.

Das wichtigste Extra ist netterweise ab sofort kostenfrei: Der 80-Liter-Kraftstofftank dümpelt als letztes Ausstattungsdetail im Konfigurator vor sich hin. Wer hier kein Häkchen bei der Bestellung macht, steht noch öfter an der Zapfsäule. Serienmäßig besitzt der E 63 nämlich einen 66-Liter-Mini-Tank.

Fazit

Sauteuer, sauschnell, saugut – allerdings nicht in rot, die Sau.

Galerie: Erstkontakt Mercedes E 63 AMG

 

Auto-Salon Genf 2012

Anfang März öffnet der Auto-Salon seine Pforten. Wir verraten Ihnen bereits vorab viele der großen Premieren-Stars der Messe.

Suche nach Angeboten

Marke
Model

AutoScout24-TV
Erstkontakt: Opel Zafira Tourer

Das schaun wir:
Muscle-Cars im Test

Frage der Woche

Neuheiten 2012

Neuheiten 2012: VW Golf, Audi A3, Mercedes A-Klasse

AutoWelten

ServiceWelten

Sicherheit online

Schützen Sie sich vor Datenklau (Phishing), Scheckbetrug und unseriösen Angeboten.
Surfen Sie sicher mit unseren Tipps.