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Galerie: Erster Test Mercedes SLR Roadster

Erster Test: Mercedes SLR Roadster

Für Sammler – und Jäger

27.07.2007

Ein SLR ist kein normales Auto. Logisch, bei einem Einstiegspreis von 440.000 Euro. Wer den Gegenwert einer voll ausgestatteten E-Klasse drauflegt, bekommt für knapp 500.000 Euro den nochmals begehrenswerteren SLR Roadster. Für Sammler eine gute Gelegenheit inklusive Wertsteigerung.
Doch auch der Jäger wird befriedigt…

Die Schriftsprache ist bei der Beschreibung des SLR-Klangs schlicht ungenügend. „Brrrmmm“ oder „bammbammbamm“ (ganz schnell) kommen dem bei Bedarf markerschütternden Brüllen des Kompressor-V8 nicht ansatzweise nahe. Auch die Stimmbänder des jeweils Aussprechenden werden angesichts der erzielbaren Lautstärke des Originals schnell ihren Dienst aufgeben.

Starke Wurzeln

Galerie: Erster Test Mercedes SLR RoadsterDie Infernalik seiner Akustik unterstreicht nicht nur den ebenso ungezügelten optischen Auftritt des SLR. Sie ist auch beste Reminiszenz an das von Sir Stirling Moss pilotierte Original, das bei der Mille-Miglia den all-time-record aufstellte. Zwei armdicke Endrohre schwellten aus dessen rechter Seite um die unter Hochdruck herausgepressten Abgase des Reihensechsers über den möglichst kurzen Umweg eines Krümmers ungefiltert an die Umwelt abzugeben.

Dieses glaubhafte Rennflair ist es, was den SLR ausmacht. Böse grollend schiebt der 625 PS Motor die fast 1,9 Tonnen schwere Fuhre derart robust nach vorne, dass man froh ist die notwendigen Gangwechsel einer Wandlerautomatik überlassen zu können. Alles andere wäre Kupplungstotschlag.

Echtes Fahrerauto

Galerie: Erster Test Mercedes SLR RoadsterDer SLR-Pilot hat nämlich schon mit den grundlegendsten Fahraktivitäten gut zu tun: Die schwergängige Lenkung ist mittels des ungewohnt großen Lenkrades, nunja gewöhnungsbedürftig, denn Lenkbefehle werden überaus direkt umgesetzt. Fast begrüßt man nach den ersten Metern das Riesenvolant, es ermöglicht eine entspannte Geradeausfahrt. Auch das Bremspedal fordert Konzentration, denn die Pedalkräfte sind Mercedes-untypisch hoch. Sehr hoch. Die Keramik-Bremsscheiben selbst packen dann umso unnachgiebiger zu und verzögern ebenso kompromisslos wie der Motor klingt.

Leistung: Genug

Galerie: Erster Test Mercedes SLR RoadsterDie Fahrwerte in nackten Zahlen auszudrücken überlassen wir dem Verkaufskatalog. Sowohl Längs- als auch Querbeschleunigung verschlagen einem schnell den Atem und nur ganz wenige werden den SLR herausfordern können. Mercedes könnte seiner angepeilten Klientel die reinen Leistungsdaten des  SLR auch mit britischem Understatement als „Genug“ beschreiben – keiner würde sich ernsthaft beschweren.

Speziell für den Roadster gilt dies, den seine Performance-Kennzahlen liegen mit dem Coupé gleichauf. Wenn das kein Verkaufsargument ist: Bei offenem Dach rennt der SLR fast genau so schnell wie die Harddach-Version – 330km/h Spitze. Eine Abweichung im Prozentbereich ist da lediglich gut für die Statistik, den Zahlenfetischisten oder desorientierte Autotester. Der SLR-Eigner dagegen wird lächeln und den Rest einfach verblasen.

Kein Shopper

Galerie: Erster Test Mercedes SLR RoadsterDennoch hat auch der Über-Benz seine Schwächen. Die von den Mercedes-Mannen gelobte Alltagstauglichkeit des SLR Roadsters ist Wunschdenken. Flügeltüren (Ok, die sind einfach geil) und die voluminösen Seitenschweller des Kohlefaser-Monocoques stehen der gemütlichen Shoppingtour ebenso entgegen wie die harten Sitzschalen, der begrenzte Restkofferraum von 200 Litern – und eine Zuladung von nur wenig mehr als 150 Kilogramm.

Doch als Viertauto hat der SLR Roadster (der Drittwagen ist vielleicht ein Smart) seine Berechtigung. Auch auf der Rennstrecke – obwohl er dort einer härteren Konkurrenz entgegensieht. Denn trotz seiner formidablen Rennakustik und der für eine betagte Fünfgang-Automatik beachtlich kurzen Schaltzeiten kämpft der SLR mit seiner Kopflast. Gerne untersteuernd lässt sich ein sauberer Kurvenstrich nur mit sittlicher Reife herstellen. Das leider nicht gänzlich abschaltbare ESP verhindert Leistungsübersteuern viel zu früh, lediglich die Traktionskontrolle hält sich knopfkonform zurück, was aber nur kindliche Burnouts erlaubt. Gut fürs Publikum, weniger für die Rundenzeit.

Galerie: Erster Test Mercedes SLR RoadsterDennoch liefert der offene SLR in geübter Hand eine überzeugende Performance, die vor allem dem linearen Kompressorschub und der jederzeit verlässlichen  Bremsleistung zu verdanken ist. Nicht zu vergessen das Stirling Moss taugliche Gebrüll.

Fazit

Wenige Tausend werden es sein, die einen SLR ihr Eigen nennen können. Ein paar tausend Sound-Besessene, die es geschafft haben. Doch nur ein Teil dieser Macher wird den SLR über mehrere tausend Kilometer pro Jahr bemühen. Angesichts dieser Zahlen ist eine CO2-Diskussion beim SLR überflüssig. 35 Liter „Test“-Verbrauch (Mercedes gibt einen praxisfernernen Verbrauch von 14 Liter an) werden allenfalls auf Rundkursen oder mit zu vielen kindischen Gummistreifen auf Asphalt erreicht.

Sei es ihnen gegönnt.

 
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