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Galerie: Erster Test Volvo V60

Erster Test: Volvo V60

In aller Konsequenz

15.09.2010

Es scheint alternativlos. Wer im Premium-Segment mit einem Mittelklasse-Kombi Erfolg haben will, muss  schnittiges Aussehen und ein ebensolches Fahrverhalten bieten. Diesem Duktus folgt Volvo mit dem neuen V60 in aller Konsequenz. Dem Zeitgeist zum Opfer fällt dabei allerdings der eigentliche Kombi-Kernwert: ein familienfreundliches Stauraum-Angebot. Dynamik-Ästheten dürfte der radikale Pseudo-Kombi hingegen viel Spaß bereiten.

Zeitgeist versprüht der V60, der kurz nach dem Marktstart seiner Schwester-Limousine S60 ab November 2010 in Deutschland zu haben ist, reichlich. Herrlich kraftvoll und mit vielen dynamischen Linien im Blechkleid kommt der Schwede elegant durchgestylt daher. Schickes LED-Tagfahrlicht, edle Felgen und ein coupéhaft wirkendes Heck – nach kastigem Familien-Nutzwertoptimierer sieht das wahrlich nicht mehr aus. Traditionalisten könnte dieser Umstand befremden, verkörperten Volvo-Kombis doch einst genau diesen Typus.

Galerie: Erster Test Volvo V60Die appetitliche Form des V60 sorgt neben eingeschränkter Sicht nach hinten für einen entsprechend kleinen Kofferraum, der sich von normal 430 auf maximal lediglich 1.241 Liter erweitern lässt. Selbst im Kleinwagen-Segment finden sich viele Kombis mit deutlich mehr Gepäck-Volumen. Immerhin bietet der formidabel gezeichnete Schwede einige praktische Nutzwert-Extras wie eine aufstellbare Zwischenwand, Taschenhaken, Verzurrösen, Extrafächer unterm Kofferraumboden, eine ebene Ladefläche oder die serienmäßig im Verhältnis 40:20:40 umlegbare Lehne der Rückbank. Das einfache Umlegen der hinteren Sitzbank funktioniert allerdings nur über Hebel an der Lehne, eine praktischere Fernentriegelung vom Kofferraum aus ist nicht möglich. Und die Heckklappe selbst lässt sich nur manuell öffnen und schließen.

Schick und sicher

Volvo V60Wie schon beim Stauraum, so ist auch das Platzangebot für die Passagiere raumökonomisch angesichts von 2,78 Meter Radstand nicht gerade berauschend. Sitzriesen werden zumindest im Fond mit der Kniefreiheit hadern, die Kopffreiheit ist dank der nach hinten nur leicht abfallenden Dachlinie hingegen gut. Außerdem verwöhnt der Mittelklässler in der ersten Reihe mit einem aufgeräumten, etwas kühl anmutendem Premium-Flair. Schicke Softoberflächen, gute Verarbeitung und einige Edelakzente sorgen für gehobenes Wohlfühl-Ambiente. Während der Bereich um das Lenkrad recht aufgeräumt ist, wirkt die freischwebende Mittelkonsole hingegen mit Schaltern fast überfrachtet. Ebenfalls etwas verwirrend ist die Bedienlogik des Navis, die sich einer intuitiven Nutzung sperrt.

Der Volvo ist allerdings mit einer gehörigen Menge an Funktionen und Technik vollgestopft. Neben den üblichen Komfortdetails wie Klimaautomatik, Premium-Audio und dem Navi-Multimedia-System sind zudem noch diverse Sicherheitsextras an Bord. Dazu gehören das serienmäßige Radar-System City-Safety sowie ein neues Fußgänger-Radar-System, ein Tot-Winkel-Warner, ein Spurverlassens-Warner, ein Müdigkeits-Warner und sogar ein Alcoguard. Letzterer verhindert das Losfahren, sollte der Fahrer bei Fahrtantritt eine selbst auferlegte Promille-Grenze überschreiten. Die vielen intelligenten Rückhaltesysteme und diversen elektrischen Helferlein gehören bei Volvo ja bereits seit Jahren zum guten Ton. Zumindest beim Thema Sicherheit bleibt der V60 den traditionellen Kernwerten der Marke Volvo in aller Konsequenz treu.

Neues Fahrspaß-Niveau

In neue Sphären stößt der V60 hingegen beim Fahrspaß-Niveau vor. Ganz zu Recht bezeichnet Volvo seinen jüngsten Wurf als das sportlichste Modell seiner nunmehr über 80 Jahre dauernden Autobau-Geschichte. Trotz aller Dynamik-Ansprüche bietet die breite Motorenpalette auch besonders effiziente Aggregate wie einen 115 PS starken 1,6-Liter-Diesel, der nur knapp über vier Liter brauchen soll, hinsichtlich Längsdynamik allerdings nur mäßige Freuden verspricht. Das obere Ende markiert dafür ein knapp über 300 PS starker Benziner mit serienmäßigem Allradantrieb. Spannende Kompromisse aus Spritzigkeit und Effizienz bieten die von uns getesteten Varianten D3 und T4.

Volvo V60Eine Empfehlung wert ist der 163 PS und 400 Newtonmeter starke D3. Der Fünf-Zylinder-Diesel bietet neben angenehmer Laufkultur einen sämigen Durchzug. In der Praxis dürfte sich der Verbrauch trotz Auto-Stopp-System wohl so um sieben Liter einpendeln, denn die 5,5 Liter Normverbrauch bilden ja nur die Prüfstand-Realität ab. Auf der Straße ist man meist etwas flotter unterwegs, zumal der Diesel hierfür einen entsprechend spaßigen Durchzug bietet.

Knapp neun Sekunden dauert der Standardsprint, bei 220 km/h endet der Vortrieb. Störend beim Diesel sind allerdings ein deutliches Mehrgewicht auf der Vorderachse, leichte Antriebseinflüsse in der Lenkung und ein kurzer Kupplungsweg, der bei ungeübten Fahrern gelegentlich ein Abwürgen des Motors beim Anfahren provoziert. Und akustisch kann der D3 sein Dieselnaturell in dem an Windgeräuschen sonst sehr armen Innenraum nicht völlig kaschieren.

Neuer Benziner

Galerie: Erster Test Volvo V60Etwas laufruhiger gibt sich der 180 PS starke 1,6-Liter-Benziner im T4. Der turbogeladene Benzindirekteinspritzer reagiert sehr spontan auf Gasbefehle, wobei das sechsstufige Doppelkupplungs-Getriebe Powershift gelegentlich mit dieser Spritzigkeit nicht ganz mitzuhalten scheint. Zumindest quittiert der Motor den Tritt auf Gaspedal gelegentlich mit etwas hektischem Hoch- und Runterschalten. Dennoch ist das Getriebe aufgrund des hohen Komforts, der nicht vorhandenen Zugkraftunterbrechung und den kurzweiligen Schaltvorgängen eine tolle Getriebe-Alternative.

Das T4-Aggregat selbst sorgt trotz der gerade einmal 240 Newtonmeter Drehmoment und 1,6 Liter Hubraum für ein erstaunlich fülliges Vortriebsgefühl. Allerdings nennt Volvo noch keine genauen Fahrleistungen und verweist lediglich auf einen angesichts der Leistung recht niedrigen Normverbrauch von 7,2 Liter.

Straffes Fahrwerk, spitze Lenkung

Galerie: Erster Test Volvo V60Neben starken Motoren und dem Doppelkupplungs-Getriebe sorgt noch die Fahrwerksabstimmung für gehobene Fahrfreuden. Die Lenkung reagiert vergleichsweise spitz, das Fahrwerk ist verbindlich straff, die Karosserie absolut verwindungssteif. Leichte Komfortabstriche muss man angesichts dieser Auslegung zwar hinnehmen, doch liegt der V60 dafür in schnellen Kurven sehr satt auf der Straße, wankt kaum und hat seinen Grenzbereich ziemlich weit hinten angesiedelt.

Zusätzlich hilfreich ist eine ESP-Unterfunktion, die im Grenzbereich das kurveninnere Rad leicht einbremst und so den Wagen wendiger erscheinen lässt. Etwas gefehlt hat uns allerdings das Gefühl für den direkten Straßenkontakt. Angesichts der umfassenden Regeltechnik bekommt der Fahrer kaum mehr mit, was zwischen Fahrbahn und Rädern eigentlich gerade passiert.

Günstiger als die Mitbewerber

Volvo V60Auf preissensible Kunden nimmt Volvo dafür etwas mehr Rücksicht. Traditionell positioniert sich Volvo unterhalb der direkten Mitbewerber-Modelle deutscher Hersteller, so auch der V60. Dieser kostet in der Basisversion mit dem 150 PS starken T3 28.000 Euro. Will man Audi A4 Avant, BMW 3er Touring oder Mercedes-Benz C-Klasse T-Modell mit jeweils etwa gleichstarken Benzinmotoren, muss man zwischen 2.500 und 6.000 Euro mehr bezahlen.

Dabei kommt der Volvo V60 in der namenlosen Basisversion nicht ganz nackt daher. Zur Serienausstattung gehören dann bereits ein CD-Radio mit Farbdisplay, elektrische Fensterheber, eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik und die Auto-Stopp-Funktion. Besonders umfangreich ist zudem die Sicherheitsausstattung, die neben diversen Airbags und dem ESP mit einigen Unterfunktionen sogar noch  die so genannte City-Safety-Technologie zur Vermeidung von Auffahrunfällen bietet. Für neue Extras wie das Fußgänger-Erkennungs-System verlangt Volvo 1.950 Euro, das Powershift-Doppelkupplungs-Getriebe schlägt mit 2.100 Euro zu Buche.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Volvo V60 T4 Powershift   Volvo V60 D3
Ausstattungsvariante        
Abmessung und Gewicht        
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.628/ 1.865 / 1.484   4.628/ 1.865 / 1.484
Radstand (mm)   2.776   2.776
Wendekreis (m)   11,3   11,3
Leergewicht (kg)   k.A.   k.A.
Kofferraum (Liter)   430 - 1.241   430 - 1.241
Bereifung Testwagen   215/55 R16   215/55 R16
Motor        
Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart)   1.598 / 4, Reihe   1.598 / 4, Reihe
Leistung (PS)   132 (180)   120 (163)
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   240 / 1.600 - 5.000   400 / 1.400 - 2.750
Antriebsart   Frontantrieb   Frontantrieb
Getriebeart   6-Gang-Doppelkuppung   manuelles 6-Gang-Getriebe
Verbrauch        
Krafstoffart   Benzin   Diesel
Kombiniert laut Werk (l/100km)   7,2   5,5
CO2-Emissionen (g/km)   169   k.A.
AS24-Verbrauch (l/100km)   k.A.   k.A.
Fahrleistungen        
Werksangabe 0-100km/h (s)   k.A.   ca. 9,2
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k.A.   k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k.A.   k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   k.A.   ca. 220
Preise        
ab (Euro)   30.900   32.650
Empfohlene Extras   Elektrisches Schiebedach für 980 Euro   Elektrisches Schiebedach für 980 Euro
 
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Fazit

Mario Hommen

Volvo und Kombis haben eine lange Tradition (siehe Bericht). Ganz in dieser Tradition bewegt sich der neue V60-Kombi zumindest beim Thema Sicherheit. In der Mittelklasse ist der Schwede hierin so ziemlich das Maß der Dinge. Bei der Stauraum-Größe könnte der V60 allerdings traditionsbewusste Volvo-Kombi-Käufer abschrecken, denn die reine Literzahl vom Maximal-Stauraum ist fast ein Witz. Eine respektable Größe fiel beim variabel nutzbaren Gepäckabteil der schönen Linie zum Opfer. Dank dieser Linie ist es Volvo im Gegenzug gelungen, einen eindrucksvollen Dynamiker auf die Räder zu stellen, der seinen optischen Eindruck mit entsprechenden Motoren auch überzeugend auf die Straße bringt. Familienfreundlich ist das allerdings kaum mehr.
 

Volvo V60

 

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