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Gebrauchtwagen-Kaufberater: Saab 9-5

Gebrauchtwagen-Kaufberater: Saab 9-5

Understatement mit Turbo-Kick

27.03.2006

Saab ist wie Knäckebrot: gut, aber nicht jeder mag es. Die Traditionsmarke gehört hier zu Lande zu den unbedeutenden Anbietern. Gerade mal 6.000 Autos haben die Schweden im vergangenen Jahr in Deutschland abgesetzt. Die Modelle sprechen wohl nur Individualisten an - Menschen, die partout keinen Mercedes, BMW oder Audi fahren wollen.

In diese Nische fährt der 9-5, der Konkurrent von Audi A6, Mercedes E-Klasse und BMW 5er. 1997 feierte der Schwede sein unauffälliges Debüt. Die Designer folgten alten Saab-Tugenden: konservativ, ohne Neuigkeitswert. Eben nur nicht auffallen.

Motor und Antrieb

Den Saab-Technikern kann man eine gewisse Eigenwilligkeit nicht absprechen. Während die etablierten Vertreter der oberen Mittelklasse ab einem bestimmen Hubraum auf sechs Zylinder setzen, verzichten die Schweden weitgehend darauf. Sie bauen tapfer Vierzylinder in ihre Autos ein - aber mit Dampf. Die Aggregate werden von Turboladern zwangsbeatmet.

Gebrauchtwagen-Kaufberater Saab 9-5Als Basistriebwerk fungierte beim 9-5 ein aufgeladener 2,0-Liter mit 150 PS. Neupreis damals rund 28.000 Euro. 240 Nm bei 1.800 U/min sind nicht gerade üppig für eine 1,4 Tonnen schwere Limousine. Die Fahrleistungen sind dennoch akzeptabel. Für den Standardsprint benötigt der Schwede zehn Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit beträgt 215 km/h. Dabei begnügt sich der Vierzylinder in der Regel mit knapp zehn Litern Super auf 100 Kilometer. Dynamischer kommt der 2,3-Liter daher. Er wirkt durchaus kräftig (280 Nm bei 1.800 U/min) und treibt die 4,8 Meter lange Limousine dank seiner 170 PS flott voran. In 8,5 Sekunden durcheilt der 2,3-Liter die 100 km/h-Marke, erst bei 225 km/h geht ihm die Puste aus. Auch dieser Vierzylinder lässt es bei zehn Litern Super bewenden. Beide Aggregate sind trotz der fehlenden zwei Zylinder durchaus kultiviert und dank Ausgleichswellen laufruhig. Das leise Pfeifen des Turboladers macht sie sogar sympathisch. Von einem Turboloch ist nichts zu spüren.

In den letzten Jahren wurde die Leistung beim 2,3-Liter in zwei Stufen auf 185 und 220 PS erhöhnt. Top-Modell war der 2,3-Liter Aero mit 230 PS (ab 2001 mit 250 PS) - ein wilder Bulle mit heftigen Traktionsproblemen. Zuletzt brachte es der Aero gar auf 305 PS - ein Sportwagen mit Ladeabteil und extrem hohen Unterhaltskosten - Vorsicht ist also angebraucht. Erst ab 3,0 Liter Hubraum findet sich im 9-5 überhaupt ein Sechszylinder. Der 200 PS starke V6 überzeugt. 310 Nm bei 2.100 Touren sorgen für erstklassige Kraftentfaltung bereits aus dem Drehzahlkeller. Die 8,3 Sekunden von null auf 100 km/h sowie die 235 km/h in der Spitze sind standesgemäß. Allerdings konsumiert der V6 auch locker mal über elf bis 14 Liter Super Plus - ein Manko.

Wer viel unterwegs ist, greift gleich zu den Dieselmotoren. Zwei Common-Rail-Aggregate stehen zur Wahl: ein 2,2 Liter-Vierzylinder mit 125 PS und ein 3,0-Liter-V6 mit 176 PS. Beide Motoren sind durchzugsstark, kultiviert und sparsam. Zwischen sechs und sieben Liter reichen in den meisten Fällen aus.

Die Schwäche des 9-5 ist sein Fahrwerk. Es ist alles andere als ausgewogen. Die Federung spricht auf Unebenheiten empfindlich an - die schwache Dämpfung ist in vielen Situationen überfordert. Vertikale Schwingungen verderben dann vor allem Fondpassagieren die Tour. Zudem ist der 9-5 nicht sonderlich fahraktiv. Seine indirekte Lenkung lässt Feingefühl vermissen und frei von Antriebseinflüssen ist sie auch nicht. Da der Schwede in engen Kurven mächtig über die Vorderräder schiebt, sind ständige Lenkkorrekturen an der Tagesordnung. Ist die Fahrbahn überdies nass, hat der 9-5 obendrein noch mit heftigen Traktionsproblemen zu kämpfen - die Turbos fordern eben ihren Tribut. Dafür glänzt der Saab mit standfesten Bremsen.

Karosserie und Innenraum

Gebrauchtwagen-Kaufberater Saab 9-5Der 9-5 überzeugt durch innere Größe. Das Raumangebot ist üppig, das Raumgefühl nur auf den bequemen Vordersitzen durch den mächtigen Armaturenträger leicht eingeschränkt. Doch das zum Fahrer hin ausgerichtete Cockpit bietet auch handfeste Vorteile. Alle Schalter und Hebel lassen sich mühelos erreichen. Das Interieur ist vor allem in der gehobenen SE-Version sehr hochwertig. Holz und Leder dominieren - das Ganze wirkt solide und ist auch gut verarbeitet. Klappern gehört beim 9-5 also nicht zum Handwerk, das Finish ist okay.

Das Platzangebot im Fond liegt über dem Klassenniveau, auf den Rücksitzen reisen vier Passagiere ausgesprochen kommod. Der Zustieg zu den Fondsitzen ist wegen des schmalen Türausschnitts allerdings nicht so bequem. Zu den Vorzügen des 9-5 gehört zweifellos auch das große Ladeabteil, das durch die ab Werk umklappbaren Rücksitze noch deutlich vergrößert werden kann - damals noch keine Selbstverständlichkeit in dieser Klasse. 500 Liter schluckt der glattflächige Kofferraum - genug für ausgedehnte Touren. Wer regelmäßig größere Transportjobs zu bewältigen hat, sollte sich gleich nach dem Kombi umsehen. Er sieht nicht nur dynamischer aus, er bietet eben auch handfeste Vorteile. Magere 416 Liter sind es in der Grundkonfiguration, aber insgesamt passen 1.490 Liter hinein. Das kann sich sehen lassen. Der ausziehbare Ladeboden erleichtert zudem das Beladen.

Unser Tipp: Egal ob Limousine oder Kombi, suchen Sie eine SE-Version. Sie bietet in dieser Klasse feudalen Luxus: Wurzelholz, Leder, Klimaanlage, Audiopaket mit CD-Spieler und vieles mehr. Ein Navisystem sucht man allerdings vergeblich, das gab es bei Saab zu diesem Zeitpunkt noch nicht. 2001 erfolgte ein dezentes Facelift.

Fazit

Der 9-5 ist ein klassischer Saab: anders und doch irgendwie vertraut. Viel falsch machen kann man mit diesem Auto nicht. Bekannte Mängel sind defekte Steuergeräte und feuchte Zündkerzenkabel bei den älteren Versionen. Allerdings steht der Schwede in dem Ruf im Unterhalt nicht ganz billig zu sein.  

Der Markt

Das Angebot ist alles andere als reichhaltig. Allerdings gehört der 9-5 auch nicht zu den gesuchten Gebrauchtwagen, das erhöht wiederum die Chancen. Die Preise für einen 2.0 Stufenheck beginnen derzeit bei knapp 6.000 Euro, ein Kombi kostet rund 500 Euro mehr, ein Diesel ist kaum unter 10.000 Euro zu bekommen. Für Fans ist sicherlich der Aero - bei ihm beginnen die Preise bei rund 9.000 Euro für ein Baujahr 1999.

 
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