Cabrio-Special 2013
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Galerie: Erster Test Porsche Boxster S PDK

Erster Test: Porsche Boxster S PDK

Kleiner Porsche, großes Kino

16.03.2012

Der Boxster fristete unterm legendären Elfer lange ein Schattendasein, wurde als Frauen-Porsche oder Edel-MX-5 für Wichtigtuer gerne belächelt, von betuchteren Porsche-Jüngern oft mit Geringschätzung bestraft. Das könnte sich in seiner jetzt startenden dritten Auflage ändern, denn der Boxster begeistert im smartem Powerdress mit Fahrspaß auf 911er-Niveau für den halben Preis. Was der Boxster nie so recht war, ist er jetzt endgültig geworden: Ein Traumauto, der dem Elfer durchaus die Show stehlen kann.

Allein schon optisch setzt der Boxster neue, eindrucksvolle Akzente, spannt sich seine eng anliegende Blechhaut dramatisch und scharf über das Mittelmotor-Chassis, ohne dabei mit seiner Silhouette an den Ur-Vater VW Käfer erinnern zu wollen, wie dies etwa der 911 seit fast fünf Dekaden macht. Der Roadster kommt also erfrischend neu daher.

Dennoch zitiert der Boxster auch Historisches aus dem Porsche-Fundus. Beispiel Scheinwerfer: Die fast senkrecht stehenden Rechtecke mit übereinander angeordneten Leuchteinheiten sollen an die Rennwagen 906 bis 917 aus den 1960er und 70er Jahren erinnern. Es finden sich in der dynamischen Außenhaut aber auch Zitate jüngerer Porsche-Ikonen wie der Hybrid-Flunder 918 oder dem V10-Monster Carrera GT. Und dann sind da noch ganz eigene Optik-Innovationen wie der im Heckdeckel integrierte Spoiler, dessen scharfe Abrisskante von den Heckleuchteneinheiten geschickt aufgenommen wird.

Maskuliner

Galerie: Erster Test Porsche Boxster S PDKEntscheidend ist jedoch, dass die Gesamtkomposition in faszinierender Weise die Muskeln spielen lässt, der Boxster deutlich erwachsener, maskuliner und rennwagenartiger als seine Vorgänger daherkommt. Verantwortlich hierfür sind beispielsweise ein sehr flacher Vorderwagen, kurze Karosserieüberhänge, das satte Verhältnis von Höhe zur Breite, oder die großen Radhäuser, die bis zu 20 Zoll große Räder aufnehmen können. Die beste Figur macht der Boxster, wie fast alle Roadster, selbstredend mit geöffnetem Dach.

Bei frühlingshaften Temperaturen rund um Nizza sind wir auf unserer ersten Testfahrt entsprechend offen gefahren. Bereits die Dach-Choreografie stimmte uns auf den zu erwartenden Geschwindigkeitsrausch ein, denn das vollelektrische Verdeck faltet sich auf Knopfdruck nach lediglich neun Sekunden vollständig hinter den beiden Sitzen elegant zusammen, sogar während der Fahrt bis zu 50 km/h. Lässt man dann noch die Seitenscheiben oben, bekommt man zwar stets eine angenehme Frischluftbrise um die Ohren, doch erreicht diese zumindest bis Landstraßentempo auch dank eines Mini-Windschotts (knapp 300 Euro Aufpreis) zwischen den Kopfstützen keine Orkanstärke.

Platz für großes Gepäck, aber wenig Ablagen

Galerie: Erster Test Porsche Boxster S PDKUnd so kann man auch dank des guten Platzangebots sehr entspannt im neuen Boxster selbst auf lange Tour gehen. Ja, der Boxster taugt sogar als Reisemobil, denn unsere beiden Trolleys passten locker in die beiden Stauräume (150 plus 130 Liter), die sich jeweils unter Front- und Heckklappe befinden. Nicht ganz so praktisch lassen sich jedoch Jacken, Pullis oder anderer Kleinkram in der Fahrgastzelle unterbringen, denn hier sind so gut wie keine Ablagemöglichkeiten vorhanden.

Angesichts der Ablagenproblematik mag man etwas wehmütig an den Elfer denken, der mit seiner kleinen Rückbank und den beiden Notsitzen ein deutlich alltagstauglicher Supersportler ist. Doch ansonsten finden die beiden Fahrgäste im neuen Boxster eine optimale Sitzposition, reist man auf Leichtbau-Sportsitzen selbst auf längeren Strecken ermüdungsfrei und entspannt. Zudem lässt sich der Boxster mit reichlich Annehmlichkeiten aufrüsten und versprüht das hochwertig verarbeitete Interieur gediegene Wohlfühlatmosphäre und Premium-Qualität, wie sie bisher dem 911er vorbehalten war.

Ungemein sportlich

Galerie: Erster Test Porsche Boxster S PDKDoch faszinierender als der Innenraum-Luxus ist das Fahrerlebnis. Auf kurvigem Geläuf macht der Boxster den Elfer schnell vergessen, konnte Porsche dank der dezenten Gewichtsreduzierung auf 1.350 Kilogramm, einer Leistungsspritze und einer steiferen Karosserie das bislang hohe Dynamik-Niveau des Vorgängers noch deutlich heraufsetzen. Für die von uns gefahrene Stark-Version S in Kombination mit dem Doppelkupplungsgetriebe PDK lauten die Eckdaten: 315 PS, 360 Newtonmeter, 4,8 Sekunden von null auf 100 und 277 Spitze (Handschalter sogar 279 km/h). Und mit noch einem Wert kann Porsche sportlich orientierten Fahrern den Mund wässerig machen: Nach Angaben des Herstellers soll die Mittelmotor-Flunder die Nordschleifenrunde in kurzweiligen 7:58 Minuten wegputzen.

Und obwohl der Boxster ein aufgepumptes Muskelpaket ist, gibt er sich beim Spritverbrauch bemerkenswert zurückhaltend – zumindest in der Theorie sollen es beim S auch dank des serienmäßigen Start-Stopp-Systems und der Benzindirekteinspritzung bescheidene 8,0 Liter sein, wobei sich praktisch für digital fahrende Bestzeitenjäger dieser Wert auch verdoppeln oder verdreifachen lässt.

Skalpellartigs Feinmechanikwerkzeug

Keine Frage, wer gerne mit einem Grinsen im Gesicht durch scharfe Biegungen fegen will, dem wird der Boxster selbiges in besonders breiter Form dorthin zaubern. Heckantrieb, eine zwar elektromechanische aber dennoch sehr präsize agierende, direkte und von Antriebseinflüssen freie Lenkung, eine ausgewogene Achsgewichtsverteilung und eine von Verwindungen freie Offen-Karossiere machen den kleinen Porsche zum skalpellartigen Feinmechanikwerkzeug für heißeste Kurvensamba. Das ist nicht nur gut, das ist auf diesem Preis- und Leistungsniveau referenzverdächtig.

Galerie: Erster Test Porsche Boxster S PDKDer hinter den Fahrgästen sehr lebhaft werkelnde 3,4-Liter-Sechszylinder-Benziner sorgt für fulminanten Vortrieb, handelt es sich bei dem Boxermotor um einen äußerst drehfreudigen Vulkan, der bis zur knapp unter 8.000 Touren liegenden Drehzahlgrenze unangestrengt wirkt. Nicht allein der Schub, auch die Akustik vermittelt den Insassen das Gefühl, in einer furiosen Fahrmaschine zu sitzen. Das Röcheln und Sprotzen entspricht weitgehend der hinlänglich bekannten Porsche-Klangwelt, wobei diese bei ruhiger Fahrweise angenehm dezent im Hintergrund bleibt. Herrlich klangvoll kommentiert wird es, wenn man vor Spitzkehren per Wippe hinterm Lenkrad zwei, drei Gänge runterschaltet und beim jeweiligen Ausschlagen des Drehzahlmessers bassiges Röcheln und turbinenartiges Kreischen aus dem Heck dringt.

Großes Dynamik-Kino bietet der Boxster, wenn man mit Schwung aus der Kurve raus beschleunigt, der Motor jenseits der 4.000 Touren beim Gasbefehl zu explodieren scheint und der Wagen den Willen des Fahrers dennoch wunschgemäß umsetzt, sich in die Kurve rein saugt und mit faszinierender Gutmütigkeit selbst ambitionierte Manöver sehr spielerisch umsetzt. Der Fahrer hat dabei stets ein gutes Gefühl dafür, ob das Heck nun nervös zu tänzeln beginnt. Dann nimmt man einfach etwas Gas weg, macht die Lenkung leicht auf und kann man lässig mit dem wie ein Brett auf dem Asphalt liegenden Roadster sauber den angepeilten Kurvenstrich ziehen. Und obwohl eine für den knallharten Einsatz bestens gerüstete Fahrmaschine, bot unser Testexemplar trotz seiner gummibedampften 19-Zoll-Räder sogar ein angenehm entspannten Federungskomfort, der übertriebene Härten kaum zulässt.

Preis ist heiß

Galerie: Erster Test Porsche Boxster S PDKAngesichts des gebotenen Spaßfaktors ruft Porsche im Fall des Boxsters einen erstaunlich moderaten Kurs ab, denn für bereits 48.000 Euro kann man in den Boxster-Kosmos einsteigen. Damit liegt der Zuffenhausener auf etwa gleichem Niveau mit vergleichbar motorisierten Varianten von Audi TT, BMW Z4 oder Mercedes SLK. Ein richtiges Schnäppchen ist der Boxster im Vergleich zum offenen 911, der in der Basis bereits über 100.000 Euro kostet.

Bei dem Basis-Boxster handelt es sich allerdings um den etwas zaghafteren Boxster ohne S, der mit seiner 2,7-Liter-Maschine lediglich 265 PS und etwas schwachbrüstige 280 Newtonmeter abliefert. Ein lahmes Entchen ist die Basisversion damit keineswegs, doch mehr Faszination bietet der mindestens 59.000 Euro teure Boxster S selbstredend mehr Faszination.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Porsche Boxster
Motor / Ausstattung   S DKG
Motor    
Hubraum (Kubikzentimeter / Bauart)   3.436 / Boxer-6
Leistung (kW (PS) / U/min)   232 (315) / 6.700
Drehmoment (Nm / U/min)   360 / 4.500 - 5.800
Antriebsart   Heckantrieb
Getriebeart   7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.374 / 1.801 / 1.282
Radstand (mm)   2.475
Wendekreis (m)   11
Leergewicht  (kg)   1.350
Kofferraum (Liter, nach DIN)   280
Serienbereifung   v: 235/40 ZR 19, h: 265/40 ZR 19
Verbrauch    
Krafstoffart   Benzin
EU-Zyklus (l/100km)   8
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   188 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   k. A.
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   4,8
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k. A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k. A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   277
Preise    
ab (Euro)   61.946,00
Ausgewählte Extras (Euro)   PDK für 2.826,25
 
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Die Boxster-Basis verfügt übrigens über eine bereits ordentliche Ausstattung, die Sportsitze mit elektrischer Lehnenverstellung und Alcantara-Kunstleder-Bezügen, ein vollelektrisches Dach, eine elektrische Parkbremse, elektrische Fensterheber, ein Audiosystem mit 7-Zoll-Touchscreen, eine Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung, ein großes Farbdisplay im Kombiinstrument und sogar 18-Zoll-Räder umfasst. Eigentlich könnte das schon reichen, doch finden sich in der fast 80 Seiten starken Preisliste enorm viele attraktive Extras, und hat man mit wenigen Häkchen ganz leicht eine fünfstellige Summe für Zusatzausstattung zusammen.

 
Fazit

Mario Hommen

Bingo: Porsches neuer Boxster hat in der dritten Generation die Kurve gekriegt, kommt eigenständig, selbstbewusst, souverän und bereits in der Basisversion sogar anständig ausgestattet daher. Der äußerst ansehnliche Roadster bietet echtes und reinrassiges Porsche-Feeling, ohne dabei in die ziemlich abgehobenen Preissphären des 911 abzudriften. Vielmehr bewegt sich der Boxster finanziell auf dem Niveau seiner deutschen Premium-Mitbewerber wie TT, SLK und Z4, die er fahrdynamisch allerdings in die Tasche stecken dürfte.
 
 

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