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Gebrauchtwagen-Kaufberater: VW Golf

Gebrauchtwagen-Kaufberater: VW Golf

König der Kompakten

15.07.2009

Generation Golf: Als der erste VW Golf im Frühjahr 1974 präsentiert wird, schockt er die Nation. Ein quer eingebauter Frontmotor treibt die Vorderräder an, die von Guigiaro designte Karosserie präsentiert sich praktisch und schnörkellos. Steile Heckklappe und Reihen-Vierzylinder statt Kugelrücken und Käfer-Boxer. VW baut künftig moderne Autos - unfassbar!

Doch das Konzept gefällt, und der Golf entwickelt sich zum Erfolg. Er wird der Namensgeber einer ganzen Klasse von Kompaktwagen und steigt zum meistverkauften Auto Deutschlands, ja zeitweise Europas, auf. Im Laufe der Zeit kommen immer neue Ableger hinzu: der legendäre GTI, der Diesel-Golf, das Cabrio, der Variant (Kombi) die Stufenheckvariante Jetta. Mit mehr als 25 Millionen gebauten Exemplaren wird der Golf immer zu den meist gebauten Autos aller Zeiten gehören.

Die erste Generation wird 1983 abgelöst und ist mittlerweile ein begehrtes Sammlerobjekt. Gut erhaltene Exemplare sind rar. Der Golf II läuft bis 1991 von den Bändern bei Volkswagen. Er brilliert mit Turbodiesel, 16-Ventil-GTI, G-Lader-Technik, Allradantrieb und bis zu 160 PS. Die wenigen VW Golf II G60 mit Hochdruck-Verdichter in Schneckenform sind entweder verdammt schnell oder verdammt schnell kaputt. Der Hintergrund sind schlecht zu beherrschende Toleranzen bei der G-Lader-Fertigung. Das ist auch der Grund, warum Volkswagen beim Golf III auf diese Technik verzichtet. Den Golf III gibt es übrigens erstmals auch als Kombi. Praktisch aber nicht besonders hübsch. Im Herbst 1997 wurde der Golf IV vorgestellt, der bis 2003 tagtäglich in vierstelligen Stückzahlen und diversen Varianten weltweit gebaut wurde. Sein Nachfolger, der VW Golf V wurde im Herbst 2008 abgelöst.

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Golf II und III

Die Golf-Modelle der neunziger Jahre verfügen über eine nahezu unüberschaubare Palette von Diesel- und Ottomotoren mit Hubraumgrößen von 1,4 bis 2,9 Litern und Leistungen zwischen 60 und fast 200 PS. Die Triebwerke genießen allesamt den guten Ruf, technisch solide zu sein. Lediglich die Zahnriemen der TDI-Versionen und die Steuerketten der Sechszylinder-Benziner unterliegen einem erhöhten Verschleiß. Besonders die VR6-Motoren (Golf III: 174 PS und 193 PS, Golf IV: 204 PS) sind bei jüngeren Käufern beliebt. Das heißt: meist wenig Service und hohe Drehzahlen.

Grundsätzlich empfiehlt sich bei PS-starken Modellen vor dem Kauf ein Kompressions- beziehungsweise Leistungstest auf dem Prüfstand durchführen zu lassen. Schlechte Werte bei der Abgasuntersuchung (AU) können ein Hinweis auf verschlissene Mechanik sein. Lassen beispielsweise die Kolbenringe aufgrund von Abnutzungen zu viel Öl in die Brennräume, gehen die Abgaswerte rasant nach oben. Hier sind die Inspektionsintervalle sklavisch einzuhalten. Für Knauserer sind vor allem die TDI-Ausführungen empfehlenswert. Ihr gutes Verhältnis von Verbrauch (um 5l/100km) und Fahrleistung macht schon die alten Modelle zu Sparmeistern, der höhere Steuer- und Versicherungskosten speziell für Vielfahrer rasch kompensiert. Jedoch ist es schier unmöglich, einen Golf III TDI mit unter 100.000 Kilometern zu ergattern. Und wenn, sind die Preise jenseits von Gut und Böse.

Wer lieber einen Benziner fährt, sollte sich vor allem die 1,8 Liter Versionen mit 75 oder 90 PS genauer anschauen. Sie bieten gute Laufkultur, hohes Drehmoment und erfreuliche Genügsamkeit beim Verbrauch. Gleichzeitig sind sie robust und unanfällig.

Golf IV

Beim Golf IV sind vor allem der 150-PS-Turbo-Benziner und der 1,6-Liter mit 102 PS eine Empfehlung. Lieber die Finger lassen sollte man vom 125-PS-starken 1.8 mit Fünfventil-Technik. Er ist nicht unbedingt laufruhig und verbraucht zu viel Benzin. Die Dieselmotoren im Golf IV besaßen bis auf den 1.9 SDI alle Turbolader. Zu achten ist hier auf die Schadstoff-Einstufung. Erst ab Modelljahr 2003 gibt es Modelle mit grüner Plakette. Der stärkste Diesel generierte aus 1,9-Liter-Hubraum 150 PS. Ihn gab es, wie auch den 1.9 TDI mit 100, 115 und 130 PS auch als Allrad-Version. Gebrauchtwagen-Kaufberater VW Golf

Auf vier angetriebene Räder können auch einige 2.0 (115PS), 1.8 (125 PS) und 1.8T (150 und 180 PS) setzen. Beim 2.8 V6 gehörte der Haldex-Allradantrieb 4Motion stets zur Serienausstattung. Achtung: Die Ölwechselintervalle der Lamellen-Kupplung müssen alle 30.000 Kilometer durchgeführt werden, das kann ins Geld gehen. Den Allradantrieb serienmäßig besaß auch der R32, die Golf-Rakete schlechthin. Mit 240 PS aus einem Ketten getriebenen 3,2-Liter-VR6-Motor düpierte er die Konkurrenz. Hier setze VW erstmals auch das Direktschaltegtriebe DSG ein. DSG vereint den Komfort einer herkömmlichen Wandler-Automatik mit der Sportlichkeit eines sequenziellen Getriebes. Schalten ohne Zugkraftunterbrechung in Bruchteilen einer Sekunde war bislang im Serien-Automobilbau nicht möglich.

Golf V

Für den Golf V gab es dann schon fast von Produktionsbeginn 2003 das DSG für alle Dieselversionen ab 105 PS. Hier hatte der Kunde die Wahl zwischen dem 1.9 TDI (105 PS), dem 2.0 TDI mit Zweiventiltechnik (140 PS) und später dem 2.0 TDI Vierventiler mit 170 PS und Piezo-Pumpe-Düse-Einspritzung. Modelle mit eigentlich wartungsfreien Rußpartikelfilter machen hin und wieder durch verstopfte Staubfänger auf sich aufmerksam.

Auf der Benziner-Seite wurden die 1.4 (75 PS) und 1.6 (102 PS) Liter beibehalten. Neu hinzu kamen der 1.6-FSI-Benzin-Direkteinspritzer mit 115 PS. Volkswagen lobte ihn als Spritspar-Waffe. Zwar konnte man den Motor im Teillastbereich tatsächlich sehr spritsparend fahren, aber dafür lief er rau, laut und hatte gefühlt nicht mehr Leistung als der 1.6. Als stärkere Alternative gab es noch den 2.0 FSI mit 150 PS, auf Wunsch auch mit Allradantrieb. Sowohl der 1.6 als auch die beiden FSI (Fuel Stratified Injection) gab es mit einer Sechsgang-Automatik.

Gebrauchtwagen-Kaufberater VW GolfEmpfehlenswerter ist der ab 2007 produzierte 122-PS-TSI. Hier vertraute VW auf einen 1,4-Liter-Direkteinspritzer mit Turbolader, der die Leistung auf 122 PS schraubte und durch den Turboschub extrem sparsam (um sechs Liter) und gleichzeit flott bewegt werden kann (bis 200 km/h möglich). Bereits rund zwei Jahre zuvor führte VW den 1.4 TSI in einer 140- und im Sport-Modell GT gar in einer 170-PS-Variante ein. Beide Triebwerke werden via Turbolader und Kompressor gepuscht. Bislang gibt es erstaunlich wenig Ausfälle der komplexen Doppel-Aufladung. Dennoch setzt VW mittlerweile aus Kostengründen vermehrt wieder auf die Einturbo-Strategie.

GTI und mehr

Diese verfolgten sie schon Anfang 2005, als der GTI seine wahre Rennaisance erlebte. Der mehrfach mit dem "engine of the year"-Preis ausgezeichnete Motor macht alles richtig. Er kann extrem sparsam bewegt werden, bietet schier endlose Kraftreserven und eine sehr angenehme Akustik. Im Herbst 2006 folgte der GTI Edition 30, zum 30-jährigen GTI-Jubiläum. Die Leistung stieg passenderweise um 30 PS an. VW setzte hier auch einen verstärkten Grundmotor ein, der bis heute im Audi S3, Audi TT und anderen Modellen eingesetzt wird. Allradantrieb gibt es für die GTI-Modelle nicht.

Gebrauchtwagen-Kaufberater VW GolfDafür sind vier angetriebene Räder aber wieder serienmäßig im R32, der im September 2005 das Licht der Welt erblickte. Mit einem zum Golf IV fast unveränderten VR-Sechszylinder und nun 250 PS findet auch diese Modell wieder seine Fans. Die meisten R32 wurden mit DSG geordert.

Karoserie und Innenraum

Der Golf ist im Laufe von fünf Generationen stetig gewachsen, sowohl was seine Maße, als auch was die Zahl der Varianten angeht. Schon dem Ur-Golf werden Ende der 70er Jahre eine Stufenheck-Version namens Jetta und eine Cabrio-Variante zur Seite gestellt. Einen Golf Kombi gibt es jedoch erst ab 1993 in der dritten Generation. Der Renner im Programm ist aber von jeher die - zumeist fünftürige - Schrägheckvariante.

Rost ist bereits seit der zweiten Golf-Generation kaum ein Thema bei gepflegten Modellen: VW bietet seit langem einen guten Korrosionsschutz. Der Innenraum ist von jeher eher funktionell und praktisch als wohnlich und designorientiert gestaltet. Er bietet vorn ein gutes Raumangebot, während es hinten erst ab Golf IV auch für große Passagiere ausreichnd Platz gibt. Die Sicherheitsausstattung ist im Klassenvergleich in den letzten Jahren stets überdurchschnittlich: ABS, ESP, Airbags und Sidebags hielten nacheinander Einzug in die Serie. Der Golf V hat serienmäßig sechs Airbags.

+ starke, sparsame Motoren
+ hoher Wiederverkaufswert
+ hohe Zuverlässigkeit
+ kaum Korrosion
+ Turbo-FSI-Motoren
- hoher Wiederverkaufswert
- FSI-Motoren rau, laut und schlapp
- bei 2.0 TDI-Motoren mit Rußfilter setzt sich der Staubfänger hin und wieder zu

04/74 Einführung Golf I
08/76 Der GTI und Diesel
03/79 Golf Cabrio
08/83 Einführung Golf II
08/91 Einführung Golf III, drei 11/91 VR 6
09/93 Golf III Cabrio und Variant, Einführung TDI
09/97 Einführung Golf IV
12/98 ESP als Extra
03/03 Einführung Golf V
09/08 Einführung Golf VI

- Schadhafte Bremsschläuche (Golf II und III)
- Auspuffanlage verschleißfreudig
Golf IV
- Problemen der Fensterheber-Mechanik
- Luftmassenmesser oft defekt - Leistungsverlust
- Soft-Lack im Innenraum oft zerkratzt
- Glühlampen-Wechsel sehr aufwändig und teuer
- Benzinschläuche wenig haltbar
- Kaputte Zylinderkopfdichtungen bei den TDIs
Golf V
- Turbo-Motoren wurden oft mittels Chip-Tuning leistungsgesteigert
- flexible Wartungsintervalle - Ölwechsel meist nach 20.000 Kliometern fällig
- Auf den Wechsel des Zahnriemen achten. Entweder nach Kilometer-Vorgabe oder spätestens alle sechs Jahre

Fazit

Die Diesel-Versionen TDI gelten als erste Wahl. Sie sind sparsam im Verbrauch und und haben viel Kraft. Nachteil: Sie sind stark nachgefragt, daher teuer, haben oft viele Kilometer und wenn beispielsweise ein Pumpe-Düse-Element defekt ist, muss die gesamte Einheit getauscht werden. Das schlägt mit weit über 1.000 Euro zu Buche. Hände weg von TDIs mit Leistungssteigerung (Chip-Tuning).

Bei den älteren Benzinern sind vor allem die 1,8 Liter Motoren mit 75 oder 90 PS zu empfehlen. Während der Golf II als nahezu unzerstörbar gilt und sein Nachfolger bis heute als zuverlässiges, modernes Auto gelten kann, leistet sich der Golf IV einige Schwächen (siehe Kasten). Besser wurde das mit dem Golf V, auch wenn sich dort einige über die Innenraum-Anmutung beschweren. Der VW Golf ist ein zeit- und klassenloses Automobil

Der Markt

Der Golf spielt den Platzhirsch in seiner Klasse, logischerweise auch bei den Gebrauchten. Das Preisniveau ist entsprechend, die Konkurrenz ist oft günstiger zu haben - und bleibt dennoch meist länger auf dem Händlerhof stehen. Vor allem der Golf Variant ist bei Familien heute auch als Gebrauchtwagen gesucht. Die Versionen mit "Rucksack"; namens Jetta, Vento und Bora kranken hingegen unberechtigterweise an ihrem Hosenträger-Image und sind deshalb oft deutlich günstiger zu haben. Vor allem die leistungsstarken Benziner verfallen schneller im Preis als die Steilheck-Variante mit TDI-Motoren. Dabei sind die Benziner im Unterhalt (bis auf die Kraftstoffkosten) meist günstiger. (ol / red)

 
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